
Wie können wir mit dem Schmerz der Welt umgehen?
Es gibt so viele Dinge, die momentan auf der Welt passieren, die uns hilflos, traurig und ängstlich fühlen oder komplett dicht machen lassen, weil wir es nicht mehr hören können. All diese Reaktionen in Bezug auf Schmerz und Leid anderer führen dazu, dass wir uns noch mehr zurückziehen. Aber was wenn es eine andere Art gibt, darauf zu reagieren? Was wenn wir all diese Emotionen erlauben könnten und uns danach sogar noch liebender und bestärkter fühlen würden?
Transkription
Hallo zusammen,
Dieses Mal heute mal auf Deutsch.
Und zwar würde ich gerne mit euch das Thema,
Wie geht man eigentlich mit dem Leid von anderen Menschen um,
Wenn wir das tagtägliche Leben immer wieder Nachrichten hören von Menschen,
Denen es wirklich schlecht geht.
Ja,
Jetzt gerade vor Kurzem die Nachrichten aus Afghanistan,
In denen Menschen leiden,
In denen Frauen ihre Rechte weggenommen werden.
Aber es gibt so vieles,
Was auf der Welt gerade passiert,
Auch Covid und die Situation dazu.
Kinder,
Die nicht genug zu essen haben in verschiedenen Kriegsgebieten,
Aber auch Naturkatastrophen.
So vieles passiert und es scheint überhaupt kein Ende zu haben.
Im Gegenteil,
Es fühlt sich fast so an,
Als würde es immer mehr werden.
Und auch,
Weil wir durch Medien sehr viel mehr informiert werden darüber,
Was eigentlich überall passiert.
Und was das mit uns macht,
Ist,
Wir fühlen uns hilflos,
Vielleicht auch traurig.
Viele von uns wollen dann eigentlich nichts mehr hören,
Nichts mehr sehen,
Gucken sich die Nachrichten nicht mehr an,
Um einfach nicht noch mehr belastet zu werden.
Wenn wir es an uns ranlassen,
Bereitet es uns schlaflose Nächte.
Und generell ist es für uns wirklich schwierig,
Konstant mit diesem Leid von anderen konfrontiert zu sein.
Und was wir heute machen werden,
Ist,
Wir werden uns das Thema mal angucken.
Also zum einen,
Wie gehen wir mit dem Leid von anderen um?
Also welche Aspekte beeinflussen das denn?
Und auch so,
Warum ist eine bestimmte Situation für uns schmerzhafter als eine andere?
Und der zweite Teil,
Den wir uns angucken,
Ist,
Wie können wir trotzdem in Verbindung sein mit dem Leid anderer?
Ist auch fühlen.
Also es ist nicht einfach nur abkapseln oder unterdrücken.
Es ist wirklich fühlen,
Ganz authentisch fühlen.
Aber gleichzeitig nicht konstant,
Ja,
Dadurch uns schlechter fühlen oder sogar gesundheitliche Probleme haben oder nicht mehr schlafen können.
Also wie,
Was für einen Umgang können wir damit sonst noch haben?
Und ich werde euch im ersten Teil ein bisschen was davon erzählen,
Von der Theorie dieser beiden Themen.
Und im zweiten Teil werden wir eine Praxis machen,
Die diese beiden Aspekte vom Leid anderer und wie wir damit umgehen in eine Übung verpacken.
Weil am Ende die Praxis und das Kultivieren dieser Fähigkeit nur dadurch stattfindet,
Wenn wir eine Erfahrung darin gemacht haben und wenn wir es regelmäßig praktizieren.
Meine Hoffnung ist,
Euch damit zu unterstützen,
Besser mit dem Leid anderer auf dieser Welt umzugehen,
Aber auch noch besser zu verstehen,
Warum manche Dinge euch das Herz brechen und andere Dinge nicht ganz so.
Also einfach so ein bisschen mehr Wahrnehmung und Selbstreflexion reinzubringen in diese Themen,
Aber auch emotionale Wahrnehmung und emotionale Auflösung,
Wenn man so will.
Und gleichzeitig diese Kapazität zu erweitern,
Was auch immer auf der Welt geschieht,
Annehmen zu können.
Okay,
Also als allererstes mal gibt es zwei Aspekte,
Wenn es um das Leid anderer geht,
Wenn wir das wahrnehmen.
Und der erste Aspekt,
Auf den ich hinaus möchte,
Hat viel mit unserer Konditionierung zu tun,
Viel mit unserem Lebenslauf,
Mit dem,
Was wir erlebt haben im frühesten Alter.
Wenn jetzt eine Situation zum Beispiel,
Die jetzt gerade auf der Welt passiert,
Bei dir mehr Emotionen auslöst als eine andere,
Dann frag dich,
Was ist die Emotion,
Die es auslöst?
Ich nehme jetzt als Beispiel mal Hilflosigkeit.
Und wenn es wirklich ein starkes Gefühl ist,
Ist es ziemlich sicher so,
Dass dieses Gefühl nicht nur mit der Situation zu tun hat,
Sondern auch mit einer Situation,
Die du vielleicht früher mal hattest als Kind oder generell in deinem Lebenslauf immer wieder hattest,
In der du dich hilflos gefühlt hast.
Die Chance ist auch,
Dass du generell das Gefühl von Hilflosigkeit nicht magst,
Dass das etwas ist,
Was du total verabscheust oder wogegen du dich wehrst oder wo du sagst,
Ich will mich nie so fühlen.
Wenn du das jetzt gerade wiedererkennst,
Was ich sage,
Das kannst du natürlich auch auf andere Emotionen umwandeln wie,
Weiß ich nicht,
Vielleicht Panik oder Ängste oder vielleicht eine tiefe Trauer.
Je fundamentaler diese Emotion sich für dich anfühlt,
Umso größer ist die Wahrscheinlichkeit,
Dass du damit noch eine viel tiefere Geschichte in deinem Leben verbindest.
Und der erste Teil,
Um eben mit dem Leid andauer umzugehen,
Ist erstmal wieder nach innen zu gucken und auf uns selbst zu gucken und zu gucken,
Was davon hat denn eigentlich gar nichts mit dieser Situation zu tun,
Sondern vielmehr mit meiner eigenen Geschichte.
Und in dem Moment,
Wo wir Zugang dazu bekommen,
Was es eigentlich mit unserer eigenen Geschichte zu tun hat und wie es im Zusammenhang steht,
Was dann passiert ist,
Dass wir dann immer noch betroffen sind von der Situation in dieser Welt,
Aber es nicht mehr uns so stark betrifft.
Das heißt,
Wenn wir den Anteil in uns heilen,
Der diese Emotion verstärkt durch diese individuelle Biografie,
Die wir dazu mitbringen,
Dann fühlen wir das immer noch,
Aber es betrifft uns nicht mehr ganz so.
Das ist der erste Teil,
Den ich mit euch nicht nur gerne besprechen möchte,
Sondern auch,
Dass es einfach wichtig ist,
Wenn wir mit sowas konfrontiert sind,
Immer zu gucken,
Was daran ist eigentlich eine tiefere Emotion.
Und das gilt nicht nur für das Leid anderer,
Das ist auch,
Wenn wir einen Konflikt mit jemandem haben.
Also immer dann,
Wenn wir eine starke Emotion zu etwas haben,
Können wir immer gucken,
Was daran ist eigentlich Teil einer alten Geschichte,
Die wir mit uns tragen,
Einer wiederholenden Geschichte.
Und der zweite Teil,
Mit dem,
Über den ich mit euch gerne sprechen möchte,
Ist,
Wie wir auf das Leid anderer reagieren können.
Und also,
Wenn wir auf das Leid anderer so reagieren,
Dass es uns dann selbst stresst,
Dass wir das so empathisch wahrnehmen,
Dass es uns selbst bedrückt,
Dass wir nicht schlafen können,
Dass wir es fühlen,
Sogar fast schon körperlich in uns selbst genau dasselbe Leid verspüren.
Was das auslöst in uns ist,
Dass es uns stresst,
Dass es uns müde macht,
Dass es uns eher angespannt fühlen lässt und langfristig gesehen,
Wenn wir das immer wieder und immer wieder an uns ranlassen und damit nicht umgehen können,
Langfristig gesehen kann es wirklich sogar zum Burnout führen.
Das wurde zum Beispiel festgestellt bei Krankenschwestern,
Die viel mit leidenden Menschen zu tun haben,
Dass das für die auch ein ganz schön emotionaler Stress ist,
Der sie bis zum Burnout führen kann.
Jetzt ist was ganz Spannendes da,
Nämlich ein Phänomen,
Dass wir auf das Leid anderer anders reagieren können und dass wir uns diese andere Reaktion antrainieren können.
Und an dieser Stelle möchte ich ganz kurz eine große Lobesrede an Dr.
Tanja Singer aussprechen,
Die Neurowissenschaftlerin aus Leipzig ist und sich seit 20 Jahren mit diesem Thema beschäftigt und dabei bahnbrechende Erkenntnisse zum Thema Mitgefühl gebracht hat,
Die ich an dieser Stelle so unglaublich wichtig und auch spannend finde.
Nämlich,
Was sie festgestellt hat,
Ist,
Dass es diese zwei Reaktionen auf das Leid anderer,
Dass die nicht nur psychisch sind,
Sondern dass sie sogar physiologisch innerhalb unseres Gehirns sichtbar sind.
Nämlich,
Wenn wir in diesem Mitleid sind,
In dem,
Dass wir selber auch leiden,
Wenn wir jemand anderen beim Leiden zusehen,
Was dann auch passiert ist,
Ist,
Dass wir den Bereich unseres Gehirns ansteuern,
Der für Schmerz zuständig ist.
Deswegen ist es oft so,
Wenn wir das Leid anderer sehen,
Dass wir dann selbst so im Schmerz sind.
Durch eine Studie hat Tanja Singer aber festgestellt,
Dass es noch eine andere Reaktion gibt.
Und wie sie das gemacht hat,
Also sie hat sozusagen den Dalai Lama überredet,
Ja,
So ein paar Mönche in den Brainscanner stecken zu können.
Und ein Mönch,
Der in diesem Brainscanner war,
Ist Mathiuri K.
Und sie zeigte ihm Bilder von leidenden Kindern.
Und als er im Brainscanner war,
Stellte sie fest,
Dass er eine ganz andere Reaktion im Gehirn hat.
Also,
Dass ganz andere neuronale Wege angesteuert wurden bei dem Mönch,
Anders als bei den anderen Teilnehmern.
Sie holte den Mönch aus dem Gerät raus und fragte ihn,
Sag mal,
Was hast du denn jetzt gemacht?
Und er meinte,
Er hat Metameditation gemacht,
Also Mitgefühlsmeditation.
Und dann meinte sie,
Okay,
Ich stecke dich jetzt nochmal rein ins Gerät,
Bitte mach nichts,
Sondern guck dir das Bild einfach nur an.
Und als sie ihn wieder rausholte,
War er den Tränen nah und total betroffen und meinte,
Oh,
Ist ja richtig schwierig.
Aber als er die Metameditation gemacht hat,
Wurde in seinem Gehirn die Bereiche angesteuert,
Die für prosoziales Verhalten zuständig sind.
In anderen Worten,
Die Tatsache,
Dass er sich voll und ganz mit dem Schmerz dieser Person verbunden hat,
Aber gleichzeitig den Wunsch mit integriert hat und die Frage,
Was könnte dieser Person eigentlich helfen,
Hat ihm geholfen,
Dass er anstelle darunter zu leiden,
Sozusagen mit zu leiden,
Hat ihm geholfen,
Eine andere Reaktion zu haben,
Nämlich Mitgefühl in Kombination mit dem Wunsch der Person zu helfen.
Der Begriff im Englischen dafür ist Compassion.
Ich finde,
Im Deutschen sind die Begrifflichkeiten aus meinem Gefühl heraus nicht ganz so eindeutig,
Während Compassion ziemlich klar ist,
Diese Kombination aus Empathie zu anderen in Verbindung mit diesem Wunsch,
Diesen Schmerz der anderen in irgendeiner Weise gemindert zu sehen.
Was natürlich spannend ist,
Also erst mal diese Science ist natürlich großartig,
Dass die Wissenschaft sowas erforschen konnte,
Aber das Spannende ist auch,
Du musst jetzt nicht ein Mönch sein,
Um diese Praxis dir anzueignen oder auch diesen neuen Autopiloten,
Wenn du so willst,
Als neue Reaktion darauf,
Wenn du andere im Leid siehst,
Sondern du kannst diese Praxis auch machen und wir alle können sie machen und für mich persönlich war das eine der kraftvollsten Übungen,
Die ich über die Jahre gemacht habe.
Also ich persönlich habe auch einfach den Wunsch,
Generell mit mehr Mitgefühl und mehr Compassion durchs Leben zu gehen,
Auch eine mitfühlende Führungskraft zu sein,
Mitfühlend mit meinen Mitmenschen zu sein,
Aber auch immer wieder zu gucken,
Was ist im höchsten Service,
Was ist am dienlichsten für alle Beteiligten und was mir am meisten dabei hilft,
Ist eben diese Mitgefühl,
Meditation und Praxis,
Weil ich dadurch die Bereiche in meinem Gehirn mehr ansteuere,
Die für dieses prosoziale Verhalten zuständig sind und die diesen Service in den Vordergrund stellen.
Ja,
Also das sind diese zwei Aspekte,
Die ich gerne mit dir teilen wollte,
Wenn es um das Leid anderer geht,
Das Leid in der Welt,
Natürlich können wir nichts daran ändern,
Wir werden nicht alle diese Situationen verändern können,
Aber was wir machen können,
Ist einen anderen Umgang damit zu finden,
Der sich authentischer anfühlt,
Weil wir es nicht verneinen oder einfach wegdrücken,
Wenn man so will,
Aber gleichzeitig uns davon nicht die ganze Zeit übermannen zu lassen oder auch gesundheitlich,
Seelisch,
Psychisch beeinflussen zu lassen und ich finde sogar,
Wenn ich mich mit dem Leid anderer verbinde und diese Praxis mache,
Dass ich danach sogar mehr Energie habe oder mich sogar empowert fühle,
Sogar Freude empfinde.
Okay,
Also wenn dich das interessiert hat und du das spannend fandest,
Dann hoffe ich,
Dass du jetzt noch dran bleibst,
Damit wir jetzt als Allernächstes in die Übung gehen können und es einfach mal praktisch machen.
Der erste Teil der Übung wird sein,
Dass wir mal kurz gucken,
Was ist die biografische Geschichte für dich,
Warum dieser Schmerz vielleicht so stark ist und der zweite Teil ist,
Dass wir so eine Mitgefühlsmeditation machen,
Die basiert auf Atishas Herzmeditation.
Ich persönlich habe die von einer guten Freundin namens Nisha zum ersten Mal gehört und bin total dankbar,
Ist eine meiner Lieblingsmitgefühlübungen mittlerweile und die werden wir dann im Anschluss machen.
Also wenn du ready bist,
Such dir einen Ort,
An dem du dich jetzt hinsetzen kannst und ungestört bist und wir starten gleich los.
Finde einen Ort,
An dem du dich hinsetzen kannst,
Wie einen Stuhl oder auf dem Boden,
Auf dem Kissen,
Auf der Yogamatte oder auf deinem Bett,
So auf die Weise,
Dass du dich wirklich aufrecht hinsetzen kannst und dann atme erst mal tief ein durch die Nase,
In deinen Bauch rein,
Fülle deinen Bauch mit Luft und aus durch den Mund.
Tief ein durch die Nase,
In den Bauch,
Aus durch den Mund,
Entspanne deine Schultern,
Deinen Nacken,
Deine Augen.
Noch einmal tief ein und aus durch den Mund.
Lass alles los,
Was dich davon abhält,
Jetzt voll und ganz hier zu sein und dann verbinde dich mit dieser Situation,
Einer Situation auf der Welt,
Die dich gerade am meisten betrifft,
Die dich emotional am meisten mitnimmt.
Kann die Situation rund um Covid sein,
Es kann eine ganz persönliche Geschichte von einer Person,
Die du kennst sein,
Die Situation von den Menschen in Afghanistan,
Vielleicht eine Naturkatastrophe.
Such dir eine dieser Situationen aus und guck mal,
Was ist die am stärksten zu fühlende Emotion für dich in Verbindung mit dieser Situation.
Fühle erst mal in dich hinein,
Was diese Situation mit dir macht und gib Erlaubnis,
Dass die Emotionen jetzt einfach mal voll und ganz da sein können und du identifizierst dich nicht mit den Emotionen,
Sondern du kreierst einen Raum,
Du hältst einen Raum für die Emotion,
Dass sie präsent sein kann.
Auf eine ganz liebevolle Weise mit der inneren Haltung,
Der Akzeptanz,
Der Offenheit,
Der Neugierde,
Erlaubst du die Emotionen voll und ganz da zu sein und dann guck mal,
Ob du vielleicht eine Emotion feststellen kannst,
Die du am stärksten wahrnimmst.
Vielleicht Hilflosigkeit,
Vielleicht Angst,
Vielleicht Trauer,
Vielleicht Wut und guck mal,
Wie fühlt sich diese Emotion in deinem Körper an,
Wo im Körper nimmst du die am meisten wahr und was macht die Emotion in deinem Körper,
Zieht sich was zusammen,
Wird irgendwas härter,
Angespannter.
Bleib weiterhin mit deiner Haltung neugierig,
Akzeptierend,
Liebevoll,
Offen und nimm die körperliche Reaktion voll und ganz wahr und du musst nichts tun,
Nichts verändern,
Auch nicht interpretieren,
Warum die Emotion so ist,
Wie sie ist.
Nimm sie einfach nur wahr mit deinen Sinnen und halte diesen offenen Raum der Akzeptanz für die Emotion und dann geh mal in deiner Vergangenheit weiter nach hinten und frage dich,
Wann hast du das erste Mal dieses Gefühl in deinem Leben wahrgenommen und geh mal zurück in deine Kindheit und guck mal,
Was für eine Situation gab es da,
Wo du dich genau so gefühlt hast wie jetzt.
Such dir eine Situation,
Einen Moment in deiner Kindheit aus und sieh,
Was passiert in der Situation.
Sind da andere Menschen,
Sind da vielleicht deine Eltern oder ein Lehrer,
Eine Lehrerin,
Freunde und was passiert da,
Dass das dieses Gefühl in dir auslöst und dann guck mal,
Wo fühlst du das körperlich in dem Moment als kleine kindliche Version von dir,
Wo fühlt das Kind diese Situation,
Wie fühlst du dich in diesem Moment und was irritiert dich vielleicht in dem Moment oder stört dich oder bringt genau diese Emotion hervor,
Die sich unangenehm anfühlt und dann bringst du deine Perspektive ein bisschen in eine andere Richtung,
Nämlich stell dir vor,
Als erwachsene Version bist du jetzt vor dieser kindlichen Version und du kannst sozusagen ihr Leid in dem Moment fühlen,
Wie es ihr gerade geht.
Was bräuchte die kleine Version von dir,
Bräuchte sie vielleicht eine Umarmung,
Vielleicht die Hand auf den Rücken gelegt und was könnten unterstützende Worte sein,
Die die kleine oder der Kleine in diesem Moment nicht gehört haben,
Aber gerne hören würden und guck mal,
Ob du als erwachsene Version der Kleinen genau diese Worte,
Diese tröstenden Worte gerade mitgeben könntest.
Vielleicht ist es sowas wie ich sehe dich oder du hast nichts falsch gemacht oder du bist liebenswert,
Vielleicht einfach ich bin für dich da,
Du bist nicht alleine oder es ist okay,
Dass du dich jetzt gerade so fühlst.
Nimm wahr,
Was es mit der kleinen Version von dir macht,
Wenn du diese Worte aussprichst und die Version von dir vielleicht umarmst,
Deine Hände irgendwo auflegst oder einfach nur in die Augen guckst,
Dann verabschiedest du dich von der kleinen Version von dir wieder und kommst wieder zurück in den Körper der Erwachsenen Version und verbindest dich wieder mit dem Leid,
Das du in der Welt wahrnimmst,
Mit der Situation,
Die du vorhin ausgesucht hast von einer Person oder einer Menschengruppe,
Die in der Welt gerade eine schwierige Zeit haben,
Was dich gerade sehr mitnimmt oder betrifft.
Und wir gehen jetzt in die Mitgefühls-Compassion-Meditation und was wir dafür machen ist,
Dass du erstmal all diese Emotionen,
Alles was dich bedrückt und was sich schwierig für dich fühlt,
All das Leid,
Was du gerade selbst körperlich in dir fühlst,
Atme all das ein.
Atme es in dein Herz rein und stell dir vor,
Wie in deinem Herzen ein Raum ist,
In dem all das sich auflöst und mit der Ausatmung atmest du Fürsorge,
Liebe,
Zutrauen,
Vertrauen,
Freude aus.
Atme alles Leid,
Alles was gerade zwickt in deinem Körper und all die Emotionen,
Die du gerade schwierig empfindest,
Ein.
Lass sie durch dein Herz durchgehen,
Dort auflösen,
Komplett auflösen und atme Liebe,
Fürsorge,
Offenheit,
Akzeptanz zu dir selbst aus.
Atme alles ein,
Was dich in irgendeiner Weise bedrückt.
Lass es in dein Herz gehen,
Durch dein Herz durch und im Herz sich komplett auflösen,
Komplett verschwinden und mit der Ausatmung atmest du Liebe,
Fürsorge,
Frieden,
Freude für dich selbst aus.
Atme ein und auch wenn du irgendwas physisch wahrnimmst,
Physische Schmerzen,
Was auch immer gerade da ist,
Atme das ein.
Lass es durch dein Herz durchgehen,
Komplett verschwinden und atme Fürsorge,
Liebe,
Mitgefühl aus zu dir selbst.
Und jetzt verbinde dich mit einem Menschen,
Der dir nahe steht,
Ein Familienmitglied,
Eine gute Freundin oder Freund,
Jemand der dir gerade eine schwierige Zeit hat.
Verbinde dich mit deren Leid.
Atme alles rein durch dein Herz.
Lass es in deinem Herzen komplett verschwinden und mit der Ausatmung atmest du Mitgefühl,
Freude,
Liebe zu dieser Person aus.
Atme all das Leid,
Was du von der Person wahrnimmst ein.
Lass es in deinem Herzen komplett verschwinden.
Ausatmen,
Liebe,
Freude,
Fürsorge,
Mitgefühl für die Person.
Und stell dir vor,
Wenn du das ausatmest,
Dass es wirklich bei der Person landet,
Dass sie das fast schon spüren kann,
Dass sie diese guten Wünsche bekommt.
Atme ein und mit der Ausatmung atmest du Mitgefühl aus,
Zuneigung,
Fürsorge,
Verbindung.
Und jetzt verbinde dich mit dieser Situation,
Die auf der Welt passiert.
Mit diesen,
Mit einer Gruppe von leidenden Menschen,
Wie zum Beispiel in Afghanistan oder Menschen,
Die wegen Covid gerade leiden.
Oder was auch immer für dich gerade präsent ist.
Verbinde dich mit dieser Gruppe.
Verbinde dich mit deren Leid.
Erlaube es voll und ganz,
Dich zu berühren.
Atme all das Leid ein und vertraue darauf,
Dass dein Herz groß und kraftvoll genug ist,
Es aufzunehmen.
Und in deinem Herzen verschwindet es,
Löst sich komplett auf.
Und wenn du ausatmst,
Atmest du Mitgefühl,
Frieden,
Liebe,
Offenheit,
Akzeptanz aus für diese Menschen.
Atme all das Leid ein.
Vertraue auf die Kraft deines Herzen.
Atme es in dein Herz.
Und wenn du möchtest,
Kannst du deine Hand aufs Herz nehmen,
Damit du das noch besser wahrnehmen kannst.
Lass es durch dein Herz durchgehen und nimm wahr,
Wie es dort einen Raum gibt,
In dem sich das alles ins Nichts auflöst.
Und mit der Ausatmung atmest du Fürsorge,
Mitgefühl,
Freude,
Frieden,
Verbindung zu diesen Personen aus.
Stell dir vor,
Es erreicht sie.
Stell dir vor,
Es berührt sie.
Noch einmal atme all das Leid,
Was du wahrnimmst,
Ein.
Lass es durch dein Herz durchgehen.
Komplett verschwinden.
Mit der Ausatmung atmest du Liebe,
Fürsorge,
Frieden aus.
Und wenn du möchtest,
Kannst du jetzt noch alles Mögliche,
All das Leid dieser Welt mit aufnehmen.
Wenn du das Gefühl hast,
Du willst nicht weitergehen,
Dann tue es auch nicht.
Hör auf dein Gefühl.
Wenn du weitergehen möchtest,
Dann lade all das Leid aller Menschen ein,
Der Tiere,
Mutter Natur.
Atme es durch dein Herz ein.
Vertraue auf die Kraft deines Herzen,
All das aufnehmen zu können.
Lass es in deinem Herzen verschwinden.
Mit der Ausatmung atmest du Mitgefühl,
Liebe,
Peace,
Freude,
Akzeptanz aus.
Und dann komm wieder zurück zu dir selbst in diesen Moment.
Wenn du das Gefühl hast,
Dass noch irgendwas in dir zwickt oder zwackt oder du jetzt gerade auch sehr betroffen dich fühlst,
Atme all das ein,
Was du jetzt gerade fühlst,
All dein eigenes Leid,
Deine eigene Tension noch einmal ein.
Lass es in deinem Herzen komplett verschwinden.
Und mit der Ausatmung schickst du dir selbst Mitgefühl,
Liebe,
Fürsorge,
Akzeptanz.
Und dann bring deine Aufmerksamkeit zurück zu deiner Atmung.
Nimm drei tiefe Atemzüge,
Tiefe Bauchatemzüge.
Atme tief ein durch den Bauch,
Fülle deinen Bauch mit Luft und Ausatmung durch den Mund und lass ruhig Geräusche oder Seufzer von dir kommen.
Noch einmal tief ein und aus.
Und wenn du gleich den Gong hörst,
Öffnest du die Augen und während du deine Augen öffnest,
Guck mal,
Ob du trotzdem mit deiner Aufmerksamkeit leicht mit deinem Herzen weiterhin verbunden sein kannst.
Dann öffne deine Augen und spüre einfach noch mal nach,
Wie es dir gerade geht.
Erlaube dir einen Moment,
Dass ich das alles setzen kann.
Was ich auch so was von spannend empfinde ist,
Wenn wir das Herz offen behalten,
Wenn wir uns erlauben,
Das Leid wahrzunehmen,
Dass dann oft genau das Umgekehrte passiert,
Was wir eigentlich erwarten.
Wir erwarten,
Wenn wir das Schmerz voll und ganz annehmen,
Dass uns dieser Schmerz wehtun wird,
Dass er uns bedrückt.
Und es gibt ein wunderschönes Zitat von Rumi,
Der sagt,
Das Heilmittel für Schmerz liegt im Schmerz.
Und was ganz spannend ist,
Ist wenn wir also unser Herz offen halten,
Wenn wir den Schmerz zulassen,
Was dann ganz oft passiert ist,
Dass wir eine größere Kapazität von unserem Herzen auf einmal haben.
Wir können auf einmal mehr lieben,
Mehr uns selbst und andere lieben.
Wir haben eine größere Kapazität Mitgefühl zu empfinden.
Und wir kommen in Verbindung,
Anstelle dass wir selbstbezogen sind und den Schmerz wahrnehmen,
Kommen wir in Verbindung mit,
Was ist jetzt gerade heilsam und dienlich für diese Person,
Die im Leid ist.
Ich gebe euch mal ein ganz kleines Beispiel.
Manchmal,
Wenn ich mit meiner Mutter telefoniere und es ihr vielleicht nicht gut geht oder sie sich Sorgen zu etwas macht,
Ist meine erste Reaktion oft,
Ihr gute Ratschläge zu geben,
Weil ich will,
Dass es ihr besser geht.
Und als ich das Konzept von Mitgefühl und Mitleid das erste Mal verstanden habe,
Ist es mir wie aus Schuppen von den Augen gefallen,
Nämlich dass ich ganz oft eigentlich nur deswegen so reagiert habe mit diesen Ratschlägen,
Weil es mir weh getan hat,
Das Leid meiner Mutter wahrzunehmen.
Und deswegen war meine Reaktion auf ihr Leid eigentlich extrem egoistisch,
Weil eigentlich ging es mir hauptsächlich darum,
Meinen eigenen Schmerz aufzulösen.
Und ich wusste,
Wenn es ihr besser geht,
Geht es mir auch besser.
Aber wenn ich wirklich mitfühlend bin,
Kann ich in diesem Moment,
Anstelle meinen eigenen Schmerz zu fühlen und in dem zu versinken,
Wahrnehmen,
Was ist denn eigentlich jetzt dienlich für sie.
Und als ich das das erste Mal gemacht habe,
Habe ich gemerkt,
Was für sie wirklich dienlich ist,
Ist,
Dass ich keine Ratschläge gebe,
Sondern ihr einfach nur zuhöre.
Was für sie wirklich dienlich wäre,
Ist,
Wenn ich ihr das Gefühl geben würde,
Gehört zu sein,
In ihren Gefühlen verstanden zu werden.
Und anstelle,
Dass ich sagte,
Aber Mama mach doch das und das,
Dann geht es dir besser,
Konnte ich antworten und sagen,
Ja,
Das ist gar nicht so einfach für dich.
Und so kleine Sätze haben einen kompletten Unterschied gemacht,
Weil sie konnte fast so wie entspannen in dem Moment,
Weil sie sich einfach nur gehört fühlte.
Ganz oft,
Wenn es uns schlecht geht,
Wollen wir einfach nur gehört werden und voll und ganz so akzeptiert werden in unseren Gefühlen,
Wie wir uns gerade in dem Moment fühlen.
Weil wir aber oft das Leid anderer nicht aushalten können,
Es physisch nicht aushalten können,
Weil es sprichwörtlich schmerzvoll für uns ist,
Ist es oft so,
Dass wir dann eben genau so reagieren.
Und all das kann trainiert werden,
Einerseits durch Mitgefühl,
Meditation,
Wie wir es gerade gemacht haben,
Aber auch,
Wenn du das den Schmerz anderer extrem stark physisch wahrnimmst,
Dann kann ich dir nur empfehlen,
Dass du eine physische Praxis dir aneignest,
In der du anfängst,
Diese verschiedenen Emotionen in deinem Körper wahrzunehmen und zuzulassen und damit die Kapazität vergrößerst,
Auch unangenehme Körperregungen annehmen zu können und wahrnehmen zu können.
Für manche von uns ist es auch geschichtlich und aufgrund unserer Biografie schwieriger,
Diese Emotionen annehmen zu können,
Weil es uns überwältigt oder weil wir es mit sehr vielen anderen Geschichten als belastbar empfinden.
Und da ist die Empfehlung,
Erstmal da reinzugehen,
Wo diese alten Geschichten sind,
Die diese Emotionen mehr aufladen,
Als sie der Situation entsprechen.
Ich hoffe,
Ich habe dir und euch allen damit ein bisschen mehr Insights gegeben.
Ich freue mich sehr,
Wenn du deine Fragen mit mir teilst,
Deine Kommentare,
Wie die Übung für dich war,
Was du vielleicht brauchst,
Was vielleicht für dich Schwierigkeiten sind,
Sodass ich das in die kommenden Folgen mit integrieren kann,
Aber auch vielleicht ein paar Fragen beantworten kann.
Mögest du alle Stärken und Ressourcen haben,
Mit Schwierigkeiten in deinem Leben umzugehen und mögest du dein Mitleid in Mitgefühl umwandeln können.
Mögen wir alle sehen,
Was dienlich füreinander ist und füreinander da sein können.
Mögen alle Menschen frei von Leid sein.
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