
Der Zug Ins Nirgendwo – Eine Einschlafgeschichte
Diese Einschlafgeschichte nutzt die monotone Rhythmik einer Zugfahrt, um den Geist sanft von den Reizen des Tages zu entkoppeln. Durch die bildhafte Vorstellung einer Reise in die Dunkelheit wird ein natürlicher Übergang vom aktiven Denken in den passiven Ruhemodus geschaffen. Die begleitenden Pausen und die ruhige Erzählweise unterstützen das Nervensystem dabei, Anspannung loszulassen und sicher in den Schlaf zu gleiten. Es ist eine Einladung, die Verantwortung für den Tag abzugeben und sich der gleichmäßigen Bewegung des Ankommens anzuvertrauen.
Transkription
Herzlich willkommen.
Schön,
Dass du dir diesen Moment nimmst,
Um den Tag hinter dir zu lassen.
Vielleicht war heute viel los,
Vielleicht flimmern noch Bilder,
Gespräche oder helle Lichter vor deinem Auge.
Unsere Welt ist schnell,
Sie ist laut und sie fordert ständig unsere Aufmerksamkeit.
Aber jetzt in diesem Moment darf die Welt warten.
Es gibt nichts mehr zu tun,
Nichts mehr zu entscheiden.
Mach es dir ganz bequem.
Finde eine Position in der dein Körper schwer werden darf.
Atme einmal tief ein und mit einem seufzenden Geräusch wieder aus.
Lass die Luft entweichen wie Dampf aus einem Ventil.
All die Hitze,
All der Druck des Tages darf mit diesem Atemzug nach draußen strömen.
Stell dir vor,
Du schaltest jetzt ganz bewusst in den Ruhemodus.
Deine Füße entspannen sich,
Deine Beine werden schwer.
Dein Bauch wird weich.
Spüre,
Ob noch Anspannung in deinen Schultern sitzt,
Vielleicht eine aufgestaute Energie,
Ein Rest von Ärger oder Stress.
Lass die Schultern ganz bewusst nach unten sinken,
Weg von den Ohren.
Entspanne deinen Kiefer.
Deine Zunge löst sich vom Gaumen.
Auch die Muskeln um deine Augen herum lassen los.
Alles wird glatt.
Alles wird ruhig.
Du bist bereit für eine Reise.
Eine Reise weg von der Reizüberflutung,
Hinein in die Stille.
Vor deinem inneren Auge entsteht langsam ein Bild.
Es ist Abend,
Die Luft ist frisch und klar und du stehst am Bahnsteig eines sehr alten,
Wunderschönen Bahnhofs.
Dies ist kein moderner Bahnhof mit grellen Reklametafeln und hektischen Durchsagen.
Es ist ein Ort aus einer anderen Zeit.
Über dir wölbt sich ein hohes Dach aus Glas und dunklem Eisen.
Das Licht ist gedämpft,
Warm und golden.
Es kommt von alten Laternen,
Die sanft flackern.
Es riecht angenehm,
Eine Mischung aus kühler Nachtluft,
Vielleicht ein wenig Regenduft und dem vertrauten,
Beruhigen Geruch von altem Holz und Maschinenöl.
Es ist ganz ruhig hier.
Nur wenige Menschen sind unterwegs und sie bewegen sich langsam,
Fast lautlos.
Niemand schaut auf ein Telefon,
Niemand eilt.
Hier ticken die Uhren langsamer.
Vor dir am Gleis steht er bereit,
Dein Zug.
Es ist eine imposante,
Alte Dampflokomotive,
Schwarz und glänzend.
Sie strahlt eine tiefe,
Kraftvolle Ruhe aus.
Du kannst hören,
Wie die Maschine leise atmet,
Ein sanftes Zischen,
Wie ein großes Tier,
Das schläft.
Du steigst ein.
Der Waggon ist die Maschine.
Es ist von innen noch gemütlicher,
Als du dachtest.
Es ist ein privates Abteil nur für dich.
Die Wände sind mit dunklem Holz verkleidet,
Die Sitze aus weichem,
Samtenem Stoff,
Tiefrot oder dunkelblau,
Genauso,
Wie du es magst.
Du lässt dich in diesen Sitz sinken.
Er empfängt dich,
Stützt deinen Rücken,
Trägt dein ganzes Gewicht.
Du spürst,
Ich bin hier sicher.
Ich muss hier nichts leisten.
Draußen vor dem Fenster siehst du die Lichter des Bahnhofs.
Du bist bereit,
Sie hinter dir zu lassen.
Ein leiser Pfiff ertönt,
Ganz weit weg.
Und dann spürst du ein kaum merkliches Ruckeln.
Der Zug erwacht zum Leben.
Ganz langsam,
Fast unmerklich,
Beginnt der Bahnsteig an deinem Fenster vorbeizugleiten.
Die goldenen Laternen ziehen vorbei.
Die großen Säulen der Bahnhofshalle ziehen vorbei.
Der Zug rollt hinaus in die Nacht.
Achte auf das Geräusch.
Zuerst ist es langsam.
Klack,
Klack,
Klack,
Klack.
Dann findet der Zug seinen Rhythmus.
Ein wunderbares,
Monotones,
Schaukelndes Geräusch.
Rattern.
Du blickst aus dem Fenster.
Zuerst siehst du noch die Lichter der Stadt.
Tausend kleine Punkte.
Straßenlaternen,
Fenster,
Autoscheinwerfer.
Sie stehen für all die Informationen,
All die Gedanken,
All das Müssen des heutigen Tages.
Aber sieh mal genau hin,
Sie werden kleiner.
Sie verschwimmen.
Der Zug fährt schneller und die Lichter ziehen sich zu langen,
Weichen Linien.
Wir lassen die Stadt zurück.
Wir lassen den Lärm zurück.
Mit jedem Ratatam entfernen wir uns weiter von der Quelle der Unruhe.
Spüre die sanfte Vibration unter dir.
Dieses leichte Rütteln massiert auch den letzten Rest Anspannung aus deinen Muskeln.
Stell dir vor,
Wie diese Vibration den Ärger,
Die Wut oder die Nervosität einfach abschüttelt.
Sie fallen von dir ab wie Staub.
Jetzt fahren wir durch Vororte.
Die Lichter werden weniger.
Die Häuser stehen weiter auseinander.
Es wird dunkler draußen.
Das ständige Blinken und Flimmern der Welt hat aufgehört.
Draußen ist nur noch die ruhige,
Samtende Nacht.
Du fühlst dich in deinem Abteil wie in einem Kokon.
Es ist warm hier drin.
Das Licht ist gedimmt.
Nur eine kleine Leselampe spendet einen schwachen,
Gemütlichen Schein.
Du brauchst nichts zu sehen.
Deine Augen werden schwer.
Du hörst nur den Rhythmus rattert,
Immer gleich,
Immer verlässlich.
Nichts Neues passiert.
Und das ist wunderbar.
Der Zug fährt jetzt durch weite,
Offene Landschaften.
Vielleicht sind es Felder,
Die im Mondlicht silbern glänzen.
Vielleicht sind es Wälder,
Die wie dunkle,
Schützende Mauern an den Gleisen stehen.
Es spielt keine Rolle,
Wohin wir fahren.
Es gibt kein Ziel,
Das wir erreichen müssen.
Der Weg ist das Ziel.
Das Schaukeln ist das Ziel.
Du beobachtest deine Gedanken.
Vielleicht kommt noch ein Gedanke vorbei,
Wie ein einsames Licht in der Ferne.
Du siehst ihn,
Aber du hältst ihn nicht fest.
Du lässt ihn vorbeiziehen,
So wie der Zug an einem einsamen Bauernhof vorbeirauscht.
Einfach weiterfahren.
Der Gedanke bleibt zurück in der Dunkelheit.
Du bist schon längst woanders.
Dein Atem hat sich dem Rhythmus des Zuges angepasst.
Tief und ruhig.
Ein und aus.
Das Ratatam wird leiser,
Weicher.
Es klingt wie ein Wiegenlied,
Wie das Rauschen des Meeres oder der Wind in den Bäumen.
Alles ist gut.
Alles ist erledigt.
Du singst tiefer in die Polster.
Deine Augenlider sind jetzt so schwer,
Dass sie fest verschlossen bleiben wollen.
Eine wohlige Wärme breitet sich in deiner Brust und deinem Bauch aus.
Die angenehme Schwere des Schlafes legt sich wie eine weiche Decke über dich.
Der Zug fährt weiter durch die Nacht,
Sicher auf seinen Schienen.
Er erkennt den Weg.
Du musst nicht steuern.
Du darfst loslassen.
Ganz und gar loslassen.
In die Dunkelheit.
In die Stille.
In den Schlaf.
Gute Nacht.
Treffen Sie Ihren Lehrer
4.7 (12)
Neueste Bewertungen
More from Isabelle Havers
Ähnliche Meditationen
Ähnliche LehrerInnen
Trusted by 35 million people. It's free.

Get the app
