
Liebe und Mitfreude
Wenn Liebe auf Glück trifft, entsteht Mitfreude. Wir freuen uns nicht nur über unser eigenes Glück, sondern versuchen es mit anderen zu teilen und uns über das Glück der anderen zu freuen. So heisst es, wenn wir uns für andere freuen können, haben wir immer einen Grund zur Freude. Wie der Dalai Lama sagt: "Wenn du glücklich sein kannst, wenn andere glücklich sind, kannst du immer glücklich sein, denn es gibt immer irgendwo jemanden, der glücklich ist.” Liebe und Mitfreude, helfen uns, das Herz zu öffnen, Angst zu überwinden, unsere mitfühlende Haltung zu kultivieren und uns mit unserem Herzgeist zu verbinden. Sie helfen uns mitfühlend mit uns selbst und mit anderen zu sein.
Transkription
Dann geht es jetzt um das Thema Liebe und Mitfreude.
Die klassischen Begriffe sind Metta oder Maitri und Mudita.
Und es gibt wieder den schönen Spruch von Dalai Lama Wir sind also wirklich angewiesen auf Liebe und Mitgefühl,
Weil sonst würde keiner von uns hier überleben.
Das kennt ihr ja schon,
Wir haben keine Krallen und kein Fell und auch können auf keine Bäume hochklettern und keine Höhlen graben und so weiter.
Also wir brauchen wirklich einander mehr als jede andere Spezies auf der Welt.
Und viele von euch kennen ja schon diese heilsamen Geisteshaltungen,
Die vier Unermesslichen,
Diese Brahma-Viharas,
Von Gleichmut,
Liebe,
Mitgefühl und Mitfreude.
Und der klassische Satz ist,
Ein friedvolles Herz bringt Liebe hervor und wenn Liebe auf Leiden trifft,
Entsteht Mitgefühl und wenn Liebe auf Glück trifft,
Entsteht Mitfreude.
Und das heißt also,
Dass wir eigentlich aus dieser Ruhe des Herzens ganz natürlich sozusagen diese Liebe hervorgeht,
Ohne dass wir groß etwas dafür tun müssen.
Und jetzt haben wir ja am Anfang sozusagen mit diesem Fokus auf die Dankbarkeit auch wirklich diese Herzensruhe versucht zu kultivieren.
Und vielleicht habt ihr schon gemerkt,
Dass wirklich,
Desto ruhiger unser Geist wird,
Desto weicher,
Desto weiter und auch irgendwie desto leichter wird vielleicht auch euer Inneres erleben.
Und so entsteht eben aus dieser Ruhe,
Entsteht als erstes eben diese Liebe,
Maitri,
Im Pali oder Metta in Sanskrit.
Und das Wort wird eigentlich meistens mit Güte oder Freundlichkeit übersetzt,
Also klassisch Metta-Praxis heißt eben die Praxis der liebenden Güte,
Loving-Kindness-Practice.
Und Pema Chödrön in der Tradition von ihrem Lehrer Chögyam Trungpa beschreibt aber Maitri ein bisschen anders.
Sie sagt immer,
This is called Maitri,
Developing loving-kindness and an unconditional friendship to yourself.
What makes Maitri such a different approach is,
That we're not trying to solve a problem,
We're not striving to make pain go away or to become a better person.
In fact,
We're giving up control altogether and letting concepts and ideals fall apart.
So hier ist wieder einerseits dieses Element,
Dass wir dafür überhaupt nichts tun müssen,
Dass diese Liebe entsteht,
Weil sie eben eigentlich in der Natur des Geistes begründet ist und eben immer schon da ist.
Wir müssen einfach nur schauen,
Dass wir nicht die ganze Zeit so abgelenkt sind,
Dass wir es nicht merken.
Der andere Aspekt ist diese bedingungslose Freundschaft mit unserem eigenen Erleben.
Und diese bedingungslose Freundschaft führt eigentlich letztlich dann auch dazu,
Dass wir wirklich in tiefer Verbundenheit mit anderen sein können.
Eigentlich ganz in diesem Sinne,
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Nur,
Dass wir im Christentum nicht so oft daran erinnert werden,
Dass wir ja irgendwie damit anfangen müssen,
Uns selbst zu lieben und immer gleich beim Nächsten anfangen,
Was auch schön ist und wichtig.
Weil man wahrscheinlich in früheren Zeiten irgendwie davon ausgegangen ist,
Dass das ganz selbstverständlich ist,
Dass man sich selbst liebt und dass man diese bedingungslose Freundschaft mit sich selbst kultiviert.
Es wird auch immer so von den westlichen buddhistischen Dharma-Lehrern so eine Geschichte erzählt,
Dass sie dann den Dalai Lama getroffen haben und dann haben sie so gefragt,
Ja,
Was mache ich denn mit den Menschen,
Wenn sie so von Selbstzweifeln und Scham und Kritik sprechen und Selbsthass?
Und der Dalai Lama hat immer den Übersetzer gefragt,
Was,
Wovon reden die?
Musste immer wieder nachfragen,
Weil er dieses Konzept von diesem Self-Loathing,
Von diesem Selbsthass überhaupt nicht kannte.
Diese Geschichte habe ich jetzt von verschiedenen Lehrern immer wieder gehört.
Also vielleicht ist es ein Special Brand von unserer Kultur.
Auf jeden Fall hilft uns dieses Kultivieren dieser Geistersruhe wirklich,
Eben in diese Herzensverbindung zu kommen,
In diese ganz selbstverständliche innere Freundlichkeit und in dieses Wohlwollen.
Was auch vielleicht noch wichtig ist zu unterstreichen,
Ist,
Dass Achtsamkeitspraxis ohne Wohlwollen und Mitgefühl eigentlich nur eine Konzentrationsschulung ist und eben oft wird ja der Achtsamkeit auch vorgeworfen,
Es sei irgendwie die Religion des Kapitalismus und das würde Narzissmus fördern.
Das ist meiner Meinung nach ein großes Missverständnis dessen,
Worum es bei der Achtsamkeit geht.
Aber es gibt Forschung,
Zum Beispiel hier von Robson,
Der sagt,
Die Kultivierung von Achtsamkeit kann Menschen von ihren eigenen Verfehlungen,
Zwischenmenschlichen Verpflichtungen ablenken und gelegentlich den eigenmoralischen Kompass lockern.
Ja,
Andrew Hafenbrack in Robson hat das geschrieben.
Aber ich habe das mal recherchiert,
Ich habe mehrere Artikel darüber gelesen,
Im Guardian und im Spiegel,
Achtsamkeit und Narzissmus und das fand ich komisch.
Also eben,
Wenn wirklich dieser grundlegende zweite Flügel von Mitgefühl und Liebe fehlt,
Dann kann das passieren.
Deshalb ist es eben wahnsinnig wichtig,
Euch immer wieder mit dieser tiefen inneren Freundschaft zu verbinden.
Was interessanterweise auch passiert,
Und das ist eben das Gegenteil von dem Fördern von narzisstischen Strömungen oder inneren Haltungen,
Ist,
Dass diese Freundschaft mit dem eigenen Erfahren eher dazu führt,
Dass wir unsere Egoidentität lockern können,
Dass wir uns selbst ein bisschen leichter nehmen können,
Dass wir ein bisschen mehr Humor haben,
Dass wir uns nicht immer profilieren müssen,
Dass es nicht immer um Ich,
Ich,
Ich geht,
Sondern dass wir eigentlich uns selber gar nicht mehr so furchtbar ernst nehmen müssen,
Weil wir mögen uns eh wie wir sind und wir sehen irgendwie schon sehr ernsthaft auch,
Dass wir Fehler machen und versuchen uns halt dann wieder zu motivieren,
Uns nächstes Mal besser zu machen.
Und so führt eigentlich diese Praxis der liebenden Güte zu einem größeren Vertrauen in die Kraft unseres eigenen Herzens.
Und dieses Vertrauen wird auch in der klassischen buddhistischen Praxis manchmal das Löwengebrüll genannt,
So dieses intuitive Wissen,
Dass da irgendwie mehr ist.
Da ist irgendwie mehr als dieses kleine Ich.
Und dieses intuitive Wissen wird dann ganz klassisch übersetzt als der Wunsch,
Zum Wohle aller fühlenden Wesen erleuchtet zu werden,
Zu erwachen.
Und da sieht man auch wieder,
Dass es sozusagen mit Narzissmus alles überhaupt nichts zu tun hat,
Weil der Wunsch ist immer automatisch,
Der aus dieser mitfühlenden Liebe entsteht,
Ist immer,
Dass wir selber heil werden und indem es uns besser geht und wir uns wohler fühlen,
Wir auch eigentlich in tieferer Verbundenheit sein können mit dem anderen.
Also da ist ein ganz fundamentaler altruistischer Aspekt eigentlich in der Praxis.
Und so hat auch diese Freude in der Praxis eigentlich eine altruistische Komponente.
Das heißt ja,
Wenn Liebe auf Glück trifft,
Entsteht Mitfreude,
Compassionate joy oder altruistic joy auf Englisch.
Und so freuen wir uns über unser eigenes Glück.
Das dürfen und sollen wir euch auch machen.
Und wir versuchen es mit anderen zu teilen.
Und eben,
Da gibt es ja diesen Spruch,
Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude.
Das habt ihr wahrscheinlich in eurem Leben schon sehr häufig erfahren.
Und es ist natürlich sehr,
Sehr schön,
Was geschenkt zu bekommen.
Aber es ist auch so schön,
Was geschenkt zu kriegen,
Dass manche Leute sogar Geschenke machen an Leute,
Die sie gar nicht kennen.
Und dazu entsteht dann plötzlich eine Verbundenheit mit jemand,
Der einem noch nie begegnet ist.
Also auch dieses sich bewusst zu machen,
Wie viel Freude uns das macht,
Anderen Menschen etwas geben zu können.
Und da ist noch was anderes Gutes an dieser Freude.
Auch wieder vom Dalai Lama,
Wenn du glücklich sein kannst,
Wenn andere glücklich sind,
Kannst du immer glücklich sein,
Denn es gibt immer jemand,
Der glücklich ist.
Ja,
Das ist natürlich total toll und manchmal hilft es einem auch nicht weiter,
So wie es einem manchmal auch nicht weiterhilft,
Zu denken,
Dass die Menschen momentan irgendwo auf der Welt total schrecklich dran sind,
Um dann das Gefühl zu haben,
Dass es einem doch eigentlich ganz gut geht,
Wenn man halt unglücklich ist.
Aber es hilft schon so ein bisschen,
Auf das Glück des anderen auch zu schauen.
Und es lenkt einen auch manchmal so ein bisschen ab von den eigenen großen oder kleinen Sorgen.
Und in Patanjali's Yoga Sutra heißt es ähnlich,
Im täglichen Leben sehen wir Menschen um uns herum,
Die glücklicher sind als wir und Menschen,
Die weniger glücklich sind.
Manche tun uns lobenswerte Dinge,
Andere verursachen Probleme,
Unabhängig von unserer gewohnten Einstellung gegenüber diesen Menschen und ihren Handlungen.
Wenn wir uns mit denen freuen können,
Die glücklicher sind als wir,
Mitfühlen gegenüber denen,
Die unglücklicher sind,
Uns mit denen freuen,
Die lobenswerte Dinge tun und ungestört von den Fehlern anderer bleiben,
Wird unser Geist sehr ruhig sein.
Das ist natürlich auch die hohe Kunst wieder,
Es sind immer so ganz hohe Künste,
Die hier angepriesen werden.
Und die Freude kann man eigentlich in vielen verschiedenen Arten und Weisen praktizieren.
Die klassische Praxis der Liebe und Güte,
Die kennen viele von euch,
Das sind diese Sätze,
Möge ich erfüllt sein von Liebe und Güte,
Möge ich in Sicherheit sein,
Möge ich frei sein von Leiden.
Und dann sagt man das jemand,
Den man liebt und dann weitert man es immer weiter auf,
Dann kommt das der Enemy und dann sozusagen die ganze Welt.
Die machen wir dann später noch.
Und die Praxis der Mitfreude,
Die haben wir glaube ich noch nie gemacht.
Da ruft man sich jemals ins Gedächtnis,
Den man sehr liebt und in dem man sich leicht freuen kann und wünscht erstmal diesem Mensch,
Dass er oder sie erfüllt ist von Freude und dass sie nicht getrennt ist von der Ursache der großen Freude,
Möge ihr Glück wachsen,
Mögest du nicht von großem Glück getrennt sein.
Und dann weitet man das immer weiter wieder auf die weiteren Kreise aus,
Weil auch hier geht es wieder darum,
Dass wir uns sozusagen immer weiter verbinden mit allen fühlenden Wesen.
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