
Bibliothek der Gedanken (Einschlafgeschichte)
Wir betreten eine magische, uralte Bibliothek. Am Eingang liegt in ein Buch in das wir all unsere Gedanken des Tages reinschreiben. Sobald das Buch zugeklappt wird, sind die Gedanken sicher verwahrt, weg aus dem Kopf. Danach wanderst man durch leere, stille Gänge, in denen nichts passiert und genau das ist der Luxus.
Transkription
Leg dich ganz entspannt hin.
Spür,
Wie die Unterlage dich trägt.
Du musst jetzt nichts mehr halten.
Nichts mehr stützen.
Atme tief ein.
Und ganz entspannt aus.
Stell dir vor,
Du stehst vor einer großen,
Schweren Flügeltür aus Eichenholz.
Es ist die Tür zur Bibliothek der Gedanken.
Ein Ort,
An dem alles Wissen der Welt ruht,
Aber an dem niemand spricht.
Hier herrscht eine Stille,
Die so tief ist,
Dass sie sich wie eine sanfte Umarmung anfühlt.
Du legst deine Hand auf den kühlen Metallgriff.
Du spürst das Gewicht der Tür,
Während du sie langsam aufdrückst.
Ein sanfter Hauch von altem Papier und getrocknetem Lavendel strömt dir entgegen.
Du trittst ein und lässt die Welt draußen einfach verschwinden.
Gleich am Eingang steht ein kleiner,
Hölzerner Tisch.
Auf ihm liegt ein leeres Buch und daneben ein schwarzer Füller.
Dies ist der Ort,
An dem du alles lässt,
Was dein Gehirn heute beschäftigt hat.
Stell dir vor,
Du schreibst jetzt alles auf,
Was noch in deinem Kopf flimmert.
Die Bilder,
Die du auf Bildschirmen gesehen hast,
Die Vergleiche mit anderen,
Die Angst,
Etwas zu verpassen,
Die Wut über einen Kommentar oder eine Nachricht.
Schreib es gedanklich nieder,
Wort für Wort.
Sobald es auf dem Papier steht,
Gehört es nicht mehr dir.
Die Bibliothek bewahrt es für dich auf,
Damit du es nicht mehr im Kopf tragen musst.
Du klappst das Buch zu,
Ein leises Geräusch.
Es ist erledigt.
Dein Geist wird leer und weit.
Du gehst tiefer in die Bibliothek hinein.
Die Gänge sind endlos hoch.
Die Regale reichen bis unter die Decke und sind gefüllt mit Büchern in allen Farben.
Deine Schritte auf dem weichen Teppichboden sind vollkommen lautlos.
Hier gibt es kein grelles Licht.
Nur das sanfte Leuchten von grünen Lampen auf den Tischen.
Du streichst mit deinen Fingern im Vorbeigehen über die Buchrücken.
Leder,
Pergament,
Jedes Buch ist ein Gedanke,
Der zur Ruhe gekommen ist.
Hier herrscht keine Eile.
Hier ist nur Ruhe.
Du findest eine Nische mit einem riesigen,
Tiefen Samtsessel.
Er sieht so einladend aus,
Dass deine Beine fast von selbst dorthin steuern.
Du lässt dich langsam hineingleiten.
Der Sessel schluckt jedes Geräusch,
Er hüllt dich ein.
Du merkst,
Wie angenehm es ist,
Einmal nicht zu suchen.
Nicht erreichbar zu sein,
Nichts wissen zu müssen.
Du schaust an die Decke,
Wo die Schatten der Regale tanzende Muster bilden.
Dein Geist wird so ruhig wie das stille Wasser in einem tiefen Brunnen.
Keine Wellen mehr,
Nur noch glatte,
Dunkle Stille.
Die letzte Aufregung in deinem System baut sich langsam ab.
Dein Puls sinkt.
Du fühlst dich unendlich schwer und unendlich leicht zugleich.
Hier in dieser Bibliothek ist Zeit eine Illusion.
Es gibt kein Gestern und kein Morgen,
Nur diesen tiefen,
Weichen Sessel.
Und dein sanftes Atmen in diesem unendlichen Raum.
Deine Augenlider werden so schwer,
Dass du sie nicht mehr offen halten kannst.
Du lässt sie einfach zufallen.
Die Bibliothek um dich herum beginnt langsam zu verblassen.
Die Regale,
Die Bücher,
Das sanfte Licht,
Alles verschmilzt zu einem weichen,
Dunklen Nebel.
Du bist sicher.
Du bist geschützt.
Dein Gedankenbuch ist jetzt geschlossen,
Ist leer.
Schlaf bindet dich jetzt ganz und allein.
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