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Was deine Angst mit Wut zu tun hat

by Melina Offenburger

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In dieser Reflexion teile ich meine persönliche Geschichte mit sozialer Angst – und wie ich irgendwann erkannte, dass darunter oft unterdrückte Wut liegt. Wut, die nie gefühlt werden durfte. Die aber Grenzen ziehen wollte. Diese Erfahrung hat mein Verständnis von Angst grundlegend verändert – und zeigt, warum Wut kein Problem ist, sondern ein Wegweiser zurück zu dir. Wenn du dich selbst in deiner Angst manchmal verlierst: Lass uns gemeinsam hinschauen, was sie dir eigentlich sagen will.

Transkription

Hallo,

Schön,

Dass du da bist.

Mein Name ist Melina und ich hoffe,

Der heutige Input kann bei dir genauso viel bewegen,

Wie es damals bei mir der Fall war.

Ich dachte eine Zeit lang,

Ich hätte einfach ein Thema mit Beziehungen oder auch Menschen ganz allgemein.

Dass ich ein bisschen zu empfindlich bin,

Dass ich ein bisschen zu sensibel bin und ein bisschen zu ängstlich.

In Kontakt zu gehen mit anderen war für mich in dieser Zeit sehr beängstigend und bedrohlich.

Und dann sagte jemand zu mir einen Satz,

Der mich bis heute nicht mehr losgelassen hat.

Und dieser Satz war,

Hinter Angst liegt oft unterdrückte Wut.

Und ich weiß noch,

Wie sich in mir im ersten Moment so alles gesträubt hat und ich mir dachte,

Wut?

Ich?

Ich bin doch gar kein wütender Mensch.

Ich verstehe doch immer alles und jeden.

Aber irgendwas tief in mir drin wusste,

Dass sie da eine Wahrheit ausgesprochen hatte.

Also habe ich angefangen,

Genauer hinzuschauen,

Genauer reinzuspüren und ich war damals in einem Job,

In dem ich für viele,

Viele Dinge gerade stehen musste,

Die ich selbst nicht entschieden hatte und die ich so auch nicht verantworten konnte.

Ich musste Probleme lösen,

Von denen ich wusste,

Sie sind nicht lösbar und ich musste ja sagen,

Auch wenn mein ganzer Körper nein geschrien hat.

Aber nein sagen,

Das war zu dieser Zeit keine Option,

Nicht in dieser Welt.

Nicht,

Wenn du bleiben möchtest oder wenn du den Job behalten möchtest.

Also habe ich gelernt,

Runterzuschlucken und versucht zu funktionieren.

Und dann kam die Angst.

Angst vor Gesprächen,

Vor Meetings,

Angst nicht auszureichen.

Ich habe gemerkt,

Dass ich auf einmal nichts mehr mochte,

Was mit Kontakt zu tun hatte.

Kontakt zu anderen war beängstigend geworden.

Rückblickend weiß ich heute,

Dass das keine soziale Angst war,

Sondern das war mein System,

Das sich verzweifelt versucht irgendwie zu schützen.

Denn wenn du das Gefühl hast,

Du darfst keine Grenzen ziehen,

Dein Nein wird nicht respektiert,

Du darfst nicht gehen,

Nicht widersprechen,

Nichts auf deine Art machen,

Sondern du musst dich immer dem unterordnen,

Was andere von dir erwarten,

Dann wird menschlicher Kontakt zu einer Bedrohung.

Nicht weil Menschen bösartige oder hasserfüllte Dinge tun,

Sondern weil du das Gefühl hast und den Glauben,

Dass du alles aushalten musst,

Egal was da kommt.

Und das ist beängstigend.

Wirklich beängstigend.

Ja und dann habe ich es ausprobiert.

Ich habe zum Beispiel im nächsten Bewerbungsgespräch oder beim nächsten Familientreffen einfach mal angefangen,

Mich zu fragen,

Was möchte ich eigentlich wirklich sagen,

Wenn ich jetzt mal die ganze Erwartungsbrille abstreife.

Das,

Was man eigentlich tun sollte,

Um dazu zu gehören und das,

Was man eigentlich tun sollte,

Um zu entsprechen,

Das lege ich jetzt alles mal beiseite und ich sag jetzt einfach mal gerade heraus,

Was ich fühle und möchte.

Wo kann ich aufhören zu nicken?

Wo darf ich anfangen,

Nein zu sagen?

Wo darf ich einfach mal stehen bleiben und was aushalten?

Für mich,

Nicht für andere.

Und das war natürlich nicht immer angenehm,

Also gerade am Anfang war das oft herausfordernd,

Aber nichtsdestotrotz mit jedem kleinen Moment,

In dem ich meine persönliche Wahrheit ausgesprochen habe,

Danach gehandelt habe,

Ist die Angst weniger geworden.

Weil mein Körper gemerkt hat,

Okay,

Ich darf das jetzt.

Ich achte auf mich.

Ich bringe mich in Sicherheit.

Ich bin nicht mehr ausgeliefert.

Ich habe eine Wahl.

Und dieser Weg hat mich gerade anfangs viel zu der Emotion Wut gebracht.

Denn Wut ist etwas,

Was uns aufzeigt,

Wo eine Grenze verletzt wurde.

Und je mehr ich meiner Wut erlaubt habe,

Herauszukommen und sich auch mal zu zeigen,

Desto mehr ging eben diese Angst weg.

Und deshalb möchte ich es auch gerade euch Frauen sagen,

Denn Frauen haben noch häufiger ein Problem damit,

Wut zu fühlen und rauszulassen.

Als Männer natürlich möchte ich das auch den Männern nicht absprechen.

Auch ihr kennt das.

Wut ist eigentlich nicht das Problem,

Sondern Wut zeigt uns ein Bedürfnis und wo wir einen Weg freiräumen sollten.

Wut zeigt uns,

Was uns wichtig ist.

Wut zieht eine Linie zwischen uns und den anderen.

Und wenn wir jahrelang keine Linie haben durften,

Dann ist es nicht verwunderlich,

Dass unser System irgendwann mal in Alarm geht.

Heute weiß ich deshalb,

Dass meine soziale Angst nie per se soziale Angst war,

Sondern sie war ein Symptom dafür,

Dass es sehr viele unausgesprochene Neins gab in meinem Leben.

Und dass es viele Momente gab,

In denen ich das Gefühl hatte,

Ich muss mich selbst verraten,

Um da sein zu dürfen.

Und ich weiß,

Dass ich damit nicht die einzige war.

Ich sehe das bei sehr vielen,

Mit denen ich arbeite.

Sehr viele feinfühlige Menschen haben so viel Verständnis für ihre Umwelt und stehen dann manchmal bei sich selbst einfach an.

Und das ist vollkommen verständlich und okay.

Auch mir ging es so.

Wenn du also auch so eine diffuse soziale Angst kennst,

Dann kannst du dich vielleicht mal fragen,

Statt dich zu fragen,

Wie kann ich mutiger werden oder wie kann ich noch mehr die Zähne zusammenbeißen durch diese Angst hindurch,

Frag dich lieber mal,

Was habe ich vielleicht zu lange runtergeschluckt?

Wo würde mich meine Wut vielleicht schützen,

Wenn ich das zulassen würde?

Denn genau das kann uns oft ziemlich helfen,

Nicht weniger zu fühlen,

Was wir ja oft wollen,

Sondern klarer zu fühlen und ehrlicher mit unseren Gefühlen umzugehen und sie uns selbst auch mehr zu erlauben.

Ich danke dir,

Dass du hier heute bei mir warst und wenn du das ganze Thema ein bisschen mehr forschen willst,

Dann kannst du mir auch gern eine Nachricht schreiben.

Ich begleite dich gern dabei.

Nicht,

Weil ich denke,

Dass wir irgendwie repariert werden müssen,

Sondern weil ich denke,

Dass wir alle jemanden brauchen,

Der uns daran erinnern kann,

Was eigentlich nochmal unsere eigene Stimme ist,

Wie die klingt und wie die sich so zeigt.

Bis bald.

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