
destressU - Wie Vereinbarkeit gelingen kann
by Nadine Horn
Job mit Kind - meist noch ein Kraftakt. Beides unter einen Hut zu bringen, stellt Eltern oft noch vor große Herausforderungen. Stress, Überlastung und Erschöpfung sind gerade bei Müttern keine Seltenheit. Wie beides gehen kann, ohne dabei die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick zu verlieren, beantwortet Johanna Bing. Johanna ist Vereinbarkeitsexpertin und setzt sich mit viel Leidenschaft für ein erfülltes Leben mit Job und Kind ein. Viel Freude beim Reinhören.
Transkription
Das habe ich auch alles schon erlebt,
Dass Väter abgestraft werden,
Wenn sie sagen,
Ich möchte aber aktiv meine Vaterschaft leben.
Und in Deutschland ist noch das sehr präsent,
Der Vater bringt das Geld rein,
Der kümmert sich ums Kind.
Und beides hat halt Auswirkungen auf die Arbeit.
Herzlich willkommen bei Distress You,
Dem Podcast für weniger Stress im Job.
Ich bin Nadine Kurz und als Organisationspsychologin begleite ich Menschen in Unternehmen dabei,
Um eine Balance zwischen Leistung und Gesundheit zu finden.
Und hier im Podcast spreche ich mit inspirierenden Menschen aus der Wirtschaft,
Die ihre Expertentipps für ein wirkungsvolleres und gesünderes Arbeiten mit uns teilen.
Heute begrüße ich Johanna Bing im Podcast.
Ich freue mich sehr,
Liebe Johanna,
Dass du heute da bist.
Hallo,
Ich freue mich auch total,
Nadine.
Johanna,
Du setzt dich für eine bessere Vereinbarkeit von Job und Elternsein ein und damit sprichst du vor allem Mütter an,
Die unter diesem Spagat oft leiden und hilfst ihnen,
Mehr Leichtigkeit und Gelassenheit in ihren Familien- und Berufsalltag zu bringen.
So wie ich das sehe,
Ist Vereinbarkeit für dich ein Herzensthema und du schützt dabei für mich aus einem breiten Erfahrungs- und Wissensschatz und vor allem aber auch aus deiner persönlichen Geschichte.
Warum findest du das Thema denn so spannend,
Liebe Johanna?
Es gibt ganz viele Aspekte,
Warum ich das Thema so spannend finde,
Aber was ganz,
Ganz da drunter hängt,
Ist,
Dass ich finde,
Dass das Leben zu kurz ist,
Um auszuhalten.
Und gerade Mütter,
Berufstätige Mütter mit kleinen Kindern haben eine Spanne von drei bis sechs,
Zehn Jahren,
Je nachdem,
Wo sie wirklich ranklotzen und alles geben,
Sich komplett hinten anstellen und am Rande derer eine Schlupfung kratzen oder oft drübergehen.
Und das finde ich sehr,
Sehr schade,
Weil es ein bisschen verschenkte Lebenszeit ist für einen selbst.
Und das möchte ich einfach nicht und da möchte ich dagegen gehen und zu sagen,
Hier,
Es darf leicht sein.
Wie sah denn so dein persönlicher Weg dahin aus,
Dich mit dem Thema auseinanderzusetzen?
Grundsätzlich habe ich mich mit dem Thema an sich gar nicht so konkret auseinandergesetzt.
Für mich war von Anfang an klar,
Wenn ich Kinder haben werde,
Wobei noch nicht mal sicher feststand,
Dass ich wirklich Kinder haben möchte,
Aber sollte es soweit kommen,
Dann möchte ich das von vornherein klären,
Wie wir das machen,
Also da ein Familienmodell zu haben und nicht zu sagen,
Ja,
Jetzt haben wir Kinder und wir gucken,
Wie es kommt,
Sondern vor der Schwangerschaft haben wir uns zusammengesetzt und darüber gesprochen,
Wie wir es machen,
Wie unser Familienmodell ist und wie ich mir das vorstelle und wie meine Lebenskomplize sich das vorstellt.
Und da sind wir bei,
Unser Ältester ist jetzt sieben und wir setzen uns alle halbe Jahre zusammen und besprechen das.
Und so habe ich festgestellt,
Dass es für uns weniger ein Thema ist,
Dieses Vereinbarkeitsding,
Dass wir beides hinkriegen,
Beruf und Familie,
Aber viel in meinem Umfeld.
Man kommt ja in Kontakt mit anderen Eltern,
Mit anderen Müttern,
Die sehr,
Sehr viel gestresst waren und sehr viele Aufgaben unternommen haben,
Sehr viel Mental Load mit sich rumschleppen.
Wo ich gedacht habe,
Okay,
Irgendwie ist das bei uns nicht so oder nicht so ausgeprägt.
Und genau,
Deswegen habe ich mir das dann sehr zum Thema gemacht,
Weil ich auch,
Was ich tatsächlich schon mache,
Seit ich ungefähr denken kann,
Das Leben von anderen Menschen erleichtern.
Ich würde mir wünschen,
Dass jeder super leicht durchs Leben geht.
Genau.
Nicht nur zum Wohnamt.
Tolles Ziel.
Genau.
Megacool.
Ja.
Hast du da Lust,
Mal so ein bisschen zu berichten,
Was ihr dann so besprecht halbjährlich?
Was sind das so für Themen,
Die ihr euch da auf die Agenda nehmt?
Wir haben tatsächlich eine Agenda,
Also mit Tättchen,
Mit Punkten drauf,
Die grob immer gleich sind.
Beruf,
Der eigene Beruf,
Der Beruf des anderen,
Welche Ziele man hat,
Wie es läuft,
So grundsätzlich.
Das sind ja auch Dinge,
Die oft im Alltag zu kurz kommen,
Wenn man,
Wir haben drei Kinder,
Drei relativ kleine Kinder,
Wo wir uns sehr viel abstimmen müssen.
Also ein tiefer inhaltlicher Austausch einfach im Alltag zu kurz kommt.
So starten wir mit,
Was machen wir,
Wo willst du hin,
Wie läuft es?
Es geht um Haushalt,
Es geht um die Arbeitsaufteilung,
Es geht um unsere Standards,
Wobei über den Standards sprechen wir nicht mehr,
Den haben wir jetzt schon,
Was uns wichtig ist im Haushalt,
Wer was macht.
Ah,
Okay.
Um Routinen,
Die wir haben,
Was wir verbessern können.
Es geht auch um unsere Freizeitgestaltung,
Die eigene und die gemeinsame.
Also meine,
Deine,
Unsere heißt der Punkt,
Freizeitgestaltung.
Das,
So,
Und um unsere Beziehung geht es auch,
Wir sagen,
Wie stehen wir,
Was läuft gut,
Was läuft nicht gut?
Und wenn es irgendwas gibt,
Um das Finanzielle,
Das kommt erst,
Welche Finanzen,
Wie sieht es aus,
Wie sind wir aufgestellt,
Was haben wir für Ziele,
Was wollen wir noch machen?
Kinder,
Um die Kinder geht es eigentlich nicht,
Es sei denn,
Es steht irgendwas Wichtiges an,
Ist das irgendwie was Großes,
Wo wir wissen,
Okay,
Das wird kommen,
Genau,
Bei unserem Kleinsten,
Der wird eingewöhnt im August,
September,
Keine Ahnung,
Wann wir anfangen,
Aber wir haben den Platz,
Dass wir da dann einfach sprechen,
Wie regeln wir das schon mal im Voraus.
Aber grundsätzlich geht es da nicht um die Kinder,
Sondern mehr um uns.
Es klingt irgendwie nach einem sehr,
Sag ich mal,
Tiefen und auch komplexen Gespräch,
Finde ich.
Und auch,
Ja,
Es geht ja nicht nur um organisatorische Dinge,
Sondern auch um die eigentlichen Bedürfnisse und Wertevorstellungen und so weiter.
Wie lange sprechen wir da so miteinander?
Es geht tatsächlich überhaupt nicht um Organisatorisches,
Das Organisatorische machen wir so im Alltag einmal die Woche und mittlerweile sind wir sehr routiniert,
Was das eigentlich,
Wir haben das schon gemacht,
Ohne Kinder angefangen und anfänglich,
Als wir noch nicht so eine Routine hatten und auch vielleicht ein bisschen Scheu hatten,
Anzusprechen,
Es gibt auch so einen Punkt,
Der heißt Marotten des Partners,
Dinge,
Die einen stören,
Das anzusprechen und dann denkst du,
Sag ich das jetzt wirklich,
Das stört mich doch nicht so,
Da hat es eine Weile gedauert und haben wir vielleicht auch schon so drei,
Vier Stunden gesprochen,
Aber lustigerweise haben wir gestern das letzte Gespräch gehabt,
Da waren wir eineinhalb Stunden durch.
Ja,
Klingt spannend.
Ja,
Und ich glaube auch,
Wenn man sowas für sich etabliert hat,
Kann ich mir auch vorstellen,
Dass sich da auch so Dinge gar nicht so anstauen und dann solche Vorwürfe gar nicht so passieren,
Die ja so im Alltagsgeschehen häufig dann mal auf den Partner vielleicht auch abgeladen werden.
Eine Vorbereitung auf das Gespräch,
Dass mir gar nicht auf der bewussten Ebene klar war,
Dass mich irgendwas stört,
Dass da irgendwas im Unrein ist,
Aber ich denke,
Okay,
Jetzt wir haben das Gespräch,
Ich bereite mich darauf vor und durch die Zeit,
Die ich mir genommen habe und die Reflexion irgendwie rausgekommen ist,
Oh,
Da ist was,
Das läuft unrund,
Das ist nicht gut und das dann anzusprechen,
Bevor es schon Sand im Getriebe ist und bevor es irgendwie knirscht,
Sondern auf einer guten,
Wertschätzenden Ebene,
Aus der ich perspektive zu sagen,
Hier,
Das empfinde ich,
Wie können wir da gemeinsam dran arbeiten,
Eine andere Familienvision festhalten,
Dass wir gemeinschaftlich das gut machen.
Also das war schon mehrfach der Fall auf beiden Seiten und daher möchte ich gerne jeden ermuntern,
Das auch zu machen.
Ja,
Klingt für mich nach so einem ganz hilfreichen Tool für Vereinbarkeit.
Auf jeden Fall.
Vielleicht ist das die Basis dafür,
Oder?
Ja,
Die Basis fängt einem tiefer an und zwar in der Reflexion mit einem selbst,
Dass ich mir selber klar bin,
Wie will ich es überhaupt haben,
Dass ich das dann nach außen kommunizieren kann.
Das spielt da zwar mit rein,
Aber da,
Wo wir ansetzen,
Ist schon jeder ist für sich klar und wir klären das ab,
Weil wir auch unser Miteinander im Blick haben,
Genau.
Und wie hast du das für dich geschafft,
Da für dich klar zu werden?
Es ist ein bisschen eine Reise.
Ich glaube,
Das ist was,
Was nie fertig ist.
Dass ich sage,
Okay,
Das ist mein Ziel und da will ich hin und wenn ich das erreicht habe,
Ist alles gut.
Ich glaube,
Es ist einfach eher so ein Gefühl,
Wie gesagt,
Ich möchte diesen Gefühlszustand erreichen für uns als Familie,
Weniger was die Umstände angeht.
Und für mich ein ganz großer Wendepunkt war die Geburt meiner Tochter,
Die im siebten Monat tot auf die Welt gekommen ist,
Wo ich einfach mal fest,
Sehr krass mich mit mir beschäftigt habe und da auch wieder festgestellt habe,
Wie schnell das Leben vorbei sein kann.
Dass es überhaupt nicht gut ist,
Abzuwarten und Dinge auszuhalten und zu sagen,
Das wird schon irgendwie und auch die eigene Gestaltungsmöglichkeiten aus der Hand zu nehmen und zu sagen,
Ja,
Es ist halt jetzt gerade so,
Die Umstände sind halt jetzt gerade so,
Ich kann nichts dagegen tun.
Und da immer wieder bei einem selbst anzusetzen,
Zu sagen,
Ich bin unzufrieden,
Wo kommt es her?
Und dann ist das so ein Prozess,
Um selber herauszufinden,
Was ist mir wichtig,
Wie möchte ich leben?
Für mich persönlich,
Genau.
Was mir natürlich auch immer hilft,
Sind Coaches,
Mit denen ich zusammenarbeite,
Die ich begleite,
Die mir helfen,
Genau.
Wo man sich auch mal so ein bisschen sortieren lassen kann von Externen.
Häufig ist der Blick von außen dann auch echt hilfreich.
Total.
Dann trägt man sich nichts von dem eigenen Saft.
Genau,
Das kann ich auch nur unterschreiben.
Das finde ich auch immer sehr empfehlenswert,
Sich Unterstützung zu holen.
Zum Thema Unterstützung vielleicht auch.
Ist das auch was,
Wo du sagst,
Das ist für Vereinbarkeit wichtig,
Unterstützung außerhalb des Systems des Paares sozusagen?
Na klar.
Also wir sind ja eigentlich,
Das kennt ja wahrscheinlich jeder diesen Spruch,
Es braucht ein Dorf und ein Kind groß zu sein.
Und da kommen wir ja eigentlich her,
Wenn wir überlegen,
Wie unsere Menschheit angefangen hat als Sippe,
Die gemeinschaftlich sich um alles gekümmert hat,
Was anfiel.
Und jetzt sind wir zurückgerutscht,
Zwei Leute kümmern sich um ein,
Zwei,
Drei,
Vier,
Was weiß ich,
Wie viele Kinder.
Das ist natürlich eine Belastung.
Und je mehr man sich Unterstützung da reinholen kann,
Desto leichter ist es.
Ich merke ganz viel in der Arbeit mit meinen Mamas,
Sage ich immer,
Die ich zusammenarbeite,
Dass das ein Riesenthema ist.
Unterstützung annehmen.
Hilfe,
Fragen und Unterstützung annehmen.
Weil das so ein bisschen das Stigma hat,
Die schafft es nicht.
Ja,
So ein Versagen.
Ja,
Das sitzt tief.
Ja,
Und gerade so in Zeiten von Instagram,
Wo man immer sieht,
Wie glänzend das Leben der anderen offensichtlich ist.
Und dann kommt die Frage natürlich schneller mal auf,
Warum schaffen die das und ich nicht.
Es ist da auch ganz viel Mindset-Arbeit wahrscheinlich auch,
Die du da machst mit deinen Klienten.
Und wo wir auch immer anfangen,
Ist so die Herkunft,
Die Rollenprägung.
Das kommt ja auch irgendwo her.
Dass Frauen früher einfach,
Ich meine,
Es ist noch überhaupt nicht lange her,
Dass Frauen nicht arbeiten durften in Westdeutschland,
Wenn sie Haus und Hof quasi nicht im Griff hatten.
Das stand im Gesetz,
Dass der Mann bis 1979,
Dass die Frau arbeiten gehen kann,
Wenn der Mann es erlaubt und aber trotzdem ihre Aufgabe ist es,
Für Kind und Familie zu sorgen.
Haushalt ist verknüpft mit den Frauen.
Das heißt,
Das lädt man sich irgendwie alles auf und dann halt gleichzeitig noch das Arbeiten.
Und Frauen sind ja immer besser ausgebildet und irgendwie passt das halt nicht mehr zusammen.
Dann hat man auf der einen Seite diese modernen Ansprüche,
Ohne das irgendwie blöd zu meinen,
Zu sagen,
Okay,
Ich möchte Karriere machen,
Ich möchte erfolgreich sein.
Es geht weniger um Karriere,
Sondern was beitragen,
Um gestalten.
Und auf der anderen Seite hat man noch diese ganzen Rollen,
Die man mitgeschleppt hat,
Diese ganzen Anforderungen.
Du musst als Frau aber dich um alles zu Hause kümmern,
Du musst dich um die Kinder kümmern.
Und dann kommt das ganz oft auch durch eine Elternzeitverteilung,
Die ein bisschen unglücklich ist,
Wo der Mann entweder gar nichts oder sehr wenig macht und die Frau zur Expertin zu Hause wird,
Einfach weil sie sich in der Anfangszeit viel mit Kindern und Haushalt beschäftigt.
Und beim Wiedereinstieg wird dann verpasst,
Das umzuverteilen.
Und dann hat sie quasi diese Kinder- und Haushaltrolle und fängt dann wieder an zu arbeiten.
Auf einmal beides.
Und das macht es so ein bisschen schwierig.
Und da reinzugucken und zu sagen,
Okay,
Wo kommt es denn her?
Warum fühlst du dich so gestresst?
Wo kommt es her?
Was ist das Problem?
Und wie kannst du das auflösen?
Was ist denn so deine Erfahrung?
Was ist denn so der größte Stresspunkt,
Wenn es sowas gibt bei deinen Klienten?
Wo entsteht dieser Stress?
Ich sage dir gerne erst,
Was sie mir sagen.
Und dann sage ich dir gerne,
Was ich denke,
Wo der Stress herkommt.
Genau,
Der Stress ist einfach,
Dass sie sagen,
Es ist so viel.
Es sind so viele Termine und es ist so viel Haushalt.
Es gibt immer was zu tun.
Ich habe nie Pause.
Einfach sehr viel und sehr wenig Lebenszeit.
Und so richtig entstehen tut der Stress,
Natürlich sind die Umstände teilweise wirklich widrig.
Vor allem jetzt zu Corona.
Ich meine,
Jeder,
Der gerade Kinder hat zu dieser Zeit,
Der weiß,
Das Leben kann mitunter echt fies mitspielen.
Aber der größte Teil des Stresses entsteht einfach im eigenen Kopf.
Indem große Ansprüche da sind,
Die einem teilweise überhaupt nicht bewusst sind.
Indem Rollenvorbilder übernommen werden,
Hingefragt,
Die man denkt,
Dass sie gemacht werden müssen.
Indem auch sich sehr,
Sehr viel im Außen orientiert wird.
Und sagt,
Okay,
Ich mache das jetzt so,
Weil der eigene Weg,
Wir lernen das ja auch nicht als Gesellschaft,
Dass wir uns irgendwann mal damit auseinandersetzen,
Wie wir es haben wollen.
Das machen wir,
Oder wie wir es haben wollen und was wir können,
Was uns ausmacht,
Was uns wichtig ist,
Das gibt es nicht.
Das machen wir in der Schule nicht,
Das macht niemand mit uns.
Und entweder machen wir es mit uns selber,
Wir haben es nie gelernt.
Und deswegen ist da so ein bisschen Orientierungslosigkeit und wird versucht,
Dem allem gerecht zu werden,
Was da von außen reinkommt.
Und das verursacht einfach wahnsinnig viel Stress.
Und das ist dann wahrscheinlich wirklich so eine Art Zwiebelschälarbeit,
Dass man zum Kern durchgedrungen ist,
Da erst mal viel Verkrustetes abhellen muss und dann die eigentliche Arbeit beginnen kann.
Dann stelle ich mir das vor.
Arbeitest du eigentlich auch mit Männern,
Mit den Vätern?
Ich habe Novum gerade ein Paar,
Die bei mir sind und das gemeinsam anbieten wollen.
Ich bin ausgerichtet auf die Mütter,
Die das machen,
Weil der Leidensdruck höher ist,
Die dann kommen.
Und das geht natürlich auch nicht alleine.
Natürlich können die Sachen alleine bearbeiten,
Aber um Veränderungen in der Familie hinzukriegen,
Ist natürlich jedes Glied,
Das funktioniert nicht.
Und deswegen sind die Männer indirekt auch immer betroffen von meiner Arbeit.
Aber momentan habe ich aktuell das erste Mal beide.
Ja,
Das ist bestimmt auch spannend.
Also gerade,
Um das auch so mit auf den Weg zu bringen.
Also wie du sagst,
Es braucht halt einfach alle Beteiligten im System wahrscheinlich,
Damit das auch dann fruchten kann und nicht nur der eine losgeht und sagt,
Hey,
Jetzt habe ich hier ganz viel neuen Input.
Und der Mann oder der Vater dann sagt,
Ja,
Ist ja schön,
Aber habe ich da Bock drauf,
Das mitzumachen?
Das kann ich mir vorstellen.
Das ist wahrscheinlich auch in der einen oder anderen Familie vielleicht so ist,
Dass Männer vielleicht oder Väter nicht so offen sind.
Wie erlebst du das denn?
Das ist jetzt auch nur so eine Hypothese von mir.
Nee,
Habe ich tatsächlich auch.
Habe ich auch,
Dass Klienten total unglücklich sind,
Weil sie sehen,
Okay,
Sie können nicht alles alleine ändern in dem System,
Aber der Mann sich komplett querstellt.
Also ich habe eine betreut,
Die wollte wieder einsteigen,
Hatte dann ein Vorstellungsgespräch und da ging es um Reisetätigkeit.
Und sie meinte,
Ja,
Mein Mann hat mir gesagt,
Ja,
Guck,
Wenn du den Job machen willst,
Guck,
Wie du das hinkriegst.
Ich kümmere mich nicht,
Wenn du weg bist.
Und dann?
Das ist halt auch eine harte Nummer.
Ich bin ja niemand,
Also ich gehe nicht rein und sage,
Dann musst du so und so machen.
Das ist natürlich eine Lösung,
Die die Familie an sich treffen muss.
Ich kann ja nicht Entscheidungen treffen für deren Leben.
Das ist wieder dieses Ding,
Konzentrier dich auf dich,
Fokussier dich auf dich.
Und das ist eine sehr,
Sehr schwere Entscheidung einfach zu sagen,
Okay,
Was ist mir da jetzt?
Gehe ich da in den Kampf,
Gehe ich da in den Krieg?
Und deswegen,
Ich weiß nicht,
Ich finde es einfach super schön,
Alle,
Die schwanger sind oder alle,
Die denken,
Schwanger zu werden,
Irgendwann mal sich einfach vorher schon mit solchen Sachen auseinanderzusetzen.
Das ist das,
Was da hinkommt.
Das ist mir echt ein Herzensthema.
Ja,
Ist auch echt spannend,
Das im Vorfeld zu machen,
Weil häufig,
Klar,
Es braucht wahrscheinlich immer Nachjustierung.
Das macht ihr ja auch halbjährlich,
Das ist ja auch immer eine Nachjustierung.
Es verändern sich ja auch Dinge.
Aber dass man sich so über die groben Sachen schon mal irgendwie einig ist und dann nicht erst hinterher versucht,
Das Kind wieder aus dem Brunnen zu holen.
Vor allem auch eine Gesprächskultur entwickeln.
Wie du gefragt hast,
Anfangs war es schwer und hat lange gedauert.
Mittlerweile ziehen wir ziemlich schnell durch mit unseren Themen.
Genau,
Weil wir wissen,
Dass es hilft und dass es gut ist und dass wir uns gegenseitig wohlgesonnen sind.
Was halt viel einfacher ist,
Wenn man das entwickelt hat,
Als wenn man zwei verhärtete Fronten hat und nicht mehr aus diesem Vorwurstdenken rauskommt.
Und dieser eigenen Hilflosigkeit,
Wo man denkt,
Ich will und der andere ist böse und dann schaukelt sich das irgendwie hoch.
Und das will ja auch keiner.
Das ist ja nicht der Grund,
Warum man eine Familie gegründet hat.
Ja,
Total.
Und du sagst auch,
Das habe ich von dir mal gehört oder gelesen,
Dass sozusagen Eltern auch die besseren Angestellten sind.
Also es ist ja nicht nur schwierig und es ist ja auch nicht nur immer so ein Organisationsthema,
Sondern wir entwickeln ja als Eltern auch tatsächlich Kompetenzen,
Die uns für den Arbeitsalltag von Vorteil sind.
Was würdest du denn sagen,
Was sind denn das so für Kompetenzen?
Ich mache mal eine kurze Pause,
Damit jeder,
Der selber älter Teil ist,
Da reindenken kann.
Das ist ein Riesenpaket an Soft Skills,
Die man sich da mitbringt.
Wenn man mal daran denkt,
Dass das zweijährige Kind sich in die Ecke wirft,
Brüllt und auf den Boden knallt,
Weil es irgendwie kein Waschpulver essen darf.
Zugewandte Eltern sind die besseren Arbeitgeber.
Es gibt natürlich auch welche,
Die den Waschpulverlöffel wegnehmen und sagen,
Okay,
Sperre dich in dein Zimmer und wenn du dich beruhigt hast,
Gehst du wieder raus.
Das ist natürlich nicht der Teil,
Wo man lernt,
Aber wenn man zugewandt dem Kind gegenüber ist und denkt,
Okay,
Ich sehe deinen Schmerz,
Ich sehe deine Hilflosigkeit,
Wie können wir das hinkriegen?
Da lerne ich einfach Empathie und Führungskompetenzen zu sagen,
Okay,
Ich sehe deinen Punkt,
Trotzdem machst du,
Was ich will.
Waschpulver essen ist jetzt ein drastisches Beispiel,
Aber es gibt ja auch viele andere Kleinigkeiten im Alltag mit Kindern,
Ist das ein Punkt,
Der wahnsinnig wichtig ist.
Effizienz,
Weil einfach zu Hause ist was Wichtigeres.
Da daddle ich nicht noch dreimal mit meinem was auch immer rum oder komme nicht auf den Punkt,
Sondern weiß,
Ich mache die Aufgabe und wenn die erledigt ist,
Kann es gehen.
Zeitmanagement ist auch was,
Was sich wahnsinnig entwickelt,
Vor allem bei Menschen,
Die vorher noch nicht so strukturiert waren und dann Kinder bekommen,
Die merken,
Okay,
Da ist wahnsinnig viel Lernpotenzial.
Das sind jetzt immer so drei,
Vier Punkte.
Ja,
Das ist ja auch bestimmt für Wiedereinstieg sehr wertvoll,
Da zu sagen,
Das bringe ich jetzt mit und das ist auch keine verlorene Zeit gewesen oder keine Auszeit,
Die ich da hatte,
Sondern es ist ja auch eine Lern- oder Weiterbildungszeit gewesen irgendwie im weitesten Sinne vielleicht auch,
Um da wieder einen Undock zu finden auf einer adäquaten Position.
Schwieriges Thema auch,
Weil es von der Arbeitgeberseite auch oft so dargestellt wird.
Du warst jetzt weg und du musst dich jetzt erstmal wieder beweisen.
Da habe ich auch sehr viele,
Die bei mir sind und irgendwie,
Wenn es das erste Kind ist,
Auch komplett schockiert sind,
Dass sie nicht mehr das Standing haben,
Was sie vorher hatten in ihrer Firma,
Weil sie Eltern oder weil sie Mutter geworden sind.
Da sind wir in Deutschland noch nicht so weit,
Ne?
Nee.
Aber es gibt andere Länder,
Die da schon mehr zu machen.
Was machen die denn anders?
Die Väter mit ins Brot holen.
Also das ist tatsächlich der eine Punkt.
Fangen wir wieder bei den Rollenbildern an,
Bei den Rollenklischees.
Es ist Arbeitgeber,
Das ist eigentlich immer so flapsig reagieren,
Wenn eine Frau Mutter wird oder eine Arbeitnehmerin Mutter wird.
So ein bisschen wie das eifersüchtige Geschwisterkind.
So,
Jetzt hat die jemand anders,
Den die liebt und jetzt sind wir nicht mehr wertvoll.
Okay,
Weg,
Du kümmerst dich nicht mehr um uns.
Irgendwie ist es noch nicht in den Köpfen der Gesellschaft drin,
Dass beides geht und dass beides auch gewollt wird.
Dass Frauen heutzutage auch Lust haben zu arbeiten und auch alles ihre Kapazität zu geben,
Während sie auf der Arbeit sind,
Aber danach halt,
Aber nicht zehn Stunden auf der Arbeit klotzen zu wollen,
Ständig Überstunden zu machen und zu sagen,
Guck mal,
Ich mach Überstunden,
Ich mach Überstunden,
Ich bin voll wichtig,
Sondern halt auch in Teilzeit,
Weniger als diese acht Stunden am Tag,
Alles geben wollen,
Um dann wieder nach Hause zu gehen und dann da Mutter zu sein.
Dass beides geht,
Ist hier noch nicht so verknüpft.
Und in Deutschland ist es noch großflächig so,
Dass Mutter und Kind gehören zusammen.
Während Männer,
Wenn die Väter werden,
Bekommen mehr Geld,
Bekommen eine Gehaltserhöhung,
Weil sie jetzt eine Familie zu versorgen haben,
Das ist das andere Extrem.
Wenn Väter in Elternzeit gehen wollen,
Dann kriegen die total blöde Sprüche zum Teil.
Dann sagen,
Ja,
Was willst du denn da machen?
Wieso willst du denn da nach Hause?
Warum?
Oder wenn du das machst,
Dann kannst du aber deine Karriere vergessen.
Das habe ich auch alles schon erlebt,
Dass Väter abgestraft werden,
Wenn sie sagen,
Ich möchte aber aktiv meine Vaterschaft leben.
Und in Deutschland ist noch das sehr präsent,
Der Vater bringt das Geld rein,
Die Mutter kümmert sich ums Kind.
Und beides hat halt Auswirkungen auf die Arbeit.
Väter kriegen mehr Geld,
Mütter halt nicht.
Und das machen andere Länder besser,
Indem sie sagen,
Ja okay,
Vollzeitarbeit ist auch so ein Ding.
Ich bin der Meinung,
Dass diese 40-Stunden-Woche nicht nur für Eltern,
Dass die grundsätzlich überholt ist,
Ja,
Es gibt ja auch Studien,
Die wirklich zeigen,
Dass so lange Arbeitstage einfach total ineffektiv sind.
Und auch so eine Woche,
So eine lange Woche ineffektiv ist,
Wenn man das so mehr Möglichkeiten zwischendurch mehr zu entspannen und nur sechs Stunden zu arbeiten zum Beispiel oder drei Tage frei zu haben für die Produktivität und die Kreativität und überhaupt die Leistungsfähigkeit so viel mehr hergibt.
Da bin ich auch mal gespannt,
Wo es da mal noch hingehen wird.
Da hoffe ich auch sehr auf ein Umdenken sozusagen.
Zum Ende des Gesprächs würde ich dich noch mal fragen,
Liebe Johanna,
Was sind denn so deine Top-Vereinbarkeitstipps,
Die du vielleicht den Hörerinnen und Hörern noch mitgeben möchtest?
Also Tipp Nummer eins ist,
Es gibt nicht die eine Vereinbarkeit.
Es gibt nicht das eine Modell Vereinbarkeit,
Du machst so und dann läuft es.
Sondern es fängt immer dabei an,
Wie ist unsere Situation,
Wie will ich es haben?
Also wir leben 50-50 in der Aufteilung,
Aber das ist auch nicht das Modell für alle.
Da einfach sich klar zu werden und dann im Austausch hinzukommen.
Und dann zweiter Tipp für Vereinbarkeit ist Mut.
Den Mut zu haben,
Das auch gegen alle Menschen,
Die es anders machen,
Auszuhalten.
Oder auch mal in die Firma zu gehen und einzufordern,
Zu sagen,
Nee,
Ich will aber gerne remote arbeiten.
Oder im Homeoffice oder was auch immer.
Das sind ja dann die runtergebrochenen Tools,
Die man hat.
Aber da einfach mutig zu sein und da rauszugehen und zu sagen,
Nee,
Wir machen das aber so.
Und sich nicht in die Rechtfertigungsschleife zu geben.
Weil es gibt so viele Wege,
Wie man das falsch machen kann.
Und immer jemanden finden,
Der denkt,
Oh Gott,
Wie macht ihr das denn?
Wie kannst du nur?
Gerade Müttern ist immer dieses,
Wie kannst du schon arbeiten gehen?
Nach dem Mutterschutz,
Du Rabenmutter.
Oder wenn sie drei Jahre zu Hause bleibt,
Wie ist das Kind noch nicht in der Betreuung,
Das arme Kind?
Also man kann es nur falsch machen,
Um da mutig zu sein und zu sagen,
Das ist mein Weg und das ist mein Leben und dem möchte ich so gehen.
Und noch zwei ganz praktische Tipps für die Vereinbarkeit,
Die man jetzt direkt umsetzen kann,
Ist Routine und Medien.
Unser Gehirn liebt ja Routinen.
Und alles,
Was in der Routine verankert ist,
Das braucht nicht so viel Energie.
Das heißt,
So viele Routinen zu schaffen,
Wie es geht,
Damit das automatisiert läuft.
Und das Handy auf,
Also alles ausschalten,
Was irgendwie pushen kann,
Damit es uns nicht so viel Zeit frisst.
Und das ist auch was,
Was ich gerne mit meinen Mamas mache,
Einfach mal zu gucken,
Wie viel Medien,
Wie viel Bildschirmzeit man so am Tag verschleudert,
Was das Medium in einen wegfrisst.
Kann man auch weitermachen mit Netflix,
Wo man ja auch,
Aber genau,
Ein bisschen bewusst damit umgehen,
Wo man tatsächlich aktiv Zeit verliert.
Ja,
Ganz lieben Dank.
Und wie machst du das persönlich an so einem Tag wie heute,
Wo gegen Sturmwarnung alles geschlossen ist und Corona-Tests positiv sind,
Pool-Tests und so weiter?
Wie gehst du da damit um?
Ich verlege wichtige Dinge.
Ich weiß,
Okay,
Ich kann Dinge nicht abarbeiten,
Also konkret abarbeiten,
Wie ich machen wollte.
Das geht heute nicht,
Das verlege ich.
Ich erlaube meinen Kindern Medienkonsum für Sachen,
Wo es nicht geht.
Und ich übe mich tatsächlich in Gelassenheit.
Ich denke,
Ich kann die Situation jetzt nicht ändern.
Das sind die Umstände,
Die ich habe.
Natürlich kann ich mir jetzt Stress machen und sagen,
Ich versuche jetzt so viel wie möglich doch zu schaffen.
Oder ich reg mich auf,
Ein bisschen reg ich mich auch auf,
Aber für kurz.
Also es geht ja auch,
Man kann sich auch kurz aufregen und dann sagen,
Okay,
Das Ding ist jetzt abgeschlossen.
Und es ist so,
Wie es ist.
Und wir machen das Beste aus der Situation.
Und wir persönlich haben heute viel Nuss-Nougat-Creme-Brote gegessen.
Wir haben Olympia geguckt.
Wir Kinder hatten einen Megatag.
Ja,
Schön.
Vielen lieben Dank für deine Zeit,
Liebe Johanna.
So schön,
Dass ich hier sein durfte.
Lieben,
Lieben Dank.
Lass mich doch gerne wissen,
Welche Gedanken dich hier beschäftigen.
Alle Links dazu findest du natürlich wie immer in den Show Notes und auch die Links zu Johanna und ihren Angeboten.
Wenn du von Johanna zu ihren ganz persönlichen Lieblingstools mehr erfahren möchtest,
Dann hör doch gerne rein in die nächste Folge 7 Fragen an.
Und falls du neue Podcast-Episoden nicht verpassen möchtest,
Dann kannst du diese gerne auch ganz bequem per E-Mail in deinem Postfach erhalten.
Melde dich dazu einfach über den Link in den Show Notes an.
Ich freue mich sehr,
Dass du heute reingehört hast in diese Folge und natürlich auch,
Wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist bei Distress You,
Dem Podcast für weniger Stress im Job.
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