
Sorgsam Sorgen
by Kai Meinig
Wir alle sorgen uns hin und wieder nicht zu bekommen, was wir haben wollen oder zu erfahren, was wir nicht erleben möchten. Wir bedauern, was wir nicht halten konnten oder ärgern uns über das, was wir erhalten haben. Während wir das Schlimme befürchten oder das Schöne betrauern, raten uns Bücher, Schlager und Freunde, sich keine Sorgen zu machen. Sorgen sein zu lassen, bedeutet jedoch nicht, dass wir sie los werden müssen, sondern sie sein lassen dürfen. Kämpfen wir gegen Sorgen an, sorgen wir nur für zusätzliche Anspannung und ein Mehr an Leid. Indem wir uns beim Atem verankern, nehmen wir unseren Sorgen behutsam die Luft aus den Segeln und können uns ihnen nähern. Was zunächst groß und bedrohlich wirkte, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung meist als aufgeblähte Gedankenmuster, die von allein vergehen, wenn sie keinen Rückenwind erhalten. Ohne unsere Sorgen anzuheizen oder abzuwehren, können wir ihnen mit Achtsamkeit und Freundlichkeit begegnen.
Transkription
Willkommen zu deiner Sorgsam-Sorgen-Meditation.
Ich möchte dich gerne einladen,
Dir für die folgenden Minuten einen Zeitraum zu schaffen,
In dem du dich wohlfühlst und ungestört bist.
Am besten wählst du für diese Übung eine Sitzposition,
In der du gleichzeitig entspannt aber mühelos aufrecht sitzen kannst.
Entweder auf einem Meditationskissen,
Aber gerne auch auf einem Stuhl oder im Liegen,
Wenn Sitzen für dich gerade nicht möglich ist.
Und dann nimm einen tiefen Atemzug und mit dem Ausatmen darfst du die Augen sanft schließen,
Wenn das für dich angenehm ist,
Und dich auf deinem Platz niederlassen.
Nimm die Haltung wahr,
Sowohl die äußere und die Position,
Die du eingenommen hast,
Den Kontakt zur Unterlage,
Aber auch die innere Haltung.
Was für eine Stimmung bist du gerade anwesend.
Ruhig,
Unruhig,
Freudig,
Aufgeregt.
Und was für Gedanken gehen dir gerade durch den Kopf.
Vielleicht sind es sorgenvolle Gedanken,
Sorgen über ein Ereignis,
Was bevorsteht,
Gleich oder später.
Oder Sorgen über etwas,
Was in der Vergangenheit passierte,
Vor zwei Stunden oder zwei Jahren.
Vielleicht auch die Wiederholung eines bestimmten Themas,
Eine Sorge,
Die dir bereits vertraut ist.
Hängt die Stimmung,
Dein Gefühl damit zusammen?
Vielleicht rührt die Aufregung,
Die Unruhe auch aus diesen sorgenvollen Gedanken.
Und wie äußert sich diese Gefühls-Gedanken-Mischung im Körper?
Welche Empfindung spürst du im Körper?
Und vielleicht ist da Hitze,
Druck,
Enge,
Weite,
Krippel.
Und schau,
Was sich jetzt gerade zeigt.
Was ist jetzt?
Du musst nichts davon loswerden,
Musst in den nächsten Minuten nichts ändern,
Planen,
Tun,
Sondern darfst alles einladen,
Jetzt mit dir Platz zu nehmen.
Was wäre,
Wenn nur für die Dauer der Übungen alle Sorgen und Befürchtungen da sein dürften,
Ohne dass du sie loswerden musst oder etwas dagegen tun brauchst?
Nimm dein Gewicht wahr und du darfst mit jeder Ausatmung noch etwas mehr davon an die Unterlage abgeben,
Überflüssige Anspannung loslassen,
In den Schultern,
Augen,
Kiefer.
Und dann nimm wahr,
Dass du atmest,
Ohne dass du den Atem steuern musst oder verändern brauchst.
Egal ob tief oder flach,
Schnell oder langsam,
Das spielt keine Rolle.
Du darfst wahrnehmen,
Dass da Atem ist,
Du magst dich vielleicht sogar mit dem Atem wohlfühlen,
Darfst vielleicht genießen,
Dass der Körper ganz von allein atmet.
Und schau mal,
Ob es einen Bereich in dir gibt,
Wo du den Atem besonders deutlich spüren kannst.
Und diesen Punkt,
Diesen Bereich kannst du für die Übung als Ankerpunkt benutzen,
Einen Punkt,
An dem du immer wieder zurückkehren kannst,
Falls du dich in sorgenvollen Gedanken verlierst.
Welche Empfindungen gibt es an deinem Ankerpunkt,
Die mit der Atmung verbunden sind?
Was spürst du?
Und falls Gedanken auftauchen,
Ist das okay.
Solange du mit der Aufmerksamkeit auf dem Atem weilst,
Dürfen Gedanken im Hintergrund auftauchen,
Vergehen,
Einatmen.
Du weißt,
Du atmest ein.
Ausatmen.
Du weißt,
Du atmest aus.
Und immer,
Wenn du bemerkst,
Dass deine Aufmerksamkeit nicht mehr beim Atmen ist,
Du dich gerade vielleicht sorgst,
Dann nimm kurz die Überschrift deiner Sorge wahr,
Ohne dich im Inhalt zu verlieren.
Schau,
Was könnte die Überschrift sein?
Reicht oft ein Wort.
Und dann komm freundlich,
Aber bestimmt zurück zu deinem Ankerpunkt.
Einatmen.
Du weißt,
Du atmest ein.
Und ausatmen.
Du weißt,
Du atmest aus.
Und immer wieder schweift der Geist ab.
Das ist völlig normal.
Du darfst bemerken,
Welche Überschrift deine Sorge trägt,
Was sich zeigt,
Und dann zurückkommen zum Atem.
Ohne,
Dass du auf deine Sorgen reagieren musst.
Erinnere dich,
Für die Dauer der Übung darfst du genauso sein,
Wie du gerade bist.
Du musst nichts verändern.
Solange du den Atem spürst,
Dich verankerst,
Ist alles okay.
Du kannst nichts falsch machen oder besonders richtig.
Gedanken dürfen kommen und gehen,
So wie der Atem kommt und geht.
Einatmen.
Du spürst.
Du atmest ein.
Ausatmen.
Du spürst.
Du atmest aus.
Es geht auch nicht darum,
Deine Sorgen anzuhalten oder loszuwerden,
Sondern vielmehr darum,
Sie sein zu lassen und einen Schritt zurück zu treten,
Sie als Gedanken zu erkennen,
Die von allein entstehen und auch von allein vergehen,
Ohne dass du dich davon antreiben lassen musst.
Immer wieder bemerken,
Welcher sorgenvolle Gedanke hat dich abgelenkt.
Du darfst dann freundlich zurück zum Atem kommen.
Es kann auch helfen,
Deine Sorgen in Gedanken zu etikettieren,
Ohne lange darüber nachzudenken,
Welches Label du benutzen sollst.
Du benennst den Gedanken und kommst zurück zum Ankerpunkt,
Zum Atem.
Zum Beispiel Arbeitssorge,
Beziehungssorge,
Terminliche Sorge oder ganz allgemein das Wort Sorge.
Immer wieder den Atem spüren.
Und wenn du bemerkst,
Dass du dich anstrengst,
Besonders gut zu meditieren,
Damit deine Sorgen zu vertreiben oder dich womöglich darüber sorgst,
Dass du die Übung nicht richtig machst,
Nimm wahr,
Dass auch das nur sorgenvolle Gedanken sind.
Du musst ihnen nicht folgen.
Du kannst in dieser Übung nichts richtig oder falsch machen.
Spüre die Empfindung des Atems.
Und wenn du magst,
Darfst du deinen Sorgen auch zulächeln.
Nur für die Dauer der Übung musst du sie nicht allzu ernst nehmen.
Du darfst sie einladen,
Zu entstehen,
Von allein zu vergehen,
Während du dich bei deinem Atem verankerst.
Bewusst du atmest ein und ausatmen.
Du bist dir bewusst,
Du atmest aus.
Dann nimm noch einmal die Position deines Körpers wahr,
Den Kontakt zur Unterlage.
Und wenn du magst,
Dann empfange einen ersten,
Tieferen,
Bewussten Atemzug.
Dann öffne langsam die Augen und nimm dir einen Moment Zeit zu spüren,
Wie es dir geht.
Hat sich etwas verändert?
Vielleicht hast du bemerkt,
Dass da jede Menge sorgenvolle Gedanken sind und vielleicht Sorgen,
Die sich aufs Morgen oder Gestern beziehen.
Eventuell hast du ein bestimmtes Thema erkannt.
Vielleicht bemerkt,
Dass dieses Thema öfter bei dir läuft.
Vielleicht hast du auch bemerkt,
Dass im Moment eigentlich alles okay ist,
Solange du durch den Atem im jetzigen Moment verankert bist.
Das Sorgen oft nur so viel Macht über uns ausüben,
Weil wir ihnen Glauben schenken oder versuchen sie loszuwerden.
Denk daran,
Du kannst dich jederzeit auch über den Tag beim Atem im Körper verankern,
Damit eine gewisse Stabilität und Ruhe erreichen und dadurch einen Schritt von deinen Sorgen zurücktreten,
Ohne gegen sie anzukämpfen.
Ich hoffe die Übung hat dir ein wenig Beruhigung gebracht.
Wenn nicht,
Dann vergiss nicht,
Dass Meditation ein wenig Übung und Geduld erfordert.
Ich würde mich freuen,
Wenn wir uns in dieser oder einer anderen Übung wiederhören.
Bis dahin,
Pass gut auf dich auf.
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