
So fühlt Sich Nervensystem-Heilung An
Viele von uns funktionieren – aber spüren sich kaum noch. In dieser Folge erfährst du, warum das nicht an dir liegt, sondern an einem Nervensystem, das gelernt hat, dich zu schützen. Ich spreche darüber, wie sich alte Überlebensstrategien in deinem Körper festsetzen – und was es braucht, um wieder in Kontakt mit deiner wahren Lebendigkeit zu kommen. Du erfährst, warum Sicherheit nicht im Kopf entsteht, sondern im Körper. Und wie du Schritt für Schritt dein Nervensystem regulieren kannst, um wieder echt, weich und präsent zu werden. Eine Folge über das Spüren, über Selbstmitgefühl – und über den Mut, du selbst zu sein.
Transkription
Hey und willkommen!
Ich bin Jan und heute möchte ich mit dir über etwas sprechen,
Was vielleicht das Wichtigste ist,
Worüber wir überhaupt reden können,
Wie du wieder zu dir selbst findest.
Und damit meine ich nicht irgendeine spirituelle Reise oder einen Selbstfindungstrip.
Ich meine etwas viel Konkreteres,
Also etwas sehr Körperliches.
Denn das,
Was dich am meisten davon abhält,
Wirklich du selbst zu sein,
Sind nicht deine Ängste oder deine Zweifel,
Sondern dein Nervensystem.
Und ich weiß,
Das klingt vielleicht erstmal technisch oder biologisch,
Aber wenn du jetzt dran bleibst,
Wirst du verstehen,
Dass dein Nervensystem ziemlich lebendig ist.
Es ist nicht einfach nur ein Reizleitungssystem,
Wie wir das vielleicht in der Schule gelernt haben.
Dein Nervensystem ist dein innerer Kompass.
Es ist der Ort,
An dem du spürst,
Ob etwas stimmig ist,
Ob du dich sicher fühlst,
Ob du präsent bist oder abgeschnitten.
Es ist mehr als ein Schutzmechanismus.
Es ist der direkte Draht zu dir selbst.
Lass mich das mal so erklären.
Kennst du das Gefühl,
Wenn du in einen Raum kommst und sofort spürst,
Hier stimmt etwas nicht?
Bevor dein Verstand überhaupt analysiert hat,
Was los ist?
Das ist dein Nervensystem,
Das dir Informationen gibt.
Es kennt permanent deine Umgebung und sagt dir,
Sicher oder nicht sicher.
Wenn du also das Gefühl hast,
Du lebst nicht das Leben,
Das wirklich zu dir gehört,
Dann liegt das vielleicht nicht an mangelndem Mut oder fehlender Klarheit,
Sondern daran,
Dass dein System irgendwann gelernt hat,
So wie du bist,
Bist du nicht sicher.
Und das hat natürlich mit unserer Biografie zu tun,
Also die ganz frühen Prägungen,
Die in unser Nervensystem übergegangen sind.
In meiner Familie war zum Beispiel Emotionalität nicht willkommen.
Wenn ich als Kind wütend war oder traurig,
Dann hieß es schnell,
Stell dich nicht so an oder das ist doch nicht so schlimm.
Also mein System lernte,
Meine echten Gefühle sind gefährlich,
Sie bringen mich in Schwierigkeiten,
Also habe ich sie versteckt.
Und erst viel später habe ich dann verstanden,
Ich habe Jahre damit verbracht,
Mich anzupassen,
Mich zurückzunehmen,
Mich zu funktionalisieren und irgendwann dachte ich,
Das bin ich.
Vielleicht kennst du das ja auch,
Vielleicht hast du früh gelernt,
Dass es sicherer ist,
Brav zu sein oder zum Beispiel nicht zu viel wollen,
Dass es sicherer ist,
Dich nicht zu zeigen,
Wie du wirklich bist.
Und das ist das Verrückte,
Diese Strategie funktionierte bei mir.
Durch meine Anpassung bekam ich Anerkennung.
Also noch nicht in der Schule,
Das hat bei mir noch nicht gegriffen,
Sondern etwas später im Studium und dann die ersten beruflichen Schritte.
Von außen sah das alles ziemlich gut aus,
Aber im Inneren war ich abgeschnitten von mir selbst,
So würde ich das heute mal sagen.
Und hier wird es interessant,
Das ist nicht meine Schuld,
Das ist auch nicht deine Schuld,
Falls du dich darin wiedererkennst.
Unser Nervensystem hat einen verdammt guten Job gemacht.
Es hat uns beschützt.
Es hat uns getragen,
Auch da,
Wo andere uns vielleicht nicht sehen oder halten konnten.
Die Wahrheit ist,
Dein Nervensystem hat dich gerettet.
Diese Anpassung,
Dieses Zurückhalten,
Das war deine Überlebensstrategie.
Und sie war richtig,
Sie war notwendig in der damaligen Zeit.
Aber was damals richtig war,
Ist heute vielleicht der Grund,
Warum du dich selbst nicht mehr spürst.
Warum du dich leer fühlst oder fremdgesteuert,
Innerlich wie abgekoppelt.
Und was ich fatal finde,
Ist,
Dass dann irgendwann viele denken,
Das ist halt so,
Das bin ich eben.
Aber das stimmt nicht.
Das bist nicht du.
Das ist die Version von dir,
Die überlebt hat.
Aber Überleben und Leben,
Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Und hier kommt jetzt die großartige Nachricht,
Die gute Botschaft.
Genau dieses Nervensystem,
Das dich so lange im Überlebensmodus gehalten hat,
Ist jetzt dein Weg zurück in die Lebendigkeit.
Es geht nicht darum,
Etwas zu überwinden.
Ich hasse dieses Wort.
Als ob da etwas Falsches an dir wäre,
Was du bekämpfen müsstest.
Es geht darum,
Die Sicherheit zurückzugewinnen,
Die du brauchst,
Um dich wirklich zu zeigen.
Nicht im Kopf,
Sondern im Körper.
Lass dich zeigen,
Du bist sicher.
Aber wenn dein Nervensystem immer noch auf Gefahr programmiert ist,
Wirst du dich trotzdem zurückhalten.
Und hier kommt die Polyvagal-Theorie ins Spiel.
Das ist die Wissenschaft davon,
Wie unser autonomes Nervensystem funktioniert.
Du kannst dir das wie drei Funktionsweisen vorstellen.
Da gibt es einmal den Modus Kampf oder Flucht,
Also Stress und Anpassung.
Und dann zweitens den Rückzug,
Emotionale Taubheit,
Also wenn dein System sozusagen aus der Überlastung in den Shutdown geht.
Freeze,
Das Einfrieren und Taubwerden.
Ich fühle nichts mehr,
Weil es einfach zu viel ist.
Und dann gibt es drittens den Zustand von Sicherheit,
Verbindung,
Präsenz.
Die meisten von uns pendeln zwischen den ersten beiden Modis hin und her.
Entweder sind wir gestresst und getrieben oder wir sind abgeschaltet und fühlen nichts.
Aber was wir eigentlich suchen,
Ist dieser dritte gute Zustand,
Unsere Sicherheit.
Und das ist der Ort,
Wo du dich selbst spürst,
Wo du präsent bist,
Wo du dich zeigen kannst,
Ohne Angst haben zu müssen.
Und ich kann das so klar sagen,
Weil ich diesen Weg selbst gegangen bin.
Ich weiß,
Wie es ist,
Wenn man sich jahrelang über Anpassung und Leistung definiert hat und irgendwann merkt,
Ich bin innerlich wie betäubt oder ich fühle so schlecht.
Und diese Rückkehr zu mir selbst war kein Gedankenspiel,
Sondern ein Prozess,
Der durch den Körper ging.
Durch Zittern,
Stille,
Tränen,
Mut,
Neue Schritte und immer wieder dieses Spüren.
Ich erinnere mich an meine erste Körpertherapiesitzung.
Ich lag auf der Matte,
Die Therapeutin sagte,
Spür mal in deinen Körper hinein,
Was nimmst du wahr.
Und ich dachte,
Eigentlich nichts,
Absolut nichts.
Ich war so abgeschnitten von meinem Körper,
Dass ich buchstäblich nichts spüren konnte und das war erschreckend und zugleich erleichternd.
Erschreckend,
Weil mir klar wurde,
Wie weit weg ich von mir selbst war und erleichternd,
Weil ich endlich verstanden habe,
Warum ich mich so leer gefühlt habe.
Und ich kann dir sagen,
Die Reise zurück ins Spüren war richtig,
Richtig lang und alles andere als einfach.
Die erste Etappe war der Kontakt zur Wut und Aggression.
Das waren die verbotenen Gefühle in meiner Kindheit.
Da habe ich einige Seminare mitgemacht,
Die ziemlich wild waren.
Zuerst etwas fremd,
Aber dann habe ich richtig Spaß daran gehabt.
Alles rauslassen,
Raus tanzen,
Rausatmen,
Rausschreien.
Und mein Nervensystem lernte langsam,
Okay,
Ich kann diese Gefühle haben und trotzdem sicher sein.
Ich muss sie nicht verstecken.
Und dann,
Ganz allmählich,
Kamen auch die schönen Gefühle mehr ans Tageslicht.
Freude,
Lebendigkeit,
Neugier auf das Leben,
Wachstumslust.
Und das hat also mit dem Erlaubnis zum Fühlen zu tun.
Also ich gebe mir die Erlaubnis,
Alles zu fühlen,
Was es zu fühlen gibt.
Und dabei sicher zu sein,
Das ist entscheidend.
Du beginnst zu spüren,
Dass du heute sicher bist.
Dass du kein Kind mehr bist.
Du bist nicht mehr ausgeliefert.
Und das ist lernbar,
Wirklich.
Du kannst dein System beibringen,
Ich bin da.
Ich halte mich.
Ich darf mich zeigen.
Ich muss mich nicht länger verstecken.
Ja,
Wie geht das praktisch?
Jeder von uns hat ja seine ganz eigene Geschichte,
Seine eigenen Verletzungen,
Seine Überlebensstrategien.
Und deshalb gibt es auch keinen Einheitsweg zurück zu dir selbst.
Es gibt ganz viele unterschiedliche Wege.
Aber aus meiner Erfahrung aus kann ich sagen,
Das Wichtigste,
Das Allerwichtigste ist,
Es muss durch den Körper gehen.
Dein Nervensystem lernt nicht durch Erkenntnis,
Sondern durch Erfahrung.
Ich habe mal jemanden begleitet,
Der jahrelang dachte,
Er sei einfach nicht der emotionale Typ.
Aber in Wahrheit hat sein System so früh gelernt,
Gefühle zu unterdrücken,
Dass er gar nicht mehr wusste,
Wie sie sich anfühlen.
Und in unserer Arbeit zusammen ging es nicht darum,
Über die Gefühle zu reden,
Es ging darum,
Sie wieder zu spüren,
Zu fühlen,
Einen empfindenden Körper zu entwickeln.
Denn dein Körper weiß so viel mehr,
Als dein Verstand ahnt.
Er hat all deine Erfahrungen gespeichert,
Die schönen und die schwierigen,
Und er weiß auch,
Wie Heilung geht.
Manchmal,
Wenn ich in einer schwiegen Situation bin,
Frage ich meinen Körper,
Was brauchst du jetzt?
Und oft bekomme ich eine ziemlich klare Antwort.
Manchmal ist das Ruhe,
Manchmal Bewegung,
Manchmal Nähe oder Abstand.
Und noch eine wichtige Erkenntnis auf meinem Weg war,
Es geht nicht darum,
Perfekt zu werden,
Also nie wieder Angst zu haben oder nie wieder in alte Muster zu fallen.
Es geht darum,
Verbunden zu bleiben,
Mit dir selbst,
Deinem Körper,
Deinen Gefühlen,
Auch mit den unangenehmen.
Ich falle immer wieder auch mal in alte Muster zurück.
Aber der Unterschied ist,
Ich merke das viel schneller.
Und ich kann sanfter mit mir selbst sein.
Ich kann zu mir sagen,
Hey,
Ich sehe dich.
Ich verstehe,
Warum du das jetzt machst,
Und es ist okay.
Was brauchst du jetzt?
Das ist vielleicht das Wichtigste,
Was ich gelernt habe,
Selbst mit Gefühl ist nicht weich oder nachgiebig.
Es ist die stärkste Kraft,
Die ich kenne.
Es ist das,
Was deinem Nervensystem sagt,
Du bist sicher.
Du bist gewollt,
Du darfst sein,
Wie du bist.
Und wenn du anfängst,
So mit dir zu reden,
Wie mit einem besten Freund,
Das verändert alles.
Dein System entspannt sich,
Du kommst aus dem Kampfmodus raus,
Musst nicht mehr beweisen,
Dass du jetzt wert bist,
Geliebt zu werden.
Du bist gut,
So wie du bist.
Und eine letzte Sache will ich noch sagen.
Wenn du diesen Weg der Transformation gehst,
Wirst du verletzlich werden.
Du wirst Gefühle spüren,
Die du lange weggedrückt hast,
Vielleicht auch mal weinen,
Du wirst vielleicht wütend werden,
Auch Angst haben,
Das ist ganz normal.
Das ist sogar notwendig.
Denn diese Gefühle waren schon die ganze Zeit da.
Du hast sie nur nicht gespürt.
Verletzlichkeit ist nicht Schwäche.
Verletzlichkeit ist Mut.
Es ist der Mut zu sagen,
Ich bin ein Mensch,
Ich habe Gefühle.
Und ich brauche Verbindung,
Ich brauche Liebe.
Der Weg zurück zu dir ist kein Sprint,
Sondern ein Marathon,
Oder besser,
Es ist ein Lebensstil,
Eine Art zu leben,
So würde ich das sagen.
Eine Art zu leben,
Die sagt,
Meine Beziehung zu mir selbst ist das Wichtigste,
Was ich habe.
Ja,
Das war's für heute.
Und ich möchte dir sagen,
Heute kann ein neuer Anfang sein.
Wenn du bereit bist,
Dich selbst noch tiefer kennenzulernen.
Dein Nervensystem kennt den Weg.
Es weiß,
Wie Heilung geht.
Es weiß,
Wie Verbindungen entstehen und wer du wirklich bist.
Du musst nur bereit sein,
Zuzuhören und zu spüren.
Bejahend spüren.
Und wenn du magst,
Schreib mir mal,
Was deine Gedanken sind zu diesem Podcast,
Was er dir gezeigt hat oder in dir berührt hat.
Und denk dran,
Du bist nicht kaputt.
Du musst nicht repariert werden,
Sondern einfach lernen,
Wieder zu spüren,
Wer du wirklich bist.
Bis bald und bleib verbunden mit dir.
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