
Einschlafmärchen: Trillevip
Tauche ein, ins Land der Märchen: Nach einer kurzen, meditativen Entspannungs-Sequenz erzähle ich Dir das dänische Märchen von Trillevip. Es ähnelt dem deutschen Märchen Rumpelstilzchen - ist aber - wie ich finde - viel netter. Du darfst jederzeit einschlafen, denn Du kannst sicher sein, dass es gut ausgehen wird. Ich wünsche Dir eine gute Nacht und schöne Träume! Diese Episode ist ür Kinder und Erwachsene geeignet.
Transkription
Trillewipp,
Ein dänisches Volksmärchen mit einer meditativen Entspannungssequenz zur feierlichen und ruhigen Verabschiedung des Tages.
Vielleicht möchtest du dich noch einmal aufrichten oder sogar aufrecht hinsetzen und lasse dann deinen Blick ganz bewusst ein letztes Mal durch den Raumstreifen.
Ganz egal,
Ob es schon ganz dunkel ist oder ob du noch etwas siehst,
Es ist an der Zeit,
Dich vom Heute zu verabschieden.
Denn es ist alles getan.
Der Tag neigt sich dem Ende zu und du darfst alles,
Was war,
Einfach gut sein lassen.
So wie im Außen als auch in deinem Inneren.
Wenn du die Geste magst,
Dann lege deine flachen Handflächen wie beim Gebet aufeinander und nimm sie vor deine Brust,
Sodass die Daumen dein Brustbein berühren.
Senke deinen Blick in Richtung deiner Hände und schenke dir selbst ein freundliches Lächeln.
Bedanke dich bei dir selbst für den heutigen Tag,
Denn du hast deine Sache heute gut gemacht.
Spüre dich,
Deinen Atem,
Deinen Herzschlag und schicke dein Lächeln in dein Herz hinein.
Vielleicht kannst du die Freude spüren,
Du selbst zu sein.
Spürst die Verbindung zu dir selbst,
Zu deinem Körper und wenn du dann soweit bist,
Dann mache es dir im Liegen bequem.
Regel und rückel dich in deinem Bett so richtig gemütlich und genüsslich zurecht.
Gib dir die Bewegungen,
Die dir gerade gut tun.
Vielleicht überkommt dich dabei ein Gähnen.
Spanne ruhig nochmal alle deine Muskeln an und lass dann los.
Lass los.
Schließe,
Wenn du es nicht schon getan hast,
Ganz sanft deine Augen und gönne dir noch zwei,
Drei ganz tiefe und bewusste Atemzüge.
Ein und aus.
Spüre,
Wie die Luft in dich hinein strömt und wieder heraus.
Spüre,
Wie die Luft dich bewegt,
Wie sie sich in dir ausbreitet und wieder herausfließt und mit jedem Ausatmen,
Lass ein bisschen mehr los.
Anspannung,
Ballast,
Ausgediente Gedanken,
Lass los und lass dann deinen Atem ganz ruhig und natürlich fließen.
Dein Kopf darf angenehm schwer ins Kissen sinken,
Deine Gesichtszüge ganz weich und glatt werden,
Dein Kiefer ganz locker,
Deine Schultern,
Dein ganzer Körper angenehm weich und locker und entspannt und es darf sich so gut anfühlen.
Mehr und mehr in die Kissen zu sinken,
Weich und warm.
Vielleicht huscht noch das ein oder andere Bild des Tages vorbei.
Eindrücke von heute,
Begegnungen,
Erlebtes,
Angenehmes,
Vielleicht auch Anstrengendes.
Stell dir vor,
Du siehst diese Bilder deines heutigen Tages in einem schönen alten Kino an,
Ganz interessiert.
Siehst gespannt zu,
Wie die Person auf der Leinwand,
Die du bist,
Ihren Tag so gemeistert hat.
Ein paar Sequenzen noch und vielleicht merkst du,
Wie du immer müder wirst,
Immer schwerer in den bequemen Kinosessel sinkst,
Während sich die Landschaft auf dieser Kinoleinwand verändert und du in eine wunderbare,
Entspannte Welt eintauchst.
Es gibt nichts mehr zu tun,
Außer zu entspannen und so kommst du an im Land der Märchen.
Es war einmal ein Mädchen,
Das lebte auf der Insel Fünn.
Eines Sonntags war es in der Kirche gewesen und ging auf dem Heimweg durch einen Wald,
Der zu einem grauen Herrenhof gehörte.
Sie ging in Gedanken und zählte auf zwanzig,
Aber wie sie sich umschaute,
Sah sie den Sohn vom Herrenhofe,
Der ganz dicht hinter ihr ging.
Und sie wurde rot,
Weil sie überzeugt war,
Dass er ihre Selbstgespräche mit angehört hatte.
Er fragte sie auch gleich,
Was es bedeuten sollte,
Dass sie so vor sich hin zählte und in ihrer Verlegenheit antwortete sie ins Blaue hinein und sagte,
Ich habe mir nur ausgerechnet,
Wie viele Spindeln an Garn ich jeden Abend spinnen kann.
Er kam heim und erzählte seiner Mutter,
Mit was für einem Mädchen er im Wald gesprochen hatte.
Sie könne zwanzig Spindeln Garn in einem Abend spinnen.
Das sei eine andere als ihre Mädchen.
Die Frau hatte nichts Eiligeres zu tun,
Als nach dem Mädchen zu schicken und ihr das Blaue vom Himmel herunter zu versprechen,
Wenn sie als Spinnmädchen zu ihr kommen wollte.
Und das Mädchen sagte gleich zu,
Denn sie dachte nicht,
Dass die Frau jene verflogenen Worte kannte.
Sie trat den Dienst an und am Abend kam die Frau mit Garnrollen an für zwanzig Spindeln Garn.
Denn ich habe gehört,
Dass du so viele spinnen kannst.
Das Mädchen spann und spann,
So viel sie nur konnte.
Und es wurde spät.
Es ging auf Mitternacht zu und sie war weder halb noch ganz fertig.
Das arme Mädchen.
Sie spann und weinte und kam doch zu keinem Ende.
Um Mitternacht kam auf einmal ein kleiner Knirps mit roter Mütze herein.
Und er sagte,
Warum sitzt du denn und weinst?
Kann ich dir helfen?
Ja,
Das ist so und so,
Sagte sie.
Alles das hätte ich heute Abend spinnen sollen und ich bin noch nicht einmal halb fertig.
Wenn du mir helfen könntest,
So wäre ich sehr froh.
Damit hat es keine Not,
Sagte der Kleine,
Wenn du fürs Erste meine Liebste und später meine Frau werden willst.
Und in ihrer Not gab das Mädchen das Versprechen mit angstvollen Gedanken an die Zukunft.
Und eins,
Zwei,
Drei war die ganze Arbeit getan.
Aber von da an half ihr der Kleine jeden Abend bei ihrer Arbeit.
Die Frau konnte sie so gut leiden,
Dass sie gar nicht mehr als Magd gehalten war.
Sie sollte wegen ihrer Tüchtigkeit den Sohn zum Mann bekommen.
Das war schlimm,
Denn sie hatte sich ja dem kleinen Knirps versprochen und das wagte sie nicht zu sagen.
Die Hochzeit wurde vorbereitet,
Aber je näher der bestimmte Tag kam,
Umso trauriger wurde das Mädchen,
Sodass der Knirps merken musste,
Dass etwas nicht in Ordnung war.
Sie erzählte ihm,
Wie die Geschichte stand und er brummte ein wenig.
Dann aber sagte er ihr,
Wenn sie seinen Namen raten könne,
So wolle er sie freigeben.
Sie durfte dreimal raten und habe drei Tage Bedenkzeit.
Sie wollte es probieren,
Obgleich sie durchaus nicht wusste,
Wie sie es anstellen sollte.
Da traf es sich aber zum Glück,
Dass der Jäger vom Hof,
Der jeden Tag nach Wild für die Hochzeit jagen musste,
Am Abend spät an einem nahen Hügel kam und da sah er ganz unheimlich viele Lichter innen in dem Hügel und das kleine Bergvolk tanzte.
Das Knirpschen war ganz besonders übermütig und sprang umher und sang »Ich spinn und hasple fleißig,
Eine schöne Jungfrau weiß ich,
Trillewipp heiß ich«.
Inzwischen vertraute das Spinnmädchen einer anderen Magd ihr heimliches Verlöbnis an und die Verlegenheit,
In der sie wegen des Bergmännchens war.
Die andere Magd jedoch hatte eben gehört,
Wie der Jäger von seinem Erlebnis am Abend erzählt hatte und sie berichtete die ganze Geschichte von Anfang bis zum Ende wortwörtlich der Spinnerin.
Wie nun das Bergmännchen kam und sie raten sollte,
Wollte sie sich von vornherein nichts anmerken lassen und riet das erste Mal »Peter« und das andere Mal »Paul« und der Kleine tanzte und glänzte vor Vergnügen wie ein neues Geldstück.
Aber das Vergnügen sollte nicht lange dauern,
Denn als sie zum dritten Mal raten sollte,
Sagte sie »Trillewipp bist du genannt« und da war's vorbei mit des Knirpschens Feierei,
Bekommen konnte er sie nun nicht mehr.
Aber er wollte ihr doch noch einmal helfen und er wusste wohl,
Dass sie es recht nötig haben würde,
Denn der junge Herr hatte sie ja gewollt,
Weil sie so gut spinnen konnte und er würde in helle Wut geraten und sie verstoßen,
Wenn er hinter den wahren Sachverhalt käme.
Deshalb sagte der kleine Bergmann im Weggehen zu ihr »An deinem Hochzeitstag werden drei alte Weiber in die Stube treten,
Wenn ihr beim Male sitzt.
Die erste musst du Mutter nennen,
Die zweite Großmutter und die dritte Urgroßmutter.
Und wenn sie auch noch so gräulich aussehen und dein Mann noch so ungehalten ist,
So musst du sie doch bewirten,
So gut du nur kannst.
« Und es kam,
Wie er gesagt hatte.
Sie tat,
Wie er ihr geraten hatte,
Obgleich sie durchaus nicht einsah,
Zu was das gut sein sollte.
Die erste,
Die kam,
War ein gräuliches altes Weib mit zwei großen roten Augen,
Die ihr weit über die Wangen herunterhingen.
Und als der junge Mann und Bräutigam sie fragte,
Wie das gekommen sei,
Dass ihre Augen so rot seien,
Da sagte sie »Das kommt davon,
Dass ich nächtelang aufgesessen bin und gesponnen habe.
« Als diese gegangen war,
Kam die zweite.
Und auch das war ein hässliches altes Weib.
Sie hatte einen Mund bis fast zu den Ohren.
»Von was kommt es denn,
Dass ihr so einen großen Mund habt?
« fragte der junge Ehemann.
»Ja,
Das kommt davon,
Weil ich so oft meinen Finger lecken musste,
Wenn ich spann.
Denn sonst wäre der Faden nicht glatt geworden und ich habe so viele Jahre gesponnen,
Tag und Nacht,
Dass es ein Wunder ist,
Dass mein Mund nicht noch größer wurde.
« Schließlich kam die allergräulichste von den dreien.
Sie humpelte auf zwei Stöcken daher und konnte weder stehen noch gehen.
So schwach waren ihre Beine.
»Was fehlt euch denn,
Mütterchen?
«,
Sagte der Mann,
»weil ihr gar so mühsam daherschleicht.
« »Ja,
Ich bin so schwach geworden vom Treten.
Ich spinne nun seit Menschengedenken und ich möchte nicht wünschen,
Dass jemand das ecken sollte,
Was ich gepflügt habe und auch so elend werden sollte wie ich.
« Als auch diese ihres Weges gehumpelt war,
Sagte der junge Herr zur Spinnerin,
Die nun seine Frau war,
»Du sollst von jetzt an nie mehr spinnen,
Denn ich möchte um keinen Preis,
Dass du so aussiehst wie deine Mutter oder deine Großmutter oder deine Urgroßmutter.
« Nun begriff sie,
Was das Bergmännchen bezweckt hatte,
Und war froh,
Dass sie seinen Weisungen so pünktlich gefolgt war.
»Ist das nicht eine nette Geschichte?
« »Und was denkst du,
Wie es wohl weiterging?
« Eines ist sicher,
Alle lebten glücklich und in Frieden bis an ihr Lebensende,
Und wenn sie nicht gestorben sind,
So leben sie heute noch.
Dir wünsche ich eine gute Nacht mit glücklichen Träumen.
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