
Was Mein Verstand Mir Alles Erzählt Hat
by Ina Rudolph
In diesem Video geht es um Gedanken, die sich in meinem Leben sehr wahr angefühlt haben – und darum, wie selten vieles davon tatsächlich so eingetreten ist. Die belastenden Gefühle waren trotzdem da. Dieser persönliche Text führt zu einer zentralen Frage: Ist das, was ich gerade denke, wirklich wahr? Eine Einladung, den eigenen Gedanken nicht automatisch zu glauben, sondern sie genauer anzuschauen.
Transkription
Ich arbeite jetzt seit 30 Jahren mit The Work von Byron Katie und ich liebe es,
Diese Glaubenssätze aufzulösen,
Die uns blockieren.
Schmerzen,
Die uns immer wieder was wahrnehmen lassen,
Was so aber gar nicht ist.
Diese ganzen Urteile über uns selbst.
Diese Glaubenssätze aufzulösen hat etwas mit Loslassen zu tun.
Gedanken,
Die nicht zu mir gehören.
Loszulassen.
Gedanken,
Die ich nur übernommen habe von anderen.
Vielleicht in der frühen Prägefase von Eltern,
Großeltern,
Lehrern.
Kindergärtnern.
Und dieses Loslassen ist so herrlich.
Und ich habe ein Buch darüber geschrieben,
Nämlich Ich will ja loslassen,
Aber woran halte ich mich dann fest?
Daraus lese ich dir die Einleitung.
Ich bin im Osten aufgewachsen.
Im Osten Deutschlands DDR.
Bis zu meinem 19.
Lebensjahr habe ich geglaubt,
Ja gewusst.
Dass es mir niemals vergönnt sein wird,
Die Welt zu sehen.
Niemals in Italien Pasta essen.
Niemals im Mittelmeer baden.
Niemals durch den New Yorker Central Park schlendern.
Niemals wissen,
Wie es im Rest der Welt zugeht.
Eingeschlossen in einem Miniland,
Welches behauptet,
Dass seine Mauer nur gut für mich sei.
Immer wenn mich Gedanken an diese trostlose Zukunft befielen,
Raste eine Wut durch meinen Körper,
Die sich gegen alle und niemanden konkret gerichtet hat.
Die Folge waren stundenlange Diskussionen.
Misstrauen,
Viele Tränen.
Und das dumpfe Gefühl,
Gefangen zu sein.
Und wie ist es gekommen?
Anders.
Meine erste Liebe traf ich mit 14.
Wie eifersüchtig war ich auf jeden Blick,
Den er einer anderen Frau zuwarf.
Meine Gedanken malten Schreckensszenarien,
Wenn wir mal einen Abend nicht beieinander waren.
Ich sah deutlich,
Wie er sich in ein anderes Mädchen verliebte.
Wir mit Kumpels Bier trinken gingen und darüber eine Verabredung mit mir vergaß.
Oder wie er sich im Bett umdrehte und einschlief,
Ohne mich zu küssen.
Ich litt Höllenqualen,
Konnte in der Schule nicht folgen und schlief schlecht.
Ich dachte,
Ich müsse sterben,
Wenn er mich verließe.
Keine meiner Befürchtungen traf ein.
Aber die quälenden Gedanken und Gefühle,
Die habe ich gehabt.
Ich habe sie so deutlich gespürt,
Als hätte meine erste Liebe sich in ein anderes Mädchen verliebt.
Als hätte er tatsächlich unsere Verabredung vergessen oder wäre eingeschlafen ohne mich zu küssen.
Als hätte ich sterben müssen.
Wahr ist,
Eines sonnigen Tages hab ich ihn verlassen.
Ich bin nicht gestorben,
Sondern einem anderen hübschen Kerl hinterhergelaufen.
Warum?
Konnte ich nicht sagen.
Einige gescheiterte Liebesgeschichten später haben meine Freunde und ich angefangen uns für Psychologie zu interessieren.
Was ist los mit uns?
Warum klappt es nicht mit der Liebe?
Warum brauchen wir Freunde und warum tun sie uns nicht immer gut?
Es wurde großer Abwasch gemacht und ich erfuhr,
Dass mein Humor zu schwarz sei.
Ich nicht aufmerksam genug wäre,
Ich nur an mich denke und dass es nicht gut für den Charakter sei,
Wenn Geld einem so wichtig wäre.
Nachdem ich das einige Male gehört hatte,
Fing ich an,
Es zu glauben.
Ich war offensichtlich falsch,
So wie ich war.
Ich fühlte mich mies.
Traute mich anderen Menschen kaum noch unter die Augen und hatte nur noch Frieden,
Wenn ich alleine war.
Und das auch nur,
Wenn ich gerade nicht an meine Misere dachte.
Ich war mir sicher,
Ich müsste mich ändern,
Ansonsten würde ich keine Freunde mehr haben,
Allein sein und mein Erdenleben irgendwie herumbringen müssen.
Unverstanden und ungeliebt.
Oft.
Sehr oft im Laube meiden.
Oft,
Sehr oft im Laufe meines Lebens habe ich geglaubt,
Meine Gedanken wären wahr und ich wüsste,
Was kommt.
Ich wüsste,
Wie der Satz weitergeht,
Den ein Freund gerade sagt und auch,
Was er damit meint.
Ich wüsste,
Was andere über mich denken und wie sie reagieren werden.
Ich wüsste,
Was das Leben mir noch zu bieten hat.
Immer wenn ich geglaubt habe,
All das zu wissen,
Erschien mir das Leben grau.
Banal.
Und todsterbenslangweilig.
Und wie oft kam es anders als ich dachte?
Fast immer.
Stellen Sie sich vor.
Sie würden morgen die Augen öffnen und wüssten nicht,
Was in den nächsten Sekunden geschieht.
Alle Gedanken,
Die ihnen sonst einflüstern,
Wie schwer es ist,
Um diese Uhrzeit aufzustehen,
Welche Anstrengungen heute auf sie warten und was sie sich wieder von ihren Kindern und Kollegen werden bieten lassen müssen,
Wären abwesend.
Sie würden sich aus dem Bett erheben und nicht darüber nachdenken,
In welcher Laune ihre Kinder erwachen.
Sie würden in Ruhe abwarten,
Was die Realität ihnen anbietet.
Sie würden aus der Haustür treten,
Und alles wäre neu.
Unerwartet.
Ein frischer Blick.
Sie hätten sich nicht mit Gedanken über das Wetter,
Das Gedränge in der U-Bahn oder den kommenden Besuch der Schwiegereltern beschäftigt.
Sie würden mit dem Bewusstsein durch den Tag gehen,
Da sie nicht wissen können,
Was als nächstes geschieht.
Sie würden Menschen begegnen und nichts über sie denken.
Hätten noch keine Urteile gefällt.
Sie nicht in Schubladen gesteckt.
Wie könnten Sie denen dann zuhören?
Sie würden nicht glauben,
Dass,
Wenn sie dieses sagen oder jenes tun,
Bestimmte Konsequenzen auf sie zukämen.
Wie wäre das?
Wie wäre ihr Leben,
Wenn sie nicht wüssten,
Was als nächstes geschieht?
Und können sie es denn wissen?
Die Realität wäre dieselbe.
Ihre Kinder,
Ihr Partner,
Ihre Kollegen und die Menge Geld in ihrer Tasche wären so wie immer.
Ihr denkt darüber allerdings nicht.
Sie könnten neugierig sein,
Befreit von allem Unheil,
Das zwar nicht da ist,
Das sie aber in der Zukunft vermuten.
Ihr Leben würde prickeln.
Wie ein erlesener Champagner.
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