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shantissima #4: Toxische Positivität

by Isabel Lasthaus

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"Kopf hoch", "Du schaffst das schon", "Sei nicht so negativ" - wenn es uns nicht gut geht, kommen ganz schnell viele Tipps aus der Welt des so genannten positiven Denkens. Nur: Ist das hilfreich? Wie können wir so genannten negativen Gefühlen Raum geben, ohne uns in ihnen zu verlieren? Und wie funktioniert das mit dem positiven Denken auch in schwierigen Situationen?

Transkription

Ich habe neulich eine Interviewanfrage bekommen,

Und es hieß,

Es ginge um Toxic Positivity,

Die sogenannte toxische Positivität,

Die in den USA ein fester Begriff mittlerweile ist und als ein Problem in der spirituellen Szene angesehen wird.

Ich sage,

Es betrifft nicht nur die spirituelle Szene,

Sondern es betrifft auch durchaus die Szene in Anführungszeichen der Therapeuten,

Therapeutinnen und der Coaches.

Worum geht es bei toxischer Positivität?

Es geht darum,

Dass du,

Egal was du als problematisches Gefühl,

Möchte ich das jetzt erstmal nennen,

Eine positive Weltsicht als schnelle Antwort bekommst.

Und das ist auch das Problem daran.

Es ist ein Quick-Fix,

Also eine ganz schnelle Lösung,

Vor allem für denjenigen,

Der zuhört.

Denn ich muss mich dann nicht damit auseinandersetzen,

Was mir da eventuell an problematischen Gefühlen entgegengebracht wird.

Ich gebe dir ein paar Beispiele.

Ein Beispielsatz könnte sein,

Ach,

Da kommst du drüber weg,

Du bist doch so stark.

Wenn jemand nicht gerade zu den notorischen und chronischen Jammerern gehört,

Und zu denen komme ich später nochmal,

Dann wird das eventuell als ein aufmunternder Satz wahrgenommen.

Nur alle starken Menschen,

Die ich kenne,

Und ich kenne einige,

Haben durchaus ihre schwachen Momente,

Und das weiß ich von mir selber.

Und das heißt für diese Menschen viel,

Zu zeigen,

Ich fühle mich hier an einer Grenze gerade,

Das für mich aushaltbar angelangt,

Dass das nicht gewürdigt wird.

Sei nicht so negativ.

Das ist auch ein wunderbarer Satz der Toxic Positivity,

Wenn es bei diesem Satz bleibt.

Das ist so eine Abprallwand.

Aussage ist unter anderem,

Du siehst es falsch.

Was wir uns klar machen müssen,

Ist,

Dass jemand,

Der sich in Anführungszeichen in negativer Stimmung oder negativer Energie befindet,

In seinem emotionalen Teil des Gehirns unterwegs ist und nicht im rationalen.

Und das ist nicht hilfreich in diesem Augenblick.

Ich werde auf diese Sätze,

Die ich dir als Beispiel nenne,

Jeweils zurückkommen.

Ich möchte nur klar machen,

Um welches Feld es geht,

Bevor wir uns das genauer anschauen.

Ein weiterer Satz ist zum Beispiel,

Es könnte schlimmer sein.

Ja,

Auch super gut gemeint.

Wir wissen,

Wie das ist mit dem Gut Gemeinten.

Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Intentionen.

Also,

Ich habe ja eine Folge,

In der es um sogenannte negative Gefühle geht.

Wenn dich das Thema interessiert,

Kannst du da gerne auch reinhören.

Ich finde es interessant,

Dass wir immer noch und immer wieder der Trennung auf den Leim gehen und unterscheiden in positive und negative Gefühle,

Wobei wir natürlich am liebsten vorgeblich nur die positiven hätten.

Worum es geht hier ist,

Was ist hilfreich,

Wenn jemand uns mit,

Ich sage es wieder in Anführungszeichen,

Negativen Gefühlen entgegenkommt?

In meiner Ansicht nach geht es dabei um die Frage,

Was ist jetzt hilfreich und was ist nicht hilfreich und nicht,

Was ist positiv und was ist negativ.

Gefühle wollen gefühlt werden.

Diesen Satz hast du schon von mir gehört und du wirst ihn noch öfter hören.

Toxische Positivität verhindert das und gibt den Eindruck,

Ich bin einfach nur auf der falschen Spur und wenn ich auf der richtigen Spur wäre,

Dann hätte ich diese Gefühle nicht,

Ergo mit mir ist was falsch.

Das Problematische daran ist,

Dass fast jeder Mensch sich ein Stück weit falsch fühlt.

Auf jeden Fall nicht genug fühlt,

Sich nicht als genug betrachtet,

Sich als nicht wirklich wertvoll betrachtet und mit diesem Gefühl kommen wir oft zum Coaching,

Ins Yoga,

Zur Meditation,

In eine spirituelle Welt,

In die Energiearbeit.

Oft mit diesem Gefühl des Mangels,

Hier fehlt etwas und ich möchte das haben und das ist so wunderbar,

Dass das gespürt wird,

Da ist irgendwie eine Lücke und diese Lücke will ich füllen,

Nur bei diesem Satz müssten wir bleiben.

Diese Lücke will ich füllen bzw.

Muss ich füllen,

Die wird mir kein Coach,

Keine Yoga-Lehrerin,

Kein Retreat,

Kein Teacher-Training,

Nichts von außen wird diese Lücke jemals füllen.

Und ich finde das amüsant,

Dass die yogische Szene auch gerade gerne dann mit großem Mitgefühl,

Einem etwas spöttischen Mitgefühl,

Auf jeden Fall einem Gefühl der Überlegenheit auf die Menschen schaut,

Die Luxus in jeder Art konsumieren,

Weil sie ja bereits wissen,

Dass von außen nicht die Nahrung kommt,

Die uns wirklich,

Wirklich satt macht auf der seelischen und emotionalen Ebene,

Dann wird herablassend sich geäußert über Menschen,

Die sich Luxusmarken gönnen,

Die sich teure Autos gönnen,

Die sich ein großes Haus kaufen,

Glaub mal,

Das weiß ich wirklich,

Ich staune bis heute,

Wie triggernd das Thema Geld und Luxus in der spirituellen Welt ist,

Dazu wird es ganz bald eine Folge geben,

Eine Extrafolge.

Der Witz ist,

Was ich oft beobachte,

Ist,

Dass dieselben Menschen,

Die diesen Themen abgeschworen haben und ich bin ganz bei denen,

Ich meine nichts davon erfüllte ich,

Nichts davon füllt innere Leere,

Nur dann wird sich auf die Yoga-Community geworfen,

Als das vor Corona noch ging,

Ich war mittendrin,

Deswegen weiß ich,

Wovon ich rede,

Noch eine Ausbildung,

Noch eine Fortbildung,

Noch ein Retreat,

Noch eine Yoga-Reise,

Noch eine Yoga-Legging,

Noch eine Yoga-Matte,

Noch eine Mala,

Noch ein Kristall,

Noch ein Zertifikat und,

Und,

Und,

Und,

Und.

Da wurde einfach umgeschiftet.

Und trotzdem sind wir weiter auf dem Trichter in diesem Fall,

Die Leere von außen zu füllen.

Der Lehrer,

Die Lehrerin soll das tun,

Der Coach soll das tun,

Die Coach soll das tun.

Und in dieser Welt ist diese Einteilung in Positives und Negatives verbreitet.

Heißt das,

Dass diese Yoga-Welt,

Coach-Welt,

Spirituelle Welt keine Ahnung hat,

Wie es wirklich läuft?

Das heißt das natürlich nicht,

Das heißt nur,

Das sind auch alles Menschen.

Wir sind alle Menschen.

Und wir alle tragen dieselben Themen in uns,

Dieselben Ängste,

Dieselben Befürchtungen und sogar dieselben Mechanismen,

Wenn man sehr übergeordnet guckt,

Dingen auszuweichen,

Mit Dingen umzugehen.

Eine der für mich wertvollsten Methoden,

Um klarzumachen,

Was ich meine mit einer heilsamen Positivität,

Ist die sogenannte Choose-Again-Method,

Die ich von Gabrielle Bernstein gelernt habe.

Also die Methode des Ich-wähle-noch-einmal.

Denn es geht nicht drum,

Gefühle nicht zu fühlen.

Es geht drum,

Dass du dich von ihnen nicht verschlingen lässt.

Diese Ich-wähle-noch-einmal-Methode geht folgendermaßen.

Also beispielsweise,

Du stehst morgens auf,

Bist schon so ein bisschen angeschlagen,

Vielleicht war es eine fordernde Zeit.

Ich glaube,

Das können im Moment alle gut nachvollziehen.

Und dann setzt du dich an deinen Schreibtisch und du schaust in deinen Kalender und du siehst,

Was alles zu tun ist.

Und da verlässt dich schon der Mut.

Der Mut für den Tag,

Die Freude auf den Tag,

Das Vertrauen in deine Fähigkeiten.

Und du bekommst eine WhatsApp von einer Freundin,

Na,

Wie läuft es bei dir?

Ich wünsche dir einen schönen Wochenstart.

Und du siehst dich tippen oder schickst die Sprachnachricht.

Ah,

Alles total scheiße.

Ich habe so viel zu tun.

Alles totaler Horror,

Totaler Stress und so weiter und so fort.

Über die Worte,

Mit denen du schwierige Situationen betitelst,

Habe ich in der vergangenen Podcast-Folge schon gesprochen.

Bevor du das abschickst,

So eine WhatsApp oder Sprachnachricht als Antwort,

Könntest du stoppen.

Und du könntest wahrnehmen und anerkennen,

Was du in diesem Augenblick fühlst,

Nämlich Überforderung und Angst.

Und du könntest dir in einem nächsten Schritt verzeihen,

Dass du das fühlst.

Denn wenn du etwas genauer hinschaust,

Fühlst du dich sehr schnell schuldig für solche Gefühle.

Du verzeihst dir das auf der Stelle,

Dass du diese Gedanken hast.

Und im dritten Schritt wählst du den nächsten Gedanken.

Nicht den nächstbesten,

Sondern den nächsten besten Gedanken.

Und da,

Wenn du einmal anfängst,

Da kommen viele nächste beste Gedanken.

Die da wären beispielsweise,

Ich könnte meine Freundin hier fragen,

Hör mal,

Ich habe die Woche wirklich,

Wirklich viel zu tun.

Ich weiß,

Dass du mittwochs immer einkaufen gehst.

Könntest du mir das und das und das da mitbringen?

Das wäre mir eine riesige Hilfe und Entlastung diese Woche.

Du könntest sie beispielsweise fragen,

Du,

Ich brauche diese Woche unbedingt mal Entspannung und Ablenkung.

Hast du Lust,

Dass wir spazieren gehen,

Dass wir telefonieren,

Dass wir uns schick machen und uns,

Wir Zoom treffen,

Wenn es gerade in Präsenz nicht gehen sollte,

Aus Entfernungsgründen oder sonstigen.

Der nächste möglich,

Bestmögliche Gedanke könnte sein,

Ich habe total super Organisationsfähigkeiten.

Ich nehme mir jetzt meinen Plan für heute nochmal vor und ich wechsle von einer To-Do-Liste in eine Must-Do-Liste.

Ich filtere jetzt nur raus,

Was heute unbedingt und ohne Wenn und Aber passieren muss.

Und das mache ich.

Und dann sehen wir weiter.

Ja,

Also du siehst,

Vielleicht fällt dir jemand ein,

Eine Kollegin,

Ein Kollege,

Die dir was abnehmen könnten.

Du könntest einen Termin verschieben.

Du könntest so viele Dinge machen,

Die dir ein besseres Gefühl geben,

Dich unterstützen.

Und das meine ich.

Das ist nicht toxische Positivität,

Den nächsten besten Gedanken zu wählen,

Sondern das ist Kreativität.

Und kreativ zu sein,

Heißt zu erschaffen und zu schöpfen.

Aus etwas zu schöpfen,

Was dein Kern ist.

Dazu gleich noch mehr zu diesem Kern.

Aber das ist eine wundervolle Methode,

Die mir wirklich schon oft geholfen hat,

Einfach weil sie kreativ ist,

Weil sie hilfreich ist.

Und deshalb wende ich sie an.

Nicht,

Weil ich der Überzeugung bin,

Ich dürfte mich nicht überfordert fühlen,

Ich dürfte nicht genervt sein.

Weil das,

Und das ist eben die schon erwähnte Podcast-Folge mit den angeblich negativen Gefühlen,

Die du,

Falls du es noch nicht getan hast,

Gerne nochmal hineinhören kannst.

Ich hatte es während unseres Retreat,

Retreats auf Mallorca erst,

Da ist was auch mal schiefgelaufen in der Orga.

Und das hat mich wirklich geärgert.

Einen kurzen Moment.

Und eine Teilnehmerin sagte wirklich,

Ja,

Aber du bist doch Eugenie,

Reg dich doch darüber nicht auf,

Da kannst du doch durchatmen und alles ist fein.

Und ich sagte,

Ja,

Ich bin Eugenie und ich möchte da auch ganz schnell wieder raus.

Nur,

Wenn was schlecht läuft,

Dann darf ich das doch auch so empfinden und ich darf es doch sogar auch aussprechen.

Denn dann kann ich es ändern,

Wenn ich es wahrnehme und wenn ich es verstehe.

Was ganz interessant ist beim Thema Positivität,

Und wie gesagt,

Bei mir heißt Positivität Kreativität,

Ist,

Dass selbst wenn du das in einer bewussteren,

Achtsameren Weise einsetzt,

Als ich knall dir jetzt so einen Teebeutelspruch hin,

Damit du Ruhe gibst und ich mit deinen Gefühlen mich nicht auseinandersetzen muss,

Trotzdem reagieren da ganz viele Menschen sehr getriggert,

Angepiekst und gereizt darauf,

Wenn du nach Lösungen suchst.

Also,

Wenn du verweigerst,

Weiterhin Teil des Problems zu sein,

Sondern Teil der Lösung sein möchtest.

Ja,

Du immer mit deinem,

Da liegt auch was Gutes drin,

Du weißt noch nicht,

Wofür das gut ist,

Da habe ich auch schon öfter erlebt,

Dass Menschen wirklich genervt darauf reagiert haben,

Wenn ich mit ihnen in die Problemlösung wollte.

Und auch ich habe schon genervt auf so etwas reagiert,

Weil manchmal wollen wir uns suhlen,

Geben was zu,

Wir wollen uns suhlen,

Im Jammern,

Im Beschweren,

Im Klagen,

Im Kritisieren,

Im Verurteilen.

Warum machen wir das?

Das ist eine menschliche Art und Weise,

Die ganz,

Ganz natürlich ist.

Unser Gehirn sucht immer das,

Was bekannt und vertraut ist.

Und nicht das,

Was unbekannt und nicht vertraut ist.

Das hat evolutionäre Gründe und das sichert unser Überleben.

Ich meine,

Wenn du allein mal ein paar hundert Jahre zurückdenkst und wo Menschen noch völlig anderen sozialen Strukturen geliebt haben,

Wo wir mehr von der Sippe zum Beispiel reden.

Ich meine,

Wenn du da als vierjähriges Kind auf die Idee gekommen wärst,

Mensch,

Die sind mir hier alle so bekannt und so vertraut,

Ich möchte mal ein bisschen Abwechslung,

Ich tapse jetzt mal los durch den Wald und guck mal,

Ob ich nicht eine andere Sippe finde,

Die mir total unbekannt ist und die mir Abwechslung bietet.

Das hättest du zu einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht überlebt.

Und das ist nur ein Beispiel dafür,

Warum für uns Menschen es ganz wichtig ist,

Uns an das Bekannte zu halten.

Wir essen die Dinge,

Von denen wir überzeugt sind,

Dass sie nicht giftig sind.

Meine Lebensmittelindustrie hat jetzt viel dazu getan,

Dass das,

Was versteckt sehr giftig für uns ist,

Uns bekannt und vertraut ist.

Aber du weißt,

Wovon ich rede.

Früher von den giftigen Bären und so weiter.

Wenn du jetzt im Walden Überlebenstraining machst,

Ja,

Das würde dann interessant werden.

Du müsstest dich sehr auf deine Instinkte wieder verlassen,

Was du essen kannst,

Was du trinken kannst und was nicht.

Zurück zu dem Trigger auf Kreativität,

Lösungsorientiertheit.

Wenn jemand seit Jahren im Dauerstress steckt,

Auch in Dauerproblemen steckt und zwar nicht eingebildeten,

Selbst kreierten,

Sondern einfach auch wirklich Herausforderungen,

Die uns das Leben manchmal serviert,

Wie wir ja alle spätestens seit eineinhalb Jahren wissen,

Dann wird das zu etwas Bekanntem.

Und es wird auch bekannt und vertraut,

Dass wenn ich mit diesen Klagen nach außen gehe,

Ich eine ganz wertvolle Währung zurückbekomme.

Nämlich Mitgefühl,

Aufmerksamkeit,

Trost,

Zuwendung.

Etwas,

Nach dem alle Menschen sich sehnen.

Es schafft Zugehörigkeit.

Und in einer Gesellschaft,

Die das erschöpft sein,

Das müde sein,

Das angestrengt sein,

Das überfordert sein immer noch feiert,

Es ändert sich Gott sei Dank wirklich deutlich,

Aber es ist schon noch genügend davon da,

Wirst du nicht dafür gefeiert.

Und du bekommst nicht wirklich viel positive Aufmerksamkeit dafür,

Dass du sagst,

Ich habe hier das und das und das geändert und jetzt geht's mir richtig gut.

Da fühlen sich Menschen sogar angegriffener durch.

Und dann weißt du,

Ihre bekannte Welt und ihre vertraute Welt besteht einfach wirklich aus,

Ich sag's jetzt mal etwas zu gespitzt,

Elend.

Ja,

Dr.

Joe Dispenza hat das so schön nachgewiesen,

Dass das bis hin in eine physische Sucht gehen kann.

Denn physiologisch gesehen,

Von unserem Nervensystem aus,

Sorgen bestimmte belastende Situationen für einen bestimmten Botenstoff- und Hormoncocktail in unserem Blut.

Was unseren Serotoninlevel,

Was unseren Kortisolspiegel angeht,

Jetzt nur so mal sehr,

Sehr grob im Überblick.

Und dieser Cocktail wird in schöner Regelmäßigkeit ausgeschüttet,

Bis er ein chronisches Level erreicht.

Und da blinken wirklich die Alarmglocken,

Die schrillen,

Wenn dieser Pegel sich verändert.

Ein Phänomen,

Das alle Yogalehrer und Yogalehrerinnen-Kollegen,

Die gerade zuhören,

Kennen,

Wenn sie regelmäßig Retreats geben.

Ja,

Tag 1,

Alle reisen an,

Alles ist super.

Tag 2,

Wow,

Wie schön das hier ist,

Der Garten,

Das tolle Essen,

Die Luft,

Die Yogaklassen.

Tag 3,

Ja,

Aber die Matratze ist schon ein bisschen hart.

Und das vegane Essen,

Das vertrage ich gar nicht gut.

Und da habe ich so einen Vogel im Baum vor meinem Zimmer,

Der chirpt ab 5 Uhr morgens.

Ich kann nicht schlafen,

Ich schlafe hier total schlecht.

Ja,

Also da geht etwas los,

Das Nervensystem versteht,

Huch,

Wir sind hier in einem wirklich anderen Setting.

Und es schlägt Alarm,

Weil Dinge passieren,

Die unbekannt sind.

Leider,

Es ist schön,

Es ist friedlich,

Es ist Community.

Ich bin in Sicherheit,

Ich habe frei.

An Tag 4 ist das meistens erledigt.

Nur das sind Phänomene,

Vielleicht kennst du das auch aus deinem Urlaub,

Dass du ankommst und du bist ein paar Tage total happy und dann kommt so ein Muff,

So ein unerklärlicher Muff.

Und du muffelst vor dich hin und nichts schmeckt mehr richtig,

Die Sonne nervt und solche Sachen.

Das ist ein deutliches Zeichen dafür,

Dass du tatsächlich zu lange daran gewöhnt warst,

Dass es ein Problem gibt.

Das heißt,

Im und mit dem Problem leben ist für dich Normalzustand.

Wenn du beginnst,

Dein Mindset zu ändern und zwar nicht im Sinne einer toxischen Positivität,

Sondern im Sinne einer hilfreichen Kreativität für dich selbst,

Dann gib dir bitte Zeit dafür,

Dass sich dein Nervensystem,

Dein Körper und wirklich auch deine Seele,

Dein Geist daran gewöhnen dürfen.

Und du kannst selber anderen Menschen dennoch eine gute Hilfe sein,

Ohne toxisch positiv zu sein.

Ich komme nochmal zurück zu den Beispielsätzen vom Beginn.

Ach,

Da kommst du drüber weg,

Du bist doch so stark,

Da hast du schon andere Sachen überstanden.

Du könntest stattdessen sagen,

Ja,

Ich verstehe,

Das ist wirklich hart.

Weißt du was,

Ich glaube an dich.

Vielleicht gelingt dir das selber gerade nicht.

Aber ich,

Ich glaube an dich.

Sei doch nicht so negativ.

Stattdessen könntest du sagen,

Es ist okay,

Sich ab und zu schlecht zu fühlen.

Ich fühle mich auch ab und zu schlecht.

Ich verstehe dich.

Pass auf dich auf.

Ja,

Als kleinen Hinweis,

Nicht abzurutschen und einem Pool in einem Ozean von Negativität unterzugehen.

Wir hatten noch einen dritten Beispielsatz.

Ach,

Es könnte wirklich schlimmer sein.

Also denk mal an.

Und dann kommt ein anderes schreckliches Beispiel,

Als ob du das Leben immer vom schlimmsten Ausgangspunkt ever ansehen könntest.

Ich bin ein großer Fan davon,

Die richtige Perspektive zu haben und zu sehen,

Wo ich es trotzdem sehr,

Sehr gut habe.

Aber statt des toxischen Positivitätsbretts,

Es könnte wirklich schlimmer sein,

Könntest du sagen,

Das klingt herausfordernd.

Wie kann ich dich unterstützen?

Was kann ich gerade für dich tun?

Womit wäre ich dir eine Hilfe?

Und das ist hilfreiche Kreativität statt toxischer Positivität.

Und diese hilfreiche Kreativität hilft und ebnet Brücken,

Dass Menschen,

Die gerade in etwas feststecken,

Von dem du ja keine Ahnung hast,

Weil das ist auch immer nur Einbildung.

Wir wüssten ganz genau,

Was in dem anderen gerade vorgeht.

Aber womit du mit solchen Sätzen Menschen,

Die gerade feststecken,

Hilfreich sein könntest und inwiefern du das bist,

Ist,

Dass du den Zugang zum menschlichen Kern wieder eröffnest.

Und da greife ich mal ganz,

Ganz kurz ins Yoga hinein.

Der Yoga kennt ein Modell des Menschen,

Die fünf Hüllen des Menschen,

Panchakusha auf Sanskrit genannt,

Die eine wunderschöne Meditationsanleitung sind.

Du findest übrigens auf Insight Timer eine Meditation von mir dazu binnen der nächsten Tage,

Kostenfrei übrigens.

Diese fünf Hüllen sind einmal wirklich der physische,

Anfassbare Körper.

Der Atemkörper ist der nächste,

Die nächste Hülle.

Die dritte Hülle ist die Hülle der Gedanken und Emotionen.

Die vierte Hülle ist die der sogenannten Intelligenz,

Einfach auch so feinerer Wahrnehmungssinne auch und Verarbeitungsprozesse.

Und die fünfte Hülle,

Das ist jetzt die,

Die hier nochmal interessant ist,

Ist das sogenannte Anandamaya Kosha,

Die Hülle der Glückseligkeit.

Und mein wunderbarer Lehrerfreund und Kollege Frank Schuler hat dazu so schön gesagt,

In dieser fünften Hülle,

In diesem Glückseligkeitskörper,

Da sitzt ein großes,

Fettes Ja mit Ausrufezeichen.

Das ist dein Kern.

Denn deine Energie,

Deine Seele hat diesen Ausruf Ja,

Ausrufezeichen,

Vernommen und hat sich auf den Weg gemacht,

In deinen Körper so wie du jetzt auf dieser Welt gerade bist.

Du hast dich manifestiert.

Und die Tatsache,

Dass du physisch hier bist,

Zeigt schon,

Dass du ein Gewinner und eine Gewinnerin bist.

Denn du hast dich gegen ein paar hundert Millionen anderer Spermienkonkurrenten durchgesetzt,

Zum exakt richtigen Zeitpunkt,

Als die perfekte Eizelle deiner Mutter bereit war dafür.

Und deine Mutter hat entschieden,

So soll es sein.

Und sie hat dich getragen,

Diese neun Monate.

Und sie hat dich auf die Welt gebracht und du bist auf die Welt gekommen.

Auch da hast du nicht gesagt,

Nee,

Ich weiß nicht.

Du warst da und du bist da.

Und dieses Ja,

Ausrufezeichen,

Das trägst du in dir.

Und die sogenannten negativen Gefühle können dafür sorgen,

Dass wir dieses Ja nicht mehr fühlen,

Dass wir es nicht mehr spüren,

Dass wir es nicht mehr lieben.

Es gibt dafür so viele wunderbare Möglichkeiten und Techniken,

Dieses Ja wieder zu spüren,

Zu hören,

Zu sehen.

Und eine positive Grundhaltung ist das,

Womit du auf die Welt gekommen bist.

Lass uns uns gegenseitig darin unterstützen,

Gerade in diesen Zeiten,

Wo es wieder sehr viel um Angst,

Um Sorge,

Um Trennung,

Um Spaltung geht.

Uns gegenseitig darin unterstützen,

Dass wir dieses Ja,

Ausrufezeichen,

Diesen Funken,

Diese Freude,

Diese Zuversicht,

Das Vertrauen,

Das Licht der Liebe,

Möchte ich jetzt mal ganz,

Ganz poetisch formulieren,

Wieder sehen und leben können.

Und das ist eine wundervolle Positivität,

Die anerkennt,

Was wir sind als Menschen,

Wie wir uns manchmal fühlen.

Und das hat dann überhaupt nichts mit Toxic Positivity zu tun.

Und was ich abschließend zu diesem Thema noch sagen möchte,

Ist,

Lass uns auch aufpassen bei all dem Sprechen über toxische Positivität,

Das wirklich auch in Deutschland zunimmt.

Zu Recht,

Es lohnt sich das anzuschauen.

Hätte ich jetzt auch gar nicht diese Folge dazu gemacht.

Nur lass uns aufpassen,

Dass wir aus Gewohnheit nicht in toxische Negativität verhaften bleiben.

Denn das finde ich manchmal ganz amüsant,

Dass es jetzt keine Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt gerade dazu gibt,

Toxic Negativity,

Die wirklich,

Wirklich weit verbreitet ist.

Und wo es immer Grund zum Jammern und zum Klagen und zum Meckern gibt und auch meistens akzeptiert wird.

Und ich habe für mich beschlossen,

Ich gönne mir das,

Mehr und mehr Liebe da reinbringen,

Humor mir selber gegenüber da reinbringen.

Und hinzuschauen,

Bin ich jetzt Teil des Problems oder bin ich Teil der Lösung?

Bin ich toxisch positiv oder hilfreich kreativ?

Ich wünsche dir viel Spaß dabei,

Das für dich in deinem Leben rauszufinden und durchaus auch mal etwas zu den Menschen zu sagen,

Die dir mit einer etwas platten Spiritualität und einem etwas platten positiven Mindset begegnen.

Das es durchaus manchmal etwas komplexer sein darf und es manchmal einfach nur darum geht,

Dass du gehört werden willst und getröstet werden willst.

Und das darfst du.

4.5 (15)

Neueste Bewertungen

Evelyn

August 1, 2023

Ganz beeindruckende und toll erklärte Folge und regt sehr zum nachdenken an , danke!

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