
Die schweigende Sultanstochter | Meditation & Geschichte
Abend-Meditation und ein heiteres türkisches Märchenals Gute Nacht Geschichte Kapitelmarken: 00:00:27 Meditation 00:09:53 Märchen "Die schweigende Sultanstochter" Was im Märchen passiert: Ein junger Prinz wurde aufgrund seiner frechen Handlungen mit einem Fluch belegt. Er soll sich unsterblich in die schweigende Sultanstochter verlieben. Mit Hilfe einer sprechenden Schwalbe, versucht er, das Herz der Schweigsamen zu erreichen. Wie immer, so wird auch diese Geschichte am Ende gut ausgehen, so dass Du beruhigt jederzeit einfach einschlafen kannst.
Transkription
Die schweigende Sultanstochter,
Meditative Abendroutine und ein Märchen aus der Türkei.
Bevor das Märchen beginnt,
Nimm dir ein paar Momente für dich.
Mach es dir bequem und atme langsam und bewusst ein und aus.
Wenn du möchtest,
Dann gib dir nochmal die Bewegungen,
Die dir gerade guttun.
Rückel und räkel dich zurecht und wenn nicht schon getan,
Dann schließe jetzt deine Augen.
Werde ganz ruhig.
Beobachte das sanfte Ein- und Ausströmen deines Atems und spüre,
Wie dein Atem dich sanft bewegt.
Mit jedem Atemzug ruhiger und entspannter darfst du nun mehr und mehr von der vielleicht noch vorhandenen Anspannung loslassen.
Lass los.
Spüre,
Wie du immer schwerer in die Matratze sinkst,
Deine Gesichtszüge ganz entspannt,
Dein Kiefer ganz locker,
Deine Schultern entspannt,
Arme und Hände angenehm schwer,
Angenehm entspannt.
Es gibt jetzt nichts mehr zu tun,
Als einfach nur zu entspannen.
Stell dir vor,
Du sitzt in einem alten,
Gemütlichen Kinosaal.
Der samtene Sessel ist bequem,
Du sitzt dort warm und geborgen und vorne öffnet sich der Vorhang.
Auf der Leinwand wird es gleich einen Film zu sehen geben,
Den Film deines heutigen Tages,
In dem du die Hauptrolle spielst und du darfst aus der Zuschauerperspektive beobachten,
Nachsichtig und freundlich,
Was heute so passiert ist.
Schau mal,
Welche Bilder und Sequenzen so auftauchen.
Und der Film beginnt,
Ab jetzt.
Und dann,
Im Abspann,
Ein kleines Best-of mit den Szenen,
Die heute besonders schön waren.
Sammel mindestens drei Szenen,
Drei Situationen oder Begebenheiten zusammen,
Für die du heute dankbar bist.
Dann nimm nochmal einen etwas tieferen Atemzug ein und lass mit dem Ausatmen die Bilder deines Tages los.
Und vielleicht merkst du schon,
Wie du immer müder und immer schläfriger wirst.
Du weißt,
Du darfst jederzeit einfach einschlafen.
Ob jetzt schon oder gleich während oder nach dem Märchen,
Ist ganz egal.
Und während du so ruhst und auch gleich während du schläfst,
Können all die wichtigen Reparaturprogramme in dir ablaufen.
Alles,
Was vielleicht tagsüber ein wenig aus dem Takt gekommen ist,
Kann nun wieder in die für dich genau richtige Ordnung gebracht werden.
Die Dinge dürfen sich zu deinem Wohl und zu deinem Besten entwickeln.
Und während dein Körper nun immer schwerer,
Immer müder und träger in die Matratze sinkt,
Darf dein Geist ganz frei und leicht in den Süden reisen.
Und dort darfst du,
Wie auf einer bequemen Wolke sitzend,
Beobachten und belauschen,
Was dort so vor sich geht.
Es war einmal in einem warmen Land,
In dem Olivenbäume und Palmenschatten spenden und goldene Kuppeln glänzen.
Ein Schar,
Der hatte einen einzigen Sohn.
Der junge Prinz besaß alles,
Was man sich wünschen konnte,
Doch er war noch ein bisschen verspielt und manchmal auch ganz schön unachtsam.
Am liebsten spielte er mit einer goldenen Kugel,
Die ihm sein Vater einst schenkte.
Eines Tages saß er in seinem luftigen Pavillon und ließ die Kugel immer wieder in seinen Händen hin und her tanzen.
Unterhalb seines Platzes sprudelte eine Quelle,
Zu der eine alte Frau kam,
Um Wasser zu schöpfen.
Der Prinz sah sie und ohne nachzudenken,
Warf er die Kugel auf sie hinab.
Sie traf den Wasserkrug der Frau und dieser zerbrach.
Was hätte die Alte wohl tun können?
Sie sprach kein Wort,
Holte einen anderen Krug und kam wieder zur Quelle.
Da es dem Jüngling ein kindliches Vergnügen bereitete,
Den Krug zerbrochen zu haben,
So warf er seine Kugel wieder auf die Alte und zerbrach auch den zweiten Krug.
Die Alte mochte sich noch so ärgern,
Aus Furcht vor dem Schar wagte sie kein Wort.
Sie ging fort,
Ließ sich einen Krug bei ihrer Nachbarin und kehrte damit zurück zur Quelle.
Während sie Wasser schöpfte,
Warf der Junge erneut seine Kugel und auch der geliehene Krug zerbrach in hundert Teile.
Die Alte konnte ihren Ärger nunmehr nicht länger unterdrücken und sie funkelte ihn wütend an.
Ich will nichts weiter sagen,
Mein Prinz,
Als dass du dich in die schweigende Sultanstochter verlieben mögest.
Und damit ging sie davon.
Wie der Prinz dies hörte,
Fing er an zu grübeln,
Was das wohl zu bedeuten habe.
Seine goldene Kugel begann ihn zu langweilen.
Er sann und grübelte über die Worte der Alten und über die schweigende Sultanstochter.
Es vergingen Tage,
Es vergingen Wochen.
Er grübelte und grübelte,
Bis er anfing zu kränkeln und blasser zu werden.
Es schmeckte ihm weder Speis noch Trank.
Sein Vater,
Der Schar,
Konnte die Sache nicht begreifen und es wurden Ärzte herbeigebracht.
Doch keiner konnte ihn heilen.
Eines Tages fragte der verzweifelte Vater seinen Sohn,
Warum er wohl meine,
Dass ihn das Übel so getroffen habe.
Da erzählte der Knabe kleinlaut,
Wie er der alten Frau die Krüge zerschlagen und was ihm die Alte daraufhin gesagt hatte.
Er bat seinen Vater um Erlaubnis,
Aufbrechen zu dürfen,
Um die schweigende Sultanstochter aufzufinden.
Vielleicht könnte ihn dies von seinem Übel befreien.
Obgleich der Schar nur diesen einzigen Sohn hatte,
Sah er doch ein,
Dass er auch den verlieren würde,
Wenn er ihm seine Bitte nicht gewähre.
Eine Zeit lang zögerte er und schwankte noch.
Doch auf das Drängen seines Sohnes erlaubte er ihm endlich,
Mit seinem Lehrer die Reise anzutreten.
Nachdem sie sich mit an Wertschweren,
An Gewicht leichten Sachen versehen hatten,
Machten sie sich auf den Weg.
Sechs lange Monate reisten sie von Ort zu Ort.
Und wie sie so über Stock und Stein wanderten,
Gelangten sie auf den Gipfel eines Berges.
Dort bemerkten sie,
Dass Steine und Erde so glänzten wie die Sonne selbst.
Und wie sie so hin- und herschauten,
Begegneten sie einem alten Manne.
Sie erkundigten sich bei ihm,
Ob er die gesuchte Sultans Tochter kenne,
Worauf er ihnen die Auskunft gab,
Dass sie unter sieben Schleiern lebe und dass es ihre Schönheit war,
Die die Berge so wunderbar zum Leuchten brächte.
Doch,
So sprach der alte Mann weiter,
Sie spricht nicht,
Mit niemandem.
Und das ist ein großes Übel.
Viele haben versucht,
Sie zum Reden zu bringen.
Keiner hat es geschafft.
Wer versuchen will,
Sie zum Sprechen zu bringen,
Wird gebeten,
Es den Dienern im Palast zu melden.
Sobald er dann die Erlaubnis erhalten hat,
Wird er vor das Mädchen geführt.
Doch schafft er es nicht,
So fällt er in Ungnade und muss unverzüglich das Land für immer verlassen.
Als der Jüngling dies hörte,
Sprach er zu seinem Lehrer.
Wir sind am Ziele unserer Reise.
Ein,
Zwei Tage wollen wir noch rasten,
Dann werden wir schon sehen,
Wie sich unser Schicksal gestaltet.
Die beiden erholten sich also,
Unweit der Berge,
Und reisten dann weiter in die Stadt des Sultans.
Auf dem Marktplatz des lebendigen Ortes fiel dem Jungen ein Mann auf,
Der in einem Käfig eine Nachtigallfeil bot.
Der Vogel gefiel dem jungen Prinzen so sehr,
Dass er ihn kaufte und den Käfig im Zimmer seiner Unterkunft aufhing.
Als der Prinz des Nachmittags alleine in seinem Zimmer saß und nachdachte,
Wie er wohl die Königstochter zum Reden bringen könnte,
Begann auf einmal die Nachtigall zu sprechen.
Was grübelst du,
Mein Prinz?
Was betrübt dich so sehr?
Der Prinz erschrak.
Doch als er seine Fassung wiedererlangt hatte,
Erzählte er dem Vogel,
Dass er sich in die schweigende Tochter des Sultans verliebt hatte und sich nun den Kopf zerbrach,
Wie er sich ihr nähern könne.
Die Nachtigall zwitscherte.
Wie kann man sich nur darüber so den Kopf zerbrechen?
Nichts ist leichter als das.
Geh heute Abend in den Serai der Prinzessin.
Nimm aber auch mich mit.
Die Sultana sitzt unter sieben Schleiern.
Niemand sieht ihr Antlitz und auch sie sieht niemanden.
Mich stelle mit meinem Käfig unter den Schemel des Leuchters.
Erkundige dich dann nach ihrem Befinden.
Sie wird aber nicht antworten.
Und dann sagst du,
Dass wenn sie schon nicht reden will,
Du dich wenigstens mit dem Schemel unterhalten möchtest.
Beginne schließlich mit dem Schemel zu reden.
Ich werde dir antworten.
Als man dem Sultan meldete,
Dass ein junger Prinz zu seiner Tochter wollte,
Dauerte ihn der Jüngling.
Denn wer die Prinzessin sah und nicht zum Reden brächte,
Der wurde für immer des Landes verstoßen.
Doch der Jüngling beharrte auf seine Absicht,
Warf sich dem Sultan zu Füßen und gelobte,
Entweder verbannt zu sein oder sein Ziel zu erreichen.
So wurde der junge Verliebte mit seiner Nachtigall zum Mädchen geführt.
Es war schon Abend,
Als man ihn in das Gemach der Sultana brachte.
Er stellte den Käfig unter den Schemel,
Trat vor die Tochter des Sultans und erkundigte sich nach ihrem Wohlergehen.
Doch wie erwartet ließ das Mädchen keinen Laut von sich.
Unbeehrt redete der Prinz weiter,
Plauderte über dies und das und sagte schließlich,
Es ist schon spät an der Zeit und du hast noch kein Wörtlein gesagt.
Ich bin der Sache langsam überdrüssig und werde nun zu diesem Schemel reden.
Obgleich er auch keine Seele hat,
Wird er vielleicht doch etwas Mitleid mit mir haben.
Mit diesen Worten wendete er sich zum Schemel und fragte ihn,
Wie geht es dir,
Alter Holzschemel?
Und die Nachtigall antwortete,
Gut geht's mir.
Wie viele Jahre sind vergangen,
Ohne dass nur ein einziger gekommen wäre,
Der mich angesprochen hätte.
Dich haben wohl höhere Mächte zu mir gesendet.
Heute gehört die ganze Welt mir.
Wie sehr mich das erfreut und wenn du möchtest,
Erzähle ich dir eine Geschichte.
Der Prinz nickte zustimmend und die Nachtigall begann.
Es war einmal ein König,
Der hatte eine Tochter.
Drei junge Männer liebten sie und baten um ihre Hand.
Da sagte der König,
Ein jeder von euch erlerne ein Handwerk.
Wenn ihr zurückkehrt,
Wollen wir sehen,
Wessen Gabe meine Tochter am meisten nützt.
Die drei zogen los.
Der erste lernte,
Unsichtbar zu werden.
Und er konnte so jede Art von Information einholen.
Der zweite lernte,
Medizin zuzubereiten und jede Krankheit zu heilen.
Der dritte lernte,
So schnell zu laufen wie der Wind und beide Wege in kürzester Zeit zurückzulegen.
Der,
Der sich unsichtbar machen konnte,
Wusste durch seine Gabe,
Sich unsichtbar zu machen,
Über alles,
Was im Lande geschah,
Bescheid und hatte ein Gespräch am Hofe belauscht,
Aus dem er erfuhr,
Dass die Königstochter todkrank war.
Er suchte den Heiler auf.
Der bereitete eine Medizin zu.
Um die Königstochter stand es so schlecht,
Dass jede Minute zählte.
Das Haus des Heilers war jedoch eine Tagesreise vom Palast der Prinzessin entfernt.
Da eilte der dritte los,
Schneller als der Wind,
Und brachte die Arznei noch in derselben Stunde zum Palast.
Die Königstochter trank und als die anderen bei ihr ankamen,
War sie wieder gesund.
Die Nachtigall schwieg einen Moment und fragte dann sanft.
»Sag mir,
Prinz,
Wen sollte die Königstochter heiraten?
« Der Prinz antwortete ohne zu zögern.
»Natürlich dem,
Der sie geheilt hat.
« Die Nachtigall meinte,
»Ich finde,
Sie sollte den heiraten,
Der sich unsichtbar machen kann.
Denn er kann alles in Erfahrung bringen und wird ihr Sicherheit bieten können.
« In diesem Moment regte sich etwas hinter den sieben Schleiern.
Die Sultans Tochter hatte aufmerksam zugehört.
Ihre Augen glänzten aufgeregt vor Interesse und vor Vergnügen.
Plötzlich hebten sich die Schleier,
Und die Sultans Tochter sprach klar und lebendig.
Sie sollte denjenigen heiraten,
Der so schnell wie der Wind laufen konnte und ihr die Medizin gebracht hat.
Ohne ihn hätte es keine Heilung gegeben.
Dann hielt sie inne,
Überrascht,
Ihre eigene Stimme zu hören.
Der Prinz setzte sich zu ihr,
Sah ihr in die Augen und sprach.
»Die Prinzessin sollte genau wie du denjenigen heiraten,
Der ihr Herz am meisten berührt hat.
« »Schließlich«,
Sagte sie ruhig,
»aber bestimmt.
« »Du hast mein Herz berührt.
Daher sollst du mein Gemahl sein.
« Der Prinz verneigte sich tief,
Und sein Herz war leicht wie lange nicht mehr.
Als der Sultan die Stimme seiner Tochter hörte,
Begannen seine Augen zu glänzen.
Tränen der Freude liefen über seine Wangen,
Als er das Zimmer seiner Tochter betrat.
Und so wurde eine prächtige Hochzeit gefeiert,
Mit Musik,
Lichtern und mit viel Freude.
Die alte Frau von der Quelle wurde in Ehren am Palast aufgenommen.
Und nie wieder zerbrach ihr jemand einen Krug.
Die Nachtigall aber lebte fortan frei im Garten und besuchte den Prinzen und die Prinzessin täglich.
Leidenschaftlich diskutierten die drei Geschichten und Begebenheiten,
Besprachen und beratschlagten sich.
Und wenn sie nicht gestorben sind,
Dann leben sie auch heute noch.
Und dir wünsche ich eine gute Nacht,
Einen tiefen und erholsamen Schlaf und schöne Träume.
Treffen Sie Ihren Lehrer
5.0 (10)
