16:23

Welt und Bewusstsein

by Reinhold Ritter

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Meditation
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Wir erleben uns als Tagesbewusstsein mit einer Innenwelt und Aussenwelt oder als Traumbewusstsein. Ausserdem können wir uns im traumlosen Tiefschlaf befinden, in dem für uns weder Welt noch Ich existieren. Darüber hinaus und alles umfassend und durchdringend gibt es aber noch einen vierten Zustand der reinen Wahrnehmung. Er ist der Urgrund, aus dem alles entsteht und in den es wieder vergeht. Jenseits allen Werdens ist er das Sein.

Transkription

Wenn wir aus dem Schlaf aufwachen,

Sind wir in einem Bewusstseinszustand,

Den wir gerne als das Wachbewusstsein oder Tagesbewusstsein bezeichnen.

Er ist uns vertraut,

Für die meisten von uns ist das der normale Bewusstseinszustand.

Wir denken,

Fühlen,

Handeln und erleben in diesem Bewusstsein.

Was wir denken,

Fühlen,

Handeln und erleben,

Ist in diesem Bewusstsein enthalten.

Nun können wir unsere Gedanken und Gefühle,

Unsere Sinnesempfindungen,

Unsere Freuden und Leiden auch einfach als solche wahrnehmen.

Wir erkennen,

Dass es sie gibt,

Dass sie da sind.

Sie sind mit diesem Bewusstseinszustand verbunden.

Vielleicht merken wir auch,

Dass das eigentlich gar nicht unsere Gedanken und unsere Gefühle,

Unsere Sinnesempfindungen sind,

Sondern einfach nur solche.

Es sind Gedanken,

Gefühle,

Sinnesempfindungen,

Freuden und Leiden.

Wir nehmen sie wahr etwa so,

Wie wir die Möbelstücke eines Zimmers wahrnehmen,

Als Gegenstände.

In diesem Fall emotionale und mentale Gegenstände.

Gegenstände in unserem Bewusstsein.

Gegenstände unseres Bewusstseins,

Sie sind ja nicht wirklich von unserem Bewusstsein getrennt,

Sondern dieses besteht ja gerade aus jenen.

Ähnlich wie die Einrichtung einer Wohnung aus den Möbeln besteht.

So ist also unser Bewusstsein meist angefüllt mit solchen,

Sagen wir mal,

Geistigen Möbeln.

Mit Gedanken,

Gefühlen,

Eindrücken und zwar so sehr so,

Dass wir gar nichts anderes mehr wahrnehmen,

Was vielleicht auch noch da sein könnte,

Was über diese Möbelstücke hinausgeht,

Was jenseits von ihnen sein könnte.

Es gibt ja dunkle Räume,

Stickige Räume und es gibt auch helle,

Lichtdurchflutete,

Gut durchlüftete Räume.

Und das,

Eben die Helligkeit,

Die Luft,

Das Licht,

Das macht ja gerade deren Qualität aus.

So ist es auch mit unserem Bewusstsein.

Durch das Identifizieren mit den Möbelstücken,

Mit der Einrichtung,

Mit diesem Inhalt begrenzen wir uns.

Wenn wir elegante Möbel haben,

Teure Teppiche,

Kostbare Bilder,

Dann kann das schön sein.

Doch dann denken wir vielleicht,

Wir seien nun etwas Besonderes.

Wir seien etwas Besseres als andere,

Die nur wenig und nichts so Kostbares besitzen.

Und wenn wir nur wenig besitzen,

Denken wir vielleicht,

Wir sollten eigentlich mehr haben.

Nämlich auch so schöne Bilder,

Antike Möbel,

Perser Teppiche,

Nur dann seien wir auch jemand.

Wenn wir so oder so denken,

Haben wir ein Problem.

Wir halten nämlich die Äußerlichkeiten für das Wesentliche.

Wir meinen,

Wir seien die Teppiche,

Die Möbel,

Die Bilder.

Wir definieren uns aufgrund der Einrichtung.

Wir beziehen unser Selbstwertgefühl aus der Einrichtung.

Wir sind Gefangene der Dinge.

Wir haben den Dingen Macht über uns verliehen.

So ist es mit dem Bewusstsein.

Wir identifizieren uns mit dem Bewusstsein und seinen Inhalten.

Das heißt,

Wir identifizieren uns mit dem,

Was wir kennen,

Was uns schon vertraut ist.

Wir können ganz viel gelesen haben und meinen deshalb,

Wir seien schlau.

Oder wir haben nichts gelesen und glauben,

Wir seien dumm.

In beiden Fällen halten wir die Einrichtung für das Wesentliche.

Gehen wir noch etwas weiter mit der Untersuchung des Bewusstseins.

Bisher haben wir uns ja mit der Innenwelt befasst,

Eben mit der Einrichtung.

Wir nehmen ja auch die Außenwelt wahr.

Andere Menschen,

Tiere,

Pflanzen,

Dinge der äußeren Welt,

Sachen.

Aber alle diese Wahrnehmungen sind ja auch in unserem Bewusstsein.

Wo sonst könnten sie denn sein?

Und daher ist auch alles,

Was wir außen wahrnehmen,

Letztlich innen in unserem Bewusstsein.

Wir wissen von der Außenwelt eigentlich nur aufgrund unserer Sinneseindrücke.

Wir sehen,

Wir hören,

Wir riechen,

Wir schmecken,

Wir tasten.

Vielleicht gibt es noch ein paar Sinne mehr.

Ein Energiesinn,

Ein Wärmesinn,

Ein Magnetsinn,

Manche Tiere können das Erdmagnetfeld spüren.

Alle diese Wahrnehmungen werden jedoch von Sinnen vermittelt.

Ihre Resultate sind Inhalt des Bewusstseins.

Hier im Bewusstsein ruht das All,

So soll der Buddha gesagt haben.

Alles,

Was wir kennen,

Ist im Bewusstsein.

Das Bewusstsein ist das Bekannte.

Aber das ganze Bewusstsein selbst ruht wiederum in der Wahrnehmung,

Der Selbstwahrnehmung.

Das Bewusstsein nimmt sich selbst wahr.

Doch die Wahrnehmung kann auch von etwas anderem sein,

Von etwas Neuem,

Von etwas Unbekanntem.

Reine Wahrnehmung kann das Neue sehen,

Unvoreingenommen sehen,

Ohne zu interpretieren,

Ohne zu denken,

Ohne zu wählen.

Nur einfach wahrnehmen,

Was ist.

Das Bewusstsein besteht also aus seinen Gegenständen.

Den inneren Wahrnehmungen,

Der Gedanken,

Gefühle und körperlichen Selbstwahrnehmungen und den äußeren oder Sinneswahrnehmungen,

Die eine Außenwelt erscheinen lassen.

Und dann ist da noch die Wahrnehmung dessen,

Was jenseits des Bewusstseins ist.

Dessen,

Was ist.

Wir unterliegen einer Täuschung,

Wenn wir glauben,

Dies seien grundsätzlich verschiedene Dinge.

Uns scheint zwar,

Dass die Gedanken und die Gefühle im Kopf seien,

Während wir die Körperwahrnehmungen eben dort im Körper ansiedeln.

Alles andere aber,

Das uns auch durch Sinneswahrnehmung vermittelt wird,

Nämlich die Lebewesen,

Personen,

Dinge und Sachen,

Stellen wir uns als außerhalb vor.

Wir meinen,

Einerseits wisse das Bewusstsein von all dem,

Andererseits sei es davon aber irgendwie getrennt.

Es erscheint uns als eine unabhängige Instanz,

Getrennt von ihrem Inhalt.

Und so scheiden wir die Welt in eine innere und eine äußere Welt.

Wir glauben,

Die innere sei subjektiv,

Die äußere sei objektiv.

Wir meinen,

Die eine sei bloß im Kopf,

Die andere sei irgendwo da draußen.

In Wirklichkeit,

In dem,

Was wirkt,

Gibt es aber weder Äußeres noch Inneres.

Nichts Externes und Internes.

Sondern es gibt nur das eine Bewusstsein.

Bewusstsein ist identisch mit dem,

Was im Bewusstsein ist.

Bewusstsein ist sein Inhalt.

Die Konsequenz der Trennung in Innen und Außen ist,

Dass wir uns in diesem Zustand des Bewusstseins,

Eben dem sogenannten Tagesbewusstsein oder Wachbewusstsein,

Als Ich und Welt erfahren.

Als ein Ich in der Welt und die Welt wiederum als Innenwelt und Außenwelt.

Das Ich ist die Summe des Uns Bekannten.

Wir scheinen uns sogar unseres Bewusstseins bewusst zu sein und behaupten auch ganz gerne,

Wir seien bewusst.

Soweit das Tagesbewusstsein.

Was geschieht nun im Schlaf?

Wir sollten dabei den Traumschlaf vom traumlosen Tiefschlaf unterscheiden.

Wenn wir träumen,

Befinden wir uns im Traumbewusstsein.

Solange wir träumen,

Erleben wir unsere Innenwelt,

Also unsere Gedanken,

Gefühle,

Aber auch deren Konsequenzen,

Das Karma,

Das Wirkende,

Das ist das,

Was es eigentlich ist,

Als die vermeintlich äußere Welt unseres Traums.

Jean Cocteau hat das in einigen seiner Filme vor nun schon langer Zeit mit einfachsten Mitteln sehr wirkungsvoll dargestellt.

Da sehen wir,

Wie die Winde des Karmas den Menschen umtreiben.

Es gibt ja diesen Zusammenhang zwischen der Traumsymbolik und der Bedeutung der Ereignisse der physisch-materiellen Welt.

So ist zum Beispiel die ganze Umweltproblematik eben auch ein Thema der Innenwelt.

Wir projizieren unsere innere Unordnung.

Doch dazu ein anderes Mal mehr.

Die Welt des Traums erscheint uns,

Während wir träumen,

So real wie dem Tagesbewusstsein die Außenwelt.

Wir wissen meist nicht oder realisieren nur für Augenblicke,

Dass wir träumen.

Wir würden im Traum auch meist nicht ausdrücklich behaupten,

Dass wir bewusst sind.

Wir nehmen uns nicht oder nur kaum als Ich wahr.

Wir bestehen aus den Kräften,

Die das Ich in Erscheinung treten lassen.

Diese Kräfte wirken und wir werden von ihnen gewirkt.

Bloß im Zustand des luziden Traums erlangen wir manchmal eine gewisse Kontrolle über den Inhalt des Traums.

Im Tiefschlaf jedoch sind weder ein bewusstes Ich noch ein Träumer vorhanden.

Es werden auch keine Bewusstseinsinhalte wahrgenommen.

Weder externe noch interne.

Es gibt aber noch einen vierten Zustand.

Dieser liegt allen anderen zugrunde.

Er beinhaltet alles,

Ist bewusst und zugleich frei.

Von Ich,

Von Welt und von Träumer.

In diesem vierten Zustand sind wir mit dem Urgrund des Bewusstseins verbunden.

Mit der reinen,

Klaren Wahrnehmung.

Hier gibt es keine Verblendung,

Keine Illusion.

Weder Innenwelt noch Außenwelt.

Alles ist und alles ist leer,

Inhaltlos.

Der vierte Zustand ist wie ein klarer,

Blauer Himmel an einem schönen Tag.

Und eigentlich nicht einmal das.

Nichts trübt ihn.

Nichts kann ihn trüben.

Wir nehmen ihn wahr als das,

Was ist.

Er ist nicht im Bewusstsein,

Sondern das Bewusstsein ist in ihm.

Alles entsteht aus ihm und fällt in ihn zurück.

Er ist der unsichtbare Ursprung,

Wie Jean Gebser sich ausdrückt,

Des Werdens und Entwerdens.

Mentale und affektive Aktivitäten schaffen Inhalte,

Deren wir nachher als Welt und Erlebnisse gewahr werden.

Wir selbst erzeugen die Bedingungen,

Die uns als Innenwelt und Außenwelt begegnen.

Wenn wir aufhören,

Uns mit irgendetwas zu identifizieren,

Kommen die Bedingungen langsam zum Stillstand.

Die Welt,

Das Innen und Außen,

Sinkt langsam zurück in die ungetrübte,

Ursprüngliche Leere des ungeteilten Seins.

Alles ereignet sich nur in uns selbst und verlässt auch nie den Kreis seines Ursprungs.

Unsere Rettung liegt in dieser reinen,

Bedingungslosen Wahrnehmung.

© 2026 Reinhold Ritter. All rights reserved. All copyright in this work remains with the original creator. No part of this material may be reproduced, distributed, or transmitted in any form or by any means, without the prior written permission of the copyright owner.

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