
Reflexion über Vorsätze & Ohnmachtsgefühle | Buddhistische Weisheitslehre
by Nicole Stern
In diesem Vortrag (Live-Aufnahme eines Vortrages zum neuen Jahr) geht es darum, sich zu besinnen und zu erinnern, warum wir meditieren und wie wir Einsichten im Alltag sinnvoll anwenden können. Am Anfang des Jahres werden gerne Ziele definiert. Aber wir wissen auch: Wir können unser Leben und Schicksal nicht kontrollieren. Wie können wir angesichts der aktuellen Welt-, Umwelt- und Wirtschaftslage mit Gefühlen von Sorgen, Ängsten und Ohnmacht umgehen? Was rät die buddhistische Weisheitslehre dazu? Das Leben besteht aus 10% aus dem, was geschieht und zu 90% daraus, wie ich darauf reagiere. Wie können wir inmitten dieser Herausforderungen heilsame „Reaktionsmuster“ entwickeln? Wie können wir Wohlwollen/Liebe (Metta), Mitgefühl, Freude und Mit-Freude und Gelassenheit kultivieren?
Transkription
Ja,
Das neue Jahr ganz frisch und wir sehen auch,
Gerade bei dem Neuschnee,
Noch nicht mal so eine Fußspur.
Und so ist es auch,
So Anfang des Jahres,
Eigentlich wissen wir ja noch gar nicht genau,
Wie das Leben sich entfalten wird.
Wir glauben zwar,
Dass wir das wissen,
Wir haben unsere Pläne,
Wir hätten es auch gerne auf eine gewisse Weise,
Aber wenn wir genauer hingucken,
Dann wissen wir,
Dass wir das Leben und das Schicksal nicht kontrollieren können.
Wir können dem eine Richtung geben und wir haben die Möglichkeit,
Gewisse Entscheidungen zu treffen,
Aber wie es dann wirklich läuft,
Wissen wir nicht.
Das ist etwas,
Was uns Angst machen kann,
Sorge bereiten kann.
Gerade wenn wir uns mal die Weltsituation anschauen,
So wie es gerade in der Welt aussieht,
Da kann man schon teilweise in Grübeleien,
Sorgen,
Vielleicht auch Ängsten ersticken.
Das kann einen regelrecht überrollen und vielleicht auch das Gefühl haben,
Was kann ich da überhaupt verändern.
Ist da was zu verändern?
Also es kann sein,
Dass wir unsere Ohnmacht spüren.
Und es kann auch sein,
Dass du dich jetzt Anfang des Jahres eben auch so fühlst,
Wenn du in das Jahr hineinschaust und sagst,
Boah,
Wo wird sich das wohl hin entwickeln?
Kriegen wir die Kurve?
Das heißt,
Wenn wir jetzt so am Anfang des frischen Jahres schauen,
Wie schaue ich denn in das Jahr hinein?
Wie ist dann meine jetzige Gefühlslage,
Wenn ich in dieses Jahr schaue,
Hineinspüre?
Fühle ich mich dann eigentlich glücklich und gelassen,
Zuversichtlich,
Hoffnungsvoll?
Wie viel Platz hat das noch im Augenblick in deinem Leben?
Also kannst du das Leben,
Dieses neue Jahr,
Dieses frische Jahr wirklich so hoffnungsvoll und zuversichtlich beginnen?
Oder gibt es jetzt schon so Überlagerungen von,
Ist das schwer,
Wie wird das wohl werden?
Und die Frage ist,
Wie gehen wir damit um?
Was ist dann noch übrig von der Hoffnung,
Der Gelassenheit,
Der Zuversicht,
Dem Glück?
Und die buddhistische Weisheitsschulung,
Die setzt genau an dem Punkt an und die sagt ganz klar,
Dein Geisteszustand ist das Wesentliche,
Was ausmacht,
Wie du das erfährst,
Wie du es erlebst,
Was gerade ist.
Nur 10% der Ereignisse,
Also nur 10% von dem,
Was im Leben passiert,
Beeinflusst dich wirklich.
Es sind 90%,
Was es ausmacht,
Wie du dich wahrnimmst,
Wie du dich fühlst,
Ist die Art,
Wie du auf die Ereignisse,
Die 10% der Ereignisse reagierst.
Also das,
Was wir erleben,
Macht nur 10% aus,
Das,
Wie wir darauf reagieren,
90%.
Und das ist diese Freiheit und freie Wahl,
Die wir haben.
Wir können nicht wirklich voraussagen oder kontrollieren,
Was passiert,
Aber wir haben die Möglichkeit,
Und zwar zu 90% zu sehen,
Welche Einstellung,
Welche Haltung ich einnehme,
Um zu sehen,
Wie ich darauf reagiere.
Im Buddhismus ist es eben so,
Dass das Glück,
Gelassenheit,
Eine wohlwollende,
Liebende Haltung,
Sogar noch Mitgefühl und Freude die wesentlichsten Punkte sind,
Die trainiert werden,
Um nämlich diese 90% der Reaktion sinnvoll und heilsam zu beeinflussen.
Das heißt,
Dass wir in Zukunft mit entsprechender Übung,
Mit diesen Geisteszuständen von Wohlwollen,
Gelassenheit,
Freude,
Dankbarkeit,
Mitgefühl,
Da hineinbringen und so den Blick und die innere Erfahrung,
Also den Blick auf die Geschehnisse und die innere Erfahrung davon verändern können.
Das ist die Beschreibung eines Herzgeistweges.
Also nicht nur eines geistigen Weges,
Sondern da wird das Herz auch mit beansprucht,
Weil das sind alles Herzensqualitäten,
Die Freude,
Die Dankbarkeit,
Das Mitgefühl,
Das Wohlwollen,
Die Gelassenheit,
Den Gleichmut zu entwickeln.
Und das haben wir in der Hand.
Und dann kommt es darauf an,
Darauf zu achten,
Wie wir eigentlich in Beziehung sind miteinander,
Auch nochmal wahrzunehmen,
Welche Absichten ich überhaupt hege,
Was ich überhaupt denke,
Was ist hauptsächlich das,
Womit ich mich befasse und das,
Was ich letztendlich auch tue.
Und das können wir uns wirklich nochmal ganz vergegenwärtigen,
Dass Glück und Frieden ein Geisteszustand ist.
Es ist nichts,
Was wir von außen irgendwie,
Wissen wir alle,
Durch genügend Geld oder genügend von irgendetwas,
Beziehung,
Gesundheit,
Es ist ein Geisteszustand.
Und es ist eben auch so,
Dass dieses Glück,
Was unabhängig ist von dem,
Wie es mir gerade geht,
Was in der Welt passiert,
Dass wir das nicht in die Wiege gelegt bekommen haben und es das ewig so bleibt,
Sondern es ist etwas,
Was wir uns erarbeiten und trainieren können und meines Erachtens auch müssen.
Weil wir sonst tatsächlich in dieser vielleicht auch gedrückten Stimmung,
In dieser Hoffnungslosigkeit,
Ausweglosigkeit oder auch das Gefühl zu haben,
Ich kann ja überhaupt nichts ändern.
Das ist dann auch so eine Ohnmacht.
Ich glaube,
Das kennen wir alle,
Dass wir eine Ohnmacht empfinden an den Dingen,
Wo wir sehen,
Das geht schief,
Da läuft was nicht richtig.
Und es ist ein Ohnmachtsgefühl,
Was wiederum richtig drückend,
Depressiv auf uns wirken kann.
Aber es gibt eben die Möglichkeit,
Unseren Geist auch inmitten dieser Situation zu trainieren.
Das heißt nicht,
Dass wir das alles hinnehmen müssen und sagen,
Das ist alles jetzt toll,
Ich bin trotzdem glücklich.
Dann ist es halt so,
Es ist weder eine Gleichgültigkeit,
Noch ist es ein Rückzug,
Noch ist es ein Nicht-Handeln.
Das ist es nicht und das wird immer wieder missverstanden.
Eine andere Perspektive auf die Dinge,
Nämlich eine heilsame,
Friedliche und eine,
Die das Glück in diesem einfachen Sein ist,
Ist schon ganz viel Glück.
Das Sich-Sein-Lassen,
Das Ankommen,
Das Nicht-Tun-Müssen,
Nicht-Sollen,
Darin ist schon ganz viel.
Ja,
Was will man denn noch mehr?
Aber das geht halt verloren in dem Moment,
Wo wir durch die ganzen Informationen das hören und meinen,
Wir müssten was tun,
Wir reagieren darauf.
Und wir reagieren in der Regel in unseren alten Gewohnheitsmustern und die sind dann vielleicht mit Sorge und mit Enge oder Angst verbunden.
Oder Ohnmacht.
Das heißt,
Wir können üben,
Erstmal alles,
Was wir erleben,
Auch unsere Gefühle,
Die wir haben,
Tatsächlich,
Es geht ja so weit,
Auch die Gefühle,
Die wir haben,
Als einen Geisteszustand zu nehmen,
Zu sehen.
Ich bin gerade,
Also ich fühle mich ohnmächtig,
Aber eigentlich ist es mein Geisteszustand,
Der sich ohnmächtig fühlt.
Und das ist schon mal radikal,
Sich das wirklich zu vergegenwärtigen.
Es ist mein Geisteszustand,
Der mich auf die Dinge so sehen lässt.
Und an dem Geisteszustand können wir was ändern.
Durch trainieren.
Durch Übung.
Sodass wir einen Geisteszustand anpeilen können,
Der gelassen ist,
Zufrieden,
In Frieden mit dem was ist und sozusagen unerschütterlich,
Egal was passiert.
Weil es nützt nämlich nichts,
In Panik auszubrechen,
Es nützt nichts,
Sich verrückt zu machen und auch nicht irgendwie in dieser Ohnmacht stecken zu bleiben.
Oder Depression stecken zu bleiben.
Und das ist eben das Plädoyer dafür,
An sich selbst in diesem Sinne zu arbeiten,
Die Meditation zu nutzen,
Um immer wieder in dieses gelöste Sein hineinzufinden.
Und dann auch alle Widerstände,
Die wir haben,
Alle unheilsamen Verhaltensweisen,
Die wir haben,
Oder auch Sichtweisen,
Die wir auf die Dinge haben,
Die Reaktionen,
Die wir haben,
Wo wir merken,
Das bringt doch nichts.
Das will ich so gar nicht mehr.
Damit ist keinem geholfen,
Die Schritt für Schritt umzusetzen.
Und der Buddha,
Der hat von diesen vier Zuständen gesprochen,
Manchmal sagt man auch himmlische Zustände,
Die Herzgeistzustände sind,
Die wir brauchen,
Auf die wir uns ausrichten können und die in uns wachsen können.
Die sind in jedem vorhanden,
Aber eben unterschiedlich,
Stark ausgeprägt.
Und das sind Wohlwollen oder Liebe.
Das ist Mitgefühl,
Das ist die Freude und das ist die Gelassenheit.
Das Lassenkönnen.
Ich finde es sehr beruhigend und auch tröstend,
Dass es da vor zweieinhalb Tausend Jahren einen solchen weisen Menschen gab und natürlich noch viele andere gibt und gab seitdem und davor auch gab,
Die sagen,
Es ist eigentlich ganz einfach,
Wenn wir uns auf diese heilsamen Qualitäten besinnen.
Wenn wir anfangen,
Alles,
Was wir erleben,
Durch diese Brille des Wohlwollens,
Des Mitfühlens,
Der Freude und des Lassens,
Der Gelassenheit erleben,
Wenn wir diese Qualitäten in uns stärken,
Dann reicht das.
Dann reicht das schon,
Um in unserem Leben eine friedliche,
Glückliche Perspektive zu geben.
Und dann gibt es natürlich immer noch viele Herausforderungen,
Aber diese Qualitäten stecken in uns,
Die können wir wie ein Muskel trainieren,
Die können wir uns vergegenwärtigen.
Ich habe so einen schönen Satz heute gelesen.
Liebe ist die Fähigkeit,
Die Freude und das Leid anderer Menschen vollständig nachzuempfinden und dabei die eigene Mitte selbst nicht zu verlieren.
In dem Satz ist alles drin.
Liebe ist die Fähigkeit,
Man kann auch sagen Wohlwollen für diejenigen,
Ich finde das auch manchmal schwierig,
Man kann es verwechseln mit der persönlichen Liebe zu einem Menschen,
Aber Wohlwollen oder tiefes Wohlwollen,
Liebe ist die Fähigkeit,
Die Freude und das Leid anderer Menschen vollständig nachzuempfinden und dabei die eigene Mitte selbst nicht zu verlieren.
Und das ist eben auch das Wichtige,
Das heißt also,
Wenn wir das trainieren,
Diese Qualitäten,
Wenn wir uns damit verbinden,
Wenn wir die für dieses Jahr wirklich zu uns nehmen und sagen,
Vielleicht ist das wirklich ein Medikament,
Ein Hilfsmittel für das,
Was uns in diesem Jahr an Schwierigkeiten von außen in der Welt geschehen,
Allem,
Was ich eben schon aufgezählt habe,
Vielleicht kann uns das wirklich unterstützen.
Und wenn man das so daher sagt und sagt,
Liebe mit Gefühl,
Freude und Gelassenheit,
Wie soll man das denn im Angesicht von diesen ganzen Herausforderungen haben?
Und ich glaube tatsächlich,
Das ist die einzige Möglichkeit,
Dass wir das in uns spüren,
Immer wieder damit verbinden,
Weil wir ja dann trotzdem mit den Menschen,
Die betroffen sind,
Mit dem Leid,
Was sie vielleicht erleben,
In Resonanz sind.
Das ist ja kein Rausziehen,
Nur ich bin glücklich und freue mich über das,
Was ich habe,
Sondern ich kann eben auch mitfühlen das Leid von anderen,
Aber auch die Freude von anderen empfinden.
Was es auch braucht,
Ist natürlich auf diesem Weg,
Dass wir uns deutlich sehen,
Dass wir alle miteinander verbunden sind und dass wir alle Unvollkommenheiten haben.
Und dass wir auch anderen und uns selbst erlauben,
Fehler zu machen.
Also auch wenn wir solche hohen Ziele haben und sagen,
Ich werde mein Wohlwollen,
Mein Mitgefühl,
Meine Freude und Mitfreude kultivieren und meine Gelassenheit,
Dann wissen wir auch,
Dass wir das selbst in unserer Unvollkommenheit vielleicht gar nicht so gut hinkriegen und andere es nicht so gut schaffen.
Trotzdem bemühen wir uns,
Trotzdem tun wir was dafür.
Das Besondere ist,
Wenn wir den Fokus darauf richten,
Dann werden wir allein durch das Üben,
Das wir immer wieder sehen,
Jetzt freue ich mich mit,
Jetzt spüre ich mit bei dem,
Was da an Leid geschieht,
Werden mit der Zeit ganz natürlich liebevolle,
Gute Gefühle in uns auftauchen.
Dann auch,
Wenn wir versuchen,
Das zu verstehen,
Was da mit anderen passiert oder auch uns selbst,
Dass wir gute Absichten haben,
Diese Qualitäten in uns zu nähern,
Aber das gar nicht so richtig schaffen,
Weil so viel anderes wichtiger erscheint.
Ein ganz wichtiger Aspekt dabei ist eben auch die Dankbarkeit.
Das kann auch eine der Qualitäten sein,
Die wir uns für dieses Jahr tatsächlich so vornehmen können,
Immer wieder in die Dankbarkeit zurückzufinden,
Weil die Dankbarkeit einfach das Herz wärmt und nährt.
Auch wenn es Herausforderungen gibt,
Die schwierig sind in dem kommenden Jahr,
Die uns selbst betreffen,
Ganz direkt,
Die in der Welt passieren,
Ist das Dankbarsein für das,
Was trotzdem noch ist,
Wenn es f��r die eigene Gesundheit ist,
Für den eigenen klaren Blick oder etwas anderes,
Was du siehst,
Hier und da,
An Kleinigkeiten,
Ein freundliches Lächeln,
Das können kleine Dinge sein,
Dann ist es das,
Was uns wärmt und das Herz öffnet.
Und in dem Sinne möchte ich einfach als einen Jahresstart darauf nochmal hinweisen,
Dass diese vier Qualitäten tatsächlich der Schlüssel sein können,
Immer wieder mit all dem,
Was uns begegnen wird in diesem neuen Jahr,
Hoffnung zu schöpfen,
Das Glück anzupeilen,
Die Gelassenheit anzupeilen und in uns das Wohlwollen zu spüren,
Für andere das Wohlwollen zu spüren,
Das Leid der anderen zu sehen,
Indem wir mitfühlen,
Unser eigenes Leid spüren und mitfühlen,
Die Freude,
Ganz wichtig,
Auch ausdrücken,
Nicht nur spüren,
Sondern wenn wir wirklich durch den Körper entstehen,
Also richtig ausdrücken,
Bei anderen auch,
Ja,
Und die Gelassenheit und Heiterkeit auch wertschätzen bei uns und anderen.
Ja,
Und in dem Sinne möchte ich ganz formell für das neue Jahr diese ganz traditionellen Sätze,
Die es da gibt,
So zweieinhalb tausend Jahre alt,
Die meisten kennen es,
Die sogenannten Metta-Sätze sind also brandaktuell,
Das kann ein Heilmittel sein,
Indem wir uns wünschen,
Von ganzem Herzen,
Möge ich glücklich sein,
Möge ich sicher und geborgen sein,
Möge ich gesund sein und möge ich heiter und gelassen sein.
Und im zweiten Schritt dann,
Mögest du glücklich sein,
Und zwar alle,
Nicht nur die hier im Raum sitzen,
Alle Menschen und fühlenden Wesen,
Mögest du glücklich sein,
Mögest du sicher und geborgen sein,
Mögest du gesund sein,
Mögest du heiter und gelassen sein.
Ja,
Das sind also meine vier Wünsche für das kommende Jahr und vielleicht eine kleine Anregung zu wissen,
Dass wir eine Freiheit haben mit unserer Perspektive,
Mit dem Geisteszustand,
Den wir einnehmen und schon in dem Moment,
Wenn du dich an die vier Herzensqualitäten,
Die vier Metta-Sätze erinnerst,
Kann es helfen,
Dich inmitten der Situation ein Stück zu befreien,
Weiter zu werden.
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