
Tiefe Hingabe und großes Mitgefühl
In den Dharma-Belehrungen wird oft von den zwei Säulen des Eingangstores zur Befreiung gespro- chen. Die Qualitäten von Herz und Geist, die dieses Eingangstor bilden, sind vertrauensvolle Hingabe und großes Mitgefühl, Bodhicitta. Es handelt sich dabei um zwei verschiedene Arten und Weisen, in denen sich unser Herz und Geist öffnen, um innere Transformation möglich zu machen.
Transkription
In der Tradition meiner tibetischen Lehre lautet die erste Aussage zu Beginn eines Dharma Vortrages immer Versucht diesen Worten zu lauschen mit der Absicht,
Dass sie letztlich nicht nur für uns allein,
Für euch allein,
Sondern für viele Menschen nützlich sein mögen.
Das ist Grundeinstellung beim Praktizieren und beim Zuhören.
Titel des Vortrages Hingabe und Mitgefühl,
Die Säulen des Tores zum Erwachen.
In den Belehrungen wird oft von den zwei Säulen des Eingangstores zur Befreiung und Erleuchtung gesprochen.
Diese zwei Qualitäten von Herz und Geist,
Die dieses Eingangstor bilden oder tragen,
Sind vertrauensvolle Hingabe und großes Mitgefühl,
Bodhichitta.
Es handelt sich dabei um zwei verschiedene Arten und Weisen,
In denen sich unser Herz,
Unser Geist öffnet,
Um innere Transformation möglich zu machen.
Vielleicht könnte man sagen,
Vertrauensvolle Hingabe ist eine Art der Eröffnung in oder für sich selbst.
Liebe und Mitgefühl ist eine Art der Eröffnung gegenüber außen,
Gegenüber den anderen.
Wenn eine der Eröffnungen verstopft ist,
Kann der innere Prozess der Transformation oder des Gehens auf dem Weg des Erwachens oder vielleicht des Schreitens durch das Tor des Erwachens nicht stattfinden.
Wenn wir aber in beiden Richtungen durchlässig sind,
Dann kommen die spirituellen Energien des Erkennens und Verstehens einerseits und des großzügigen aktiven Mitgefühls und Helfens andererseits in Fluss.
Eine mögliche Illustration,
Um eine Glühbirne zum Leuchten zu bringen,
Muss sie mit zwei elektrischen Drähten verbunden sein,
Einem Pluspol und einem Minuspol.
Wenn bei einem der beiden ein Wackelkontakt vorhanden ist,
Wird der Strom nicht fliessen und die Glühbirne wird nicht leuchten.
Wenn der Strom ungehindert fliesst,
Wird die Lampe aufleuchten.
Sonnry Rinpoche,
Mein Dzogchen-Lehrer,
Schreibt,
Tiefe Hingabe und grosses Mitgefühl sind die besten Mittel zur Verwirklichung des Erwachens.
Heute möchte ich für eine halbe Stunde oder so über vertrauensvolle Hingabe sprechen,
Über den einen der beiden Aspekte und dann Zeit für Fragen lassen.
Das ist ein halbes Tor.
Ich denke,
Zuerst muss klar sein,
Dass damit nicht irgendeine Art von Vertrauen und Hingabe gemeint ist,
Wie z.
B.
Urvertrauen oder Gottvertrauen oder Selbstvertrauen oder Vertrauen in unseren Verstand oder Blindesvertrauen oder Selbsthingabe oder Hingabe an Genuss oder Hingabe an eine Ideologie.
Man kann da sehr vieles verstehen.
Es geht um eine bestimmte Art von Vertrauen oder von Hingabe.
Es geht um so etwas wie rechte Hingabe oder vielleicht weise oder angemessene,
Hilfreiche Hingabe.
Es sind ganz bestimmte,
Richtig verstandene Aspekte von Hingabe,
Die für unsere Praxis von grosser Bedeutung sind.
Ich denke,
Dass richtig verstandene und angewandte Hingabe sogar eine der wesentlichsten Qualitäten einer wirkungsvollen spirituellen Praxis ist.
Was ist also diese weise oder rechte,
Vertrauensvolle Hingabe?
Vielleicht geben die folgenden Worte ein Gefühl dafür.
Vielleicht hat es zu tun mit intensivem Interesse und mit Dringlichkeit und mit Inspiration und mit Ergriffenheit.
Die Frage ist aber,
Wofür?
Intensives Interesse für was?
Hingabe an was?
Ein Blick auf rechtes Vertrauen kann da vielleicht helfen.
Einige von euch erinnern sich vielleicht an meinen Vortrag vom ersten Retreattag hier.
Die erste Qualität der fünf Indriyas,
Der spirituellen oder bestimmenden Fähigkeiten,
Ist Vertrauen,
Satta.
Oder eben auch hier weises Vertrauen,
Richtig verstandenes Vertrauen.
Und diese Art,
Dieses Satta,
Bedeutet zuerst einmal Vertrauen in das Erwachen.
Das kommt euch hoffentlich bekannt vor.
Vertrauen ins Erwachen,
Aus dem Verloren und Gefangensein,
In unsere Gedanken,
Gefühle und Träume.
Und unsere persönlichen,
Scheinbar soliden,
Scheinbar abgetrennten Welt.
Und in das Erwachen aus der Verblendung,
Das Erwachen zur vollständigen Innenbefreiung.
Satta,
Weises Vertrauen,
Heisst auch Vertrauen in die Wirklichkeit,
So wie sie ist,
Und ihre Gesetzmäßigkeiten,
So wie sie sind.
Ich finde,
Das klingt immer so gut,
Vertrauen in die Wirklichkeit,
So wie sie ist.
Dabei ist es ein ausserordentliches Wagnis,
Ein ausserordentliches Abenteuer,
Wenn man sich klar macht,
Und das tun wir jetzt hier seit Tagen,
Dass diese Wirklichkeit sich ständig wandelt,
Dass diese Wirklichkeit in keiner Art und Weise festhaltbar ist,
Und dass an dieser Wirklichkeit nichts dran ist,
Was man irgendwo als bleibend,
Fest,
Solid halten,
Nehmen kann.
Dann zu sagen,
Vertrauen in diese Wirklichkeit.
Und trotzdem,
Was könnte es Vertrauenswürdigeres geben,
Alles andere entspricht nicht der Wirklichkeit.
Und wenn wir allem,
Wo immer wir unser Vertrauen hingeben,
Das nicht der Wirklichkeit entspricht,
Werden wir früher oder später enttäuscht sein.
So ist es erst dann wirklich Vertrauensbasis,
Wenn wir sie völlig verstehen,
Wenn wir ganz vollständig in diese Wirklichkeit hinein losgelassen haben.
Vertrauenswürdig sind auch alle Lehren und Praktiken,
Die uns ermöglichen,
Diese Wirklichkeit zu verstehen und letztlich eins damit zu werden.
Und dabei ist das Merkmal oder das Erkennungszeichen dieser Lehrer nicht,
Ob sie buddhistisch sind oder nicht,
Sondern ob sie tatsächlich zu diesem Befreienden erkennen und loslassen führen.
Wenn sie das tun,
Sind sie eine Zuflucht.
Und Sata,
Weisses Vertrauen,
Heisst auch Vertrauen in jene,
Die mit solchen Mitteln arbeiten,
Die damit schon etwas weiter gekommen sind als wir selbst,
Oder idealerweise Vertrauen in jene,
Die das Ziel verwirklicht haben.
Sonnerin Poché nennt diese Art des Vertrauens Erleuchtungsvirus.
Und dabei geht es darum,
Dass wir infiziert werden.
Dann entsteht weise Hingabe.
Genau diese Definition von rechtem weisem Vertrauen trifft auch für rechte Hingabe oder richtig verstandene weise Hingabe zu.
Kathrin Felder,
Kollegin und Vipassana-Lehrerin,
Hat eine Illustration erwähnt,
Die ihr indischer Yoga-Lehrer Dr.
Jayadeva als Beispiel für Hingabe gab.
Man stelle sich eine geneigte Fläche vor,
Die aber nicht flatt ist,
Wie das Blatt hier,
Sondern die allerlei Unebenheiten und Rillen und Mulden und Erhöhungen hat.
Und wenn man oben eine Kugel hinlegt,
Wird diese stecken bleiben oder nur langsam nach unten rollen zum Ziel.
Je stärker aber die Fläche nach unten geneigt ist,
Desto schneller wird die Kugel nach unten rollen ans Ziel,
Trotz aller Hindernisse.
Rechte Hingabe entspricht der Neigung dieser Fläche.
Je stärker die Neigung bzw.
Je stärker die Hingabe,
Desto wirkungsvoller wird die Praxis,
Desto eher erreichen wir unsere Ziele.
In Bezug auf das Wohin mit unserer Hingabe gibt es interessante Hinweise aus verschiedenen buddhistischen Traditionen.
Im tibetischen Vajrayana,
Also nicht in unserer Tradition hier,
Ist ein wichtiger Aspekt der Praxis das sogenannte Guru-Yoga.
Die Hingabe an den Lehrer oder die Hingabe an die Lehrerin.
Und das ist folgendermassen zu verstehen.
In jener Tradition beginnt man nach Jahren der Praxis und nach Jahren des Überprüfens und Beobachtens der eigenen Lehrer oder Lehrerinnen,
Sich für eine Person zu entscheiden,
Die man sozusagen in seinem Inneren zum Guru oder zur Guru erhebt.
Und dabei beginnt man von da an diese Lehrerin,
Diesen Lehrer als vollständig erleuchteten Buddha oder als vollständig erleuchtete Tara zu sehen.
Und man übt sich,
Darin diese Person jenseits aller Zweifel als vollständig erwacht zu erleben und zu erfahren.
Es gibt,
Ich möchte sie zuerst erwähnen,
Probleme,
Die daraus entstehen können und es auch immer wieder tun.
Gerade hier im Westen und die sind unschwer zu erkennen.
Blinder Glaube,
Abhängigkeit oder gar Hörigkeit und auch Fundamentalismus oder romantische,
Naive Verehrung oder Vergötterung sind die immer wieder auftretenden Irrwege,
Auf denen man selbst intelligente Menschen finden kann.
Ich denke,
Darüber brauche ich hier nicht mehr zu sagen und nicht zu sprechen.
Interessant finde ich aber natürlich die positiven,
Die möglichen ungemein positiven Auswirkungen dieser Praxis.
Indem man sich darin schult,
Wieder in diesem Praxissystem Guru und Buddha als Eins zu sehen,
Entsteht eine völlig andere Beziehung.
Und zwar als ob eine Art psychischer Kanal sich geöffnet hätte.
In der Tradition spricht man von Segenswellen,
Die durch diesen Kanal fließen.
Ich möchte nicht versuchen,
Euch zu überreden,
Dieser Praxis anzufangen.
Ihr müsst mit zwölf Jahren testen zuerst beginnen.
Aber eine winzige Kostprobe davon,
Was die Überzeugung in der Gegenwart Buddhas zu sein bewirken kann,
Unter Umständen,
Zeigt sich vielleicht an der folgenden Übung.
Eine Übung,
Die Jack Kornfield ab und zu anleitet und die ich hier anleiten möchte,
Kurz für ein paar Minuten.
Wenn ihr kurz mal die Augen schliesst,
Stellt euch vor oder erinnert euch an eine schwierige,
An eine sehr schwierige Situation.
Vielleicht einmalig etwas,
Was ihr erlebt habt oder wiederkehrende schwierige Situation,
Die vielleicht wieder auf euch wartet in den kommenden Wochen.
Schaut,
Wo ihr seid,
Wo sich das abspielt.
Seid ihr allein oder mit wem?
Seid ihr zusammen?
Wie sieht die Umgebung aus?
Und wie fühlt ihr euch in dieser schwierigen Situation?
Wie fühlt sich euer Körper an?
Jetzt hört ihr,
Dass jemand kommt.
Vielleicht klopft es.
Ein weißes Wesen,
Ein Mensch kommt.
Was immer für euch stimmt,
Maria,
Tara,
Buddha,
Ein Engel kommt.
Er oder sie erkennt eure Situation und offeriert,
Mit euch Platz zu tauschen.
Ihr tauscht die Rollen.
Selbst tretet ein bisschen zurück und schaut zu.
Die selbe Situation,
In der er sich jetzt befindet.
Wie verhält sie sich?
Wie verhält er sich?
Was sagt er?
Vielleicht sagt er,
Vielleicht sagt sie etwas.
Vielleicht tut sie etwas,
Vielleicht tut er etwas.
Was tut er nicht?
Was tut sie nicht?
Und wie fühlt sich ihr Körper an?
Wie fühlt sich sein Körper an?
Und wie reagieren die Menschen,
Falls andere Leute im Raum sind?
Dann geht die vereinbarte Zeit des Tausches zu Ende.
Zum Abschied,
Beim Gehen,
Spricht sie ihr vielleicht ein paar hilfreiche,
Unterstützende Worte.
Vielleicht kriegt ihr die mit,
Vielleicht auch nicht.
Vielleicht überreicht sie euch etwas,
Ein Symbol,
Was immer.
Und ihr verabschiedet euch,
Seid wieder ihr in dieser Situation.
In der Präsenz eines Buddha,
Eines erleuchteten Wesens zu sein,
Kann uns recht tiefgründig beeinflussen.
Besonders wenn es etwas ist,
Was wir sehr konsequent praktizieren.
In der vorher erwähnten Praxis des Guru Yoga,
Der Hingabe an den oder die Guru,
Wird die Praxis dann folgendermassen weiterentwickelt.
Nachdem man große Wertschätzung für diese Präsenz von Guru oder Buddha entwickelt hat,
Beginnt man sich selbst als Guru,
Buddha wahrzunehmen.
Die Übung besteht nun darin,
Sich selbst nicht nur als eine erleuchtete Person,
Ein erleuchteter Mensch zu sehen,
Sondern sich auch wie ein erleuchteter Mensch zu benehmen,
Als Praxis,
So zu handeln,
So zu reagieren,
Wie Buddha oder Tara oder Maria das tun würde.
Und wenn das vorhin für euch einen Unterschied gemacht hat,
Dann wird auch sichtbar,
Wir haben diese Qualitäten in uns,
Wir haben diese Möglichkeit in uns.
Und man weiß auch in dieser Praxis,
Dass die wahre Natur,
Die wirklich innewohnende wahre Natur des eigenen Geistes,
Tatsächlich genauso frei und so erleuchtet ist,
Wie die eines jeden Buddhas.
Wenn es nicht so wäre,
Könnten wir uns nie entwickeln und befreien.
Machtvolle Praxis,
Wenn man sich mit echtem Bemühen und Hingabe daran macht.
Ich denke,
Um sich da hinein zu wagen,
Braucht es viel Mut,
Vertrauen und Hingabe.
Und dabei entsteht auch mehr und mehr Vertrauen und Hingabe.
In der Theravada Bipassana Tradition ist die Praxis des Guru Yoga nicht bekannt.
Es gibt aber viele Hinweise auf die Richtung,
In der Hingabe gelenkt werden kann,
Sollte.
Im Theravada Palikanon wird eine Begebenheit geschildert,
Bei der ein Mönch und Schüler Buddhas den Erleuchteten voller Hingabe endlos betrachtete und bewunderte.
Ich denke,
Dass man sich dabei vorstellen muss,
Dass der Buddha ein sehr beeindruckender Mensch gewesen sein muss.
Beeindruckend in seiner physischen Erscheinung,
Sowohl wie auch in seiner Art des Seins,
In seinem Wesen.
In Siddhartha versuchte Hermann Hesse,
Die Erscheinung des Buddhas in Worte zu fassen.
Dabei ist klar,
Dass wir im Grunde genommen keine Ahnung haben,
Wie dieser Mensch wirklich war.
Trotzdem möchte ich diesen kurzen Text vorlesen.
Der Buddha ging seines Weges bescheiden.
Sein stilles Gesicht war weder fröhlich noch traurig.
Es schien leise nach innen zu lächeln.
So wandelte der Buddha,
Trug das Gewand und setzte den Fuß,
Gleich wie alle seine Mönche.
Aber sein Gesicht und sein Schritt,
Sein stillgesenkter Blick,
Seine still herabhängende Hand und noch jeder Finger an seiner still herabhängenden Hand sprach Friede,
Sprach Vollkommenheit,
Suchte nicht,
Ahmte nicht nach,
Atmete sanft in einer unverwälklichen Ruhe,
In einem unverwälklichen Licht,
Einem unantastbaren Frieden.
So wandelte Gautama der Stadt entgegen,
Um Almosen zu sammeln.
Und die beiden Mönche erkannten ihn einzig an der Vollkommenheit seiner Ruhe,
An der Stille seiner Gestalt,
In welcher kein Suchen,
Kein Wollen,
Kein Nachahmen und kein Bemühen zu erkennen war,
Nur Licht und Frieden.
Dieser Mann,
Dieser Buddha,
War wahrhaftig,
Bis in die Gebärde seines letzten Fingers.
Buddha wusste wahrscheinlich um die Kraft seiner Präsenz,
Seiner Ausstrahlung.
Er beobachtete den bewundernden Mönch und wies ihn schließlich zurecht.
Wenn du mich anschaust,
Siehst du nicht wirklich den Buddha.
Wenn du Dharma,
Die Lehre von der Wirklichkeit,
Siehst,
Wenn du Dharma verstehst,
Wenn du das Wesen der Wirklichkeit erkannt hast,
Siehst du wirklich den Buddha.
Letztlich geht es also um Hingabe an die Praxis.
Mein Lehrer Geschrapten,
In dessen Tradition Guru-Hingabe ganz zentral ist,
Sagt immer wieder zu uns,
Wenn ihr wirklich echte Hingabe habt an euren Lehrer,
Dann müsst ihr wirklich hören,
Was er zu sagen hat und vor allem tatsächlich praktizieren,
Was er euch lehrt.
Mit grosser Hingabe,
Alles andere ist nutzlos.
Er hilft nicht so viel auf grossartigen Gesten und Bewunderung und Verehrung.
Das war unser tägliches Brot zu hören,
Wenn ihr es wirklich ernst meint,
Dann praktiziert.
Und so sind wir wieder einmal dort,
Wo wir schon oft waren.
Es ist klar,
Dass das Einzige,
Worauf es wirklich ankommt,
Unsere Praxis ist.
Es ist eine Art No-Nonsense-Dharma.
Kein Hokuspokus der Erleuchtung.
Und darin waren all meine Lehrer und Lehrerinnen immer sehr klar.
Eine Zwischenfrage,
Wie dringlich sollte diese Hingabe,
Diese Hingebung sein?
Ein grosser Yogi weilte am Ufer des Tsangpo Flusses.
Eines Tages besuchte ihn ein Mönchsnovize,
Warf sich vor sie nieder und bat,
O grosse Lama,
Ich möchte von euch die Lehren des Buddhas erhalten.
Warum möchtest du das?
Fragte die Yogini.
Weil ich die Erleuchtung erlangen will.
Die Yogini fasste den jungen Mönch am Arm,
Schleifte ihn zum Fluss und drückte seinen Kopf unter Wasser.
Als sie den Jungen wieder auftauchen ließ und dieser das Wasser ausgespuckt und sich erholt hatte,
Fragte ihn die Lama.
Was wolltest du am meisten,
Als ich dich unter Wasser hielt?
Luft,
Antwortete der Novize.
Worauf die Yogini ihn mit dem folgenden Ratschlag zurück in sein Dorf schickte.
Kehre zurück,
Wo du hergekommen bist und komm erst wieder zu mir zurück,
Wenn du erleucht und genauso willst,
Wie du vorhin Luft wolltest.
Tough,
Diese Yoginis.
Und vielleicht,
Hoffentlich für uns geht es auch mit etwas weniger Dringlichkeit.
Aber dennoch,
Chan Master Sheng Yen,
Der 2004 hier bei uns im Zentrum weilte,
Wurde hier in einem Interview gefragt,
Ob es für westliche Menschen tatsächlich auch möglich sei,
Erwachen,
Erleuchtung zu erlangen.
Und seine Antwort war,
Dass Ost oder West überhaupt nicht das Entscheidende sei,
Sondern wie sehr jemand wirklich das Erwachen realisieren wolle und sein Leben darauf ausgerichtet habe.
Also auch hier wieder eine Frage der Hingabe,
Eine Frage des Neigungswinkels der besagten Fläche.
Noch kurz der letzte Punkt hier,
Die Frage,
Wie macht man den Neigungswinkel steiler?
Was gibt uns diese Schubkraft?
Wie entwickelt man Dharma Hingabe?
Da gibt es sicher viele Antworten.
Hier habe ich zwei grundsätzliche Möglichkeiten und Zugänge,
Dies zu tun.
Ich denke,
Beide sind hilfreich und beide brauchen wir.
Und ich will mich kurz fassen.
Die eine ist die Betrachtung von Schwierigkeiten,
Von inneren Konflikten,
Von Schmerz und Leiden,
Denen wir ausgesetzt sind.
Und von denen wir uns durch effektive Praxis mehr und mehr befreien können oder könnten.
Das ist die eine.
Und die andere ist die Betrachtung von Glück,
Von Befreiung,
Von Freude und Verbundenheit,
Die durch wirkungsvolle Praxis erreichbar ist.
Und die Inspiration,
Die wir uns holen können durch Anhören von Belehrungen,
Durch Lesen von anspornenden Texten,
Durch Zusammensein mit praktizierenden Menschen,
Durch Besuchen von inspirierenden Orten,
All das.
Und kurz umschrieben sind es die folgenden formalen Betrachtungen,
Die uns anspornen können.
Wir werden wahrnehmen und anerkennen des Leidens in diesem Leben,
In uns selbst,
Bei anderen und bei allen Lebewesen.
Und das Anerkennen ist wichtig,
Das Sehen und Anerkennen,
Wenn wir denken,
Im Grunde genommen haben wir wirklich kein Problem,
Dann wird uns das nicht sehr motivieren zu praktizieren und auch nicht viel verändern.
Dann regelmässig darüber nachdenken,
Wie wertvoll unsere gegenwärtige Situation ist,
Die es uns möglich macht,
Uns von Leiden zu befreien.
Das ist auch etwas,
Was wir uns immer wieder klar machen müssen,
Kurz oder mittellang darüber nachdenken müssen.
Oft darüber nachzudenken,
Wie zerbrechlich und wie vergänglich diese ideale Situation,
Die wir haben,
Tatsächlich ist.
Und immer und immer wieder über Glück,
Freude,
Weisheit und Verbundenheit reflektieren,
Die Erwachten oder Erwachteren Menschen möglich ist und zu eigen ist.
Es ist etwas sehr Hilfreiches zu betrachten,
Zu praktizieren,
Sich zu üben,
Um diese eine Säule des Dharmatores,
Die Säule der Hingabe,
Stark und fest zu machen.
Die andere Säule des Dharmatores ist großes Mitgefühl und Bodhichitta und darüber ein anderes Mal.
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