
Bindungsmuster? Bindungstrauma? #2 Frühkindliche Erfahrungen
Frühkindliche Bindungserfahrung. Dein Körper erinnert sich, auch wenn du es vergessen hast. Kein Mensch entscheidet sich als Kind für ein Bindungsmuster. Es entsteht früh, lange bevor wir Worte dafür hatten. Und wichtig zu wissen: Es setzt sich nicht nur in unserem Denken fest, sondern vor allem nachhaltig im unserem Körper. Genau deshalb reicht es später nicht, das Muster nur zu verstehen, um unsere negativen Bindungsprägungen zu verändern. Lass uns dennoch heute mal darauf schauen, warum du heute bist, wie du bist. Und wie das mit deinen frühen Beziehungserfahrungen zusammen hängt. Das erwartet dich in dieser Folge: Wie Bindung in den ersten Lebensjahren überhaupt entsteht – und was Ko-Regulation damit zu tun hat Woher die drei Anteile aus der letzten Podcast-Folge tatsächlich kommen Der Trigger-Kreislauf: warum manche Streits sich unlösbar anfühlen, obwohl es eigentlich um etwas ganz anderes geht Was passiert, wenn zwei alte Muster in einer Beziehung aufeinandertreffen
Transkription
Du hörst Mindful Minutes mit mir,
Daniela Barchasch,
Der Gründerin von Evakuora.
Jede Woche spreche ich mit dir darüber,
Wie du dein Leben bewusster und glücklicher gestalten kannst.
Wie schaffen wir es,
Uns von alten belastenden Prägungen,
Gefühlsmustern,
Verletzungen und Glaubenssätzen zu befreien?
Das Ganze machen wir auf der Basis von Mindful Way.
Das ist Persönlichkeitsentwicklung basierend auf therapeutischen Elementen,
Coaching-Tools und Körperarbeit.
Lass uns ein glückliches Leben leben,
Denn das ist meiner Meinung nach kein Zufall.
Und du kannst das auch.
Und ich bin hier,
Um dir das zu zeigen.
Hallo ihr Lieben,
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Mindful Minutes.
Und falls du die letzte Folge noch nicht gehört hast,
Wir sind hier gerade in einer Reihe und es geht um Beziehung und Beziehungen sind deswegen so wichtig,
Weil wir soziale Wesen sind und wir können nicht alleine bestehen.
Und dieser Satz Liebe dich selbst,
Dann ist es egal,
Wen du heiratest.
Das ist einfach absoluter Quatsch.
Wir müssen an beiden Ebenen arbeiten,
Daran arbeiten,
Wie wir uns selbst spüren können,
Fühlen können.
Verletzungen aufarbeiten können,
Die uns nämlich auch von uns trennen und eben an der anderen Seite und das ist das in Bindung,
In sichere Bindung mit anderen Menschen gehen.
Und das ist oft eine riesige Herausforderung und das werden wir heute eben wieder sehen,
Weil es geht um das Grundbedürfnis,
Wirklich es ist mit das Wichtigste,
Sicherheit.
Und wir haben es einfach nicht gelernt,
Durch Prägung in unserer Kindheit,
Durch Situationen hier sichere Beziehungen einzugehen.
Und genau darum kümmern wir uns in den nächsten Wochen.
Es geht nicht nur um Wissen,
Sondern wir müssen auch in die Umsetzung gehen,
In die Körperarbeit gehen.
Aber jetzt gerade geht es nur um Wissen und Reflexion.
Und das dürfen wir uns gerade mal anschauen.
Als Baby kannst du dein System,
Dein Körpersystem,
Dein Nervensystem noch gar nicht selbst regulieren.
Du brauchst dafür jemand anderen,
Ein anderes Nervensystem,
Meistens das eben deiner Bezugsperson.
Ich erinnere mich noch daran,
Ich war ganz lange im Krankenhaus mit meiner Tochter,
Dass wenn ich sie auf dem Arm hatte,
Dass unsere Atmung sich aneinander angeglichen hatte,
Auch wenn ich das gar nicht bewusst gemacht hatte,
Sondern irgendwann ist mir es aufgefallen,
Sie war ja eh an diesen ganzen Geräten,
Das heißt,
Wir konnten alles tracken,
Und es war wirklich ein so klarer Pferd gerade runter auf meinem Arm.
Ich war auch die Einzige,
Die sie beruhigen konnte,
Wo sie sich wirklich entspannen konnte.
Und das hat mir damals noch mal mehr gezeigt,
Wir brauchen einen Gegenüber,
Eine andere Person,
Eine Bezugsperson,
Um uns als Babys,
Kinder,
Mit acht ist es bei meiner Tochter heute noch so,
Um uns eben zu regulieren.
Das heißt,
In deiner Kindheit war das so,
Wenn du geweint hast,
Ja,
Und du wurdest getröstet,
Getröstet heißt gesehen,
Gefühlt,
Getragen,
Nicht weggeredet irgendetwas,
Nicht abgelenkt mit irgendwie Schokolade oder sowas.
Ja,
Das ist bei mir auch passiert.
Dieses,
Ah,
Dir geht's nicht gut,
Ach komm,
Hier ist ein Trostschorletchen.
Genau das ist das.
Also nicht abgelenkt,
Sondern wirklich getröstet.
Dann lernt dein Körper,
Ich bin nicht allein mit dem,
Was ich fühle.
Jemand kommt und hilft mir eben wieder ruhig zu werden.
Und das nennen wir Korregulation.
Und aus Tausenden,
Ja,
Aber Tausenden solcher Momente entsteht später das,
Was du eben dann selbst regulieren kannst.
Doch meine Kindheit gar nicht.
Ja,
Da ist doch gar nicht Übergriffe passiert im Sinne von Schmerzen,
Gewalt,
Im Sinne von Missbrauch,
Sondern oft ist es genau das Gegenteil und zwar viele kleine Momente,
Die sehr leise waren,
Denn da war niemand da,
Um dich in dem zu halten,
Was du gerade gefühlt hast.
Und das sehe ich ganz oft bei meinen Klienten,
Dass das,
Was sie erlebt haben,
Ihnen ganz oft eigentlich etwas gefehlt hat.
Und das,
Was ihnen gefehlt hat,
War sehr viel gravierender als das,
Was sie tatsächlich erlebt hatten.
Fachleute nennen das dann Entwicklungstrauma,
Weil es sich nicht als einzelner Schock einbrennt,
Nämlich auch nicht im Gehirn,
Sondern sich über Jahre in dein Nervensystem einwebt,
Während du dich halt ständig selbst entwickelt hast.
Dir ein sicherer Anteil der Ankeranteil.
Wenn eine Bezugsperson aber unberechenbar war,
Ja manchmal ganz nah oder manchmal abwesend,
Ohne dass klar war warum,
Das ist jetzt nur ein Beispiel,
Es gibt verschiedene Szenarien hier,
Dann lernt der Körper,
Ich muss aktiv um Nähe kämpfen,
Sonst verliere ich sie.
Bei mir war das so,
Ich musste in die Anpassung gehen,
Damit ich überhaupt gesehen wurde und nah sein durfte.
Das heißt,
Ich war dafür da,
Um meine Mutter zu regulieren.
Das heißt,
Ich durfte nichts groß fühlen oder brauchen,
Weil das meine Mutter massiv überfordert hatte.
Was dann passiert ist,
Dass das Nervensystem in einer Art Daueralarm bleibt.
Und das ist der Ursprung von vielen Problemen,
Die wir eben bei uns heute im Erwachsenenleben haben und die wir auf unsere Beziehung übertragen.
Wenn Nähe abgewiesen wurde,
Wenn Gefühle als zu viel galten,
Dann kann es sein,
Dass der Körper lernt,
Dass es besser ist und sicherer ist,
Wenn ich erst gar nichts brauche,
Beziehungsweise auch,
Wenn ich mich vom anderen eher zurückziehe,
Weil ich ja überhaupt nichts von ihm bekommen kann.
Und so haben wir eben verschiedene Szenarien,
Die dazu führen,
Dass wir mal klammern oder mal in den Rückzug gehen,
Aber in beiden Situationen in keiner sicheren und ehrlichen Bindung drin sind.
Und weil ganz viele von uns diese Anteile haben von ich klammer oder ich schiebe den anderen weg,
Haben wir ganz ganz viele herausfordernde Beziehungen da draußen.
Und jetzt kommt der Teil,
Der erklärt,
Warum das nämlich im Erwachsenenleben immer wieder hochkommt.
Ich kann nicht einfach über meinen Kopf sagen,
Ich ändere das,
Ja?
Ein Bindungstrauma bleibt nicht einfach in der Vergangenheit,
Sondern es liegt im Körper und wir dürfen mal sagen,
Es wartet auf einen Reiz.
Es checkt ständig die Umgebung,
Ja?
Muss sich natürlich irgendwie schützen und dann guckt es eben auf den Tonfall deines Gegenübers,
Auf die Geste,
Auf den Türschlüssel im Schloss irgendwas,
Das an die alte Situation erinnert und plötzlich übernimmt die alte Schutzstrategie,
Ohne dass dein Kopf überhaupt mitbekommt,
Warum.
Und das ist auch der Grund,
Warum manche Streit sich völlig anders anfühlen als andere.
Ein normaler Konflikt lässt sich klären,
Ein getriggerter Konflikt fühlt sich teilweise unlösbar an und wiederholt sich immer wieder auf dieselbe Weise und hinterher fragst du dich,
Warum ist es jetzt eigentlich immer wieder so eskaliert?
Manchmal treffen in einer Beziehung zwei alte Muster aufeinander,
Die sich gegenseitig verstärken.
Das heißt,
Einer hat zum Beispiel diesen Klammeranteil,
Diesen Verschmelzungsanteil,
Der bei jedem Konflikt mehr Nähe sucht und dieser Anteil trifft im anderen auf einen Rückzugsanteil,
Der bei jedem Konflikt Abstand braucht.
Beide reagieren aus altem Schutz und trotzdem entsteht daraus ein Kreislauf,
Der sich immer weiter zuspitzt,
Ohne dass es an dem aktuellen Streit oder dem Streitthema selbst liegt.
Und das ist übrigens auch,
Warum wir uns oft unbewusst zu Menschen hingezogen fühlen,
Die zu unserem eigenen Muster passen,
Ja,
Nicht,
Weil wir uns schaden wollen,
Sondern weil wir in uns das Vertraute suchen,
Also das,
Was wir sowieso schon kennen.
Das heißt,
Ich suche mir als jemand,
Der klammert,
Gerne jemanden,
Der eher auf Abstand gehen möchte,
Weil ich das ja schon kenne.
Und das sorgt natürlich dafür,
Dass wir in unserer Beziehung immer wieder in dieselben Löcher hineinfallen.
Fallen.
Aber nicht mit uns.
Du hörst diesen Podcast,
Weil du generell in deinem Leben etwas verändern möchtest.
All das passiert,
Bevor du sprechen konntest.
Es liegt nicht in deinem Gedächtnis,
Wo du auf Fakten zurückgreifen kannst,
Sondern es liegt in deinem Körpergedächtnis.
Deswegen reicht es ja später nicht,
Das nur zu verstehen,
Auch wenn es jetzt hier gerade ums Verstehen geht,
Sondern dein Kopf kennt die Geschichte längst,
Aber dein Körper reagiert trotzdem noch wie damals.
Und seit über zehn Jahren arbeite Wissen und Regulation sind zwei verschiedene Dinge.
Ich hatte letztes Jahr eine Klientin,
Die genau das immer wieder beschrieben hat.
Sie wusste alles über ihre Kindheit.
Sie war auch jahrelang in Therapie.
Schlaf erklären und trotzdem ist bei jedem Streit,
Es war eine sehr problematische Partnerschaft,
Die sie hatte,
Immer wieder ist sie da in dieselbe Schockstarre gefallen.
Und als wir dann angefangen haben,
Direkt mit ihrem Körpersystem zu arbeiten,
Nicht nur mit ihrem Verstehen,
Da durfte sich etwas verändern.
Was sich dann verändert,
Ist am Anfang immer erst sehr unspektakulär,
Aber genau das macht es so wertvoll.
Das bedeutet,
Ein Streit eskaliert nicht mehr automatisch.
Oder aber auch wenn jemand sich auf deine Nachricht nicht meldet,
Löst es nicht mehr unbedingt eine Panik in dir aus.
Du merkst,
Dass es eng wird und bleibst eben trotzdem da,
Statt sofort in den alten Automatismus zu kippen.
Trotzdem da bleiben,
Damit meine ich bei dir bleiben,
Also du gehst weder in dieses Oh,
Ich muss klammern,
Oder,
Hatte ich neulich mit einer anderen Klientin,
Muss ich raus aus dieser Beziehung,
Sondern ich lerne,
Das zu halten,
Teilweise in mir zu klären.
Und jetzt haben wir diese zwei Anteile wieder,
Oder diese zwei Bereiche.
Ich muss es in mir klären,
Aber auch an meiner Beziehungskompetenz arbeiten,
Das heißt an der Fähigkeit der Kommunikation,
An der Fähigkeit,
Auf den anderen einzugehen,
Mit ihm zu sprechen und mich mitzuteilen.
Und genau deswegen ist es so wichtig,
Dass wir traumasensibel über das Nervensystem arbeiten.
Denn wenn ich auf einmal meine alten Wege verlasse,
Dann kommt eine Unsicherheit,
Dann kommt eine Angst auf.
Und Sicherheit ist einer der wichtigsten Elemente,
Die wir aufbauen können in unserer Arbeit.
Und Sicherheit bauen wir nicht nur über den Kopf auf,
Ja,
Gibt's auch schöne Techniken,
Aber es reicht einfach nicht,
Sondern wir müssen auf jeden Fall über den Körper gehen,
Weil der Körper ist noch im Ausnahmezustand,
Im Alarmmodus.
Und weil dein Körper eine andere Sprache spricht als dein Kopf,
Und beide müssen eben erreicht werden,
Damit sich etwas verändert.
Brauchen wir auch mehr Techniken,
Als einfach nur darüber zu reden,
Was uns passiert ist.
So,
Jetzt habe ich lange dir etwas erklärt.
Wir waren sehr auf der Wissensebene und wir werden auf jeden Fall in den nächsten Wochen auch in die Praxis reingehen.
Danke,
Dass du deine wertvolle Zeit mit mir heute geteilt hast.
Bis zum nächsten Mal.
Treffen Sie Ihren Lehrer
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