
IFS erklärt: Innere Anteile verstehen
Die Methode IFS (Internal Family Systems) wurde von Richard Schwartz entwickelt und bereichert seitdem viele Menschen. In diesem Beitrag erkläre ich einige der Grundsätze der Methode und zeige, wie wir lernen können, unsere inneren Anteile wahrzunehmen, ihnen zuzuhören und besser mit ihnen in Beziehung zu gehen. Besonders hilfreich ist IFS bei kritischen oder antreibenden Anteilen, die im Alltag viel Kraft kosten - statt sie zu bekämpfen, können wir verstehen, was sie für uns tun und wovor sie uns schützen möchten. Du bekommst eine erste praktische Anleitung, wie du einen solchen Anteil im Körper wahrnehmen, mit ihm in Kontakt gehen und dadurch mehr innere Klarheit, Selbstmitgefühl und Selbstführung entwickeln kannst.
Transkription
Hallo,
Ich bin Eldina und ich möchte heute die IFS-Methode vorstellen.
Für mich wirklich eine unglaublich mächtige Form der inneren Arbeit.
Und gleichzeitig erstaunlich einfach.
Denn im Grunde beginnt es mit etwas,
Das wir alle können und das wir alle wahrscheinlich noch viel mehr üben können im Alltag,
Und zwar zuhören.
Wirklich zuhören.
Interessiert und neugierig,
Ohne zu bewerten,
Ohne vorher kognitiv zu analysieren oder etwas verändern zu wollen.
Vielleicht kennst du das,
Du hast eine wichtige Präsentation vor dir und plötzlich ist da diese innere Stimme in deinem Kopf.
Das wird nichts.
Du musst dich besser vorbereiten.
Die anderen bemerken bestimmt,
Dass du das eigentlich gar nicht kannst.
Vielleicht gibt es auch gleichzeitig einen anderen Teil,
Den dir der sagt,
Jetzt reicht es.
Ich will einfach nicht mehr.
Ich habe keinen Bock mehr.
Ich schmeiße das alles hin.
Im IFS geht man davon aus,
Dass wir mehrere innere Anteile haben,
Die irgendwann entstanden sind,
Um uns zu schützen.
Also es sind wie innere Programme,
Innere Skripte,
Die ablaufen und tatsächlich eine positive Absicht haben.
Das heißt,
Wir würden nicht versuchen,
Ein Teil loszuwerden.
Und wir würden auch nicht sagen,
Der kritische Teil ist irrational.
Denk einfach positiver.
Weil ich bin mir sicher,
Das hast du schon versucht und das kostet einfach viel,
Viel mehr Kraft,
Wenn wir gegen uns arbeiten,
Sondern würden erst einmal sagen,
Ah,
Interessant,
Da ist ein Teil von mir,
Der gerade kritisch ist und ich frage mich,
Was er mir eigentlich sagen möchte oder was er für mich tut.
Und genau da beginnt nämlich was interessant zu werden.
Wir unterschätzen viel zu sehr unsere eigene Weisheit und die Information über uns,
Die in diesen Situationen drinsteckt,
Wenn wir hinhören,
Und die uns helfen können im Leben gut zu navigieren.
Und das sind eigentlich immer mehrere Stimmen,
Denn in uns gibt es natürlich unterschiedliche Bedürfnisse,
Überzeugungen,
Gefühle,
Reaktionsmuster,
Je nachdem,
Welche Situation eben ansteht.
Und einer der wichtigsten Annahmen ist eben,
Dass die Teile nicht gegen uns sind.
Auch wenn ihr Verhalten manchmal ziemlich unpraktisch sein kann.
Versuchen sie ursprünglich etwas für uns zu tun.
Also sie wollen uns schützen.
Da gibt es vielleicht den Antreiber,
Der dafür sorgt,
Dass du immer noch mehr machst,
Der Perfektionist,
Der immer noch drei Stunden länger arbeitet,
Damit wirklich niemand was kritisieren kann,
Den Teil oder der innere Kritiker,
Der dich ständig kritisiert,
Um dich vor Fehlern zu schützen.
Der Teil,
Der alles unter Kontrolle haben möchte,
Der Teil,
Der unbedingt möchte,
Dass alle zufrieden mit dir sind,
People Pleaser auch genannt.
Oder den Teil,
Der bei Überforderung irgendwann einfach dicht macht,
Der kann einfach nicht mehr.
Und EFS fragt nicht zuerst,
Wie werde ich dich los,
Sondern was versucht dieser Anteil für mich zu tun?
Und es geht auch nicht nur darum,
Seine Anteile zu erkennen,
Sondern es geht darum,
Mit ihnen in Beziehung zu gehen.
Also erstmal einen Moment innehalten und spüren,
Wo im Körper meldet sich dieser Teil gerade in mir.
Unser Körper ist unweigerlich mit uns verbunden.
Jedes Gefühl,
Jeder Gedanke hat eine Resonanz in unserem Körper.
Und wie drückt sich dieser Teil Teil diese Empfindung in unserem Körper aus.
Vielleicht ist ein Druck auf der Brust,
Eine Enge im Hals,
Ein Knoten im Bauch.
Vielleicht ist da Anspannung in den Schultern oder eine Unruhe.
Die ich gar nicht genau benennen kann.
Das ist gar nicht so wichtig.
Und dann können wir dem Raum geben.
Erstmal wahrnehmen.
Wo genau ist er?
Wie groß ist er?
Wie drückt sich dieser Teil in mir aus?
Hat er eine Farbe,
Eine Form,
Eine Gestalt?
Taucht da vielleicht ein Bild auf?
Vielleicht sitzt der Teil nicht in unserem Körper,
Sondern außerhalb.
Und manchmal ist es einfach nur eine Schwere oder ein Druck.
Manchmal kommt auch überhaupt kein Bild und auch das ist vollkommen in Ordnung.
Geht nicht darum,
Sich etwas bestimmtes vorzustellen,
Sondern wirklich sich zu öffnen für das,
Was da ist.
Das hilft sich mit diesem Teil zu verbinden und gleichzeitig auch etwas ganz interessantes und zwar aus dieser Verschmelzung zu kommen,
Indem wir bemerken,
Es ist ein Teil und der drückt sich eben auf diese gewisse Weise aus,
Weiß ich,
Dann ist das nicht mein ganzes Wesen.
Da ist Angst,
Aber ich bin nicht die Angst.
Da ist ein Kritiker,
Aber ich bin nicht dieser Kritiker.
Ich bin nicht nur der Kritiker.
Das ist ein Teil von mir,
Der gerade unglaublich viel Druck macht.
Und ich kann mich ihm zuwenden.
Wir müssen den inneren Kritiker nicht bekämpfen und auch den inneren Antreiber.
Wenn wir zuhören und fragen,
Was willst du für mich erreichen?
Wofür möchtest du mich schützen?
Was glaubst du würde passieren,
Wenn du deine Aufgabe nicht mehr machen würdest?
Vielleicht kommt ein Gedanke,
Vielleicht ein Gefühl,
Vielleicht verändert sich etwas in deinem Körper.
Vielleicht kommt ein Bild oder eine Erinnerung.
Eine Klientin von mir,
Die in einer Anwaltskanzlei arbeitete,
Erzählte mir,
Dass sie immer wenn sie etwas abgeben musste,
Ein wichtiges Projekt,
Dass dieser innere Kritiker es ihr wirklich schwer gemacht hat,
Ihre monatelange Arbeit zu präsentieren.
Und es ist ihr wirklich schwergefallen,
Mit diesem inneren Kritiker zu arbeiten und hat ihn eben versucht zu unterdrücken,
Wie er das meistens so macht.
Gelernt bekommen.
Und als sie einmal eben versucht hat,
Mit dieser IS-Arbeit,
Mit ISS,
Erst mal zu schauen,
Was will der Kritiker eigentlich für mich?
Was tut er eigentlich für mich?
Dann wurde es für sie klar.
Dann hat sich in ihr wirklich was bewegt und sie konnte verstehen,
Dass dieser Kritiker für sie gearbeitet hat.
Und zwar wollte er nicht,
Dass sie von anderen kritisiert wurde.
Er wollte verhindern,
Dass jemand anders etwas Schlechtes über ihre Arbeit sagt.
Deswegen hat er das vorsorglich schon mal gemacht.
Und als sie das verstanden hat,
Konnte sie ihre Haltung zu diesem inneren Kritiker komplett verändern.
Sie hat eine Dankbarkeit und eine Wertschätzung für seine Arbeit gespürt.
Und konnte so in eine ganz andere Beziehung mit diesem Kritiker gehen.
Da war eine Art Raum da,
Um auch andere Lösungen zu finden,
Weil die beiden,
Also sowohl der innere Kritiker wie auch sie,
Eigentlich das gleiche Interesse haben.
Aus,
Warum bin ich eigentlich so,
Wird dann,
Ah,
Da ist ein Teil von mir,
Der gerade versucht,
Mich zu schützen.
Das war eine ganz andere Basis für die Zusammenarbeit und die Beziehung.
Und genau das ist Selbstführung.
Nicht,
Dass wir keine Angst haben,
Nicht,
Dass der innere Kritiker weg ist,
Sondern dass wir lernen,
Mit diesen Stimmen in Beziehung zu bleiben.
Und trotzdem selbst am Steuer zu bleiben und für das,
Was da gerade in uns passiert,
Da zu sein.
Es ist so ein bisschen wie eine gute Führungskraft,
Die da ist für ihr Team,
Die das auch warnt,
Was gerade stattfindet und trotzdem schaut,
Wie kann sie die beste Lösung für alle finden.
Und IFS geht davon aus,
Dass es eben neben all diesen Anteilen noch etwas gibt und zwar dasselbe.
Das ist ein Zustand,
Der geprägt ist von acht Qualitäten,
Wie Ruhe,
Neugier,
Mitgefühl,
Verbundenheit,
Zuversicht,
Mut,
Kreativität und Klarheit.
Wenn man eine dieser acht Qualitäten spürt,
Dann ist das eine ganz andere Haltung,
Ein ganz viel mehr Raum,
Der da entsteht.
Und in diesem Raum können wir uns auch ganz anders diesen Anteilen begegnen.
Aber wie macht man das konkret?
Vielleicht hast du gerade schon einen Anteil im Kopf,
Einen,
Der dich ziemlich gut kennt.
Dann kannst du ganz einfach anfangen,
Indem du dich fragst,
Welcher Teil von mir ist gerade aktiv?
Und dann wahrnehmen.
Also wo spüre ich ihn?
Wo und wie meldet er sich in meinem Körper?
Wo sitzt er?
Hat eine Form?
Hatte eine Gestalt.
Und was sagt er?
Und wenn du das Gefühl hast,
Ihr seid in einem guten Kontakt,
Und das kann auch durchaus eine Weile dauern,
Kannst du fragen,
Was möchte er von mir.
Wofür versucht er mich zu schützen?
Und du kannst dich auch fragen,
Wie geht es mir eigentlich mit diesem Teil?
Bin ich neugierig auf ihn?
Bin ich gerade genervt von ihm?
Möchte ich ehrlicherweise,
Dass er endlich verschwindet oder habe ich sogar Angst vor ihm?
Denn auch das ist eine wichtige Information.
Wenn ich meinen inneren Kritiker am liebsten zum Schweigen bringen würde,
Dann ist da möglicherweise gerade noch ein anderer Teil,
Der sich dazwischen stellt,
Der diesen Kritiker überhaupt nicht leiden kann.
Und auch dem können wir Raum geben und immer wieder wahrnehmen und in Beziehung gehen.
Und genau deshalb empfinde ich EFS als eine Form von Therapie und Coaching,
Die man mit nach Hause nehmen kann und wirklich mit viel Behutsamkeit und Langsamkeit in Kontakt gehen mit sich.
Du bekommst eine Sprache und ein Werkzeug und mit der Zeit auch eine Art.
Deine eigene innere Landschaft kennenzulernen,
Deine eigene innere Welt kennenzulernen.
Und irgendwann bemerkst du vielleicht mitten im wahren Leben,
Da ist der Antreiber.
Oder jetzt bekomme ich wieder Feedback von meinem Chef.
Bevor du wieder in deine typische Reaktion gehen kannst,
Kannst du einen Moment inhalten,
Dein Körper spüren,
Wahrnehmen,
Wer sich da gerade meldet und vielleicht findet ihr dann eine bessere Lösung und findet heraus,
Was dieser Anteil da eigentlich beschützen möchte und wie ihr anders damit umgehen kann.
Ich wünsche dir viel Freude mit der inneren Arbeit mit EFS.
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