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Das Tal Der Stillen Laternen - Leicht Einschlafen

by Dominik Kavallar

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Diese sanfte, beruhigende Erzählung begleitet dich auf eine nächtliche Reise durch ein stilles Tal voller warmer Laternen, ruhiger Bilder und tiefer innerer Ruhe. Sie unterstützt dich dabei, Anspannung loszulassen, aus kreisenden Gedanken auszusteigen und Schritt für Schritt in einen Zustand von Schwere, Geborgenheit und natürlichem Einschlafen zu sinken. Durch die ruhige Bildsprache, die weichen Übergänge und subtilen entspannenden Elemente darf dein rationaler Verstand allmählich in den Hintergrund treten, während dein Nervensystem sich beruhigt und dein Körper immer tiefer in Entspannung findet. So kann sich der parasympathische Zustand verstärken – jener natürliche Regenerationsmodus, der Schlaf, Erholung und Loslassen fördert. Bereite vor Beginn alles so vor, dass du bequem und ungestört liegen kannst. Diese Aufnahme endet bewusst ohne geführten Abschluss, damit du ganz natürlich und in deinem eigenen Tempo in einen tiefen, erholsamen Schlaf hinübergleiten kannst.

Transkription

Es gibt einen Ort,

Den man nicht auf einer Karte findet.

Und selbst wenn man eine Karte hätte,

Würde man wahrscheinlich nicht wissen,

Ob dieser Ort vor dem Fluss beginnt oder erst hinter dem Hügel,

Ob er im Norden liegt oder eher dort,

Wo man aufhört,

Nach Richtungen zu suchen.

Manches sagen,

Dieser Ort erscheint nur dann,

Wenn der Abend ganz still geworden ist.

Andere sagen,

Er war immer da und es sei nur der Blick,

Der sich verändert.

Oder vielleicht ist beides wahr oder keines von beiden,

Denn manche Dinge müssen nicht entschieden werden und beruhigend zu wirken.

Und genau dort beginnt diese Geschichte.

Nicht am Anfang oder vielleicht doch.

Nur ist nicht immer klar,

Ob ein Anfang zuerst kommt oder erst dann zum Anfang wird,

Wenn man ihn später als Anfang erkennt.

Du befindest dich auf einem Weg und es ist ein schmaler Weg,

Weich unter den Füßen oder unter deinem Körper.

Denn vielleicht gehst du ihn gar nicht wirklich,

Vielleicht liegst du nur ganz still,

So wie jetzt,

Bist ganz entspannt und ein anderer Teil von dir bewegt sich bereits über diesen Weg,

Während du einfach nur zuhörst.

Und es ist gar nicht nötig zu wissen,

Welcher Teil von dir gerade hier ist und welcher vielleicht schon ein wenig weiter ist.

Die Luft ist mild,

Nicht kühl,

Nicht warm,

Genau so,

Dass dein Körper keinen Grund mehr hat,

Sich anzuspannen.

Über dir sieht ein Himmel dahin,

Der noch ein wenig Blau in sich trägt.

Obwohl die Nacht bereits angekommen ist.

Und vielleicht ist das auch mit dir gerade so,

Ein Teil ist noch beim Tag,

Ein Teil ist schon in der Nacht,

Ein Teil ist noch am Zuhören und ein anderer schon am Loslassen.

Mit jedem Atemzug wird der Weg leiser.

Das mag seltsam erscheinen,

Denn Wege machen eigentlich keine Geräusche und doch kann etwas leiser werden,

Das nie laut war.

Genau so,

Wie Gedanken immer langsamer werden können.

Obwohl sie sich oft sehr schnell anfühlen,

Ohne dass man sagen könnte,

Wie schnell ein Gedanke wirklich ist.

Vielleicht merkst du schon,

Dass dein Atem ruhiger fließt.

Vielleicht merkst du auch nur,

Dass du nicht mehr so genau unterscheiden willst,

Ob du etwas merkst oder ob es einfach geschieht.

Und während du diesen Weg weitergehst oder dich von ihm tragen lässt,

Erscheinen rechts und links kleine Laternen.

Nicht viele,

Nicht zu wenige,

Genau genug.

Sie stehen in unregelmäßigen Abständen,

Wobei unregelmäßig manchmal sehr beruhigend sein kann,

Weil der Verstand gerne Muster sucht und dann,

Wenn er keines sofort findet,

Für einen Moment innehält.

Und in diesem Innehalten entsteht oft eine angenehme Lücke.

Ein Zwischenraum,

Ein kleiner,

Stiller Ort zwischen zwei Versuchen,

Etwas zu verstehen.

Die Laternen,

Sie leuchten nicht hell,

Eher sanft,

So als würden sie kein Licht machen,

Sondern Ruhe sichtbar werden lassen.

Du gehst weiter,

Oder der Weg schiebt sich unter dir vorbei,

Oder beides,

Und vielleicht,

Vielleicht spielt es keine Rolle,

Denn du musst heute nirgendwo ankommen,

Im üblichen Sinne.

Du musst nichts erreichen,

Nichts lösen und nichts festhalten.

Manchmal ist das Schwierigste am Einschlafen nicht die Müdigkeit,

Sondern die Gewohnheit,

Noch etwas tun zu wollen,

Noch etwas ordnen,

Noch etwas zu Ende denken,

Vielleicht noch etwas zu prüfen oder zu festigen.

Doch in diesem Tal,

Das vielleicht noch gar kein Tal ist und erst später zu einem Tal wird,

Wenn du tiefer hineingehst,

Gilt etwas ganz anderes.

Hier geschieht vieles,

Ohne dass du etwas machen musst.

Du bemerkst in der Ferne einen niedrigen Torbogen aus Stein.

Er ist mit Moos bedeckt,

Als wäre er älter als Erinnerung,

Und während du näher kommst,

Fällt dir auf,

Dass auf dem Stein keine Worte eingraviert sind,

Oder vielleicht doch,

Nur sind sie nicht aus Buchstaben gemacht,

Vielleicht aus kleinen Pausen,

Aus Schweigen,

Aus Dingen,

Die man nicht lesen muss,

Damit man sie versteht.

Und du gehst unter dem Bogen hindurch,

Und in dem Moment,

In dem du hindurchgehst,

Kann es sein,

Dass du ganz leicht vergisst,

Ob du bereits im Tal warst oder ob das Tal erst jetzt beginnt.

Und dieses kleine Nicht-Wissen ist unglaublich angenehm,

Denn der Verstand liebt es,

Genau zu wissen,

Wo etwas beginnt und wo etwas endet.

Doch Schlaf,

Schlaf beginnt selten mit einer klaren Grenze.

Es ist eher ein Hinübergleiten,

Ein Weichwerden der Linien,

Ein Nachlassen der Notwendigkeit,

Alles scharf voneinander zu trennen.

Hinter dem Torbogen öffnet sich ein Tal.

Es ist weit,

Es ist still.

Nicht leer,

Sondern ruhig bewohnt von Dingen,

Die keine Aufmerksamkeit fordern.

Dort fließt ein schmaler Bach,

Nicht eilig,

Nicht träge,

Sondern genau in dem Tempo,

In dem Wasser fließt,

Wenn es niemand antreibt.

Dort stehen vereinzelte Bäume,

Deren Äste sich nur leicht bewegen,

Obwohl kaum Wind zu spüren ist,

Und auf dem gegenüberliegenden Hang Kannst du kleine Häuser sehen,

Oder sind es doch wieder Laternen oder Fenster?

Es ist nicht ganz eindeutig,

Und vielleicht ist gerade das so beruhigend,

Dass hier nichts dich zwingt,

Es sofort eindeutig zu machen.

Du folgst einem schmalen Pfad hinunter zum Bach.

Dort liegt eine Brücke.

Sie ist aus Holz,

Alt,

Aber vollkommen sicher.

Man sieht ihr an,

Dass viele darüber gegangen sind,

Und vielleicht ist das der Grund,

Warum sie gerade so ruhig wirkt,

Weil sie gelernt hat,

Zu tragen,

Ohne sich darüber Gedanken zu machen.

Du setzt einen Fuß auf die Brücke,

Oder in Gedanken vielleicht nur einen Schritt und hörst dieses ganz sanfte Knarren des Holzes,

Ein warmes,

Vertrautes Geräusch,

So als würde die Brücke sagen,

Ja,

Genau so,

Gut so,

Langsam,

Es eilt nicht.

Schritt für Schritt.

Und in der Mitte der Brücke bleibst du stehen.

Unter dir fließt das Wasser,

Du schaust hinunter und während du versuchst,

Die Bewegung des Wassers zu verfolgen,

Merkst du vielleicht,

Dass du gar nicht alles verfolgen musst.

Denn das Wasser fragt dich nicht,

Ob du verstanden hast,

Woher es kommt.

Es fließt einfach.

Und auch ein Gedanke kann sein wie Wasser.

Er taucht auf,

Er bewegt sich und er verschwindet.

Und je weniger man versucht,

Ihn festzuhalten,

Desto leichter wird er.

Vielleicht taucht ein Gedanke auf und während ein Teil von dir sie noch für wichtig halten möchte,

Kann ein anderer Teil schon erkennen,

Dass heute Nacht nichts durch Denken gelöst werden muss.

Heute Nacht darf gedacht werden,

Ohne zu Ende zu denken.

Gefühlt werden,

Ohne etwas daraus machen zu müssen.

Geatmet werden,

Ohne den Atem zu lenken.

Du gehst über die Brücke und kommst auf die andere Seite.

Dort steht ein kleines Haus mit einer niedrigen Tür und einem runden Fenster.

Vor dem Haus hängen drei Laternen.

Die erste Laterne leuchtet golden.

Die zweite Bernsteinfarben.

Die dritte fast silbern wie Mondlicht,

Das gelernt hat,

Ruhig zu brennen.

Neben der Tür,

Da steht eine Bank und auf der Bank sitzt eine alte Frau oder jemand,

Bei dem man nicht sofort sagen kann,

Ob Alter hier überhaupt das richtige Wort ist.

Denn diese Gestalt wirkt eher zeitlos.

Wie jemand,

Der nie Eile hatte und deshalb nie wirklich älter wurde.

Die Gestalt lächelt dir zu.

Nicht groß,

Nur so,

Dass du sofort spürst.

Ihr musst du nichts erklären.

Sie sagt nicht willkommen.

Sie sagt nicht setz dich.

Sie sagt überhaupt nichts.

Und dennoch weißt du,

Dass du gemeint bist.

Manche Orte sprechen ohne Worte zu verwenden.

Manche Menschen auch.

Du setzt dich auf die Bank und fast im selben Augenblick merkst du,

Wie bequem diese Bank ist.

Erstaunlich bequem für eine einfache Holzbank.

Doch vielleicht ist sie genau deshalb so bequem,

Weil sie nichts Besonderes sein will.

Manchmal sind die Dinge am wohltuendsten,

Die nicht versuchen,

Besonders zu wirken.

Neben dir hängt eine kleine Glocke.

Sie bewegt sich nicht und doch hörst du einen Ton.

Oder glaubst ihn zu hören.

Oder spürst ihn nur irgendwo zwischen Brust und Bauch.

Dort,

Wo Stille manchmal klingt.

Die Gestalt neben dir deutet mit einer kleinen Bewegung auf die drei Laternen.

Und wieder verstehst du ohne,

Dass dir jemand etwas erklärt.

Die erste Laterne ist für den Körper.

Die zweite für den Geist.

Die dritte für das,

Was zwischen beidem ruht.

Du schaust zur ersten Laterne.

Während ihr warmes Licht auf dich fällt,

Spürst du deine Füße.

Nicht,

Weil du sie anspannen musst oder etwas tun musst,

Sondern einfach,

Weil Aufmerksamkeit weich werden kann und dabei trotzdem sehr genau.

Deine Füße dürfen schwer werden.

Die Schwere steigt langsam auf durch die Waden,

Durch die Knie,

Durch die Oberschenkel.

Hinauf ins Becken.

Nicht schwere wie Last,

Sondern mehr wie eine angenehme Schwere,

Wie wenn man endlich aufhört,

Sich halten zu müssen.

Die erste Laterne leuchtet ruhiger und dein Körper beginnt zu verstehen,

Dass er gar nicht wach bleiben muss,

Nur weil er es gewohnt war,

Noch ein wenig wach zu bleiben.

Dein Bauch wird weich.

Dein Rücken darf getragen werden.

Obwohl du gerade in dieser Geschichte auf einer Bank sitzt und vielleicht gleichzeitig wirklich irgendwo liegst und vielleicht ist es gar nicht nötig zu entscheiden,

Welcher Rücken gerade weicher wird,

Denn der Körper versteht Bilder oft besser als genaue Erklärungen.

Deine Schultern sinken.

Dein Nacken löst sich.

Der Kiefer gibt nach.

Die Zunge wird schwer.

Die Stirn glättert sich.

Und manchmal genügt es schon,

Dass die Muskeln um die Augen nicht mehr mitdenken.

Du wendest dich der zweiten Laterne zu.

Sie leuchtet Bernsteinfarben,

Ein Licht wie warmer Honig.

Ein Licht,

Das nicht blendet,

Sondern beruhigt.

Und während du hineinschaust,

Fällt dir auf,

Dass du gar nicht lange hineinschauen kannst,

Ohne dass dein Blick weicher wird.

Die Konturen verschwimmen leicht,

Wohltuend.

Die zweite Laterne ist für den Geist.

Und der Geist ist manchmal wie ein kleiner Hund,

Der sehr aufmerksam ist und überall noch eine Spur finden will.

Noch dies prüfen,

Noch das ordnen,

Noch hier schnuppern,

Noch dort reagieren.

Aber in diesem Tal gibt es nichts zu bewachen,

Nichts zu lösen,

Nichts zu verteidigen.

Und so darf auch dein Geist lernen,

Dass nicht jede Bewegung eine Aufgabe ist,

Nicht jeder Gedanke eine Nachricht,

Nicht jede Erinnerung eine Verpflichtung,

Nicht jede innere Stimme eine Wahrheit.

Du bemerkst vielleicht,

Wie Gedanken kommen und gleich wieder weiterziehen oder wie ein Gedanke beginnt und dann nicht vollständig zu Ende geht.

Und erstaunlicherweise ist genau das vollkommen in Ordnung.

Ein Gedanke muss nicht vollständig sein,

Um sich aufzulösen.

Manchmal löst er sich gerade deshalb auf,

Weil niemand ihn zu Ende zwingt.

Vielleicht beginnt jetzt ein Gedanke wie habe ich morgen noch und dann verliert er sich schon oder eigentlich müsste ich noch und schon ist er weitergezogen.

Offene Schleifen können den Verstand beschäftigen,

Doch in der Müdigkeit werden selbst offene Schleifen weich.

Sie runden sich ab,

Nicht durch Lösung,

Sondern durch Loslassen.

Du wendest dich der dritten Laterne zu.

Sie leuchtet silbern,

Beinahe durchsichtig.

Dies ist die Laterne für das Dazwischen,

Für jenen stillen Raum,

In dem Körper und Geist nicht getrennt werden müssen,

Für das,

Was in dir einfach weiß,

Wie Schlaf geschieht.

Denn Schlaf ist älter als jedes bewusste Denken,

Älter als Worte,

Älter als Pläne,

Älter als Zweifel.

Ein Kind schläft,

Lange bevor es versteht,

Was Schlaf überhaupt ist.

Ein Tier schläft,

Ohne Technik.

Ein Wald schläft,

Auf seine Weise.

Ein See schläft,

Ein Berg,

Ein Haus in der Nacht.

Und auch du trägst dieses Wissen in dir,

Nicht als Gedanke,

Als Fähigkeit.

Die silberne Laterne schwingt leicht im Wind,

Obwohl du gar keinen Wind gespürt hast.

Und du fragst dich vielleicht für einen Moment,

Ob erst der Wind da war und dann die Bewegung,

Oder ob die Bewegung den Wind sichtbar gemacht hat.

Doch schon während du darüber nachdenkst,

Merkst du,

Wie unnötig diese Frage ist.

Und gerade diese unnötigen Fragen sind manchmal sehr hilfreich,

Weil der rationale Verstand versucht,

Sie zu lösen,

Und während er das tut,

Wird er müde,

Wie jemand,

Der in einem weichen Sessel sitzt und noch ein kleines Rätsel lösen will und dabei langsam vergisst,

Warum es wichtig war.

Die Gestalt neben dir steht auf und sie öffnet die Tür des Hauses.

Drinnen ist es warm,

Die Art von Wärme,

Bei der der Körper unwillkürlich ausatmet.

Du trittst ein und im Haus gibt es nur einen Raum,

Oder vielleicht mehrere,

Aber im Moment scheint einer zu genügen.

An den Wänden hängen keine Bilder,

Oder vielleicht sind da Bilder,

Die man nur sieht,

Wenn man nicht direkt hinschaut.

In der Mitte des Raumes steht ein großer Lehnstuhl,

Daneben ein weicher Teppich und am anderen Ende eine schlichte Uhr.

Die Uhr hat kein Ziffernblatt,

Oder doch,

Aber ohne Zahlen,

Oder vielleicht mit Zahlen,

Die so blass sind,

Dass man sie nicht lesen muss.

Der Zeiger bewegt sich,

Oder steht still.

Es ist schwer zu erkennen,

Und genau deshalb wird es hier drin so still.

Denn wenn Zeit nicht eindeutig messbar ist,

Dann darf auch Müdigkeit einfach tiefer werden,

Ohne geprüft zu werden.

Du setzt dich in den Lehnstuhl oder sinkst hinein und spürst sofort,

Dass dieser Stuhl dich besser kennt als viele Stühle zuvor.

Er nimmt nichts von dir,

Er erwartet nichts,

Er trägt.

Vor dir steht auf einem kleinen Tisch eine Schale mit Wasser.

Auf der Oberfläche treiben drei Blätter.

Ein grünes Blatt,

Ein goldenes Blatt,

Ein dunkles Blatt.

Du weißt nicht warum,

Aber du spürst,

Dass jedes Blatt etwas mit einer Art von Müdigkeit zu tun hat.

Das grüne Blatt,

Mit jener Müdigkeit des Körpers,

Die nach Ruhe verlangt.

Das goldene Blatt,

Mit jener Müdigkeit des Geistes,

Der schon zu lange aktiv war.

Das dunkle Blatt,

Mit jener tiefen namenlosen Müdigkeit,

Die einfach in Schlaf sinken will,

Ohne noch darüber zu sprechen.

Ein Luftzug geht durch den Raum,

Oder vielleicht nur ein Atemzug.

Die Blätter bewegen sich leicht.

Sie drehen kleine Kreise auf dem Wasser.

Und während du ihnen zusiehst,

Fällt dir auf,

Dass du gar nicht mehr genau weißt,

Welches Blatt welches war.

War das grüne das erste,

Oder das goldene?

War das dunkle Blatt rechts oder links,

Oder in der Mitte,

Bevor es sich drehte?

Und je länger du es wissen möchtest,

Desto weniger wichtig wird es.

So dürfen auch deine Gedanken sich drehen,

Ohne dass du ihnen folgen musst.

Sie dürfen sich vermischen,

Verschieben,

Verlangsamen und ein wenig ineinander fließen.

Der Raum hat noch eine weitere Besonderheit.

Wenn man ihm länger zuhört,

Merkt man,

Dass Stille nie ganz still ist.

Da ist das leise Ausatmen des Hauses,

Das kaum hörbare Ticken der Uhr ohne Zahlen.

Das feine Geräusch des Wassers in der Schale,

Oder vielleicht das Holz,

Das sich minimal setzt.

Vielleicht auch dein eigener Atem.

Und plötzlich ist da diese angenehme Erkenntnis.

Nicht auf Geräuschlosigkeit warten,

Um in Ruhe zu sinken.

Entsteht nicht erst dann,

Wenn alles verstummt.

Ruhe kann mitten in allem da sein.

Die Gestalt stellt eine zweite Schale auf den Tisch.

Sie ist leer,

Oder sie wirkt leer.

Und während du hinschaust,

Kann es sein,

Dass du erkennst,

Dass Leere nie ganz leer ist.

Sie ist voller Möglichkeit,

Voller Raum,

Voller Müdigkeit,

Voller Schlaf,

Voller Traum.

Vielleicht voller beidem,

So wie Abend nicht ganz Tag und nicht ganz Nacht ist.

Die Gestalt beginnt ganz langsam,

Unsichtbare Dinge aus der Luft in die Schale zu legen.

Zuerst deine heutigen Gespräche,

Dann kleine Reste von Anspannung,

Dann halbe Entscheidungen,

Dann Gedanken,

Die auch morgen noch da sein dürfen,

Innere Listen,

Dann dieses Bedürfnis,

Noch etwas herausfinden zu müssen.

Du siehst nichts davon.

Und doch spürst du,

Wie die Schale voller wird und du immer leerer.

Die Gestalt hebt die Schale an,

Trägt sie zu einem kleinen Regal und stellt sie dort ab.

Für morgen scheint alles in dir zu verstehen.

Nicht verloren,

Nur abgelegt.

Und manchmal reicht es schon,

Um den Körper vollständig davon zu überzeugen,

Dass die Nacht wirklich Nacht sein darf.

Auf der anderen Seite des Raumes öffnet sich jetzt eine weitere Tür.

Eine Tür,

Von der du nicht sicher bist,

Ob sie vorher schon da war.

Dahinter liegt ein langer Flur mit vielen Türen.

Jede Tür sieht ein wenig anders aus.

Eine aus dunklem Holz,

Eine weiß gestrichen,

Eine rund,

Schmal,

Messinggriff und ohne sichtbaren Griff.

Eine steht spaltweit offen.

Die Gestalt nickt dir zu,

Als wollte sie es sagen.

Such keine richtige Tür,

Nimm die,

Die sich ruhig anfühlt.

Und während du das hörst,

Merkst du,

Wie erleichternd es ist,

Heute nichts perfekt machen zu müssen.

Du gehst den Flur entlang,

Schon nach wenigen Schritten.

Es ist schwer zu sagen,

Ob der Flur wirklich so lang ist,

Oder ob das Licht und die Stille ihn einfach länger erscheinen lassen.

Und vielleicht ist es mit dieser Nacht ähnlich.

Vielleicht dauert Einschlafen manchmal lang,

Weil man immer wieder schaut,

Ob es schon passiert.

Doch wenn man aufhört zu prüfen,

Kann etwas das lang erschien,

Ganz weich werden.

Du bleibst vor einer Tür stehen,

Auf der kein Schild hängt.

Und gerade weil kein Schild daran ist,

Fühlt sie sich richtig an.

Du öffnest sie.

Dahinter liegt ein Schlafzimmer,

Schlicht,

Still,

Vollkommen ruhig.

Ein großes Bett,

Weiche Decken,

Ein Fenster,

Durch das man den dunklen Himmel sieht.

Du trittst ans Bett.

Und in dem Moment,

In dem du die Bettkante berührst,

Reagiert dein Körper,

Als hätte er nur darauf gewartet.

Die Schultern sinken tiefer,

Die Augen werden schwerer,

Der Atem fließt ruhiger.

Du setzt dich hin.

Dann legst du dich hin.

Und während du dich hinlegst,

Merkst du vielleicht,

Dass man sich auf zwei Arten hinlegen kann.

Körperlich und innerlich.

Der Körper legt sich zuerst.

Und dann,

Manchmal einen Moment später,

Legt sich auch etwas im Inneren hin.

Etwas,

Das vorher noch aufrecht war,

Noch wachsam und bereit.

Und wenn auch das sich hinlegt,

Beginnt die eigentliche Tiefe.

Du ziehst die Decke über dich.

Sie ist schwer genug,

Um beruhigend zu sein,

Und leicht genug,

Um nichts von dir zu fordern.

Du hörst den Wind oder den Bach oder dein eigenes Blut in deinen Ohren oder vielleicht alles zusammen auf jene Weise,

Auf die Geräusche in der Müdigkeit nicht mehr getrennt werden müssen.

Du schaust zum Fenster.

Du siehst den Mond.

Eine Wolke schiebt sich davor.

Und der Mond zieht hinter die Wolke.

Oder weder das eine noch das andere,

Weil Bewegung in der Nacht anders wahrgenommen wird.

Der Atem wird tiefer.

Jedes Ausatmen tiefer und tiefer.

Jedes Ausatmen tiefer,

Stilles Loslassen.

Jedes Ausatmen löst eine weitere kleine Schraube der inneren Anspannung.

Jedes Ausatmen.

Ausatmen macht die Matratze weicher oder den Körper schwerer oder beides.

Du merkst,

Dass Gedanken nun nicht mehr in langen Sätzen kommen,

Eher in Fragmenten,

Bildern,

Anfängen.

Vielleicht ein Wort,

Dann nichts.

Vielleicht ein Bild,

Dann weiter.

Vielleicht eine Frage,

Dann Müdigkeit.

Und je unfertiger alles wird,

Desto tiefer singst du.

Denn Schlaf braucht keine fertigen Gedanken.

Er entsteht oft genau dort,

Wo Dinge nicht mehr zu Ende geführt werden,

Wo Sätze halb bleiben dürfen,

Wo Bilder ineinander übergehen,

Wo aus einem Zimmer ein Wald werden kann,

Aus einer Decke ein Abendhimmel,

Aus einer Laterne ein Stern,

Aus einem Atemzug ein Weg,

Aus einem Weg eine Schaukel,

Aus einer Schaukel vielleicht gar nichts mehr,

Weil das Bild zu weich geworden ist,

Um es festzuhalten.

Vielleicht merkst du jetzt,

Dass du nicht mehr ganz genau weißt,

Ob du noch in diesem Bett im Tal,

Im Haus oder ob du längst wieder draußen bist unter den Laternen oder ob das Haus selbst im Inneren einer Laterne stand oder ob die Laternen Sterne waren,

Die so tief gesunken sind,

Dass sie fast zu Fenstern wurden.

Und es ist gut,

Das nicht entscheiden zu müssen,

Sehr gut sogar,

Denn der Verstand wird ruhig,

Der Verstand kann ungenau sein,

Sie darf verschwimmen.

Und da ist etwas sehr Beruhigendes an dem Gefühl,

Dass heute Nacht etwas anderes wacht,

Das Haus wacht,

Der Mond über dem Tal,

Der Bach,

Vielleicht sogar die Uhr ohne Zahlen.

Und weil all das wacht,

Musst du sowas nicht tun,

Du darfst einfach tiefer sinken,

Noch ein wenig tiefer und noch ein wenig tiefer.

Du musst nicht merken,

Wann genau es geschieht,

Denn sehr oft beginnt Schlaf in dem Moment,

In dem man aufhört,

Sich diese Frage zu stellen.

Und manchmal reicht genau das,

Nicht mehr die Bedeutung,

Nur noch der Rhythmus.

Wie Regen in der Ferne,

Wie Schritte auf Holz,

Wie eine ruhige Stimme,

Die nichts von dir will,

Außer dass du nicht mehr wollen musst.

Die Matratze trägt dich,

Die Decke hält dich,

Der Atem wiegt dich und irgendwo in deinem Inneren kennt ein sehr alter Teil von dir diesen Weg längst,

Den Weg vom Wachen ins Dösen,

Vom Dösen ins Träumen,

Vom Träumen tiefer,

In jenen stillen Bereich,

In dem der Körper sich regeneriert,

Der Geist sich ordnet und die Seele einfach ruht.

Nur dieses Sinken,

Dieses angenehme,

Tiefer werdende,

Ruhiges Sinken.

Vielleicht wird das Tal nun dunkel,

Verschwinden die Häuser,

Vielleicht bleiben nur die Laternen,

Eine nach der anderen,

Langsam,

Nicht ausgehend eher,

Weiter fort,

Wie wenn sie nicht weniger werden,

Sondern sich nur weiter entfernen,

Während du selbst tiefer sinkst und während sie weiter und weiter rücken,

Wirst du ruhiger und ruhiger,

Schwerer und schwerer,

Stiller und stiller.

Dann kaum noch ein Gedanke,

Der vollständig bleibt,

Nur Andeutungen,

Warme Dunkelheit,

Weiche Schwere,

Ruhiger Atem.

Und vielleicht ist das Letzte,

Was du noch deutlich bemerkst,

Nicht ein Bild und nicht ein Wort,

Sondern das einfache Gefühl,

Es ist alles in Ordnung,

Die Nacht weiß,

Was sie tut,

Der Körper weiß,

Was er tut,

Du musst nichts mehr dazu beitragen und so sinkst du weiter,

Natürlich,

Tiefe Ruhe,

Tiefe Gelöstheit,

Tiefer Frieden,

Wirst du stiller und schwerer,

Wo Atemzug für Atemzug alles weiter nach innen sinkt,

Wo selbst halbe Gedanken sich nicht mehr festhalten,

Ganz mühelos,

Ganz weich,

In einen tiefen,

Erholsamen Schlaf hinübergleitest.

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