
Woran Du Merkst, Dass Du Weiter Bist Als Dein Leben
Was passiert, wenn dein Leben nach außen gut funktioniert – und du innerlich trotzdem spürst: Irgendwas stimmt für mich nicht mehr? In dieser Folge geht es um stillen Kontaktverlust, vertraute Rollen und die Frage, warum das Alte nicht falsch gewesen sein muss, um heute nicht mehr zu passen. Wir schauen darauf, wie du wieder feiner wahrnehmen kannst, was sich wirklich nach dir anfühlt – im Kopf und im Körper. Eine Folge über Veränderung, innere Neuorientierung und den Mut, nicht sofort die nächste Lösung zu suchen. Jan von Wille
Transkription
Es ist schon lange her,
Aber ich erinnere mich wirklich noch sehr gut,
Als ich noch Pastor war und eine Hochzeit gehalten habe.
Vorne am Altar stand Frank mit seiner zukünftigen Frau Angelika.
Alles war vorbereitet und es wurde ganz still,
Als es zu diesem ganz besonderen Moment kam,
Das Trauversprechen.
Ich schaue Frank an und frage ihn allen Ernstes,
Ob er die hier anwesende Monika zu seiner Frau nehmen möchte.
Also die Braut hieß Angelika.
Monika war eine Braut von einer anderen Hochzeit ungefähr drei Wochen vorher.
Dieser Name hatte sich aus irgendeinem Grund fest in meinen Gehirn eingegraben und beschlossen,
Kommen die,
Verheiraten wir einfach nochmal.
Und du kannst dir es sicher vorstellen,
Im selben Moment ging ein Raunen durch die Gesellschaft.
Frank und Angelika schauten mich mit großen Augen an und ich habe mich natürlich sofort korrigiert,
Aber sowas kriegst du nicht mehr eingefangen.
Genauso wie die Zahnpasta am Morgen,
Einmal aus der Tube raus und das war's.
Letztlich ist es nochmal gut gegangen.
Frank und Angelika haben trotzdem geheiratet und sie haben mir diesen unglücklichen Schlenker zum Glück verziehen.
Aber dieser kleine Moment ist mir hängen geblieben.
Weil ich ja da war,
Also ich war gut vorbereitet,
Ich kannte die beiden und wusste genau,
Was ich zu tun hatte.
Und trotzdem lief für ein paar Sekunden einfach irgendein altes Programm ab.
Und später hab ich drüber nachgedacht.
Vielleicht ist das gar kein so schlechtes Bild für etwas,
Das uns im Leben viel öfters passiert.
Wir sind da und wissen,
Wie es geht,
Aber innerlich sind wir woanders.
Und genau darum geht es heute.
Ich deute das hier mal etwas tiefer.
Wie kann es passieren,
Dass ein Leben nach außen noch wunderbar funktioniert,
Aber sich innen irgendwann nicht mehr wirklich nach dem eigenen anfühlt?
SWR 2021 Hey,
Das hier ist AWAKE,
Der Podcast von Jan von Wille.
Hier geht's um Nervensystem,
Körper,
Innere Reifung und um die Frage,
Wie wir nicht nur irgendwie durchs Leben kommen,
Sondern dabei auch noch selber vorkommen.
Schön,
Dass du da bist.
Also bei mir war das so.
Es gab eine Phase,
Da war ich so zwischen 30 und 40,
Da lief mein Leben im Großen und Ganzen wirklich wie am Schnürchen.
In vielen Bereichen ging es einfach nur steil nach oben.
Ich war Pastor und wir haben damals sogenannte Zielgruppengemeinden gegründet,
Also Gemeinden für Menschen,
Die mit der offiziellen Kirche nicht mehr viel anfangen konnten,
Aber trotzdem irgendwie nach Gott gesucht haben.
Es lief gut.
Die Gemeinden wuchsen,
Meine Die Verantwortung wurde größer.
Ich habe Projekte aufgebaut.
Es war eigentlich immer irgendwas los.
Wir haben eine Familie gegründet,
Eine Lebensgemeinschaft aufgebaut.
Einfach herrlich.
Abo.
Natürlich kommt irgendwann dieses Aber.
Gerade als dieser äußere Aufbau irgendwann gelungen war und der Lärm sozusagen ein bisschen leiser wurde,
Meldete sich in mir was.
Vielleicht hatte ich vorher einfach keine Ruhe gehabt,
Um es zu hören.
Und irgendwann tauchte da diese Frage auf.
War diese enorme Aktivität wirklich nur Ausdruck meiner Kraft?
Oder war einem Teil davon vielleicht auch eine ziemlich elegante Form von Fluch?
Flucht heißt ja nicht unbedingt,
Dass ich irgendwo die Tür aufreiße und wegrenne.
Man kann auch ganz unterschiedlich fliehen.
Ich kann mich in Arbeit flüchten,
In Leistung,
Ins nächste Projekt.
Noch was machen,
Was organisieren,
Was aufbauen.
Und das Verrückte ist,
Das kann von außen richtig gut aussehen.
Du bist engagiert,
Leistungsfähig,
Kriegst die Dinge hin und die Leute finden das natürlich klasse.
Und genau deshalb merkt man so was oft so spät.
Wenn du plötzlich zusammenbrichst,
Gut,
Dann fällt das auf.
Das merkt jeder,
Aber wenn Du Dich auf eine Weise schützt,
Mit der Du gleichzeitig auch noch erfolgreich bist,
Ah,
Da kommt erst mal keiner und sagt,
Du,
Vielleicht stimmt er was nicht.
Im Gegenteil,
Du bekommst erstmal Anerkennung dafür.
Und vielleicht ist genau das das Tückische daran.
Manche Schutzstrategien sehen von außen fast genauso aus wie Erfolg.
Bei mir gab es jedenfalls keinen großen Zusammenbruch.
Ich konnte weiter Sitzungen leiten,
Predigen,
Die Gemeinde führen.
Ich wusste ja,
Wie das alles geht.
Und genau da.
.
.
Muss dich irgendwann wieder an diese Hochzeit denken.
Da waren es nur ein paar Sekunden gewesen.
Ich stand vorne,
War vorbereitet,
Wusste genau,
Was ich tat,
Und trotzdem lief kurz irgendein altes Programm ab.
Später war das ähnlich,
Nur nicht für ein paar Sekunden,
Sondern über eine richtig längere Zeit.
Nach außen war ich da,
Ich funktionierte,
Die Leute konnten sich auf mich verlassen,
Aber innerlich dachte ich immer öfter,
Komisch.
Das läuft hier alles,
Aber ich selbst bin da irgendwie nicht mehr richtig drin.
Irgendwas fühlt sich nicht mehr wirklich nach mir an.
Besonders deutlich hab ich das bei Glaubensfragen gemerkt.
Meine Kirche hatte zu manchen Themen ziemlich klare Positionen,
Und viele davon hatte ich ja selbst lang vertreten.
Nur irgendwann merkte ich.
Also,
So glaub ich das inzwischen nicht mehr.
Ich wusste noch genau,
Wie man diese Antworten erklärt,
Ich kannte die Argumente,
Die Sprache,
Aber innerlich stand ich längst woanders.
Und genauso fühlt sich für mich Kontaktverlust an.
Nach außen läuft dein Leben weiter,
Du machst deinen Job,
Die Leute vertrauen dir vielleicht und du kriegst die Dinge hin,
Nur du selbst,
Du kommst darin immer weniger vor.
Und das ist ja das Verrückte,
Du kannst in etwas richtig gut sein und trotzdem den Kontakt dazu verlieren.
Du kannst wissen,
Ich kann das,
Ich beherrsche meinen Job,
Ich weiß,
Was von mir erwartet wird,
Und gleichzeitig immer weniger spüren,
Will ich das eigentlich noch?
Passt es noch zu mir?
Was brauche ich überhaupt?
Kompetenz ist eben nicht dasselbe wie Kontakt.
Die anderen sehen,
Dass du funktionierst?
Du selbst merkst nur langsam,
Irgendwie bin ich da nicht mehr ganz dran.
Die Welt sieht Kompetenz.
Du spürst Entfernung.
Und hier mal die Frage an Dich,
Kennst Du das?
Also gibt es in Deinem Leben was,
Das Du richtig gut kannst,
So gut,
Dass niemand auf die Idee käme?
Dass es für dich selbst innerlich längst nicht mehr stimmt.
Wenn sowas stärker zusammenkommt,
Dann nennt man das gern die Midlife Crisis.
Das ist die Phase,
In der bestimmte Männer Motorräder kaufen oder Frauen in Bali bei Sonnenaufgang die erste Kakao-Zeremonie erleben und beide ahnen,
Dass die eigentliche Lösung irgendwo zwischen Lederjacke und Klangschale liegt.
Und das kann auch alles völlig legitim sein.
Vielleicht tut dir ein Motorrad gut oder der Urlaub auf Bali.
Vielleicht schmeckt dir sogar der Kakao.
Der Punkt ist nur,
Oft verändern wir erstmal ganz viel im Außen,
Weil wir noch gar nicht richtig verstanden haben,
Was innen eigentlich nicht mehr stimmt.
Die sogenannte Midlife-Crisis ist eigentlich die große Frage.
Oder der Moment.
Wo du merkst.
Das Leben,
Das ich jetzt eine ganze Zeit lang so geführt habe.
Das überzeugt mich irgendwie nicht mehr so richtig.
Und das ist wirklich irritierend,
Weil.
.
.
Objektiv gar nichts kaputt sein muss.
Kannst einen richtig guten Beruf haben und trotzdem morgens denken,
Ich will da eigentlich gar nicht mehr hin.
Oder du hast einen Glauben,
Der für dich lange Zeit sehr stimmig war,
Und irgendwann merkst du,
Ups.
Diese Antworten von früher,
Die ich ganz selbstverständlich geglaubt habe,
Die passen für mich nicht mehr.
Du kannst auch in einer Beziehung leben,
In der gar nichts Dramatisches passiert ist.
Und trotzdem spüren,
Hm,
So wie wir,
Dass ihr Leben,
Das geht irgendwie nicht mehr.
Und ich glaube,
Genau da wird es jetzt wichtig.
Was dich irgendwann mal erfüllt hat oder einfach zu dir gepasst hat,
Das ist auf einmal zu eng geworden.
Wie so ein Anzug,
Der irgendwann mal ein Maßanzug war,
Aber du merkst heute einfach,
Ich kann mich daran nicht mehr bewegen.
Sieht von außen vielleicht immer noch gut aus,
Aber innen wird's langsam sportlich.
Und das Gemeine ist ja,
Du ziehst den Anzug morgens trotzdem wieder an,
Weil du ihn kennst.
Weil er mal genau richtig war.
Vielleicht auch,
Weil die Leute sagen,
Sieht doch schick aus.
Nur du merkst im Inneren,
Ich kann mich da nicht mehr richtig bewegen.
Und dann kommt irgendwann diese unangenehme Frage.
Ziehe ich den alten Anzug weiter an,
Nur weil er mal gepasst hat.
Und vielleicht auch deshalb,
Weil ich.
.
.
Noch gar keinen neuen ab.
Genau da wird's spannend.
Denn zu merken,
Das Alte passt nicht mehr,
Das ist ja das Eine.
Aber dann auch wirklich rauszugehen,
Obwohl du noch gar nicht genau weißt,
Was danach kommt,
Das ist nochmal ne ganz andere Nummer.
Ich habe das damals sehr konkret erlebt,
Also als ich meinen Job in der Kirche gekündigt habe,
Und ich habe erstmal überhaupt keinen Plan gehabt,
Wie es weitergeht.
Ich bin damals tatsächlich zum Arbeitsamt gegangen und habe mich arbeitssuchend gemeldet.
Und das war wirklich eine ziemlich harte Nummer.
Also vorher Pastor,
Große Gemeinde,
Menschen kommen zu dir und wollen Begleitung und Rat.
Und ein paar Wochen später sitzt du beim Arbeitsamt und denkst,
Tja.
Wäre jetzt auch ganz praktisch,
Wenn mal jemand zu mir kommt und sagt,
Wie es weitergeht.
Und wahrscheinlich schreibe ich auch deshalb gerade so persönlich über die Zeit in meinem neuen Buch.
Weil ich heute merke,
Der entscheidende Teil war gar nicht nur,
Dass ich gegangen bin,
Der viel schwierigere Teil war eigentlich,
Ich wusste eine ganze Zeit lang nicht,
Wo ich ankommen würde.
Ich musste in diesem Zwischenraum bleiben.
Das Alte war vorbei,
Aber das Neue hatte noch überhaupt keine Form.
Und wenn du selber so eine Phase durchlaufen hast,
Dann weißt du,
So ein Zwischenraum klingt im Nachhinein immer wahnsinnig poetisch.
Aber während du drinnen steckst,
Ist es eher wie ein Bahnhof.
Der alte Zug ist weg,
Der neue hat Verspätung und du stehst mit deinem ganzen Gepäck da auf Gleis 32.
Denn wir Menschen halten dieses Ich-weiß-es-noch-nicht erstaunlich schlecht aus.
Wir wollen möglichst schnell wieder irgendwo hingehören oder eine Antwort haben,
Einen Plan,
Irgendwas,
Wo du am Morgen sagen kannst,
So,
Das bin ich jetzt.
So geht es weiter.
Und ich kenne das sehr gut von mir.
Ich bin nicht so der Typ,
Der besonders lange romantisch auf Gleis 32 sitzt und rumkrübelt.
Ich will wissen,
Wann der nächste Zug kommt und wo ich einsteigen muss.
Aber vielleicht ist genau das der Punkt,
Wenn Du zu schnell wieder in den nächsten Zug springst,
Nur damit Du überhaupt wieder unterwegs bist,
Merkst Du vielleicht gar nicht,
Ob der überhaupt in deine Richtung fährt.
Und das ist entscheidend,
Denn in solchen Übergangsphasen ist es wichtig,
Nicht gleich wieder wegzurennen vor diesem Nichtwissen.
Also merken,
Okay,
Das Alte passt nicht mehr,
Das Neue ist noch nicht da und ich bin trotzdem noch da.
Ich weiß,
Das klingt jetzt sehr vernünftig,
Und in echt ist es natürlich deutlich unordentlicher.
Aber ich glaube,
Genau in diesem Zwischenraum kann etwas passieren,
Was sonst selten passiert.
Du hörst langsam wieder,
Was du selbst eigentlich wirklich willst.
Nicht,
Was du gut kannst oder was andere von dir erwarten.
Oder was funktioniert hat,
Sondern was wirklich jetzt noch zu dir passt.
Der Satz mit dem falschen Zug ist für mich hier der kleine Schlüssel.
Wenn du zu schnell wieder in den nächsten Zug springst,
Nur damit du überhaupt wieder unterwegs bist.
In Bewegung bist.
Merkst du vielleicht gar nicht?
Ob der überhaupt in deine Richtung fährt.
Also erst mal wieder ein bisschen feiner zu merken.
Was in dir überhaupt los ist?
Weil wir ja oft jahrelang ziemlich gut darin waren,
Auf alles Mögliche zu hören,
Auf Erwartungen,
Was vernünftig ist,
Was andere brauchen.
Nur die eigene innere Stimme,
Die wird dabei seltsam leise.
Die Frage,
Die dann die entscheidende Richtung angeben kann,
Könnte diese hier sein.
Was fühlt sich eigentlich noch nach mir an?
Wo merke ich,
Da kommt wieder Leben rein und wo spüre ich schon beim Gedanken daran,
Nee,
Bitte nicht noch zehn Jahre mehr davon.
Und da wird auch der Körper plötzlich sehr interessant.
Der Körper gibt oft gute Hinweise.
Du merkst vielleicht,
Dass du bei manchen Dingen sofort.
.
.
Irgendwie enger wirst du,
Dein Atem wird flacher.
Spürst,
Dass du innerlich schon müde wirst,
Bevor etwas überhaupt angefangen hat.
Und bei anderen Dingen passiert das Gegenteil.
Du wirst wacher.
Aufmerksamer,
Irgendwie mehr da.
Das sind nicht automatisch fertige Antworten,
Aber es sind Informationen.
Und das ist der Unterschied zwischen was ist richtig und was ist falsch.
Und die etwas andere Fragerichtung,
Was ist stimmig.
Es klingt ähnlich.
Ist aber für mich was ganz anderes.
Richtig kann ich oft ziemlich gut begründen.
Dafür gibt's Regeln,
Argumente,
Manchmal sogar ganze Organisationen.
Aber stimmig,
Das ist persönlicher.
Das muss ich selber merken und spüren,
Wie bei einem Instrument.
Du kannst technisch alles richtig machen.
Die Noten stimmen,
Der Rhythmus sitzt und trotzdem merkst du,
Irgendwas klingt nicht gut.
Vielleicht ist eine Seite zu straff oder zu locker gespannt.
Genauso fühlt sich das für mich auch im Leben an.
Es geht hier nicht darum,
Ob etwas objektiv richtig ist,
Sowas gibt's selten,
Sondern ob es noch in mir Resonanz erzeugt.
Ob etwas in mir mitschwingt.
Oder ob ich nur noch sehr korrekt die richtigen Töne spiele.
Ein Instrument kann perfekt gespielt werden und trotzdem verstimmt sein.
Und vielleicht ist Kontakt zu sich selbst genau das.
Wenn ich wieder spüre,
Welche Seite in mir noch wirklich schwingt.
Oder spiele ich mein Leben inzwischen nur noch ziemlich fehlerfrei herunter?
Und wichtig ist mir dabei noch was.
Stimmig heißt natürlich nicht automatisch angenehm.
»Wär schön,
Da müssen wir nur noch schauen,
Wo sich alles leicht warm und ein bisschen nach Sonntagmorgen anfühlt und wir hätten unseren Lebensweg gefunden.
So geht das natürlich nicht.
Etwas kann sehr stimmig sein und gleichzeitig Angst machen.
Meine Kündigung damals hat sich nicht wunderbar angefühlt.
Endlich arbeitslos.
Da war Unsicherheit und Angst,
Auch Trauer.
Ich hatte ja nicht irgendeinen Job beendet,
Sondern auch einen großen Teil meiner bisherigen Identität losgelassen.
Und trotzdem habe ich etwas tiefer in mir gespürt,
Ja,
Genau das ist jetzt dran.
Und ich glaube,
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Ich habe da so einen Leitsatz,
Der mir sehr hilft als Kompass in solchen Zeiten.
Bin ich bereit,
Alles zu fühlen,
Was es zu fühlen gibt?
Während ich so lebe,
Wie ich leben will.
Weil das ja genau die Herausforderung ist.
Wenn wir immer nur danach entscheiden würden,
Was sich angenehm oder sicher anfühlt,
Dann würden wir wahrscheinlich sehr genau da bleiben,
Wo wir eigentlich längst nicht mehr hingehören.
Denn das Bekannte hat ja einen riesigen Vorteil.
Wir kennen es.
Selbst wenn es uns nicht mehr guttut und es zu eng geworden ist.
Und wenn wir schon lange spüren,
Eigentlich will ich hier raus.
Aber unser Nervensystem kann uns erstaunlich lang in dieser Position halten,
Also im Sinne von sicher.
Da ist es manchmal ein bisschen wie jemand,
Der seit 20 Jahren im selben Restaurant immer dasselbe Gericht bestellt.
Und zwar nicht,
Weil es noch besonders gut schmeckt,
Sondern weil man halt weiß,
Was kommt.
Keine Überraschungen,
Kein Risiko.
Im Zweifel wieder die Lasagne.
Und vielleicht ist das eine gute Frage für Dich.
Gibt es grad irgendwo in deinem Leben was,
Von dem du eigentlich längst merkst,
Das stimmt so für mich nicht mehr.
Aber du hältst trotzdem daran fest,
Weil du ziemlich genau weißt,
Wie dieses Leben funktioniert.
Und vielleicht merkst du sogar schon,
Was dich daran festhält.
Ist es wirklich noch Liebe?
Ist es Überzeugung oder Loyalität?
Oder ist es einfach die Sicherheit des Bekannten?
Und ich glaube,
Genau da lohnt es sich,
Ehrlich hinzuschauen.
Also nicht sofort handeln,
Gleich kündigen,
Ausziehen,
Auswandern,
Aber hinschauen.
Und ihr vielleicht nur?
Diese eine Frage stellen.
Wo in meinem Leben weiß ich eigentlich längst,
So stimmt es für mich nicht mehr und tue trotzdem noch so,
Als wäre alles in Ordnung.
Mehr musst du heute vielleicht gar nicht wissen,
Auch nicht sofort eine Entscheidung treffen.
Kein Flug nach Bali,
Kein Motorrad noch vor dem Abendessen.
Vielleicht reicht es erst mal,
Diesen einen Punkt in deinem Leben nicht mehr zu übersehen.
Denn Veränderung beginnt ja nicht immer mit einem großen Entschluss.
Manchmal beginnt sie einfach in diesem einen Moment,
In dem Du merkst,
Ich weiß es eigentlich längst.
Wird es irgendwann schwer,
Dir selbst weiter so überzeugend auszuweichen.
Und du musst dann vielleicht noch nichts tun,
Aber du hörst dich wieder ein bisschen deutlicher.
Und das kann manchmal genau der Anfang sein.
Ich wünsche Dir ein gutes und auch spannendes Leben.
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