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Was Ich Als Mann Über Geburt + Krisen Gelernt Hab

by Jan von Wille

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Ja - die Geburt unseres ersten Kindes war etwas wirklich besonderes. Auch wenn das schon lange zurück liegt: es hat mich tief geprägt. In diesem Podcast ziehe ich eine Parallele zum Wesen der Krise: warum sind Krisen oft nicht nur wegen der Veränderung so erschöpfend, sondern auch wegen unseres inneren Widerstands dagegen? Und wie gerade in solchen Zeiten etwas Neues entstehen kann: ein ehrlicherer Kontakt zu uns selbst, mehr Weite im Inneren und die Rückkehr dessen, was lange zurückgehalten war... Eine Folge über Reifung, über innere Geburt und über den Mut, wirklich im eigenen Leben anzukommen.

Transkription

Hey,

Schön,

Dass du wieder reinhörst.

In den letzten Wochen habe ich hier viel über das Nervensystem,

Schutzmuster und Stress gesprochen.

Und das ist alles super wichtig.

Wer keinen Boden unter den Füßen hat,

Kann nicht fliegen.

Das ist die Basis.

Aber heute will ich mal einen Schritt weiter gehen.

Vor ein paar Jahren wollte ich mal ein Buch schreiben zu dem Thema »Vollende Deine Geburt«.

Bis jetzt habe ich das noch nicht geschafft,

Aber mir fällt gerade dieser tolle Buchtitel wieder ein.

Weil ich glaube,

Dass die Krisen,

Mit denen wir uns jetzt zurzeit beschäftigen,

Für viele Menschen eine richtig große Chance sein werden.

Es ist die Einladung,

Tatsächlich unsere Geburt zu vollenden.

Wir werden als Körper geboren.

Aber in uns selbst anzukommen,

Das ist nochmal was ganz anderes.

Viele Menschen sind zwar biologisch da,

Aber noch nicht ganz in sich selbst eingezogen,

So will ich das mal ausdrücken.

Sie leben sozusagen im Vorraum ihres Lebens.

Gesteuert von alten Schutzmustern,

Von Angst oder von Anpassungen.

Und die eigentliche ist dann nicht nur »Wer bin ich?

«,

Sondern »Bin ich schon ganz hier?

« Oder steht ein Teil von mir immer noch vor der Tür,

Wachsam,

Ein bisschen angespannt und immer bereit zur Flucht.

Die eigene Geburt zu vollenden heißt dann nicht länger nur zu überleben,

Sondern ganz im eigenen Leben Platz zu nehmen.

Und wenn Du dann mal tief Luft holst,

Vielleicht an einem schönen,

Sonnigen Frühlingstag wie jetzt,

Und plötzlich wieder mit Deinen jugendlichen Kräften in Kontakt kommst,

Dann merkst Du vielleicht,

Mein Leben ist zu klein geworden.

Da will sich was ausdehnen.

Irgendetwas in mir will weiter werden.

Diese Wachstumslust,

Die wir als Kinder so stark gespürt haben,

Diese Lust am Lebendigsein,

Am Spielen und am Erschaffen,

Die will wieder durchkommen.

Und das kann wirklich der intensivste Mindshift werden.

Dann erkennen wir,

Dass die eigentliche Krise nicht bedeutet,

Dass Du Dich irgendwie verloren hättest,

Sondern dass Deine alten Selbstbeschreibungen nicht mehr passen.

Dieses innere Formular,

Das so lange ausgefüllt war mit so Sätzen wie »Ich muss stark sein«,

»Ich darf nicht zu viel brauchen«,

»Ich halte das hier zusammen«,

»Ich bin die,

Die funktioniert« und so weiter.

Auf einmal merkst Du,

Diese Sätze beschreiben nicht mein Wesen,

Sie beschreiben meine Schutzgeschichte.

Und das kann ein echter Schock sein.

Denn wenn eine Selbstbeschreibung brüchig wird,

Also Dein Selbstbild,

Dann fühlt es sich schnell so an,

Als würde das ganze Ich bröckeln.

Aber in dem Moment bröckelt nicht Dein Ich,

Sondern nur eine Form,

Die mal nötig war,

Um durch enge Zeiten zu kommen.

Ich finde dafür das Bild von einem Baugerüst ganz stark.

Ein Baugerüst ist wichtig,

Wenn etwas noch nicht tragen kann.

Es stabilisiert und schützt,

Es hält eine Weile alles zusammen.

Aber irgendwann kommt der Moment,

An dem das Gerüst nicht mehr das Haus unterstützt,

Sondern dem Haus ganz klar im Weg steht.

Und wenn es dann abgebaut wird,

Sieht das erstmal dramatisch aus,

Also Lärm,

Staub,

Unsicherheit.

Aber in Wahrheit erscheint da zum ersten Mal das eigentliche Gebäude.

Und das ist die Riesenchance in solchen Krisen.

Dass nicht Dein Leben auseinanderfällt,

Sondern dass Anteile zurückkommen,

Die viel zu lange ausgelagert waren.

Vielleicht Wut oder Sehnsucht,

Bedürftigkeit,

Kreativität,

Wahrheit.

All das,

Was in der alten Ordnung keinen Platz hatte.

Und natürlich macht das erstmal Angst.

Denn mit der alten Ordnung verlieren wir auch unsere Vorhersagbarkeit.

Wir wissen plötzlich nicht mehr so genau,

Wie wir sind.

Und genau das fühlt sich natürlich nicht so klasse an.

Nicht nur unsere Lebensumstände werden erschüttert,

Sondern das Bild,

Das Selbstbild,

Das wir von uns hatten,

Fängt an zu flimmern.

Und jetzt kommt was,

Was ich wirklich wichtig finde.

Oft macht uns nicht nur die Veränderung zu schaffen,

Sondern die Art,

Wie wir damit umgehen.

Viele Menschen versuchen in solchen Phasen nicht,

Wirklich zu spüren,

Was in ihnen los ist.

Sie machen erstmal weiter,

Sie versuchen vielleicht zu analysieren oder zu erklären.

Und von außen kann das richtig vernünftig wirken.

Aber innerlich bedeutet das oft,

Ein Teil von mir hat Schmerzen,

Sozusagen Geburtsschmerzen.

Und ein anderer Teil ist die ganze Zeit damit beschäftigt,

Diesen Schmerz nicht nah herankommen zu lassen.

Der eine Teil spürt,

Hier stimmt was nicht mehr,

Etwas ist zu eng geworden,

Hier will was ernst genommen werden.

Und der andere Teil sagt,

Reiß dich zusammen,

Mach weiter,

Denk nicht so viel darüber nach oder denk grad so viel darüber nach,

Dass du es bloß nicht fühlen musst.

Und genau das macht so müde.

Das ist,

Als würdest du die ganze Zeit gegen eine Tür drücken,

Hinter der längst jemand steht und anklopft.

Du hörst es und ahnst es,

Aber du öffnest nicht.

Und allein dieses permanente Dagegendrücken kostet unglaublich viel Energie.

Vielleicht ist das sogar einer der Gründe,

Warum manche Menschen in solchen Phasen gar nicht nur traurig oder verunsichert sind,

Sondern so tief erschöpft.

Weil nicht nur etwas in ihnen arbeitet,

Sondern weil sie gleichzeitig ununterbrochenamt beschäftigt sind,

Diesen inneren Prozess irgendwie auszuweichen.

Weil,

Tja,

Weil.

Und irgendwann kippt das Ganze.

Weil auf Dauer niemand gesund bleibt,

Wenn ein Teil von ihnen um Hilfe ruft und ein anderer Teil die ganze Zeit so tut,

Als wäre alles unter Kontrolle.

Und der goldene Moment kommt,

Wenn du dann diese innere Krise,

Diesen Brennpunkt nutzt,

Um zum ersten Mal eine radikal ehrliche Frage zu stellen.

Was in mir will nicht weiter zugedeckt,

Sondern endlich ernst genommen werden?

Das bedeutet für mich Reifung.

Dass wir aufhören,

Nicht nur Teile von uns zu leben,

Die angepasst sind oder bewundert werden.

Und dass wir dann den Mut finden,

Auch das an den Tisch zu holen,

Was lange abgespalten war.

Denn unter all dem liegt ja nicht nur Schmerz,

Da liegt ja auch Kraft und Ausrichtung,

Wachstumslust.

Finde ich übrigens einen tollen Begriff,

Wachstumslust.

Das ist so die kindliche Freude,

Wirklich da zu sein und etwas aus sich heraus ins Leben zu bringen.

Also,

Was du als Krise erlebst,

Ist nicht nur ein Zusammenbruch,

Sondern auch der Moment,

In dem sozusagen das Verdrängte aufhört,

Still und brav zu sein.

Und in dem das Lebendige wieder anfängt,

An die Tür zu klopfen.

Ich beende diesen kürzeren Podcast mal mit dieser Frage.

Was hast du vor mit deinem wilden,

Kostbaren Leben?

Dieser Frage gehen wir in Awake Soul nach.

Wie kann unsere Seele wieder in Kontakt kommen mit diesem wilden,

Ursprünglichen Leben?

Mit der Wachstumslust,

So wie wir das als kleine Kinder erlebt haben.

Ich bin jetzt 63 Jahre alt und hoffe sehr,

Dass ich bis zum Lebensende dieser Wachstumslust folgen werde.

Und du?

© 2026 Jan von Wille. All rights reserved. All copyright in this work remains with the original creator. No part of this material may be reproduced, distributed, or transmitted in any form or by any means, without the prior written permission of the copyright owner.

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