
Warum Du In Beziehungen Immer Wieder So Reagierst
Warum reagieren wir in Beziehungen oft so viel stärker, als wir eigentlich möchten? In dieser Folge erfährst du, was hinter intensiven Reaktionen in Nähe, Konflikten und Unsicherheit steckt. Mit einem körpernahen Blick auf Bindung und Nervensystem verstehst du, warum dein Schutz oft schneller übernimmt als dein bewusster Wille – und warum genau darin der Schlüssel zu mehr Selbstverständnis liegt.
Transkription
Hey,
Heute möchte ich mit Dir über etwas sprechen,
Was für Dich eine wirkliche Entlastung werden kann.
Besonders wenn Du in Deinen Beziehungen unter Stress immer wieder in die gleichen Reaktionsmuster verfällst und da dann auch nicht so leicht wieder rauskommst.
Und die entscheidende Hilfe dafür ist die Bindungstheorie.
Ich weiß nicht,
Ob Du davon schon mal was gehört hast,
Aber grundlegend erklärt sie nicht einfach,
Wie wir lieben,
Sondern was wir ganz früh über Nähe gelernt haben.
Also ist die Verbindung hier sicher oder eher unsicher?
Muss ich kämpfen oder sollte ich mich eher anpassen oder mich zurückziehen?
Das sind die ganz,
Ganz grundlegenden Verhaltensmuster bei uns Menschen und die sind alle in der ganz frühen Kindheit in uns angelegt.
Als Erwachsenen leben wir diese Muster dann so aus,
Dass wir unter Stress entweder klammern oder kämpfen oder ziehen oder einfrieren.
Und diese Bindungsstile sind inzwischen ganz gut erforscht worden.
Und ich habe diese Bindungsstile mal auf das Nervensystem übertragen.
Warum habe ich das gemacht?
Weil dieses Nervensystem die elektrische Ladung für diese Bindungsstile abgespeichert hat.
Das heißt,
Du hast einen bestimmten Bindungsstil und ein entsprechend geprägtes Nervensystem.
Spannend,
Ne?
Also,
Ich zeige Dir jetzt mal diese vier Profile,
Die ich entwickelt habe und Du kannst ja mal schauen,
Wo Du Dich am ehesten wiederfindest.
Am besten ganz intuitiv.
Ich nenne sie die vier Schutzprofile.
Vulkan,
Wind,
Nebel und Gletscher.
Und ich fange mal mit dem Vulkan an.
Wenn Dein Nervensystem diese Prägung bekommen hat,
Dann steht Dein System schnell unter Hochdruck.
Da ist schnell Spannung im Körper,
Oft schon bevor Dein Kopf überhaupt verstanden hat,
Was genau los ist.
Der Kiefer zieht an,
Der Brustkorb wird enger,
Der Nacken angespannter.
Ja,
Die Energie steigt.
Stell Dir den Vulkan wie einen Rauchmelder vor,
Der in einer Backstube hängt.
Er schlägt jedes Mal Alarm,
Wenn es nach frisch gebackenem Brot riecht,
Weil er gelernt hat,
Dass Hitze gefährlich ist.
Für Dich bedeutet das erstmal,
Du bist nicht aggressiv oder zu viel.
Dein Rauchmelder ist nur extrem sensibel eingestellt.
Du merkst einfach sehr schnell,
Wenn etwas im Raum nicht stimmt.
Ein Blick,
Ein bestimmter Tonfall,
Eine Ungenauigkeit.
Du hast dann den Drang,
Schnell einzugreifen,
Etwas klarzustellen oder zu stoppen,
Bevor es aus dem Ruder läuft.
Und von außen wirkt das schnell intensiv,
Manchmal anstrengend oder kontrollierend.
Für Dich fühlt es sich im Inneren so an,
Du hast eben etwas kontrollieren wollen,
Bevor es zu spät ist.
Und was ich am Vulkan so wichtig finde,
Dein System reagiert früh und trägt viel Verantwortung dafür,
Dass nichts entgleist.
Und genau deshalb verwechseln viele Menschen diese Spannung mit Stärke,
Bis sie irgendwann merken,
Wie erschöpfend es ist,
Ständig in dieser inneren Bereitschaft zu leben.
Und Ruhe fühlt sich dann auch nicht mehr nach Entlastung an,
Sondern als Belastung oder Anspannung.
Und genau da beginnt die eigentliche Arbeit,
Mit der Zeit etwas früher merken,
Ah,
Mein Körper zieht schon an,
Ich bin schon in Ladung und ich muss nicht jede innere Alarmierung sofort in Handlung verwandeln.
Allein dieser kleine Zwischenraum kann schon ganz viel verändern.
Und dann der Wind.
Der fühlt sich ganz anders an.
Hier geht die Energie nicht in Konfrontation,
Sondern in Bewegung.
Wenn Stress aufkommt,
Dann willst Du weiterziehen wie der Wind.
Der Kopf wird aktiv,
Im Körper insgesamt gibt es dann so eine starke Unruhe,
Stille wird schnell unerträglich und Du bist schon schnell beim nächsten To-Do,
Obwohl die aktuelle Sache noch gar nicht abgeschlossen oder verarbeitet ist.
Menschen mit starkem Windprofil werden von außen als lebendig,
Produktiv,
Kreativ oder auch wahnsinnig leistungsfähig wahrgenommen.
Und oft stimmt das auch,
Aber diese Beweglichkeit im Innern ist nicht immer so frei wie der Wind.
Du fühlst Dich einfach in Bewegung sicherer als im Ankommen.
So hat Dein Nervensystem das eben gelernt.
Das zeigt sich an ganz alltäglichen Dingen,
Zum Beispiel Feierabend ist da,
Aber Du kannst nicht wirklich abschalten.
Du räumst noch schnell was auf,
Beantwortest eine Nachricht,
Planst noch was,
Also Dein Körper bleibt innerlich in Bewegung.
Und Stille ist nicht leicht auszuhalten,
Obwohl Du diese Stille bräuchtest,
Um Dein System zu befrieden.
Der Wind schützt Dich,
Indem er Dich in Bewegung hält.
Deshalb hilft bei diesem Profil oft keine Forderung nach Entspannung,
Das macht nur zusätzlichen Stress.
Hilfreicher ist Dir immer wieder den Körper zu spüren,
Auch wenn das schwer fällt.
Aber versuch mal einfach aufrecht zu stehen,
Möglichst barfuß,
Und dann ganz genau den Boden zu fühlen,
Über Deine Füße.
Das ist die einfachste und direkteste Übung für den Wind.
Die Erfahrung,
Dass zwischen zwei Tätigkeiten nicht sofort die nächste kommen muss.
Und dann der Nebel.
Der Nebel ist ein sehr stilles Profil.
Das ist für viele gar nicht so leicht zu erkennen,
Weil es keinen sichtbaren Ausbruch gibt,
Kein Rennen,
Kein Zusammenbrechen,
Eher so ein leises Weggleiten.
Du bist da,
Aber eben nicht ganz.
Körperlich merkst Du das beim Stress,
Dass Dein Blick etwas diffuser wird,
Deine Gedanken werden unklarer und Du verlierst schnell den Faden.
Du scrollst,
Schweifst ab,
Hörst zu,
Ohne wirklich aufzunehmen,
Was gesagt wird.
Viele beschreiben das als Watte im Kopf oder als eine Art Folie zwischen sich und der Welt.
Gerade weil der Nebel so unscheinbar wirkt,
Wird er oft falsch bewertet.
Dann denkst Du vielleicht,
Du bist unkonzentriert oder einfach nicht diszipliniert genug.
Aber meistens steckt darin eine ganz kluge Schutzbewegung.
Wenn Reize,
Gefühle oder Nähe innerlich zu viel werden,
Dimmt Dein System die Energie runter.
Es reduziert die Intensität des Erlebens.
Das ist oft viel intelligenter als wir denken,
Nur fühlt es sich im Erwachsenenleben nicht immer so hilfreich an,
Weil Du Dich selbst dabei auch ein Stück weit verlierst.
Der Nebel schützt vor Überflutung,
Aber er dämpft eben auch die Präsenz.
Und was hier hilft,
Ist nicht Härte oder eiserne Disziplin.
Druck macht den Nebel meist nur dichter.
Bei Stress ist für den Nebel immer etwas Konkretes hilfreich.
Etwas ganz Einfaches,
Z.
B.
Die Tischkante spüren,
So banal sich das anfühlt,
Als leichte Achtsamkeitsübung.
Den Stoff Deiner Kleidung auf Deiner Haut spüren,
Ein Schluck Wasser wirklich im Mund wahrnehmen und langsam runterschlucken.
Der Nebel lichtet sich nicht,
Wenn Du Dich zusammenreißt,
Sondern wenn Du Deinem System eine Form von Kontakt anbietest,
Ein Kontakt,
Der jetzt nicht zu viel ist.
Und dann noch der Gletscher.
Das ist die tiefere Bremse.
Das Gletscherprofil bedeutet der Rückzug,
Wenn es stressig wird,
Und zwar emotionaler Rückzug.
Hier wird Dein ganzer Organismus stiller,
Schwerer,
Vielleicht auch etwas kälter.
Der Zugang zu Gefühlen wird schwächer.
Und manchmal sitzt Du zwischen anderen Menschen und hast trotzdem das Gefühl,
Hinter Glas zu sein.
Du funktionierst vielleicht noch,
Erledigst sogar Dinge.
Aber alles hat etwas Entferntes.
Es fehlt die innere Lebendigkeit,
Die Wärme,
Das Spüren von Dir selbst.
Das ist ein Zustand,
Der für viele besonders schmerzhaft ist,
Weil er so schnell mit persönlichen Versagen verwechselt wird.
Dann kann daraus schnell ein inneres Urteil werden.
Ich bin abgestumpft oder distanziert,
Ich komme da nie wieder raus und so weiter.
Dabei ist der Gletscher oft etwas zu spät auf Schutz gegangen,
Also das Thema Grenzen ziehen.
Und die Lebendigkeit ist dann irgendwann eingefroren.
Wenn Du das einmal erkannt hast,
Dann kann das ganz viel Erleichterung bringen.
Du hörst auf,
Dich moralisch zu bewerten und verstehst,
Dass ein Organismus manchmal in die Erstarrung geht,
Wenn zu lange zu viel war.
Der Gletscher braucht dann auf jeden Fall keine Motivation von außen oder innen.
Kein Reiß-Dich-Mal-Zusammen,
Das blockiert natürlich noch mehr.
Viel besser sind Signale von Wärme,
Langsamkeit,
Körperlicher Sicherheit.
Zum Beispiel eine Decke.
Probier besonders im Winter mal eine elektrische Wärmedecke aus.
Ein warmer Tee,
Druck an den Oberarmen,
Die Hand auf dem Brustkorb.
Oder mach mal was ganz Wildes,
Ein Spaziergang ganz ohne Ziel.
So richtig schön treiben lassen.
Oder ein Mensch,
Bei dem Du nicht irgendetwas leisten oder darstellen musst.
Ja,
Das sind die vier Schutzprofile,
So nenne ich sie.
Wenn Du das alles so hörst,
Merkst Du vielleicht schon,
Das sind keine festen Kategorien.
Die meisten Menschen kennen Mischformen.
Manche sind zum Beispiel in Beziehungen eher Vulkan und im Arbeitsalltag eher Wind.
Und andere gehen bei Überreizungen in den Nebel und nach längerer Überforderung in den Gletscher.
Also es geht nicht darum,
Sich ganz konkret einzuordnen,
Sondern darum,
Dass Du etwas in Dir erkennst,
Das bisher vielleicht nur unter Selbstkritik gespeichert war.
Bindungstheorie und Nervensystemarbeit kommen hier auf eine ganz gute Weise zusammen,
Denn die Bindungstheorie hilft uns zu verstehen,
Warum bestimmte Muster in Beziehungen überhaupt entstehen konnten.
Das Nervensystem zeigt,
Wo diese Muster heute noch leben,
Also lebendig sind.
Eben als innerer,
Gefühlter Zustand.
Und das ist ein riesen Unterschied,
Denn Du kannst etwas längst verstanden haben und trotzdem reagiert Dein Körper in Sekundenbruchteilen auf die alte Weise.
Du kannst reflektiert sein,
Vielleicht hast Du schon viel gelesen zu dem Thema und trotzdem wird Dein Brustkorb enger,
Dein Kiefer wird hart und genau deshalb reicht das Wissen allein eben nicht.
Veränderung passiert in dem Moment,
In dem Du Deinen Schutz nicht länger bekämpfst,
Sondern erstmal verstehst und bejahst.
Er hat Dir lange Zeit treue Dienste geleistet und es ist erstmal eine Sprache Deines Körpers.
Dadurch verschwindet jetzt der Trigger nicht,
Aber es ist wirklich der erste Schritt zu mehr Sicherheit im Körper.
Es braucht dann noch ein paar andere Schritte,
Damit Du diesen Raum zwischen äußerem Reiz und innerem Gefühl erweitern kannst.
Wenn Dich das interessiert,
Dann könnte Awake Body was für Dich sein.
Das ist primär Körperarbeit,
Die ich entwickelt habe.
Also über den Körper in das bejahende Fühlen gehen.
Das ist der Königsweg,
Der wirklich in die Freiheit führen kann.
Aber ich möchte jetzt zum Schluss noch sagen,
Es geht nicht darum,
Irgendwann vollkommen frei von allen belastenden Prägungen zu sein.
Ich glaube,
Das geht gar nicht.
Aber das Entscheidende ist,
Dass wir diese Prägungen oder diese automatisierten Reaktionen in uns schneller bemerken und allein dadurch schon viel besser damit umgehen können.
Das macht uns frei.
Und auch eine gnädigere Haltung uns selbst gegenüber.
Ah,
Da ist mein Schutz.
Da ist eine alte,
Treue Bewegung in mir.
Und ich darf lernen,
Heute anders mit ihr umzugehen.
Also,
Wenn Du etwas tiefer einsteigen willst,
Mach meinen Nervensystem-Quiz und versteh Dein System besser und sei also richtig gnädig mit Dir selbst.
Und tut gut.
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