
Dein Nervensystem Glaubt Dir Nicht - Denk Mal Drüber Nach
Du kannst versuchen im Leben die Dinge unter Kontrolle zu bringen. Und dir selbst auch erzählen, dass du Souverän bist. Dein Nervensystem glaubt dir das aber nicht. Denn es reagiert nicht auf deine Pläne oder Performance. Es reagiert auf etwas anderes: Auf Verbindung. Und auf Ehrlichkeit. In dieser Folge geht es um die Momente, in denen wir uns selbst verlassen – um dazuzugehören, um nicht anzuecken, um sicher zu bleiben. Und darum, was passiert, wenn wir stattdessen bleiben. Was es mit dem „transpersonalen Nervensystem“ auf sich hat. Und wie echte Sicherheit entsteht – nicht im Kopf, sondern im Raum zwischen uns. Vielleicht erkennst du dich wieder. Vielleicht spürt dein Körper schon beim Zuhören etwas. Denk mal drüber nach....
Transkription
Hey,
Heute möchte ich dich gleich mal was fragen.
Kennst du Menschen,
Bei denen du merkst,
Wenn ich mit diesen Menschen zusammen bin,
Fühle ich mich wohl oder angenommen und sicher.
Also,
Wo du sagen kannst,
Was du wirklich denkst,
Was dich bewegt und du weißt,
Hier werde ich nicht verurteilt,
Egal worüber ihr sprecht.
Also,
Abgesehen vom Thema,
Es geht dir nach dem Treffen irgendwie besser als vorher.
Kennst du solche Menschen?
Wenn ja,
Dann erstmal herzlichen Glückwunsch,
Das ist nicht selbstverständlich.
Und dann die andere Frage,
Kennst du auch Menschen,
Bei denen es genau andersherum ist,
Wo du dich zusammennehmen musst und du hast so das Gefühl,
Oh,
Hier muss ich aufpassen und du fühlst dich nach der Begegnung eher kleiner und angespannt als vorher.
Ich glaube,
Wir alle kennen beide Seiten.
Aber hast du dich mal wirklich gefragt,
Warum ist das so?
Was ist genau der Unterschied?
Ich habe das mal bei mir genau beobachtet und habe Folgendes herausgefunden.
Ich hatte vor einiger Zeit zwei berufliche Situationen,
Die sich äußerlich ziemlich ähnlich angefühlt haben.
Beide Male ging es um Feedback,
Also meine Meinung zu einem Thema,
Zu einem bestimmten Projekt.
In der ersten Situation saß ich in einem Meeting und ich habe da sehr deutlich gemerkt,
Dass das,
Was ich gedacht habe,
Ziemlich anders war als was die anderen gedacht haben.
Wahrscheinlich kennst du das auch.
Du sitzt da und innerlich denkst du,
Oh Mann,
Ich sehe das komplett anders als die anderen.
Und dann habe ich das sehr vorsichtig formuliert,
So durch die Blume hindurch.
Und auch während ich gesprochen habe,
Habe ich gemerkt,
Wie sich in mir etwas zusammenzieht.
Mein Bauch wurde etwas hart,
Mein Atem flacher und ich habe angefangen etwas schneller zu reden,
Als müsste ich das jetzt alles irgendwie rechtfertigen.
Und in dem Moment war ich nicht mehr im Kontakt mit mir,
Sondern ich war damit beschäftigt,
Wie ich wirke.
Bin ich jetzt zu emotional oder zu kompliziert?
Ganz interessant,
Also innen ziemlich starke Emotionen,
Stressemotionen und parallel dazu vergleichende Gedanken.
Und dabei dann gleichzeitig noch weiter nach außen über das Thema gesprochen,
Argumentiert,
Sätze gebaut.
Wow,
Eigentlich unglaublich,
Was unser System da gleichzeitig leisten kann,
Oder?
Aber in dem Moment habe ich mich selbst verlassen,
Also den Kontakt zu mir.
Ich war mir selber nicht treu.
Und dadurch habe ich nicht mehr gespürt,
Was ich wirklich sagen wollte,
Nur noch wie ich es sagen muss,
Damit es akzeptabel bleibt.
Und das ist dieser Moment von innerem Kontaktabbruch.
Es fühlt sich an wie ein Weggehen von mir selbst,
Als würde ich innerlich sagen,
Okay,
Dann gebe ich halt nur die Version,
Die hier reinpasst.
Was habe ich in mir gefühlt?
Natürlich Unsicherheit.
Und auch ein ganz feiner Schamimpuls.
Also letztendlich ist das die Angst vor Ablehnung,
Die intensivste Angst,
Die wir als Menschen haben können,
Nicht mehr dazugehören.
Und eigentlich habe ich gar nichts zu das Problem,
Meine Meinung klar zu sagen,
Aber ich merke schon,
Wenn es Menschen sind,
Die mir sehr wichtig sind,
Dann spüre ich diese Dynamik.
Klar bleiben,
Auch wenn alle anderen es anders sehen und gleichzeitig weiter dazugehören wollen,
Das ist schon eine ganz schöne Spannung.
Und nach außen können wir das ja ganz gut überspielen.
Ich glaube nicht,
Dass die anderen das gemerkt haben,
Was da so alles in mir vorging,
Aber nach dem Meeting habe ich gemerkt,
Wie unfassbar viel Energie das gekostet hat.
Ist schon krass.
Ein paar Wochen später hatte ich eine ähnliche Situation.
Anderes Thema,
Aber wieder Feedback,
Unterschiedliche Meinungen und so.
Und ich habe wieder gemerkt,
Mein Körper zieht sich wieder etwas zusammen,
Atem wieder etwas angespannter und flacher.
Ah,
Da ist es wieder.
Aber diesmal habe ich mir selbst gesagt,
Hey,
Komm zurück zu dir.
Ich merke,
Du bist nicht mehr bei dir.
Also ein ganz kurzes inneres Selbstgespräch.
Nicht du machst hier etwas falsch,
Sondern bleib bei dir.
Was wäre jetzt wohl möglich,
Wenn du dir selbst treu bleibst?
Und dann habe ich langsamer gesprochen und so ungefähr das hier gesagt.
Ich merke gerade,
Das ist mir wichtig.
Und gleichzeitig fühlt es sich verletzlich an,
Das hier auszusprechen.
Und weißt du,
Was passiert ist?
Niemand hat mich schief angeschaut.
Stattdessen kam so etwas wie,
Danke,
Dass du das sagst.
Lass uns hören,
Was du meinst.
Das interessiert uns.
Und das war dann total spannend,
Was in mir passiert ist.
Und auch mit dem Feld,
Also dem Raum der Verbindung zu den anderen Menschen,
Die Atmosphäre.
Es wurde viel weicher,
Entspannter,
Achtsamer.
Und das war so ein starkes Beispiel für das,
Was wir vom kollektiven Nervensystem her wissen.
Stell dir mal einen alten Wald vor,
Die Bäume stehen einzeln,
Jeder mit seinem einzelnen Stamm,
Seinen eigenen Ästen,
Seinen eigenen Wurzeln.
So sieht es aus.
Aber unter der Erde,
Unsichtbar,
Verbindet sie ein ganz dichtes Geflecht aus Pilzfäden.
Mycel nennt man das.
Und über dieses Geflecht kommunizieren die Bäume miteinander.
Sie teilen Nährstoffe,
Sie warnen sich gegenseitig.
Ein Baum,
Der Stress hat,
Sendet Signale und der ganze Wald antwortet darauf.
Und wir Menschen sind nicht anders.
Wir sind keine isolierten Einzelwesen.
Jeder mit seinem eigenen Nervensystem,
Das irgendwie unabhängig funktioniert.
Nee,
Nee.
Wir sind viel tiefer miteinander verbunden,
Als wir uns das überhaupt vorstellen können.
Es gibt dieses transpersonale Nervensystem.
Das heißt,
Wenn einer von uns in sich etwas reguliert,
Reguliert das auch etwas im Anderen.
Was einer in sich löst,
Macht Raum für den Nächsten.
Es entsteht ein geteiltes Feld,
Ein kollektives Erleben.
Klingt vielleicht ein bisschen abstrakt,
Aber du hast es bestimmt schon mal erlebt.
Diesen Moment in einer Runde,
Wo jemand plötzlich etwas sehr Ehrliches sagt.
Und auf einmal atmet der ganze Raum auf.
Und wenn dieses Feld anfängt sich zu verbinden,
Wenn genug Sicherheit da ist,
Dann beginnt das Nervensystem Druck loszulassen.
Dinge,
Die vorher festgefahren waren,
Können sich plötzlich bewegen.
Und es ist gar nicht so mystisch,
Wie sich das anhört,
Sondern eigentlich pure Neurobiologie.
Und es beginnt immer bei einer Person.
Jemand,
Der sich mit seinem Inneren zuerst offenbart.
Und zwar bevor der Raum sicher genug ist.
Das ist das Spannende,
Wo es wirklich Mut braucht.
Also jemand,
Der das Signal gibt,
Hier ist es okay,
Menschlich zu sein,
Verletzbar zu sein.
Das war in diesem Moment meine Rolle und das ist geschehen,
Weil ich aufgehört habe,
Mich zu schützen.
Und genau in solchen Momenten passiert dieses geheimnisvolle Etwas,
Wenn wir uns wirklich ganz zeigen mit dem,
Was in uns ist.
Das Nervensystem macht eine neue Erfahrung.
Ich kann verletzlich sein und ich bin auch da.
Niemand ist weggegangen.
Niemand hat mich angegriffen.
Es ist okay.
Und das ist nicht dadurch geschehen,
Dass ich alles kontrolliert habe oder richtig gemacht habe im Außen,
Sondern die Erfahrung,
Dass meine Grenzen angenommen worden sind.
Sicherheit entsteht nicht im Außen.
Sie entsteht in der Verbindung zu uns selbst und zu anderen Menschen.
Das ist dann eine sehr tiefe Erfahrung,
Die sich in unserem System einschreibt,
Wie eine neue Information.
Nicht als Gedanke,
Sondern wirklich als körperliche Erinnerung auf der Zellebene.
Und gleichzeitig,
Das ist das,
Was mich begeistert,
Dasselbe passiert im Raum.
Wenn ein Mensch sich wirklich zeigt,
Dann senkt das den Alarmzustand der anderen,
Fast automatisch.
Weil Verletzlichkeit,
Die nicht abgelehnt wird,
Das tiefste Signal gibt,
Das ein Nervensystem empfangen kann.
Hier ist es sicher.
Hier muss niemand performen.
Du bist angenommen.
Und das gelingt natürlich nicht immer so klasse,
Wie ich das hier beschrieben habe.
Immer wieder gibt es auch diese Abwehrsysteme im Menschen.
Aber ich merke,
Dass es viel häufiger gelingt,
Als wir vermuten,
Wenn wir etwas Mut mitbringen.
Also,
Dass eine Person im Raum reguliert,
Reguliert auch etwas im Anderen.
Als hätte jemand heimlich ein Fenster geöffnet.
Vielleicht merkst du auch den Kontrast zu unserem normalen Verhalten.
Meistens versuchen wir,
Sicherheit durch Kontrolle herzustellen.
Also irgendwie ein perfekter Plan,
Die richtige Antwort.
Und kurz kann sich das besser anfühlen.
Kurz gibt es Erleichterung.
Aber wir kommen dadurch nicht wirklich zur Ruhe.
Das passiert nicht.
Das Nervensystem bleibt auf Bereitschaft,
Weil es weiß,
Diese Sicherheit ist sozusagen geliehen.
Sie hängt davon ab,
Dass alles so läuft,
Wie geplant,
Und du weißt,
Das passiert so gut wie nie.
Was unser Nervensystem wirklich braucht,
Ist eine andere Erfahrung.
Nicht die Erfahrung,
Alles im Griff zu haben,
Sondern ich bin okay,
Auch wenn es nicht perfekt ist.
Zum Schluss möchte ich dir hier noch einen letzten Gedanken mitgeben.
Also den Domino-Effekt,
So nenne ich das.
Denn wir können anderen Menschen genau diese Erfahrung geben.
Nicht durch richtige Worte,
Sondern durch unsere Präsenz.
Probier das doch mal aus.
Wenn du demnächst mit jemandem zusammen bist und wirklich zuhörst,
Nicht um zu antworten,
Sondern um wirklich zu hören,
Dann spürt das Nervensystem des Gegenübers das.
Buchstäblich.
Unser System ist darauf ausgelegt,
Den Zustand anderer zu lesen.
Wenn du ruhig bist,
Reguliert,
Präsent,
Dann überträgt sich das.
Und wenn jemand merkt,
Ich werde hier nicht verurteilt,
Ich muss hier nichts beweisen,
Ich darf hier ankommen,
Wie ich bin,
Dann passiert etwas.
Der Körper atmet durch,
Die Schultern sinken,
Der Gedankenstrom verlangsamt sich.
Das ist Sicherheit.
Und du hast sie gegeben.
Nicht durch eine Methode,
Sondern durch dein Sein.
Natürlich ist da ein Haken.
Du kannst anderen nur Sicherheit geben,
Wenn du sie selbst hast.
Wenn dein eigenes System reguliert ist.
Und das heißt,
Wenn du in einem Gespräch merkst,
Dass du innerlich anfängst zu driften,
Dass du nur noch wartest,
Bis du selbst reden kannst,
Dass du abgelenkt bist,
Dass du in den Lösungsmodus springst,
Dann ist das kein Zeichen,
Dass du ein schlechter Zuhörer bist,
Es ist ein Zeichen,
Dass dein eigenes System gerade Aufmerksamkeit braucht.
Und der einfachste Weg zurück?
Kurz innehalten.
Einen Atemzug nehmen.
Spüren,
Wie deine Füße auf dem Boden stehen.
Den Körper wieder als Anker nutzen.
Also nicht als Technik,
Sondern als ehrliche Rückkehr zu dir selbst.
Ja,
Und dann schau mal,
Was passiert.
In den Körper gehen.
Wenn dich dieses Thema näher interessiert,
Dann möchte ich dir noch sagen,
Ich arbeite gerade an etwas,
Das genau hier beginnt.
Es heißt Awake Body.
Wenn du heute beim Hören also gemerkt hast,
Das ist mein Thema,
Dann schau gern vorbei.
Und ich wünsche dir ein gutes Leben.
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