
Offenes Gewahrsein (MBSR)
Die "Offene Gewahrseins"-Meditation beginnt mit fünf kurzen Sammlungs-Meditationen, um den Geist zu klären (Atem / Körpergewahrsein / Hören / Gedanken & Gefühle). Diese münden schließlich in das Loslassen von jeglichen Meditationsobjekten, dem Aufgeben von jedem Fixpunkt in der "inneren Weite". In diesem "Panorama-Bewusstsein" lässt man ganz präsent und offen alles auftauchen, was auch immer sich im "Gewahrseinsstrom" von Moment zu Moment zeigt. Wie ein endlos offener weiter Raum. Himmelsgleich.
Transkription
Offenes Gewahrsein.
Lass dich im Meditationssitz nieder und nimm eine aufrechte und bequeme Haltung ein.
Wach und stabil und gleichzeitig gemütlich entspannt.
Wenn es sich richtig anfühlt,
Schließe die Augen und erlaube dem Blick dahinter weich zu werden.
Schenke dir für die nächsten Minuten ein Innehalten und mit dir selbst in Kontakt kommen.
Du darfst alle Anstrengungen und jegliches Tun loslassen.
Es gibt jetzt nichts mehr zu erreichen.
Den Blick nach innen wenden und sanft nachschauen,
Was findet gerade statt.
Wie ist es,
Jetzt hier zu sitzen,
Sich selbst betrachten,
Liebevoll und ohne zu werten.
Vielleicht ist der Bodenkontakt spürbar.
Wie fühlt es sich an,
Vom Boden getragen zu sein und vielleicht ist auch wahrnehmbar,
Wie der Oberkörper sich aus der Hüfte heraus aufrichtet.
Die feinen,
Balancierenden Ausgleichsbewegungen der Wirbelsäule.
So klein und zart,
Dass sie gar nicht sichtbar sind und dann für einige Atemzüge dem natürlichen Fluss des Atems folgen.
Wie der Atem von ganz allein in den Körper hinein strömt und ihn wieder verlässt.
Jegliches Bemühen loslassen,
Den Atem zu kontrollieren.
Einfach geschehen lassen,
Sich auf ihm niederlassen.
Wo im Körper ist der Atemfluss gerade am intensivsten wahrnehmbar?
Vielleicht im Bauchraum,
Im Brustkorb,
Im Hals oder an der Nasenspitze.
Vielleicht zeigt sich der Atem aber auch als ein strömendes Fließen durch den ganzen Körper.
Es ist ganz natürlich,
Wenn der Geist immer wieder abschweift,
Dann einfach kurz vergegenwärtigen,
Womit er gerade beschäftigt ist und ihn dann wieder liebevoll und sanft zurück zum Atem bringen.
Alles andere in den Hintergrund treten lassen.
Welche Sinneseindrücke zeigen sich in der vollen Länge des Einatmens und welche während der vollen Länge des Ausatems von Moment zu Moment dem natürlichen Lauf des Ein- und Ausatems folgen.
Und es ist gar nichts zu tun.
Es atmet von ganz allein.
Der Atem fließt durch den Körper hindurch wie ein sanftes Streicheln,
Der Lebenshauch,
Der den Körper sanft von innen wiegt und stetig begleitet.
Und nun ganz sanft die Wahrnehmung vom Atem zum Körper bringen,
Den Körper in seiner Gesamtheit erleben.
Ist der Körper schwer oder leicht oder vielleicht beides?
Vielleicht sind die Umrisse des Körpers zu spüren,
Die Luft um die Haut,
Die Erfahrung von Kälte oder Wärme.
Gibt es Stellen im Körper,
Die angespannt sind?
Und wo ist es entspannt?
Wo ist es gerade lebendig?
Und welche Körperbereiche fühlen sich an,
Als wären sie gar nicht da?
Bleibt es immer gleich oder verwandelt es sich permanent von Augenblick zu Augenblick?
Vielleicht taucht hin und wieder eine Erwartung auf,
Etwas Bestimmtes erleben zu wollen.
Dann einfach wieder jegliches Streben entspannen und lauschend den Körper sprechen lassen.
Welche Sinneserfahrungen zeigen sich jetzt gerade im Körper?
Vielleicht ein inneres Fließen,
Strömen,
Kribbeln.
Woran ist jetzt gerade bemerkbar,
Dass da ein Körper ist?
Und schließlich das Körpergewahrsein wieder etwas in den Hintergrund treten lassen und sich dem Hören öffnen.
Was für Geräusche zeigen sich in diesem Moment?
Geräusche hier im Raum und vielleicht auch Geräusche weiter weg,
Außerhalb des Raumes.
Vielleicht zeigen sich auch Geräusche aus dem Körperinneren.
Der Atemfluss,
Geräusche aus dem Bauchraum,
Der Herzschlag.
Statt Geräusche zu suchen,
Die Geräusche einfach kommen lassen.
Deutliche,
Intensive Geräusche und auch leise,
Zarte,
Fast kaum hörbare Geräusche.
Und wie klingt eigentlich die Stille?
Vielleicht versteckt sich die Stille zwischen den Geräuschen.
Vielleicht gibt es sie auch hinter den Geräuschen.
Hören,
Was ist das eigentlich?
Geräusche,
Stille,
Alles entsteht,
Verweilt und vergeht wieder.
Es ist nicht mal nötig,
Das Gehörte zu benennen.
Einfach lauschen,
Als wären die Geräusche ein abstraktes Musikstück.
Als nächstes die Gedanken zum Objekt der Wahrnehmung machen.
So wie die Geräusche kommen und gehen,
So tauchen auch Gedanken auf.
Laute und intensive Gedanken,
Leise und flüsternde.
Vielleicht zeigt sich auch gar nichts.
Sind da innere Bilder,
Sätze,
Vielleicht Erinnerungen,
Pläne,
Vielleicht ein inneres Kommentieren,
Geschichten,
Die man sich selbst erzählt.
Was ist der Unterschied zwischen einer direkten Sinneserfahrung und dem darüber Nachdenken?
Den Gedankenfluss beobachten.
Ist es möglich,
Nicht in den Inhalt der gedanklichen Geschichten einzutauchen,
Sondern den Gedanken als geistige Aktivität zu erkennen,
Als bloße Erscheinung des Geistes und schließlich die Gefühle präsent werden lassen.
Mal die innere Atmosphäre erkunden.
Welche Stimmungen zeigen sich gerade im Inneren,
Sich dem Herzen zu wenden und schauen,
Wie es ihm gerade geht.
Jedes Gefühl willkommen heißen.
Wo im Körper zeigt es sich?
Möglicherweise zeigt sich ein Gefühl ganz klar und deutlich oder es gibt mehrere Stimmungen,
Übereinander gelagert,
In ständigem Wechsel und vielleicht zeigen sich Gefühle nur ganz zaghaft oder es ist gar nichts auffindbar.
Auch dann in dieses innere Nichts hinein lauschen.
Wie ist das innere Klima,
Die Wetterlage im Inneren,
Das dynamische Wechselspiel der Gefühle beobachten.
Angenehme Gefühle,
Unangenehme oder neutrale sich allen urteilsfrei öffnen.
So wie die Sonne,
Die bedingungslos auf alles scheint.
Und nun der Wahrnehmung erlauben,
Sich ganz auszudehnen.
Die Aufmerksamkeit jetzt nicht mehr auf einen bestimmten Sinn richten,
Sondern ganz losgelöst den Moment sich selbst überlassen.
Alle Fixierungspunkte aufgeben und sich der inneren Weite öffnen,
Dem offenen Gewahrsein.
Eine Erscheinung folgt der anderen.
Vielleicht ist ein Geräusch präsent,
Gefolgt von einem Atemempfinden.
Dann taucht ein Gedanke auf,
Gefolgt von einem körperlichen Sinneseindruck.
So darf sich alles zeigen,
Was von Moment zu Moment auftauchen will.
Das Gewahrsein sich selbst überlassen,
Sich öffnen in den weiten Raum.
Selbst zum Raum werden,
Durch den alles fließen darf,
Wie der Himmel,
Weit,
Klar und leer.
Dem Augenblick erlauben,
Sich zu entfalten und in die bloße Erfahrung des Seins eintauchen.
Reines Gewahrsein,
Ohne Anhaltspunkte.
Und zum Ende hin ganz sachte,
Ein paar tiefe Atemzüge nehmen,
Den Boden spüren,
Die Temperatur im Raum und die Fingerspitzen und Zehen ganz leicht und sanft hin und her bewegen und den Körper langsam wieder aktivieren.
Wenn es sich richtig anfühlt,
Kann der Körper sich strecken,
Regeln,
Dehnen und schließlich ganz langsam,
Wenn der Gong ertönt,
Mit dem Klang wieder ins Außen auftauchen.
Und wenn du möchtest,
Diese Meditation noch eine kleine Weile nachklingen lassen.
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