
Verbinde Dich mit Dir selbst
by Vilas Turske
Vilas leitet eine Pranayama-Session während des Osterretreats 2019 an. Die Herangehensweise von Vilas, Pranayama für jeden verständlich und erfahrbar zu machen, ist der Versuch einer Weiterentwicklung, die davon ausgeht, dass eine tiefe Pranayama-Praxis primär eine Praxis des Wahrnehmens, des Zuhörens und des Empfangens ist, und, dass es nur sekundär um die Anwendung der bekannten Techniken geht. Es geht also nicht darum, die Techniken zu vergleichen oder die eine oder andere herauszuheben.
Transkription
Was uns heute beschäftigt,
Das haben wir vorhin ja schon so ein bisschen angesprochen,
Ist eine Praxis,
Die sich wirklich mit dem Empfangen beschäftigt.
Also Atmen ist Empfangen und wir schauen uns dort dieses Empfangen als eine der äußeren Positionen dar,
Zwischen denen die Dinge hin und her pendeln.
Also das Gegenteil von Empfangen ist Tun.
Das heißt,
Ich mache etwas,
Indem ich es tue und was wir jetzt machen ist,
Wir machen etwas,
Indem wir nicht tun.
Das ist eine ganz anspruchsvolle Praxis,
Weil natürlich unser Geist sofort erwartet,
Jetzt passiert irgendwas,
Wir müssen doch irgendwas machen.
Und ihr kennt das auch vom Atmen,
Dass wir sehr oft,
Und dass es auch sehr viele andere Atemschulen gibt,
Die ein anderes Atmen unterrichten,
Als ich es unterrichte.
Das heißt,
Es geht dort sehr oft um den Atem zu kontrollieren.
Und was wir jetzt ganz bewusst versuchen,
Ist eben das Gegenteil von Kontrolle.
Einfach vertrauen,
Dass der Atem,
So wie er kommt,
Eine wunderbare Qualität hat,
Die individuell bei jedem von uns hier im Raum total anders ist.
Jeder hat seinen eigenen Atemrhythmus und das ist das,
Was wir zuerst versuchen.
Wir versuchen unseren eigenen Atemrhythmus erstmal zu etablieren.
Und dafür bitte ich euch,
Ganz komfortabel zu sitzen.
Ich bitte nochmal leicht nach vorne zu lehnen,
Dass ihr das Fleisch der Pobacken etwas rausziehen könnt.
Dass ihr einen so komfortablen Sitz findet,
Dass der sich für euch richtig anfühlt und euch die Möglichkeit gibt,
Wirklich nach innen zu gehen.
Das,
Was wir als erstes machen,
Ist,
Wir nehmen uns wahr in unserer externen Situation und die brauchen wir,
Diese Orientierung,
Die wir dadurch bekommen,
Um dann anschließend unsere interne,
Also unsere innere Situation wahrzunehmen.
Das Äußere,
Da geht es um den Körper,
Wie wir sitzen,
Wie sich alles anfühlt.
Und bei dem Inneren geht es um unsere Gedanken,
Unsere Gefühle,
Unsere Intentionen.
Alles,
Was wir in uns tragen und was uns in diesem Moment bestimmt.
Wir lassen den Atem erstmal kommen und stellen fest,
Der ist noch gar nicht irgendwie etabliert.
Alleine durch das Beobachten des Atems erfahren wir jetzt so etwas wie,
Ist er ruhig oder ruckelt er oder fällt es mir überhaupt schwer zu atmen.
Alles ist möglich und alles ist prima,
Alles ist okay.
Dann beginnen wir langsam,
Uns zu beobachten und das hilft uns jetzt,
Weil wir,
Während wir atmen,
Vermutlich mehr oder weniger schon wieder von unseren Gedanken bedrängt werden.
Und die versuchen wir jetzt einfach dort zu lassen.
Wir lassen sie kommen und schicken sie wieder weg.
Keinen Widerstand,
Aber annehmen und gehen lassen.
Und dann gehen wir mit den Gedanken natürlich so um,
Indem wir sie binden,
Indem wir uns sagen,
Ich beobachte mich,
Wie ich einatme.
Ich beobachte mich,
Wie ich ausatme.
Ich beobachte mich,
Wie ich einatme.
Ich beobachte mich,
Wie ich ausatme.
Und vielleicht mag dem einen oder anderen von euch diese Ansage etwas zu lang sein,
Dieser Satz.
Ich kann ihn auch kürzer machen.
Ich atme ein.
Ich atme aus.
Aber wir wollen uns das ganz bewusst sagen,
Weil das auch Gedanken sind,
Die sich dann manifestieren und keine anderen Gedanken in diesem Moment zulassen.
Und wie wir den Atemrhythmus so ganz langsam feststellen,
Da entsteht sowas wie ein friedliches,
Friedvolles Ein- und Ausatmen.
Wie wir das so langsam feststellen,
Kann sich jetzt auch ganz automatisch die eine oder die andere Pause nach dem Ein- oder nach dem Ausatmen einstellen.
Ich beobachte mich,
Wie ich einatme.
Stille.
Ich beobachte mich,
Wie ich ausatme.
Und diese Stille mag auch nur nach dem Einen oder nach dem Anderen entstehen oder nach dem Ein- und nach dem Ausatmen.
Es ist einfach euch überlassen und eurem Atemrhythmus überlassen.
Bitte versucht nicht,
Da jetzt die eine Pause zu machen,
Die nicht da ist,
Sondern lasst es geschehen,
Wie es kommt.
Empfangen.
Annehmen.
Einatmen.
Stille.
Ausatmen.
Stille.
Es ist ein ganz behutsames,
Langsames in sich hineinhorchen.
Wir merken,
Wie durch diese Beobachtung des Atems tatsächlich unser innerer Zustand ruhiger wird.
Und wir verweilen in diesem pulsierenden Ein- und Ausatmen.
Und so wie wir atmen,
Ist das diese wunderbare Erfahrung,
Dass es uns vielleicht gelingt,
Ganz bei diesem Atem zu sein.
Dass wir diese Sehnsucht,
Etwas zu tun,
Verdrängen.
Dass wir den Wunsch,
Etwas zu wollen,
Nicht mehr haben.
Und dass wir auch überhaupt keine Erwartungshaltung an uns empfinden in diesem Moment.
Stille nach den Atemzügen.
Die Stille,
Die sich weiter ausdehnen mag,
Je ruhiger wir werden.
Und je bewusster wir nur auf das Atmen fokussiert sind.
Ausatmen.
Stille.
Stille.
Stille.
Das nächste Einatmen,
Und jetzt verlassen wir unseren Rhythmus,
Den wir jetzt gefunden haben.
Das nächste Einatmen versuchen wir mal aus der Rückseite zu initiieren,
Auf Höhe der unteren Rippen.
Wir atmen aus der Rückseite über die Seite nach vorne oben ein.
Ein Moment der Stille vielleicht.
Und dann nach unten erdend aus.
Einatmen.
Aus der Rückseite nach vorne oben.
Ausatmen.
Nach unten.
Und wir können uns dort immer diese kleinen Hilfsmittel wieder bewusst machen.
Zum Beispiel diese Mittelachse von der Krone des Kopfes bis zum Beckenboden.
Und wenn ich jetzt sage,
Aus der Rückseite über die Seite nach vorne oben.
Dann erleben wir,
Wie unser Rücken sich ausdehnt,
Die Seiten sich ausdehnen beim Einatmen.
Dann die Vorderseite ein bisschen und wie es der Mittelachse entlang nach oben strebt.
Das ist eine energetische Wahrnehmung der Aufrichtung.
Und beim Ausatmen erden wir nach unten.
Das ist ein schwerer Werden,
Der Beckenboden,
Der sich irgendwie fast in den Boden anschmiegt.
Und zwischen diesen beiden körperlichen Erfahrungen pendeln wir jetzt mit dem Atmen.
Einatmen nach oben.
Ausatmen nach unten.
Und mit jedem Atemzug des nach oben Atmens stellen wir fest,
Dass auch der Körper so ganz leicht diesen Ansatz aufgreifen möchte.
Einatmen.
Die Seiten werden lang,
Der Brustkorb dehnt sich aus,
Wir richten uns ein bisschen auf.
Ausatmen.
Wir merken,
Wie es schwer und warm wird nach unten.
Und einatmend wieder nach oben wachsen.
Und Ausatmen nach unten erden.
Und wie wir so beginnen zu atmen,
Aus der Rückseite ringsherum weiter werden nach vorne oben.
Ausatmen nach unten.
Ausatmen nach vorne oben.
Ausatmen nach unten.
Beginnen wir langsam so unseren ganzen Körper wahrzunehmen.
Einatmen aus der Rückseite über die Seite nach vorne oben.
Und auch hier entsteht jetzt vielleicht ein Moment des Innehaltens Stille.
Ausatmen nach unten.
Erdung im Becken.
Und auch dort mag vielleicht der Moment der Stille entstehen nach der Ausatmung.
Einatmen nach oben wachsen.
Ausatmen nach unten erden.
Beobachte mich,
Wie ich nach oben einatme.
Wie mein ganzer Körper diese Einatmung vollzieht.
Und ich beobachte mich,
Wie das Ausatmen im ganzen Körper wahrnehmen weiß.
Einatmen nach oben wachsen.
Ausatmen nach unten erden.
Einatmen,
Stille.
Ausatmen,
Stille.
Wenn wir jetzt den Körper so erleben,
Wie er so atmet,
Ohne irgendeine Kontrolle,
Dann können wir jetzt auch feststellen,
Wie er sich mit Atem füllt und wie es diese wunderbaren unterschiedlichen Zonen im Körper gibt.
Es ist nicht gleichmäßig verteiltes Licht im Körper.
Es hat hellere Stellen und es hat dunklere Stellen.
Und mit dem Einatmen und mit dem Ausatmen beginnen wir,
Diesen ganzen Körper innerlich wahrzunehmen.
Und bewusst einzuatmen und diese Stellen zu berühren,
Die wir gerne heller hätten,
Und beim Ausatmen an diesen Stellen,
Die wir berühren möchten,
Verweilen.
Und einatmend durch dieses in den Körper gehen und das Licht auch im Körper sehen,
Erfahren wir weiter und beim Ausatmen können wir diese Weite irgendwie erhalten und binden.
Es ist so ein mit der Atmung und dem gesamten Körper in Freundschaft sein.
Und wenn wir diese Erfahrung noch bewusster machen wollen,
Können wir vielleicht nochmal dieses feine Geräusch im oberen Gaumen ganz bewusst ansteuern,
Um die Stille danach noch tiefer zu erleben,
Wie sie sich jetzt im Körper ausdehnt.
Fast wie ein großes Tuch,
Was wir über uns legen,
Über das Innere legen.
Und die Ausatmung und auch nach der Ausatmung entsteht wieder diese Stille,
Die uns so tief berührt,
Die aber da ist und die ein Teil von uns ist,
Die für das Nichttun steht.
Einfach in uns und bei uns sein.
Stelle ausatmen.
Je weiter wir jetzt in uns ruhen,
Nur noch empfangen,
Nur noch geschehen lassen,
Umso weicher und leichter können wir uns auch von diesem Bewusstsein der Atmung entfernen.
Wir müssen es uns jetzt nicht mehr bewusst machen.
Es atmet und wir können den Atem gehen lassen und wir sind nur noch in der Stille.
Ganz langsam darf der Körper wieder zurückkommen.
Jetzt möchte er sich wieder manifestieren und sagen,
Hier,
Ich war doch auch da.
Und wir heben die Schultern an,
Bringen sie etwas nach hinten,
Richten uns auf,
Beginnen so zu atmen,
Dass wir die Körperhülle nochmal deutlich spüren,
Atmen nochmal bewusst ein in voller Länge und beim nächsten Ausatmen senken wir langsam das Kinn und öffnen ganz langsam die Augen.
Darf ich euch bitten,
Ganz langsam einen Moment zu reflektieren,
Jeder für sich.
Was hat das gerade mit mir gemacht?
Wie habe ich mich erlebt?
Und dann würde ich mich freuen,
Wenn wir uns wieder umdrehen und die vordere Reihe und sich den Partner hinten hinter uns aussucht,
So dass wir uns noch kurz austauschen können.
Es geht genau auf und wir versuchen jetzt festzuhalten.
Ich möchte nochmal kurz etwas dazu sagen,
Warum wir das tun.
Schaut,
Wenn wir anfangen uns mit dem Inneren zu beschäftigen,
Gehen wir ja in einen Bereich,
Worüber wir normalerweise nicht reden.
Also wir haben ganz wenige Menschen,
Mit denen wir uns austauschen können,
Was mit uns im Inneren passiert.
Und wenn wir jetzt in so einem Workshop sind und das lernen,
Dass wir das Innere genauso ernst nehmen wie das Äußere,
Dass wir das Empfangen,
Das steht für das Innere,
Genauso wichtig empfinden wie das Agieren,
Das Tun,
Das steht für das Äußere,
Dann haben wir die Möglichkeiten,
Das für uns zu verarbeiten,
Indem wir das mitnehmen und nachempfinden und dann sagen,
Ja toll,
Das war es jetzt.
Und dann verschwindet das.
Ein Teil davon bleibt da,
Ein Teil davon geht.
Die zweite Möglichkeit damit umzugehen ist,
Und das haben wir immer wieder gemacht,
Und das mache ich eigentlich auch jeden Tag immer noch,
Dass ich hinterher mich hinsetze und das aufschreibe,
Was mit mir passiert.
Weil das ist wie ein Tagebuch fast,
Weil man feststellt,
Bei jeder Meditation passiert etwas anderes.
Auch eine Form des Worts,
Was wir festhalten.
Die dritte Version,
Und das ist nochmal etwas völlig anderes,
Ist,
Wenn wir es in Worte fassen,
Die wir einem anderen mitteilen.
In dem Moment sind wir wirklich gezwungen,
Es tiefer zu verarbeiten,
Und das bleibt länger in unserem Geist.
Und deshalb ist jetzt in einem Workshop,
So sehr wir oft nach einer Meditation,
Also null Bock haben,
Jetzt zu reden,
Gerade dann ist es wichtig,
Dass wir uns diesen leichten Druck geben und versuchen zu artikulieren,
Was ist mit mir gerade passiert.
Und das wird tiefer in uns bleiben,
Und das bitte ich euch jetzt zu tun.
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