49:01

Stille - Überraschend laut

by Gerhard Hross

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Meditation
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Eine besondere Kombination: Kathrin, Hospizbegleiterin, und Gerhard, Resilienztrainer, sprechen in diesem Podcast über ihre Erfahrungen mit Stille. Wieso der Lärm im Kopf in der Stille erst so richtig los geht und warum das trotzdem ein guter Weg zur Entspannung ist, erfährst du in dieser Folge. Lass dich mitnehmen auf eine Reise, auf der du bei dir selbst ankommen wirst. Am Ende der Folge erwartet dich eine praktische Übung, mit der du die Stille ganz leicht in deinen Alltag einbauen kannst.

Transkription

Hallo und herzlich willkommen bei Fullstop Forward,

Dem Podcast für Achtsamkeit und die bewusst andere Perspektive.

Wir sind Katrin und Gerhard,

Ehrenamtliche Hospizbegleiterin und zertifizierter Resilienztrainer.

Und wir freuen uns riesig,

Dass du den Weg zu unserem Podcast gefunden hast.

Wir bringen unsere Erfahrungen aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln zusammen.

Mit dir gemeinsam möchten wir in den Zeitlupenmodus gehen,

Um ganz offen und tiefgehend über Achtsamkeitstechniken zu sprechen und darüber,

Wie man sich aktiv seiner Endlichkeit stellt.

Damit du mit neuer Kraft vorangehen kannst,

Bekommst du am Ende jeder Folge eine Übung,

Die du sofort umsetzen kannst,

Von A wie Achtsamkeit bis Z wie Zulassung.

Wir starten mit der allerersten Folge unseres Podcasts und sagen erst einmal nichts.

Ich bin auch still.

Und ich auch.

Schon ungewohnt.

Ja,

Irgendwie laut die Stille.

Man hat das Gefühl,

Als ob die Ohren dröhnen.

Es ist einfach ungewohnt.

Liebe Hörerin,

Liebe Hörer,

In unserer ersten Folge geht es um die Stille.

Wir tauschen mit dir unsere ersten bewussten Erfahrungen mit der Stille in unserem Leben aus.

Wir klären,

Was Stille eigentlich ist und warum sie so wertvoll ist für uns und vielleicht auch für dich.

Das Erlebnis,

Stille ins Leben einzuladen,

Hat uns als Team zusammengebracht.

Wir sind Arbeitskollegen.

Und irgendwann haben wir bemerkt,

Dass wir beide die Stille ganz gerne mögen.

Uns interessieren die Themen Achtsamkeit,

Meditation und innere Wertearbeit.

Und nachdem uns die Stille wichtig ist,

Dachten wir,

Dass es vielleicht auch dich interessiert.

Das Finden der eigenen Stille ist das Thema unserer ersten Podcast-Folge.

Wir möchten dir einen größeren Blick auf das geben,

Was dich täglich umgibt.

Das Leben.

Wir müssen uns nicht von Stress und Hektik beherrschen lassen.

Unser Leben hält Raum für Klarheit und Sinn bereit.

Vielleicht bist du gerade ein bisschen müde oder K.

O.

Und erhoffst dir von dem Podcast ein bisschen Ruhe.

Dann bist du auf jeden Fall richtig.

Es kann aber auch sein,

Dass dir dein Leben gerade ein bisschen seltsam vorkommt oder schwierig.

Auch dann kann es ganz spannend sein,

Einfach mal ruhig zu sein.

Salopp gesagt,

Die Klappe halten und abwarten.

Am Ende jeder Folge unseres Podcasts möchten wir dir eine praktische Übung mitgeben.

Mit dieser Übung kannst du deinen Alltag etwas anders gestalten und einmal etwas Neues für dich ausprobieren.

Selbst wenn du nicht viel Zeit hast.

Und jetzt ganz viel Spaß dabei und los geht's.

Wir sprechen also über die Stille.

Ja,

Warum gerade dieses Thema?

Es ist unsere erste Podcast-Folge und es gibt dir die Möglichkeit,

Uns damit auch gleich ein wenig kennenzulernen.

Und das machen wir mit unserem Moment der Woche.

Beim Moment der Woche reden wir über einen Moment,

Der mir oder Katrin in Erinnerung geblieben ist.

Bei mir war das im Urlaub dieses Jahr.

Wir hatten das Glück,

Bis nach Norwegen zu kommen und wir standen am Fjord und konnten dort mit einem Motorboot weit aufs Wasser hinausfahren.

Und unser Guide hat uns erklärt,

Dass er jetzt den Motor abschaltet und wir uns dann einmal 30 Sekunden Stille auf dem Fjord schenken will.

Und tatsächlich war es mit einem Mal ganz still und das ist eine ganz besondere Atmosphäre,

Weil ringsherum sieht man steile Felswände,

Man sieht die spiegelnde Wasseroberfläche,

Man ist eigentlich mitten in der Natur.

Und in dem Moment wird einem erst klar,

Wie groß die Natur eigentlich ist und wie viel Welt oder wie viel eigentlich um einen herum da ist und wie wenig wir das eigentlich mitbekommen,

Weil wir ständig was hören,

Ständig mit unseren eigenen Sachen beschäftigt sind.

Insofern war es eigentlich ein ganz beeindruckender Moment,

Auch wenn er noch nicht mal 30 Sekunden gedauert hat,

Weil nach circa 10 Sekunden ein Motorboot zu hören war.

Und der Guide meinte auch lachend,

Das wäre typisch,

Dass genau im Moment der Stille das kleinste Motorboot der Welt auftaucht und wir fanden das auch sehr lustig und man sieht aber auch daran,

Was wir hier in Deutschland auch ganz gut kennen,

Eigentlich ist immer etwas zu hören.

Du hörst immer Verkehrslärm,

Immer eine Straße,

Immer eine Autobahn,

Vielleicht eine Bahnstrecke,

Ein Flugzeug.

Es ist immer irgendwo etwas zu hören und das ist vielleicht auch etwas,

Worüber wir nachher noch sprechen werden,

Wie schwer es eigentlich ist,

Stille zu erleben und wie wenig wir deswegen die Stille kennen.

Und jetzt,

Katrin,

Frage ich dich,

Was war dein Moment der Woche?

Ich war in der letzten Zeit öfters bei meiner Familie,

In meiner Heimat.

Ich komme gebürtig eher vom Land und lebe inzwischen in der Großstadt und dort empfand ich bei den Heimatbesuchen auch eine wirkliche Stille,

Also so ein richtiges Entschleunigen,

Ein Herunterkommen vom Alltag,

Der ja immer eigentlich durchgeplant ist.

Es gibt gerade in der Stadt natürlich sehr viel Gewusel,

Es gibt städtische Lärmpegel und ja,

So im übertragenen Sinne gemeint,

Ich empfand das Rausziehen aus der umtriebigen Umgebung dorthin,

Wo abends die Grillen zirpen,

Wo man im Garten am Rosenbusch sitzt und von links nach rechts ein Schmetterling vorbeigeflattert kommt,

Als so wahnsinnig entlastend.

Im Grunde ist es eine ähnliche Situation wie bei mir zu Hause.

Ich habe auch einen Garten in der Stadt,

Aber einfach entschleunigter und ruhiger.

Das tat mir richtig gut.

Ja,

Das kann ich mir vorstellen.

Also ich denke,

Jeder von uns sitzt gerne einfach mal im Garten und lässt es sich gut gehen und die wenigsten machen sich aber wahrscheinlich dabei klar,

Was höre ich noch und wie ruhig ist es und wie still ist es eigentlich.

Und wenn man wirklich einmal Stille erlebt,

Also eigentlich nichts hört,

Dann ist es für uns extrem ungewohnt und meistens wird man erstmal ganz,

Ganz hibbelig und ganz unruhig oder sieht sich um,

Ob nicht da doch etwas ist oder ob jemand anderes da ist.

Es ist einfach extrem ungewohnt für uns und das ist,

Glaube ich,

Mit ein Grund,

Warum wir in der ersten Folge die Stille als Thema gewählt haben.

Man denkt immer,

Über Stille gibt es nichts zu sagen,

Weil sie ja still ist,

Aber wir denken,

Es gibt darüber ganz viel zu erzählen.

Ja,

Wir haben ja ein paar gemeinsame Themen,

Die uns auf die Idee gebracht haben,

Gemeinsam einen Podcast zu starten.

Gerhard,

Ich weiß von dir,

Dass du gern stille Momente in deinen Alltag einlädst.

Wie hast du es denn in deinem Leben geschafft,

Stille zu erleben und warum hast du es überhaupt versucht?

Also Stille habe ich erlebt durch stille Meditation.

Bei mir war das so,

Als ich Anfang 40 war,

Da waren die Kinder auch noch kleiner und in der Arbeit war viel los und ich glaube,

Wer von euch schon dieses Alter erreicht hat,

Der weiß,

Wie das sein kann,

Dass man in einem Leben eigentlich steckt,

Was viel Freude macht und viel Erfüllung bringt,

Aber gleichzeitig hat man oft das Gefühl,

Man hat eben keine freie Zeit mehr für sich und man ist viel am Reagieren und am Machen und am Organisieren.

Und in dieser Phase hatte ich mich erinnert,

Dass ich als Jugendlicher einige Male stille Meditation gemacht habe.

Stille Meditation heißt,

Man sitzt gemeinsam in einem Raum und macht nichts und sagt nichts.

Da hatte ich mich daran erinnert und ich hatte das Gefühl,

Eigentlich will ich jetzt mal genau das auch erleben,

Dass ich nämlich nichts tun muss,

Nichts sagen muss und auch nichts organisieren muss.

Ich möchte sozusagen einfach nur da sitzen und meine Ruhe haben.

Und das war eigentlich,

Finde ich,

Der Auslöser für mich,

Stille wieder zu erleben.

In meiner Nähe gab es eine Meditationsgruppe von kirchlicher Seite aus und man hat sich dort immer Montagabends in der Kirche getroffen.

Das war sehr angenehm und sehr nett.

Hinter dem Altarraum hatte jeder ein Kissen für sich und man saß da und tatsächlich konnte man einfach die Abendstimmung in der Kirche erleben.

Mehr als Hallo und auf Wiedersehen und viel Glück bis zum nächsten Mal haben wir eigentlich nicht gesagt.

Und das war trotzdem eine sehr erholsame und angenehme Zeit.

Und das war eigentlich für mich der Punkt,

Wo ich angefangen habe,

Regelmäßig Meditation zu üben und das mache ich nun seit zwölf Jahren regelmäßig.

Kathrin,

Wie sieht es bei dir aus?

Ja,

Mein erster Kontakt mit Stille,

Also mit wirklicher Stille,

War ein Yoga-Retreat in einem Zentrum für Meditation und Achtsamkeit vor einigen Jahren.

In dem Zentrum dort wurde geschwiegen,

Also generell auf dem Gelände,

In den Zimmern und auch beim Essen,

Was zunächst für mich wirklich sehr,

Sehr ungewohnt war.

Ich kannte das bis dahin nicht und ich kam aus einer total stressigen Arbeitswoche.

Ich bin dort angekommen und das Erste war,

Was ich wahrgenommen habe,

War,

Dass ich mich von so einer richtigen Lautlosigkeit überrannt gefühlt habe.

Und das war so eine krasse Ambivalenz,

Also eine Woche voller To-Dos,

Total im Machermodus und plötzlich,

Bäm,

Völlige Ruhe durch die Tatsache,

Dass dort eben nichts gesprochen wurde.

Du hast gerade eben gesagt,

Dass du dich überrannt gefühlt hast von der Stille.

Ich denke,

Dass das vielleicht,

Wenn man das so hört,

Erstmal ein komischer Ausdruck ist,

Weil man denkt ja,

Wenn es still ist,

Ist es doch angenehm.

Was kann mich denn da überrennen?

Ich bin es in meinem Alltag bis dahin überhaupt nicht gewohnt gewesen,

Still zu sein.

Also vor allem ich meine damit jetzt,

Mich in Stille zu üben.

Also das,

Was du beschrieben hast,

Eben Meditation zu praktizieren.

Und ich finde,

Man denkt ganz oft an ein Wochenende,

Wenn man mal keine Pläne hat und sich nichts vornimmt,

Dann sei das schon ein stilles Wochenende.

Man lebt in den Tag hinein und am Ende des Tages hat man eigentlich doch ganz viel getan,

Weil das Gedankenkarussell natürlich so weiter rast und tausend Tabs im Kopf offen sind,

Man nicht abschalten kann.

Und ja,

Also ich war in diesem Zentrum angekommen und plötzlich war da eben diese Stille und gleichzeitig aber auch ganz viel Friedvolles,

Also viel von dem,

Was man sonst gar nicht bewusst erlebt und was man im Moment des Dinge-Erledigens auch erst irgendwie gar nicht fühlt.

Ich erinnere mich an eine ganz skurrile Situation direkt zu Beginn.

Ich hatte ein Mehrbettzimmer gebucht und bezog gerade,

Glaube ich,

Das Bett mit einem Laken,

Das ich beim Einchecken bekommen hatte,

Und eine Frau,

Die mit mir in dem Zimmer war,

Die wollte mich was fragen.

Ich glaube,

Es war welchen Teil des Kleiderschranks,

Die sie denn verwenden konnte.

Es waren so große Spinte und sie hat geflüstert und ich habe zurückgeflüstert.

Und dann nach einer Sekunde mussten wir beide richtig lachen,

Denn wir befanden uns in einem Zentrum im Schweigen und haben uns in dem Moment nicht getraut,

Die Frage und die Antwort laut auszusprechen,

Weil natürlich die Stille,

Die ja ein Grund war,

Warum wir dort waren,

Einfach so wie ein Damoklesschwert über uns geschwebt ist und wir uns in dem Moment richtig am gewohnten Kommunizieren gehindert fühlten.

Eine andere Erinnerung,

Die mir aus der Zeit dort sehr präsent in Erinnerung geblieben ist,

Ist,

Dass es durch das Schweigen und die Stille dort eine neue Währung gab.

Und die neue Währung war das Lächeln.

Jede Person,

Die mir dort auf dem Gelände entgegenkam,

Die hat mich einfach so angeschmunzelt und ich habe natürlich zurückgeschmunzelt und habe das erwietert.

Also es war statt einem lauten Hallo oder einem Guten Tag,

Was man sonst eben gewohnt ist,

War es einfach das Lächeln.

Und dieses Lächeln,

Das kam so tief aus dem Herzen,

Dass es mir wirklich so warm wurde.

Und es war einfach so ehrlich und intensiv und so rein,

Ohne eigentlich ja was zu sprechen.

Also es war einfach nur diese Geste,

Die jetzt wieder richtig Gänsehaut,

Wenn ich mich daran zurückerinnere.

Ja,

Das kann ich total verstehen.

Also ich glaube,

Wenn man das das erste Mal macht,

Ist es genau das,

Was man erlebt.

Also man fühlt sich erst mal ganz unwohl.

Man soll schweigen,

Man soll selbst bei normalen Dingen wie,

Was weiß ich,

Etwas aufräumen oder essen,

Man soll schweigen.

Und dann denkt man sich,

Das ist so ungewohnt und so komisch,

Da fühlt man sich vielleicht tatsächlich erst einmal unwohl.

Aber der Effekt,

Den kenne ich auch,

Ist,

Dass man doch einfach lachen muss.

Also man muss dann einfach lachen,

Weil das ist so seltsam und so kurios.

Und in dem Augenblick,

Wo man lacht,

Wird einem ja auch eigentlich klar,

Ich bin ja auch nur zum Schweigen hier.

Und so ist es ja auch gemeint.

Es soll nur Stille sein.

Niemand will etwas und du musst nichts tun.

Und ich glaube,

Wenn man das verstanden hat,

Du musst nichts tun.

Daher kommt vielleicht auch das Lächeln,

Was du beschreibst,

Weil du musst dich ja um nichts mehr kümmern.

Also du darfst einfach da sein,

Du kannst einfach spazieren gehen,

Du kannst einfach still sein,

Du kannst Leute anlächeln,

Fertig.

Und das kann manchmal so einfach sein.

Man kann es schwer beschreiben,

Ja,

Wir versuchen das gerade zu tun,

Aber es löst in einem eben so einen ganzen Bogen von Gefühlen aus,

Von Ungewohntsein,

Dann kuriose Stimmungen,

Lachen,

Manchmal einfach Ruhe,

Aber auch wieder so eine,

Vielleicht so eine Offenheit für die anderen.

Weil wenn ich nicht mit jemandem reden kann,

Was kann ich tun?

Ich kann noch lächeln.

Und ich finde,

Das kann schon auch eigentlich genauso die Erfahrung sein,

Die man macht,

Dadurch,

Dass man einfach einmal nichts sagt.

Wie war denn so dein Resümee von so einem Wochenende,

Gerade wenn es das erste Wochenende vielleicht war,

Von so einem Retreat,

Wie bist du daheim gekommen oder was hast du da für dich mitgenommen?

Ja,

Mein Resümee,

Das hatte ich direkt schon im ICE während der Rückfahrt,

Ich saß da ganz beseelt mit allen Eindrücken in mir selbst auf der Heimfahrt und hatte irgendwie auch tatsächlich so einen Aha-Moment,

Denn die ganzen Stimmen im Zug,

Das Gewusel,

Der Unmut der Mitreisenden,

Die Unzufriedenheit des Fahrkartenkontrolleurs,

Ich konnte in dem Moment ganz,

Ganz schwer damit umgehen oder das für mich aushalten,

Weil ich natürlich,

Ich kam da gerade von einem Schweigeretreat und war so in mich gekehrt und war so selig mit mir,

Sodass mich dann dieses Laute im Außen in meiner inneren Stimme fast richtig gestört hat,

Also richtig,

Ich wollte das weghaben.

Ja,

Also das ist bestimmte Erfahrung,

Man stellt sich dann doch um auf die Stille und dann ist es total ungewohnt,

Wenn die weg ist und man wieder den ganzen Alltag hört und auch auf den reagiert.

Es gibt ja diesen Spruch von den Mystikern oder von vielen Meditationslehrern,

Also man findet dann Frieden oder es geht einem dann gut,

Wenn man die Stille auch in sich findet und das klingt ja ein bisschen esoterisch und seltsam,

Aber meint,

Glaube ich,

Auch genau das,

Dass man lernt und trainiert und übt über die Zeit,

Dass auch wenn totales Chaos oder Gewusel um einen herum ist,

Dass man eine Technik hat oder eine Möglichkeit hat,

Durchzuatmen und in sich wieder so einen Ruhepunkt zu finden und ich glaube,

Das ist einfach Übungssache.

Ich kann da vielleicht auch noch was dazu erzählen,

Wie das bei mir war,

Wie ich eben dann wieder angefangen habe zu meditieren.

Wenn die Stille eintritt,

Ist es schon erst einmal ein Gefühl der Erleichterung und manchmal auch ein Gefühl von unendlicher Müdigkeit.

Man kennt es,

Dass Leute einschlafen bei Meditieren oder bei Achtsamkeitsübungen und das ist auch irgendwie okay.

Das ist ganz schön oft,

Gell?

Das ist ganz schön oft,

Ja,

Und es ist mir selbst auch schon passiert,

Das ist eigentlich ganz normal.

Das liegt wahrscheinlich auch daran,

Dass eben der Stress wegfällt und der Druck wegfällt und dann denkt man sich jetzt,

Ach,

Ich kann loslassen und zack,

Bin ich weg.

Es gibt aber auch den anderen Effekt und den kennt man auch,

Wenn man öfter mal in die Stille geht oder sich in die Stille setzt,

Dass erst die Gedanken so richtig losgehen.

Ich finde das fast ärgerlich,

Weil ich denke mir,

Jetzt will ich es mal still haben,

Jetzt will ich es mal ruhig haben,

Jetzt setze ich mich mal hier hin,

Jetzt setze ich mich mal aufs Sofa,

Jetzt setze ich mich mal an den See,

Auf die Wiese und dann geht es los im Kopf.

Dann fangen die Gedanken erst richtig an,

Was muss ich eigentlich morgen machen,

Was ist da eigentlich gestern passiert,

Was will der oder die eigentlich von mir,

Was müsste ich eigentlich noch tun,

Was passiert,

Wenn ich dies und das nicht tue und die Gedanken nutzen diesen ganzen Raum und fangen an,

Erst so richtig,

Richtig Gas zu geben und erzählen einem noch viel mehr als sonst und das kann wirklich irritierend sein,

Weil es der absolut gegenteilige Effekt ist,

Da ist die Stille wirklich laut.

Man kennt es also aus den Erzählungen,

Beispielsweise aus dem buddhistischen Raum,

Da wird das der Affengeist genannt,

Weil die Gedanken springen durch den Kopf wie die Affen durch die Bäume.

Sie sind wild und losgelassen und es geht zack,

Zack hin und her,

Das kann ziemlich anstrengend sein.

Meine Erfahrung ist,

Dass es einige Zeit braucht,

Bis sich die Gedanken beruhigen und das geht aber von selbst,

Also man muss es quasi aussitzen.

Man kennt das vielleicht auch oder ich kenne das auch vom Laufen oder vom Schwimmen,

Es gibt immer so eine Phase,

Wo man durch muss und irgendwann nach einer Viertelstunde oder nach 20 Minuten wird der Kopf ruhiger und dann hat man so diesen totalen Entspannungseffekt.

Das,

Was du gerade beschrieben hast mit dem Affengeist,

Das kennt man ja auch unter dem Begriff Monkey Mind und ich finde,

Du hast es gerade wunderbar erklärt,

Denn der Geist,

Der stürzt sich ja regelrecht in diese Lücke,

Die dann entsteht,

Weil wir die Lücke zulassen und klar,

Aus Sicht des Geistes würde ich dann auch alles abfeuern,

Was geht und einfach alles in diese Lücke hineinlegen,

Weil dann habe ich ja mal Zeit dazu als Geist.

In der Vorbereitung für die erste Folge unseres Podcasts habe ich mal nach der Definition von Stille recherchiert.

Stille kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet ohne Bewegung,

Ohne Geräusch,

Ruhig.

Es ist also empfundene Lautlosigkeit.

Zum einen ist die Stille eine Art Rahmenbedingung für bestimmte Tätigkeiten,

Ich denke da an die Stille in einer Bibliothek,

In der Ruhe geboten ist,

Damit das konzentrierte Lesen nicht gestört wird,

Und gleichzeitig ist Stille aber auch eine Art Grundvoraussetzung für bestimmte Bewusstseinszustände,

Z.

B.

Während einer Meditation oder in einer religiösen oder spirituellen Umgebung in einem Gotteshaus,

Wo sie dann den Rahmen zum Inhalten bietet.

Sie kann aber auch die Vorahnung auf ein nahendes Ereignis sein,

Da gibt es ja die Redensart die Ruhe vor dem Sturm,

Und die völlige Stille hat dann sogar auch noch eine Art dramaturgische Steigerung,

Nämlich die Totenstille.

Und eine Sache fand ich noch super interessant,

Es gibt das Verb ein Babystillen,

Das war mir bis dahin eigentlich gar nicht richtig bewusst,

Aber es scheint tatsächlich abgeleitet vom Wort Stille,

Also der Säugling wird beim Trinken ruhig und entspannt sich.

Gerhard,

Jetzt habe ich an dich die Frage,

Was ist für dich Stille?

Ja,

Du hast da jetzt echt wirklich tolle Definitionen aufgezählt,

Und tatsächlich den ein oder anderen Aspekt kenne ich jetzt als Resilienztrainer.

Vielleicht nochmal für dich als Hörerin oder Hörer,

Was ist eigentlich Resilienz?

Resilienz heißt innere Widerstandskraft.

Man spricht ja normalerweise von den Abwehrkräften eines Körpers,

Wenn wir ein Schnupfen abwehren können oder ein Fieber abwehren,

Also sprich wenn wir Krankheiten abwehren,

Und das gibt es natürlich auch für unsere Seele,

Für unsere Psyche.

Wir stehen fast immer vor Entscheidungen oder wir haben Herausforderungen,

Manchmal Krisen in unserem Leben,

Und da brauchen wir auch eine innere Widerstandskraft,

Nämlich die Fähigkeit,

Mit solchen Krisen umzugehen oder vielleicht sogar etwas aus ihnen zu lernen,

An ihnen zu wachsen,

Etwas davon zu haben.

Es ist immer eine ungewohnte Vorstellung,

Dass etwas,

Was mir vielleicht erst einmal wehtun kann,

Mir auch helfen kann,

Mich weiterzuentwickeln.

Aber all das steckt in der Resilienz drin und ich als Resilienztrainer habe da sozusagen einen kleinen Werkzeugkasten mit bestimmten Übungen,

Wo wir versuchen können,

Diese verschiedenen Aspekte auch zu fördern.

Ich finde die Definitionen von der Stille ganz interessant,

Weil da hast du auch gesagt,

Dass das auch die Grundvoraussetzung ist für einen bestimmten Bewusstseinszustand,

Das Zustandsinne halten.

Das ist,

Finde ich,

Ein schönes Wort,

Weil wir nach innen auch schauen.

Das ist auch die Basis bei der Resilienz.

Wenn ich meine Seele oder meine seelischen Kräfte stärken will,

Dann ist eigentlich Voraussetzung,

Dass ich auch mal nach innen auf meine Seele blicke.

Und das kann ich am besten,

Wenn Stille herrscht.

Wenn ich keine anderen Ablenkungen habe oder niemand etwas gerade akut von mir braucht oder will,

Dann habe ich die Zeit,

Mal nach innen zu blicken und zu sehen,

Wie geht es mir eigentlich gerade?

Was geht in mir vor?

Welche Gefühle sind da gerade da?

Welche Wünsche?

Welche Hoffnungen?

Welche Sehnsucht?

Aber auch vielleicht welche Angst?

Welche Wut?

Und es ist ganz,

Ganz wichtig,

Dass wir uns erst einmal kennenlernen können.

Stille ist für mich die essentielle Voraussetzung dafür,

Sich selbst kennenzulernen.

Sich selbst einmal wahrzunehmen und sich nicht von anderen Sachen ablenken zu lassen.

Also,

Wenn ich Kraft finden will,

Brauche ich Ruhe.

Wenn ich mich in Ruhe einmal ansehe und mir über viele Dinge klar werden kann,

Dann kann ich von dort aus auch einen Neuanfang machen.

Deswegen sagt man auch,

Achtsamkeit oder Stille ist die Basis für Resilienz.

Danke für die tolle Erklärung.

Ich würde gerne das Wort Innehalten nochmal kurz aufnehmen.

Du hast gerade schon gesagt,

Innehalten ist so ein Blick nach innen.

Das Wort hat ja noch einen zweiten Bestandteil,

Nämlich Halten.

Das finde ich einen sehr schönen Aspekt,

Weil man zum einen nach innen guckt,

Aber sich selbst auch hält.

Ja,

Das ist ein guter Gedanke.

Also das Gehaltensein oder sich selber halten,

Das klingt jetzt so ein bisschen poetisch oder verspielt.

Aber ich denke,

Jeder von uns kennt ja dieses Gefühl,

Ob ich mich sozusagen gehalten fühle oder mich selbst halten kann,

Also sprich im Griff haben kann.

Das ist eigentlich ein ganz handfestes Gefühl,

Weil wenn ich mich nicht selbst im Griff habe oder mich nicht selbst halten kann,

Dann verliere ich die Kontrolle über mich,

Dann verliere ich die Kontrolle über meinen Lebensweg,

Wenn ich so will.

Und dann komme ich irgendwie ins Schlingern und weiß überhaupt nicht mehr,

Wo ich eigentlich hin will.

Und umgekehrt,

Gerade in Krisenzeiten,

Also wenn ich nicht das Gefühl habe,

Ich bin irgendwie gehalten oder aufgefangen,

Dann habe ich natürlich das Gefühl,

Ich gehe unter in der Krise.

Ich falle ins Bodenlose.

Und insofern ist Stille immer eine Übung,

Einen Halt zu finden und den Halt finde ich in mir selbst.

Dafür muss ich einfach mal hinhören,

Was in mir eigentlich gerade passiert oder was in mir vor sich geht.

Ich habe mal einen schönen Spruch gelesen,

Der mir auch im Gedächtnis geblieben ist.

Nur in der Stille hörst du dich selbst und manchmal ist es in der Stille auch ganz schön laut.

Den Gedanken haben wir jetzt ja schon so ein bisschen aufgenommen.

Unser Leben ist,

Egal wie umtriebig oder voller Pläne unser Leben ist oder auch hektisch oder wir uns überfordert fühlen,

Die Stille ist halt auch immer für mich da.

Also sie ist eigentlich wie so ein Buddy,

Wie so ein Begleiter,

Auf den ich immer zurückgreifen kann.

Ich muss mich nur an ihn erinnern,

Dass ich ihn habe.

Und ja,

Noch ein Gedanke vielleicht.

Nichts tun heißt ja auch nichts tun.

Wir haben die Arbeit und wir haben Listen und wir haben ganz,

Ganz viele Herausforderungen im Alltag und es ist eigentlich ganz oft die innere Unruhe,

Die uns selbst noch auf der Couch irgendwie auf Trab hält.

Das heißt,

Wir werden ja täglich und ständig vor allem auch mit Botschaften bombardiert,

Die uns Ratschläge geben wollen,

Wie wir unser Leben zu führen haben oder wie wir unser Leben führen sollen,

Weil es vielleicht jemandem anderen was gebracht hat.

Aber der einzige Mensch,

Der das Ganze wirklich beurteilen kann,

Der bist du selbst.

Das ist ganz sicher so.

Es fällt uns oft auch manchmal leichter,

Trotzdem der Hektik oder der Aktivität zu folgen,

Einfach weil wir dann wissen,

Was wir zu tun haben.

Und manchmal ist sozusagen dieser Sprung nach innen dann zu groß für uns einfach,

Weil wir vielleicht auch ein bisschen Angst haben und denken,

Da könnte ich was entdecken,

Was mir vielleicht gar nicht gut tut oder was ich eigentlich übersehen habe die ganze Zeit oder etwas,

Was ich immer schon machen wollte und trotzdem nicht getan habe.

Dann ist es immer einfacher weitermachen,

Weitermachen,

Weitermachen.

Aber es kann immer mal so der Punkt kommen,

Wo man sich denkt,

Jetzt fühle ich mich halt doch nur in Hektik oder nur getrieben.

Und wiederum ist da die Stille tatsächlich eben die klassische Bremse dafür.

Wie du schon gesagt hast,

Die Stille ist ja immer da.

Also jetzt mal simpel gesagt,

Jeder kann sich die Ohren zuhalten.

Aber was wir halt viel machen und was vielleicht du als Hörerin oder Hörer auch schon kennst,

Ist,

Dass man mit Atemübungen viel machen kann,

Weil der Atem immer ein Rhythmus ist,

Der da ist.

Und mit diesem Atem kann ich immer die Stille und die Ruhe finden.

Und insofern ist tatsächlich Stille und Ruhe immer eine Begleiterin von uns.

Nur müssen wir sie sozusagen auch mal zulassen oder den Weg mit ihr gehen wollen.

Mit der Stille ist es oft so,

Wir haben ein bisschen Angst davor,

Weil wir nicht wissen,

Was sich zeigt.

Und du hast gerade das Wort Totenstille erwähnt,

Was ja nun mal wirklich ein Wort ist,

Was schon so ein bisschen vielleicht schockierend ist,

Wenn man mal darüber nachdenkt.

Und du bist ja ehrenamtliche Hospizbegleiterin.

Das heißt,

Du bist eigentlich eine Begleiterin für sterbende Menschen oder für schwer kranke Menschen.

Welche Bedeutung hat das Wort Totenstille dann für dich,

Katrin?

Von Geburt an steht fest,

Dass unser Leben irgendwann auch wieder enden wird.

Das heißt,

Irgendwann in unserem Leben wird der Moment kommen,

In dem wir sterben und sprichwörtlich,

Wie man so schön sagt,

Die Tür dann ins Schloss fällt.

Und dann ist da die Stille.

Und aus meiner Arbeit als Hospizbegleiterin weiß ich,

Dass auf unserer letzten Lebensetappe vor allem der Rückzug und auch die Stille ganz,

Ganz essentielle und auch ein bisschen heilige Qualitäten sind.

Und ja,

Wenn man den Begriff Totenstille nimmt,

Dann,

Wie du gerade schon auch erwähnt hast,

Das ist ja eine Stille,

Die so eine gewisse Furcht mit sich bringt.

Also das Wort Totenstille,

Da steckt natürlich auch Tod darin.

Und das triggert in uns natürlich eine gewisse Angst auch.

Einerseits eine Lautlosigkeit,

Dass da einfach nichts ist.

Das heißt,

Da ist nichts mehr.

Also wir selbst,

Wenn wir gestorben sind,

Sind nicht mehr da.

Wir hören nichts mehr,

Aber auch unsere Angehörigen hören nichts mehr.

Also auch sie hören nicht mehr unseren Atem.

Und sich das vorzustellen,

Muss ich sagen,

Löst schon auch irgendwie eine gewisse Angst in mir aus.

Also zum einen die Angst generell vor dem Tod natürlich,

Aber auch die Angst,

Dass irgendwann mein eigenes Ich ausgelöscht sein wird,

Also dass eben da auch wieder nichts ist.

Und aus meiner Endlichkeitssicht würde ich schon sagen,

Dass es hilfreich ist,

Dass wir regelmäßig im Alltag,

Wie wir vorhin ja schon gesagt haben,

Der eigentlich immer dienstbereit ist,

In dem immer ganz viel los ist,

Dass wir da die Stille einladen,

Um uns einfach darauf einzulassen und das im Alltag zu integrieren und auch einfach einzuüben.

Denn Dinge,

Die man übt,

Die kann man dann oder kann sich irgendwie auch ein bisschen darauf einlassen.

Also ich finde eben auch,

Totenstille ist wirklich ein Wort,

Finde ich,

Was erst einmal den Wunsch auslöst,

Ein bisschen Abstand zu nehmen.

Aber tatsächlich ist es ja etwas,

Was uns ab und an begleitet oder was auf uns auch einmal zutreffen wird.

Und ich denke,

Sich damit auseinanderzusetzen hilft immer.

Und wenn man sich vorher mal der Stille aussetzt,

Dann versteht man auch,

Dass Stille ja mehr als nichts ist,

Dass da immer auch eine Kraft sein kann,

Eine Fülle sein kann oder ein Trost sein kann.

Das klingt jetzt ein bisschen auch wieder vielleicht zu poetisch,

Aber wenn du selbst einmal Stille übst und öfter in der Stille bist,

Kannst du vielleicht verstehen,

Dass da tatsächlich dieses Gefühl aufkommen kann,

Dieses Gefühl,

Gehalten zu sein,

Dieses Gefühl,

Obwohl man nichts tut,

Eigentlich da zu sein und viel zu erleben und das Leben eigentlich in Fülle zu genießen.

Und auch das kann vielleicht ein hilfreicher Gedanke sein,

Weil wir wissen ja nicht,

Was mit dem Tod auf uns zukommt oder was da wirklich passiert.

Wir kennen sozusagen nur die eine Seite,

Die Grenze.

Aber vielleicht ist es auch eine mögliche Sicht schon einmal in diese Richtung.

Wer weiß,

Was auch diese Art von Stille einmal uns bringen wird.

Ja,

Das nehme ich direkt auf.

Es heißt,

Diesen Gedanken aushalten,

Dass irgendwann nichts mehr von uns sein wird,

Ist ja schon ein wirklicher totaler Gegensatz.

Also unser Leben im Hier und Jetzt ist voller Pläne,

Voller Aufgaben.

Es gibt immer was zu tun,

Es gibt immer was zu erledigen.

Wir haben selten Momente der Langeweile und stattdessen stehen uns eigentlich alle Möglichkeiten offen.

Wie beurteilst du das,

Gerhard,

Für dich?

Also wenn ich viele Möglichkeiten habe,

Dann fühle ich mich ja einfach manchmal wie Superwoman oder Superman.

Dann gehe ich durchs Leben und denke mir,

Ach,

Das mache ich noch und das kann ich noch und das schaffe ich noch und das tue ich noch und das ist eigentlich ein super Gefühl.

Und gerade heute leben wir ja in so einer Zeit von Selbstoptimierung.

Das finde ich ganz normal und das mache ich auch und das ist irgendwie ein tolles Gefühl.

Aber wir alle wissen,

Dass nicht alles klappt.

Es gibt halt immer wieder die Erfahrung,

Ups,

Hat nicht hingehauen.

Oh,

Hat gar nicht geklappt.

Ah,

Ist leider doch ein Fehler passiert.

Wenn ich das im Vorfeld schon mal anerkenne,

Nicht alles wird klappen,

Nicht alles kann gehen,

Dann kann es eine unglaubliche Erleichterung sein.

Und gerade jetzt im Sinne der Resilienz ist es unglaublich wichtig,

Dass ich eigentlich von vornherein damit rechne,

Dass nicht alles easy sein wird und dass alles auch immer irgendwo eine Herausforderung für mich sein kann.

Und dazu ist es immer hilfreich,

Wenn ich dann auch weiß,

Was ich eigentlich kann und nicht kann und wo ich stehe und wo ich hin will,

Also sprich meine Standpunkte kenne und meine Grenzen kenne.

Und um auf die Stille zu kommen,

Auch das kann ich tatsächlich dann erfahren,

Wenn ich einmal still bin,

So komisch das erscheint.

Ich kann das auch auf die harte Tour erfahren,

Wenn ich etwas tue und auf die Nase falle.

Aber ich kann im Vorfeld schon auch mal in mir einmal nachsehen oder nachchecken,

Wie sieht es da aus,

Wo will ich eigentlich hin,

Was sind meine Ziele,

Wo weiß ich,

Liegen meine Stärken und wo weiß ich,

Bin ich nicht ganz so gut.

Insofern ist es,

Glaube ich,

Sehr,

Sehr wichtig,

Grenzen anzuerkennen und auch die eigenen Grenzen zu erkennen.

Und wenn ich das einmal getan habe,

Dann ist es auch ein Gefühl der Erleichterung.

Ich muss ja nicht Superman sein oder Superwoman.

Ich kann ja einfach halt leben und ich kann auch Fehler machen.

Die Welt geht nicht unter und ich gehe auch nicht unter.

Und wenn ich einmal das verstanden habe,

Dann kann ich halt auch immer weiter gehen,

Immer wieder nach vorne gehen,

Weil es ist kein Beinbruch,

Wenn ein Fehler passiert.

Es ist auch nicht schlimm,

Wenn ich nicht alle Möglichkeiten verwirkliche,

Die ich habe.

Aber diesen Druck,

Den muss ich einfach mal rausnehmen oder aus mir rausbekommen.

Und auch da heißt Stille,

Bremsen,

Runterfahren,

Lockerlassen,

Erstmal durchatmen.

Genau,

Man muss nicht immer noch etwas leisten können oder müssen.

Da fällt mir direkt auch noch etwas dazu ein,

Nämlich die Schöpfungsgeschichte.

In der Schöpfungsgeschichte wird ja zunächst Ordnung und nach und nach dann Orientierung geschaffen.

Und am siebten Tag heißt es ja immer so schön,

Sah Gott sein Werk an und sah,

Dass es gut war.

Also man kennt die Aussage.

Und ja,

Am siebten Tag ruhte Gott.

Also Gott muss ruhen und er macht eine Pause.

Selbst Gott,

Der alles kann und alles weiß,

Der macht eine Pause.

Das finde ich ein schönes Beispiel des Nichtstun.

Es geht ja um die Auszeit,

Also um eine Zeit,

In der alles aus ist und man sich dann eben die Auszeit nimmt.

Und es ist aber eben mehr als nicht arbeiten oder mehr als schlafen.

Ausschlafen ist super,

Nicht arbeiten ist auch mal super.

Aber die Zeit,

Die da gemeint ist,

Diese Auszeit,

Ist eben eine Zeit für einen selbst.

Es ist oft eine Zeit,

Finde ich,

Die etwas mit Feiern zu tun hat,

Mit Festen,

Mit Ausflügen,

Mit Reisen.

Also es ist immer eine Zeit,

Die eine neue Qualität bringt,

Die einem eine neue Dimension eröffnen kann und eine Zeit,

In der man Dinge tun kann,

Die man sonst nicht macht oder sich auch um Menschen kümmern kann,

Um die man sich sonst nicht kümmert.

Also es ist einfach eine andere Qualität von Zeit,

Die da erlebt wird.

Und das wiederum hat etwas mit dem zu tun,

Was wir gerade über die Stille gesagt haben,

Dass in der Stille oft auch Fülle steckt.

Und diese Fülle kann ich eben oft besser erleben,

Wenn ich mal diesen Gang runterschalte und sozusagen nicht nur meine Alltagsaufgaben oder meine Arbeit erledige.

Insofern,

Klar,

Der siebte Tag in der Schöpfungsgeschichte,

Den haben wir ja auch,

Ist der Sonntag.

Ja,

Ich meine,

Ich schlafe gerne am Sonntag aus.

Das tut mir auch gut.

Aber meistens,

Wie viele andere,

Sonntagnachmittag bin ich irgendwo unterwegs und mache all die Sachen,

Die ich sonst nicht machen kann.

Was natürlich trotzdem heißt,

Dass du am Sonntag oder wenn du auch unterwegs bist,

Deine Batterien auflädst.

Es gibt ja ganz viele verschiedene Möglichkeiten.

Also für jede oder jeden von uns lässt sich das auch ganz anders in den Alltag integrieren,

Also die Auszeiten.

Das heißt,

Der eine mag lieber Pausen in der Natur,

Fährt zum See,

Kann dort Luft holen.

Die andere möchte Kraftorte besuchen und ist vielleicht ein bisschen aktiver und kann sich dort dann mit sich selbst verbinden.

Also wenn ich dir so zuhöre,

Dann glaube ich,

Kann man ganz gut sagen,

Stille ist was Wertvolles.

Also Stille,

Da steckt für dich einiges drin.

Für mich steckt in Stille ganz klar Fülle.

Stille ist für mich nicht das Fehlen von Lautstärke,

Sondern da entsteht für mich so eine Art Raum,

Ein Platz,

In dem was entstehen darf,

Also wenn ich das zulasse,

Wenn ich dem eben Raum gebe.

Ein ganz schönes Beispiel,

Das ich auch in der Vorbereitung für den Podcast gefunden habe,

Ist Folgendes,

Das auch die Blickrichtung verändert.

In der japanischen Kultur wird der Zwischenraum zwischen einem Stuhl und einem Tisch beispielsweise nicht als leer definiert,

Sondern als voll von nichts.

Und da kannst du mal darauf achten,

Wenn es um dich herum still ist oder du in Stille sitzt oder vielleicht auch meditierst,

Dann achte mal drauf,

Ob du denkst,

Hui,

Da ist ja jetzt gerade nichts oder es ist voll von nichts.

Ich finde das Beispiel deshalb so schön,

Weil man mit der Sichtweise aus einem Mangelempfinden herauskommt,

Also weg vom Mangel.

Wenn ich Stille in mein Leben einlade,

Dann passiert ja gar nichts und puh,

Das ist dann ganz schön langweilig,

Sondern das ist eher hin zu einem offenen Mindset,

In dem etwas Fruchtbares entstehen kann.

Also man könnte bei der Stille auch sagen,

Ich ruhe in mir.

Also ich habe mal Zeit,

Etwas ganz anderes zu erleben und zu genießen.

Ich finde das eigentlich sehr,

Sehr wichtig.

Man könnte sogar sagen,

Stille ist eben eine andere Art zu leben.

In dem Augenblick,

Wo ich in der Stille bin,

Nehme ich alles anders wahr,

Erlebe alles anders,

Fühle alles anders und habe einfach mal eine komplett andere Lebenssicht oder wirklich ein neues Erlebnis,

Wie Leben auch sein kann.

Und dann versteht man vielleicht langsam auch,

Wie Stille Fülle sein kann,

Weil mir da wirklich was letztlich geschenkt wird.

Indem ich nichts tue,

Erfahre ich etwas komplett Neues und komplett anderes.

Also man kann mit Sicherheit gut sagen,

Stille ist Fülle und es gibt ja wirklich einfache oder schöne Möglichkeiten,

An diese Fülle heranzukommen.

Genau,

Also man kann bei Vollmond auf der Veranda sitzen und es ist mondstill,

Mucksmäuschenstill oder man steht frühmorgens auf,

Hört förmlich die klare Morgenstille,

Die Windstille,

Vielleicht aber auch die Waldstille bei einem entspannten Spaziergang nach Feierabend,

Wenn die Grillen zirpen und man ganz tief durchatmen kann.

Ja wunderbar,

Jetzt hätte ich eigentlich auch gleich Lust,

Rauszugehen und irgendwie Stille zu erleben.

Aber das ist gar nicht notwendig,

Denn wir haben dir,

Liebe Hörerinnen und lieber Hörer,

Ja angekündigt,

Dass wir zum Ende des Podcasts eine ganz praktische Übung machen werden.

Und mit dem Gedanken,

Dass Stille Fülle ist,

Haben wir jetzt auch das Ende dieses Podcasts erreicht.

Und wir wollen jetzt als nächstes mit dir eine Übung machen.

Ja,

Jetzt ist die erste Folge fast schon vorbei.

Du hast es gerade angekündigt.

Uns ist es mit dem Podcast ein ganz tiefes Herzensanliegen,

Dass du dir beim Hören etwas Praktisches mitnehmen kannst.

Wir möchten dir am Ende jeder Folge unseres Podcasts eine praktische Übung oder eine Frage oder eine Reflexion mit auf den Weg geben,

Die in ganz direktem Bezug zum Thema unserer Folge steht.

In unserer ersten Folge schenken wir dir zum Abschluss ein paar Momente gemeinsame Stille.

Denn für die Stille reicht das Darüberreden alleine nicht aus.

Das Erspüren ist ganz,

Ganz wertvoll.

So,

Wir beginnen mit unserer Übung.

Die Übung heißt 3,

2,

1.

Und es ist eine wirklich schöne Übung zur Stille.

Wenn du nicht sowieso schon an deinem Lieblingsplatz sitzt,

Dann gehst du jetzt dorthin.

Das kann dein Lieblingssofa sein,

Das kann eine Decke sein,

Ein Kissen oder der ganz normale Stuhl,

Den du täglich benutzt.

Such dir einen Platz,

An dem du gut sitzen kannst.

Und wenn du jetzt deinen Platz gefunden hast,

Dann spüre einmal nach,

Wie du sitzt.

Du hast vielleicht mit den Fußsohlen Kontakt zum Boden.

Falls du nur mit den Zehen den Boden berührst,

Versuche deine Position so zu ändern,

Dass du mit der ganzen Fußsohle den Boden berührst.

Und dann spüre nach,

Wo dein Körper den Stuhl berührt.

An den Oberschenkeln,

Der Hüfte,

Dem Rücken.

Du spürst,

Wie du Kontakt hast und dass du entspannt und bequem sitzen kannst.

Dafür lässt du jetzt auch die Schultern locker fallen und deine Wirbelsäule richtest du auf,

Sodass du gerade sitzt.

Deine Hände legst du auf die Oberschenkel oder du legst sie ineinander in deinen Schoß.

Und nun sitzt du ganz ruhig und entspannt da und du atmest.

Verändere nichts an deinem Atemrhythmus.

Es kann ein müder Atemrhythmus sein,

Ein aufgeregter.

Es können Atemzüge sein,

Die tief sind oder kurz sind.

Nimm einfach nur wahr,

Wie du atmest.

Und während du so auf deinen Atem hörst,

Entsteht schon die Stille.

Das waren jetzt schon 10 Sekunden Stille und in dieser Übung wirst du noch einige Male Stille erleben.

Ich bitte dich nun,

Deine Augen zu öffnen,

Falls du sie geschlossen hattest.

Und blicke dich um in dem Raum,

In dem Zimmer,

In dem du gerade bist.

Und dann benenne für dich drei Dinge,

Die du sehen kannst.

Das müssen keine besonderen Dinge sein,

Sondern Dinge,

Die gerade in deiner Nähe zu sehen sind.

Beispiel,

Ich sehe mein Handy oder ich sehe ein Glas Wasser.

Und nun höre bewusst,

Was du wahrnehmen kannst an Geräuschen.

Beispielsweise,

Ich höre den Verkehr oder ich höre eine Wasserleitung.

Und dann drei Dinge,

Die du spüren kannst.

Auf deiner Haut spürst du bestimmt deine Kleidung.

Vielleicht spürst du auch einen leichten Luftzug.

Und nun blicke dich wieder um und benenne zwei Dinge,

Die du sehen kannst.

Es können auch Dinge sein,

Die du gerade schon erkannt hast.

Ich sage zu dir zwei Dinge,

Ich sehe.

Und dann hörst du zwei Dinge,

Ich höre.

Und nun zwei Dinge,

Ich spüre.

Auch hier können es Wahrnehmungen sein,

Die du schon genannt hattest.

Zwei Dinge,

Ich spüre.

Und wir gehen eins weiter und kommen wieder zum Sehen.

Nun ein Ding,

Ich sehe.

Eines,

Ich höre.

Und eines,

Ich spüre.

Und nun bist du im Raum angekommen in diesem Augenblick.

Nimm dir nun Zeit und spüre noch einmal deinem Atem nach.

Verändere ihn nicht.

Sondern spüre deine Atemzüge.

Es kann sein,

Dass dir jetzt schon andere Gedanken in den Kopf kommen.

Dann kannst du zur Unterstützung deine Hand auf den Bauch legen.

Und du wirst das leichte Heben und Senken spüren,

Dass der Atem dort hervorruft.

Und konzentrier dich auf dieses Auf und Ab und auf die Wärme,

Die zwischen Bauch und der Hand entsteht.

Dieses Gefühl der Wärme und diesen Lebensrhythmus von Auf und Ab nimmst du nun als Gefühl aus dieser Übung mit.

Es wird jetzt Zeit,

In den Alltag zurückzukehren.

Und ich möchte dir danken,

Dass du diese Übung mitgegangen bist und dass du dadurch schon einige Phasen von Stille und Ruhe erlebt hast.

Atme noch einmal durch.

Und wenn du die Augen geschlossen hast,

Dann öffne sie nun.

Das war unsere erste Folge von Fullstop Forward,

Dem Podcast für Achtsamkeit und die bewusst andere Perspektive.

Ein liebes Danke fürs Zuhören.

Wir wünschen dir viel Freude beim Ausprobieren deiner eigenen stillen Momente im Alltag.

Wenn dir unsere erste Folge gefallen hat und du die zweite nicht verpassen möchtest,

Dann abonniere dir den Podcast,

Falls du es nicht eh schon getan hast.

Und natürlich freuen wir uns auch über einen Kommentar oder eine Bewertung.

Wir hören uns wieder bei der nächsten Folge zum Thema Gefühle.

Bis dahin,

Habt eine gute Zeit.

© 2026 Gerhard Hross. All rights reserved. All copyright in this work remains with the original creator. No part of this material may be reproduced, distributed, or transmitted in any form or by any means, without the prior written permission of the copyright owner.

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