08:13

Wut – Die Kraft, Die Dich Zurück Zu Dir Bringt

by Jan von Wille

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Wann warst du das letzte Mal so richtig wütend? In dieser Folge spreche ich über die Kraft, die so oft unterdrückt wird – und mit ihr unsere Wahrheit. Ich teile persönliche Erfahrungen, warum Wut für mich lange ein Problem war und wie ich gelernt habe, sie als Ressource zu sehen: nicht als Bedrohung, sondern als Wegweiser. Du erfährst, warum Wut mehr mit Selbstachtung als mit Aggression zu tun hat, wie du deine Wut ausdrücken kannst, ohne zu verletzen, und warum es so wichtig ist, ihr endlich zuzuhören. Denn: Wo Wut unterdrückt wird, wird auch Wahrheit unterdrückt.

Transkription

Heute geht es mal um Wut.

Wann warst du das letzte Mal so richtig wütend?

Mein zentraler Satz,

Den ich dir gleich mal mitgeben möchte,

Ist,

Wo Wut unterdrückt wird,

Wird auch Wahrheit unterdrückt.

Denn Wut ist eine sehr,

Sehr wichtige Kraft und kein Problem.

Für mich selber war es aber lange Zeit ein Problem,

Weil wir als Kinder damals nicht einfach wütend werden durften.

Das war wirklich ein Problem,

Denn meine Mutter,

Die uns das Ausdrücken von Wut verboten hatte,

Wurde selber sehr oft wütend.

Da schließt sich natürlich der Kreislauf der Schattenarbeit.

Ich weiß noch,

Wie ich ziemlich oft abends vor unterdrückter Wut in meinen Kissen geweint habe.

Oh Mann,

Das hat lange gedauert,

Aber inzwischen habe ich wieder ganz guten Zugang zu dieser Kraft.

Denn das ist es,

Eine Kraft.

Wut steht in Verbindung mit Aggression.

Und Aggression kommt aus dem Lateinischen,

Das heißt aggredere.

Übersetzt heißt das so viel wie rangehen.

Wie gehst du an etwas oder an andere Menschen ran?

Also nimmst du dir etwas vom Leben und wie grenzt du dich ab?

Für diese beiden Dimensionen brauchen wir die Kraft der Aggression und auch Wut.

Wut ist etwas anders als Aggression,

Aber lass uns das mal anschauen.

Wut wird in unserer Gesellschaft häufig als negatives Gefühl abgestempelt.

Doch das ist es nicht.

Wut ist eine zutiefst menschliche Emotion,

Die immer einen Grund hat.

Sie entsteht,

Wenn unsere Grenzen verletzt werden oder überschritten werden.

Wenn wir uns oder etwas,

Das uns wichtig ist,

Gefahr droht.

Wenn unsere Werte,

Unser Körper oder unsere Beziehung bedroht werden.

Wut bringt uns in Kontakt mit dem,

Was uns am Herzen liegt.

Sie ist ein kraftvoller Impuls,

Der uns schützt und verteidigt.

Und jetzt mal biologisch gesehen,

Kommen wir durch die Wut in einen Zustand der Aktivierung.

Wir gehen in Kampfbereitschaft.

Wir spannen uns an.

Unsere Aufmerksamkeit ist fokussiert.

Unser Nervensystem bereitet uns darauf vor,

Uns zu behaupten.

Und trotzdem,

So viele von uns haben nie gelernt,

Diese Kraft zuzulassen.

Vor allem Frauen,

Aber im Grunde auch Männer.

Wir wurden mit gesellschaftlichen Zuschreibungen geprägt.

Wütende Frauen gelten als zickig,

Überemotional.

Bestimmt hat sie ihre Tage.

Und Männer wiederum haben nur gewaltsame Vorbilder erlebt,

Wenn es um Wut geht.

Mit dem Ergebnis,

Dass sie sich selber dieses Gefühl nicht erlauben oder sofort ein schlechtes Gewissen haben,

Wenn es auftaucht.

Viele von uns,

Ob männlich oder weiblich,

Wir haben oft keine guten Vorbilder für einen gesunden,

Gewaltfreien Ausdruck von Wut.

Das beginnt natürlich in der Kindheit so,

Wie ich das eben von mir beschrieben habe.

Wenn Kinder wütend sind und ihre Wut nicht gehalten werden kann,

Weil Erwachsene damit überfordert sind,

Wird diese Wut abgewertet,

Weggeschoben oder sogar bestraft.

Und so lernen wir,

Wut ist nicht willkommen.

Wut ist gefährlich.

Wut macht einsam.

Und das Problem ist,

Unterdrückte Wut verschwindet nicht.

Sie bleibt im Körper.

Sie sucht sich andere Wege und das kann ganz unterschiedliche Formen annehmen,

Von psychosomatischen Beschwerden bis hin zu innerer Erschöpfung,

Rückzug,

Chronischem Stress oder sogar autoaggressiven Verhalten.

Also ich richte dann diese Wutenergie gegen mich selbst.

In meiner Pubertät konnte ich diese Wut nicht ausdrücken und so ist sie,

Bildlich gesprochen,

Nach innen geschossen.

Und was mir in dieser Phase besonders bewusst geworden ist,

Wir brauchen sichere Räume,

In denen wir dieser Kraft begegnen können.

Wut ist nichts,

Was einfach weggemacht werden sollte,

Sondern etwas,

Das gesehen,

Gespürt und ausgerückt werden will.

Und Ausdruck heißt nicht,

Dass wir wütend rumschreien oder jemanden verletzen müssen,

Im Gegenteil.

Wut kann auf vielfältige,

Kreative,

Kraftvolle Weise gespürt und bewegt werden.

Wichtig ist nur,

Dass wir sie nicht unterdrücken,

Denn dann bleibt sie gebunden,

Wie ein Impuls,

Der nie vollendet wurde.

Manchmal reicht es eine bestimmte Bewegung bewusst nachzuvollziehen,

Zum Beispiel in Zeitlupe mit der Faust auf ein Kissen schlagen.

Nicht um Gewalt auszuagieren,

Sondern um einen unterbrochenen Impuls im Nervensystem zu vollenden,

Damit unser Körper die Information bekommt,

Die Kraft hatte Raum,

Der Kreis ist geschlossen,

Es ist wieder sicher.

Wir bekommen dann einen langsamen,

Dosierten Zugang zur Wut.

Das Nervensystem darf sich mit jeder kleinen Bewegung wieder ein Stück regulieren.

Manchmal reicht ein inneres Bild,

Manchmal ein bewusst geführter Atem,

Aber all das braucht Zeit,

Raum und Sicherheit,

Vor allem dann,

Wenn die Wut über Jahre hin abgespalten war.

Es geht also darum,

Wieder in Verbindung zu kommen,

Mit dem eigenen Körper,

Mit der eigenen Wahrheit und mit der eigenen Kraft,

Denn Wut ist genau das,

Eine Kraft,

Eine Energie,

Eine Bewegung hin zu dem,

Was uns wichtig ist,

Eine Erinnerung daran,

Dass da etwas in uns ist,

Das geschützt werden will.

Und manchmal ist Wut auch der direkte Weg zurück zu uns selbst.

Sie zeigt uns,

Wo unsere Wahrheit unterdrückt wurde,

Wo wir nicht für uns eingestanden sind,

Wo wir uns selbst verleugnet haben,

Um anderen zu gefallen.

Ich möchte hier noch mal den Satz von eben aussprechen,

Wo Wut unterdrückt wird,

Wird auch Wahrheit unterdrückt.

Und vielleicht kennst du das ja auch,

Wenn du zu lange zu nett,

Zu angepasst,

Zu ruhig warst und plötzlich merkst du,

Dass sich etwas in dir zusammenzieht,

Dass du gereizt wirst von Kleinigkeiten,

Dass du dich leer fühlst,

Ausgelaugt,

Fremdbestimmt,

Dann ist vielleicht an der Zeit der Wut zuzuhören.

Nicht um sie auszuleben,

Sondern um mit ihr in Beziehung zu treten,

Um zu verstehen,

Was sie dir sagen will,

Um den Kontakt zu dir selbst wiederzufinden,

Denn genau das ist es,

Was Wut letztendlich will,

Dich zurück zu dir bringen.

Und wenn wir lernen,

Wut als Verbündete zu sehen,

Als Wegweiser für unsere Werte,

Unsere Bedürfnisse,

Unsere Wahrheit,

Dann muss sie auch nicht mehr explodieren,

Dann wird sie zur Klarheit und Kraft,

Zur Selbstachtung und vielleicht irgendwann zur Liebe.

Schreib mir gern,

Was du dazu denkst,

Wie gehst du mit Wut um,

Diese geheimnisvolle und tiefgründige Kraft in dir.

Ich wünsche dir ein gutes und erfülltes Leben.

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Neueste Bewertungen

Kristina

February 11, 2026

Vielen Dank für diese Reflexion. Natürlich hörte ich sie nicht ohne Grund. Deine Ausführungen haben mich daran erinnert, dass ich mir meine Macht über meinen Gemütszustand bewusst zurückholen kann. Danke! Ich freue mich schon auf deine Meditation zum Thema Wut, die ich nun anschließend hören werde.

Dagmar

December 23, 2025

Sehr interessant, ich bin gerade sehr wütend gewesen, weil ich familiär in eine Situation gedrängt werde. Meine Reaktion ich musste später sehr weinen, weil ich die Wut unterdrückt habe.

Cornelia

November 15, 2025

Lieber Jan, deine Worte über die Wut sind so wahr und tun gut! Bei mir sind sie gerade zur rechten Zeit angekommen, mir ist vieles an meiner Situation klarer geworden…und ich fühle im tiefsten Herzen erkannt und verstanden. Danke dir!

Hanni

October 14, 2025

Danke, ja Wut ist ein unterschätzte Kraft. Ich hab auch nur ganz kurze Momente, wo ich sie tief drin erahne, sie zuzulassen ist nicht einfach, wäre aber oft sehr sinnvoll. Danke für die Erinnerung und dass sie da sein darf.

Recha

September 3, 2025

Sehr guter Vortrag, sehr hilfreich

Petra

June 27, 2025

Guten Morgen lieber Jan, ein wunderbarer Impuls Vortrag am frühen Morgen.... tatsächlich finde ich mich in dem Satz "unterdrückte Wut ist unterdrückte Wahrheit" sehr gut wieder. Bis jetzt habe ich eher so gedacht, Wut ist kein "korrektes" Gefühl und ich erlaube mir nicht wirklich wütend zu sein...da werde ich zukünftig anders hinsehen und mehr überlegen, wo da meine Grenzen überschritten wurden und was ich tun kann, um das zu ändern. Mal wieder ein riesiges Danke an Dich

Lara

June 12, 2025

Ein Geschenk🙏 Das habe ich wirklich Heute gebraucht. Vielen Dank🥰

Kate

June 1, 2025

Lieber Jan, was für ein wunderbarer Vortrag und so zutreffend. Ich danke Dir! Da waren viele gute Impulse dabei, die ich beim nächsten Mal probieren werde (die Zeitlupen-Übung). Als ich kürzlich sehr wütend war, habe ich einen Wutbrief geschrieben. Darin konnte ich alles rauslassen. Das tat sehr gut. Anschließend habe ich den Brief verbrannt, was auch gut tat. :-) Liebe Grüße, Kate PS: Ich habe noch einen anderen Wunsch: Würdest Du nochmal eine Schlafmeditation aufnehmen, die etwas länger dauert als Deine „Loslassen, tiefen Schlaf finden“? Diese liebe ich und höre sie fast jeden Abend, so dass ich sie schon auswendig kann. Manchmal ist sie mir jedoch zu kurz, wenn es ein sehr aufregender Tag war. ;-)

Jeanny

May 9, 2025

Ja. Ich unterdrücke meine Wut weil ich denke dass ich nicht genug Kraft habe für deren Folgen

Gunnar

May 7, 2025

Wahre Worte - da habe ich mich selbst wieder erkannt, Ein hartes Stück Arbeit. .. Vielen Dank.

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