
Dein Nervensystem Braucht: Dich!
In dieser Folge gehen wir tiefer als Eiswasser und Atemtechniken. Wir sprechen darüber, warum so viele von uns sich trotz aller Tools, Therapien und Routinen innerlich immer noch nicht sicher fühlen – und was dein Nervensystem wirklich braucht, um zu regulieren und zu heilen. Du erfährst, warum Trauma oft nicht durch das Ereignis selbst entsteht, sondern durch das Alleinsein damit – und weshalb echte Heilung nicht bedeutet, perfekt zu funktionieren, sondern dich selbst halten zu können. Diese Folge lädt dich ein, dein eigenes Erleben mit Mitgefühl zu betrachten – statt dich zu optimieren. Sie ist eine Einladung, anzukommen. In dir. In deinem Körper. In deinem Leben.
Transkription
Stell dir mal vor,
Du bist ein Kind,
Das nachts weinend aufwacht.
Nicht,
Weil es etwas Schlimmes geträumt hat,
Sondern weil es allein ist.
Weil niemand kommt und es in diesem Moment nicht gehalten wird.
So fühlt sich Trauma an.
Nicht als ein schmerzliches Ereignis allein,
Sondern die Erfahrung von Unverbundenheit,
Nicht gehalten werden.
Heute möchte ich mit dir darüber sprechen,
Wie unser Nervensystem reagiert,
Wenn es nicht gelernt hat,
Sicher zu sein.
Warum wir manchmal gegen Symptome kämpfen,
Statt zu erkennen,
Dass sie nach Verbindung rufen.
Und wie wir diese Verbindung wieder aufbauen können,
In uns,
Mit uns und für uns.
Vielleicht hast du auch schon gemerkt,
Wie plötzlich überall von Vargus-Nerv-Stimulation,
Polyvagal-Theorie oder traumasensiblem Yoga gesprochen wird,
Fast so als gäbe es eine Pille in Übungsform,
Einmal ins Eiswasser getaucht und wir lösen unsere Traumata auf.
Nur so funktioniert es natürlich nicht.
Das ist eigentlich eine gute Nachricht.
Denn wahre Regulation beginnt nicht mit einer Technik,
Sie beginnt mit einer Haltung.
Eine Haltung dir selbst gegenüber.
Bleib also dran,
Das könnte für dich jetzt sehr wichtig oder hilfreich sein.
In meiner eigenen Arbeit sehe ich immer wieder,
Wie tief sich etwas verändert,
Wenn Menschen sich erlauben,
Den Körper zu spüren,
Also wirklich zu fühlen.
Nicht als Funktionseinheit,
Sondern als Resonanzraum.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Bekannten,
Es ging um Stressbelastung im Beruf und ich fragte ihn,
Was bedeutet dein Körper für dich?
Seine Antwort kam schnell,
Er ist für mich ein Werkzeug,
Eine Art Maschine,
Durch die ich mich hier auf der Erde bewege und meine Arbeit mache.
Oha,
Also wie soll man sich sicher fühlen in etwas,
Das man nur benutzt?
Die Wahrheit ist,
Kein Mensch reguliert sich durch drei oder fünf Übungen pro Woche,
Wenn der Kontext innerlich oder äußerlich immer noch unsicher ist.
Du kannst dein Gesicht so oft in Eiswasser tauchen,
Wie du willst,
Wenn dein Nervensystem gelernt hat,
Dass Nähe Gefahr bedeutet,
Dann ist ein kaltes Handtuch kein Gamechanger.
Selbstregulation ist kein Trick,
Es ist Beziehung.
Und wir lernen Regulation nicht allein,
Wir lernen sie in Verbindung.
Deshalb ist es so wichtig,
Dass wir aufhören Heilung wie einen Stundenplan zu behandeln.
Trauma ist nicht erledigt,
Wenn du einen Retreat gemacht hast,
Sondern wenn du in diese tiefe Lebenshaltung kommst.
Ich kann halten,
Was in mir lebt,
Auch wenn es unangenehm ist,
Auch wenn es sich nach Chaos anfühlt,
Auch wenn es mich früher komplett überfordert hätte,
Denn genau da liegt oft der Kern.
Trauma entsteht nicht in erster Linie durch ein schreckliches Erlebnis,
Es entsteht,
Wenn wir in diesem Erlebnis allein waren,
Wenn niemand da war,
Der uns gehalten hat.
Wir können fürchterliche Dinge erleben und trotzdem keine Traumerfolgen entwickeln,
Wenn wir in diesem Moment oder kurz danach in einem sicheren Raum landen,
In einem Gegenüber.
Bei jemandem,
Der mir vermittelt,
Ich sehe dich,
Ich bin hier,
Du bist nicht allein.
Schmerz wird dann nicht automatisch Trauma,
Denn die Seele kann verarbeiten,
Was sie nicht allein halten muss.
Aber wenn wir in einer Situation überwältigt wurden und dabei unverbunden waren,
Dann bleibt das Erlebnis im Körper stecken,
Dann speichern wir es als Trauma,
Nicht weil wir schwach waren,
Sondern weil niemand da war,
Der uns durchgetragen hat.
Und genau deshalb ist Heilung heute oft ein Nachernähren oder Nachbeeltern,
Ein Raum,
In dem du endlich gehalten wirst,
Von dir,
Im besten Fall sogar auch von anderen und vom Leben.
Heilung bedeutet also,
Dass wir lernen,
Uns selbst zu begleiten,
Ohne uns zu manipulieren.
Dass wir aufhören,
Unsere Symptome weg zu affirmieren wie schlechte Laune an einem Montag.
Dass wir lernen zu fragen,
Was brauchst du gerade,
Anstatt wie werde ich das los.
Und manchmal bedeutet Heilung einfach,
Fünf Minuten da bleiben,
Wo du früher weggelaufen wärst.
Und das ist Risik.
Wenn du das Gefühl kennst,
Dass all diese Übungen bei dir irgendwie nicht wirken,
Dann bist du nicht falsch.
Du bist kein kaputter Toaster,
Den man so technisch reparieren kann.
Du bist ein Mensch mit Kontext.
Und Kontext verändert alles.
Und vielleicht ist das die tiefste Erinnerung,
Die ich dir heute mitgeben möchte,
Dass du nicht falsch bist.
Dass in dir nichts bekämpft oder repariert werden muss,
Sondern gefühlt,
Gehalten und bejaht.
Ich glaube zutiefst daran,
Dass die innerste Essenz des Menschen gut,
Wahr und schön ist.
Und wenn wir kämpfen gegen uns selbst oder andere,
Dann nicht weil wir böse sind,
Sondern weil wir uns verrannt haben in Unwissenheit,
Angst und Schmerz.
Der größte innere Widerstand entsteht oft durch das Nein zu dem,
Was da ist.
Das sollte nicht sein,
Ich will das nicht oder das und das sollte anders sein.
Aber genau dieses Nein hält uns fest.
Was wir ablehnen,
Bleibt.
Was wir annehmen,
Das kann sich verändern.
Und so beginnt Heilung nicht dort,
Wo alles perfekt ist,
Sondern dort,
Wo wir sagen,
Ja,
Das ist jetzt da und ich halte es.
Mitgefühl ist radikale Ehrlichkeit mit uns selbst.
Ein innerer Raum,
In dem alles da sein darf.
Und genau darin liegt die Sicherheit,
Nach der wir uns alle so sehen.
Bleib bei dir,
Atme bewusst und du musst das nicht alleine machen.
Ich wünsche dir ein gutes Leben.
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