56:48

Die vier Brahmaviharas

by Fred Von Allmen

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Die vier Brahmaviharas sind liebevolle Güte (mettā), Mitgefühl (karuṇā), Wertschätzung und Mitfreude (muditā) und Gleichmut bzw. heitere Gelassenheit (upekkhā). Diese Qualitäten des Herzens und Geistes heißen Brahmaviharas, weil die Brahmas — die höchsten Götter im Dasein— sich in diesen Zuständen aufhalten.

Transkription

Ich werde heute Abend über die sogenannten vier Brahma-Viharas sprechen.

Dabei werde ich einiges wiederholen,

Was ich in den letzten Tagen über Metta bereits gesagt habe.

Diese vier Brahma-Viharas sind liebevolle Güte,

Metta,

Mitgefühl,

Karuna,

Wertschätzung oder Mitfreude,

Mudita und Gleichmut oder Gelassenheit oder heitere Gelassenheit,

OPK.

Diese Zustände oder Qualitäten des Herzens und Geistes heißen Brahma-Viharas,

Weil entsprechend der buddhistischen Kosmologie die Brahmas,

Die höchsten Götter im Dasein,

Sich in diesen Zuständen aufhalten.

Deshalb eben Aufenthaltsort der Brahmas.

Vihara heisst so viel wie Aufenthaltsort.

Brahma-Vihara wird auch als sublimer oder erhabener Aufenthaltsort übersetzt.

Die Zustände werden auch als Appamanya bezeichnet,

Das heisst unbegrenzt,

Weil sie eine unbegrenzte Zahl von Lebewesen einschliessen,

Nämlich alle Lebewesen ohne Ausnahme.

Die erste Brahma-Vihara ist Metta,

Liebe oder vielleicht Herzensgüte.

Metta,

Liebe,

Herzensgüte ist eine der wichtigsten und mächtigsten Qualitäten der Praxis,

Wahrscheinlich jeder ernsthaften spirituellen Praxis.

Paulus drückte das sehr überzeugend aus,

Als er schrieb,

Nichts geht über die Liebe.

Wenn ich die Sprache aller Menschen spreche und sogar die Sprache der Engel kennte,

Aber ich hätte keine Liebe,

Dann wäre ich doch nur ein dröhnender Gong,

Nicht mehr als eine lärmende Pauke.

Auch wenn ich göttliche Eingebungen hätte und alle Geheimnisse Gottes wüsste und hätte den Glauben der Berge versetzt,

Aber ich wäre ohne Liebe,

Dann hätte das alles keinen Wert.

Und wenn ich all meinen Besitz verteilte und nähme den Tod in Flammen auf mich,

Aber ich hätte keine Liebe,

Dann wäre es alles umsonst.

Metta wird definiert als die Sanftheit des Herzens.

Und wie ich schon erwähnt habe,

Die Wurzeln sind Met,

Sanft,

Liebevoll und Maitri,

Freund.

Das ist eine sanfte,

Liebevolle Freundlichkeit oder Güte.

Die vier Brahma-Viharas sind das Gegenstück zu bestimmten unheilsamen Geisteszuständen und Emotionen oder Kilesa,

Sogenannte Gegenspieler oder Gegenkräfte.

Man könnte auch sagen,

Wenn diese positiven Brahma-Viharas da sind,

Sind die entsprechenden schwierigen,

Unheilsamen oder negativen Emotionen abwesend.

Bei Metta ist es Hass und alle Formen von Abneigung,

Von Aversion,

Also Wut,

Ärger,

Rachegefühle,

Trotz,

Groll,

Widerstand,

Langeweile und der ganze Rest.

Es gibt auch die Gegenkraft oder manchmal spricht man vom entfernten Feind,

Sind eben diese Wut,

Ärger,

Rachegefühle,

Trotz,

Groll,

Widerstand,

Langeweile.

Es gibt auch den sogenannten nahen Feind oder vielleicht einfach die falsche oder die täuschende Manifestation,

Etwas was ähnlich aussieht,

Was wir verwechseln können mit Metta.

Und bei Metta ist das persönliche Liebe mit Anhaften und Verlangen,

Leidenschaftliche Liebe,

Liebe die etwas zurück erhalten will oder muss.

Und dabei ist es eigentlich ganz einfach diese Eigenschaften oder Qualitäten zu unterscheiden.

Metta ist nie schmerzhaft oder leidvoll.

Ganz egal was die Bezugsperson auch tun mag oder nicht tun mag,

Ob sie freundlich oder unfreundlich zu uns ist,

Ob sie uns nah oder fern ist,

Ob wir zusammen oder getrennt sind,

Ob sie gleicher Meinung ist wie ich oder anderer Meinung.

Metta,

Wenn es wirklich Metta ist,

Ist nicht von bestimmten Bedingungen abhängig.

Metta stellt keine Bedingungen per Definition.

Wenn Bedingungen da sind,

Ist es nicht wirklich Metta.

Und das ist ganz anders mit Verlangen und mit Anhaften und mit Leidenschaft.

Sie schaffen Leiden.

Leidenschaft ist eine kraftige Leidenschaft.

Sie schaffen dann Leiden,

Sobald die Person oder der Andere nicht das tut,

Was ich möchte oder was ich gerade brauche.

Bei der Unterscheidung von Liebe ohne Bedingungen,

Also Metta einerseits und andererseits Anhaften,

Verlangen,

Leidenschaft,

Geht es also nicht um ein Werturteil.

Ich denke es ist wichtig zu verstehen,

Es ist nicht ein Werturteil,

Es ist nicht eine Frage von Gut und Böse oder Gut und Schlecht oder sowas.

Sondern es geht um die Verschiedenheit ihrer Wirkung auf uns selbst.

Liebe im Sinn von Anhaften,

Verlangen und Leidenschaft schafft Leiden,

Immer wenn die Bedingungen nicht stimmen oder nicht mehr stimmen.

Liebe im Sinn von Metta schafft Offenheit,

Inneres Gleichgewicht und Freude,

Unabhängig von den Bedingungen.

Metta kann verglichen werden mit kühlem Wasser,

Das in ein heißes oder glühendes Gefäß mit brodelnder Flüssigkeit gegossen wird.

Ähnlich dem Wasser kühlt und besänftigt es die brennenden und quälenden Emotionen von Hass und Abneigung,

Diversion,

In Herz und Geist.

Und natürlich hat Metta auch entsprechend ähnliche Wirkung auf die Umgebung,

Auf die Menschen um uns herum.

Im Dhammapada findet man den berühmten Ausspruch Buddhas,

Hass wird nie durch Hass besiegt,

Hass besiegt nur durch Liebe,

Metta gemeint.

Metta ist ein Schlüssel zum Frieden in uns drinnen und letztlich auch zum Frieden in der Welt.

Und es ist der Schlüssel auch zum Umgang mit schwierigen Erfahrungen und mit schwierigen Emotionen in der Meditation.

Nämlich diese innere Haltung von Metta,

Die ich bereits gesprochen habe.

Hier finde ich auch die Geschichte von der Situation,

In der Buddha liebevolle Güte oder Metta lehrte,

Sehr aufschlussreich.

Das heisst,

Dass Mönche in einen abgelegenen Wald gezogen waren,

Um zu meditieren,

Oder geschickt wurden,

Dort im Retreat zu sein.

Bis sie aber anfingen dort zu praktizieren,

Gab es Geister und Dämonen,

Etwas wie Baumdevas,

Die anfingen sie zu stören,

Wahrscheinlich weil sie sich gestört fühlten durch diese Menschen dort.

Es fingen an sie zu stören in ihrer Meditation,

Spielten ihnen Streicher,

Legten ihnen Hindernisse in den Weg,

Sodass die Mönche einfach nicht meditieren konnten,

Oder nicht wirklich irgendwo hinkamen mit der ganzen Sache.

Und letztlich waren sie entmutigt und kehrten zurück zum Buddha und klagten über den Ort und fragten,

Was sie tun sollten.

Vielleicht an einen anderen Ort gehen,

Oder was immer.

In diesem Kontext lehrte Buddha sie Metta,

Was sie praktizieren sollten,

Und sandte sie zurück.

Er sagte,

Geht dorthin zurück und praktiziert Metta,

Was sie dann auch taten.

Und sehr bald veränderte sich die Situation dort und die Dämonen wurden friedlicher und letztlich sogar sehr hilfreich,

Unterstützend.

Für uns übersetzt sind die Dämonen die störenden,

Schwierigen,

Unheilsamen Emotionen im Herz und Geist.

Hemmnisse,

Ärger,

Neid,

Begierde,

Anhaften,

Dünkel,

Der ganze Rest.

Die innere Haltung von Metta schafft Friede.

Und wie wir schon gesehen haben,

Heute Nachmittag ist nicht das Metta,

Die rauswirft oder rauspowert,

Also nicht die als Metta verkleidete,

Aversive Strategie,

Sondern die Art und Weise,

Wie wir diesen Dämonen begegnen.

Eine annehmende,

Eine wache,

Klare,

Liebevolle,

Ohne uns darin zu verlieren,

Aber auch ohne mit Aversion und Widerstand zu reagieren.

Eine liebevolle,

Annehmende,

Aber klare Atmosphäre,

Die geschaffen wird.

Auch ganz interessant und ich denke wirklich hilfreich zu verstehen ist,

Und hier wiederhole ich mich zum dritten Mal,

Dass Metta nicht in erster Linie ein Gefühl ist oder auf jeden Fall nicht in erster Linie ein Gefühl sein muss.

Dieses schöne,

Warme Gefühl der Liebe im Herzen.

Ob schon ist das,

Mehr oder weniger oft auch sein kann,

Sehr wohl auch sein kann.

Ich höre das immer wieder,

Fried,

Bei mir funktioniert Metta nicht.

Kannst du die Sätze nicht sagen?

Doch,

Doch,

Die Sätze kann ich sagen.

Kannst du nicht in Kontakt sein mit dem,

Was du sagst,

Was sie meinen?

Doch,

Doch,

Das kann ich sagen.

Kannst du nicht Kontakt aufnehmen mit der Person,

Die sie richtet?

Doch.

Wo ist das Problem?

Ich kriege das Gefühl nicht hin.

Also ich stelle mir ein bestimmtes Gefühl vor,

Das ich hinkriegen müsste und ich kriege es nicht hin.

Und wo ich halt auch immer noch einen Punkt sehe dort.

Das Gefühl,

Das wir uns vorstellen,

Das wir glauben hinzukriegen,

Wenn wir Metta üben,

Ist angenehm.

Wir wollen ein angenehmes Gefühl.

Und tatsächlich kann es ein sehr angenehmes Gefühl sein,

Aber es ist wichtig,

Dass wir unterscheiden.

Die eine ist die Haltung,

Die wir üben,

Die ist annehmend,

Die ist wohlwollend und all das.

Und das andere sind die Gefühle,

Die entstehen,

Die können verschieden sein.

Messt eure Metta-Praxis nicht daran,

Wie sie sich anfühlt,

Sondern daran,

Ob ihr wirklich diese Haltung,

Dieses Wohlwollen immer wieder,

Immer wieder und immer wieder kultivieren könnt.

Ich sage das auch,

Weil mir fällt es nicht besonders leicht,

Das Gefühl hinzukriegen.

Und das war früher in meiner Metta-Praxis ein Problem.

Ich hatte auch Lehrer,

Die wahrscheinlich das gleich hinkriegten und kein Problem damit hatten.

Es war sehr befreiend,

Dass eine meiner Lehrerinnen aus Sharon Salzburg mich darauf aufmerksam gemacht hat,

Dass ich aufhören soll,

Darauf zu schauen.

Und was dann wirklich relevant war,

Ich habe vielleicht fünf Wochen Metta-Retreat gemacht.

Es war in der Halle mit den Menschen,

Ich hatte schon Jahre in dieser Halle verbracht,

Also ich war da sehr zu Hause.

Und ich kam ins Retreat und habe in meinem Zimmer praktiziert und einmal pro Tag für den Vortrag ging ich in die Halle.

Und die erste Woche waren alle,

Ja okay,

Hallo.

Und dann fiel mir auf,

In der zweiten Woche war es so ein Gefühl wie,

Ah,

Hallo,

Da sind wir ja wieder.

Nur das,

Nichts grossartiges.

Und im Laufe der Wochen habe ich gespürt,

Wie sich mein Verhältnis,

Es war alles im Schweigen,

Okay,

Dass wir gesprochen haben,

Wie sehr sich mein Gefühl der Verbundenheit mit all diesen anwesenden Menschen,

Von denen ich viele gar nicht kannte oder den größten Teil nicht kannte,

Veränderte.

Es war nicht ein.

.

.

In der Meditation gab es grandiose Gefühle,

Es gab flache Strecken,

Wüstenstrecken,

Es gab tiefe Gefühle und der ganze Rest.

Aber was wirklich relevant schien auf die Dauer,

War die allgemeine oder sich vielleicht einschleichende Veränderung meiner Haltung.

Ohne dass ich darüber nachdenken musste,

Es war einfach ein anderes Bezugsgefühl.

Und vielleicht können wir vertrauen,

Dass das mehr und mehr geschehen wird,

Wenn wir konsequent Metta praktizieren.

Unabhängig davon,

Was das unmittelbare Resultat zu sein scheint.

So viel zu den Metta-Gefühlen.

Es ist eine innere Haltung.

Vielleicht ist es sogar ein Entschluss.

Und es ist sicher eine Wertschätzung für was ist,

So wie es ist.

Sei es für die Lebewesen oder sei es für die eigenen Erfahrungen oder Dinge oder Situationen.

Und was Erich Fried schrieb in diesem Zusammenhang,

Finde ich ganz interessant.

Ein Gedicht,

Das heißt,

Was es ist.

Es ist Unsinn,

Sagt die Vernunft.

Es ist,

Was es ist,

Sagt die Liebe.

Es ist Unglück,

Sagt die Berechnung.

Es ist nichts als Schmerz,

Sagt die Angst.

Es ist aussichtslos,

Sagt der Verstand.

Es ist,

Was es ist,

Sagt die Liebe.

Es ist lächerlich,

Sagt der Stolz.

Es ist leichtsinnig,

Sagt die Vorsicht.

Es ist unmöglich,

Sagt die Erfahrung.

Es ist,

Was es ist,

Sagt die Liebe.

Metta ist also annehmen,

Respektieren und Wertschätzen ohne Bedingungen zu stellen.

Respektieren und Wertschätzen des Wesen,

Des Lebens,

Wie es ist.

Metta ist auch der wohlwollende Wunsch.

Alle Lebewesen mögen glücklich und heil sein.

Und wie ihr wisst,

Die Sätze,

Die in der Meditation,

In dieser meiner Tradition gebraucht werden,

Sind eben Sätze wie,

Mögen alle Lebewesen glücklich sein,

Mögen alle Lebewesen gesund sein,

Mögen alle Lebewesen in Sicherheit leben,

Mögen alle Lebewesen unbeschwert sein oder mit Leichtigkeit leben.

Und traditionell kultiviert man diesen Wunsch zuerst für sich selbst,

Möge ich glücklich sein,

Frei sein,

Unbeschwert leben.

Und das wirklich versuchen.

Bleibt viel Zeit bei Metta für euch selbst.

Es ist außergewöhnlich heilend.

Es ist eine heilende Energie.

So wie Achtsamkeit,

Gewahrsein,

Gegenwärtigkeit,

Klarsehen eine klärende Energie ist,

Ist Metta eine heilende Energie.

Ich denke,

Wenn wir für uns selbst keine Zuwendung,

Keine Liebe und Wertschätzung finden,

Kann die Liebe für die anderen schwerlich wirklich echt sein.

Vielleicht gut gemeint,

Aber nicht wirklich natürlich echt.

Für sich selbst dann als nächstes,

Wählen wir jemanden,

Der uns viel geholfen hat oder uns viel gegeben hat,

Für uns große Bedeutung hat.

Jemanden,

Dem wir vertrauen,

Der dem das Gefühl von Zuwendung,

Von Wertschätzung,

Von Liebe recht leicht und natürlich entsteht.

Wir stellen uns die Person vor und wiederholen die Sätze wieder.

Und auch die drei Punkte,

Die ich schon erwähnt habe,

Möchte ich noch einmal erwähnen.

Die Sätze wiederholen immer wieder sich ihre Bedeutung erinnern.

Das wir es nicht mechanisch tun.

Und die Person sich vorstellen oder visualisieren oder ein Gefühl für ihre Präsenz finden und in Kontakt bleiben mit sich selbst.

Und das immer wieder,

So kontinuierlich wie möglich.

Und mehr ist nicht nötig.

Manchmal sind angenehme Gefühle da,

Manchmal gar nicht,

Manchmal sogar Widerstand oder Ärger oder manchmal Trauer,

Einsamkeit.

Manchmal löst Meta große Einsamkeitsgefühle und Trauer aus.

Völlig okay,

Was immer kommt.

Wir fahren weiter,

Sanft und kontinuierlich.

Und wenn wir finden,

Dass wir damit umgehen können,

Wechseln wir zu einem Freund,

Einer Freundin,

Einem Bekannten,

Das werden wir morgen tun.

Jemand,

Bei dem es uns noch leicht fällt,

Aber vielleicht nicht gar so leicht.

Wobei,

Wie auch schon erwähnt,

Personen,

Für die wir Verlangen anhaften und Leidenschaft empfinden,

Sich nicht so gut eignen an dieser Stelle.

Dann versuchen wir es mit einer Person,

Die uns nicht viel oder nichts bedeutet.

Jemand,

Der uns gleichgültig lässt.

Für manche kann das schon recht viel schwieriger sein,

Weil wir nichts haben.

Und für andere ist es interessanterweise einfacher,

Weil man einfach drauflos projizieren kann.

Das ist auch sehr interessant zu sehen.

Letztlich können wir eine für uns schwierige Person wählen,

Jemand,

Der uns irritiert oder ärgert oder wütend macht.

Ich finde,

Die ganz Schwierigsten sind die,

Die es immer noch,

Immer wieder tun.

Es ist fast noch schwieriger als die Person,

Die etwas ganz Schlimmes getan hat vor vielen Jahren,

Die es nächste Woche wieder tun wird.

Und am Schluss dehnen wir die Zuwendung aus auf alle Lebewesen,

Ohne Ausnahme,

Wie wir das auch schon begonnen haben.

Wie das Metta-Sutta,

Die Lehrrede von der liebevollen Güte sagt,

Ob schwach oder stark,

Lang,

Mittel oder kurz,

Winzig oder riesig groß,

Sichtbar oder unsichtbar,

Ganz in der Nähe oder weit weg,

Geboren oder noch ungeboren,

Mögen alle Lebewesen ohne Ausnahme glücklich und froh sein.

Soviel zu Metta.

Der zweite der Brahma-Viharas ist Mitgefühl.

Mitgefühl,

Karuna,

Ist der Wunsch,

Alle Lebewesen mögen frei sein von Leiden und Schmerz.

Und so ist auch der Satz,

Der in dieser Tradition,

In der Mitgefühl-Meditation gebraucht wird,

Mögest du frei sein von Leiden und Schmerz.

Frei von körperlichen Schmerzen,

Frei von innerem Leiden,

Frei von Kummer und Sorge.

Mitgefühl,

Karuna,

Ist eigentlich die gleiche Haltung wie die von Metta.

Aber die Aufmerksamkeit ist auf das Leiden der Lebewesen gerichtet,

Anstatt auf ihr Glück und Wohlergehen.

Anstatt zu sagen,

Mögest du glücklich sein,

Ist wirklich der Fokus auf dem Leiden,

Und zwar ganz spezifisch,

Nicht dem allgemeinen Leiden,

Sondern einer schwierigen Situation oder Erfahrung oder dem Schmerz einer Person.

Technisch gesprochen ist der Unterschied das Objekt der Meditation.

Eben Leiden und der Wunsch,

Sie frei sein mögen davon,

Anstatt das Glück.

Karuna,

Mitgefühl wird definiert als das Beben des Herzens,

Wenn es in Berührung ist mit dem Leiden der Lebewesen.

Und Betonung ist,

Wenn es in Berührung ist mit.

Mitgefühl kann es kaum mit ansehen,

Wenn andere leiden und tut,

Was nötig oder tut,

Was möglich ist,

Um zu helfen.

Ryokan,

Der japanische Zen-Poet schrieb,

Ach wäre doch meine Mönchsrobe weit genug,

Um all die leidenden Wesen in dieser treibenden Welt darin aufzunehmen.

Und Shantideva schrieb in seiner Bodhicharyavatara,

Möge ich Arzt und Medizin sein,

Und möge ich Pfleger und Diener sein für die Wesen dieser Welt,

Bis alle und jedes geheilt ist.

Möge ich ein unerschöpflicher Schatz sein.

Möge ich mich in all die Dinge verwandeln,

Die die Lebewesen nötig haben.

Die unheilsame,

Unhilfreiche Gegenkraft von Mitgefühl ist Gewaltsamkeit,

Grausamkeit,

Verletzende,

Zerstörerische Aggression.

Ziemlich offensichtlich.

Der nahe Feind oder die falsche oder täuschende Manifestation,

Was aussehen kann wie Mitgefühl,

Ist Mitleid aus Abneigung,

Aus Aversion.

Da ist Leiden,

Da ist Schmerz,

Aber irgendwie können wir es nicht haben.

Wir reagieren oder tun etwas,

Weil wir es nicht zulassen können.

Mitleid,

Das im Grunde genommen Selbstmitleid ist,

Wir stehen am Grab und weinen,

Aber eigentlich ist es so traurig,

Dass wir auch sterben müssen.

Eigentlich ist es gar nicht unbedingt die Person,

Die gestorben ist.

Mitleid aus Schuldgefühlen,

Auch Mitleid,

Das auf die armen Leidenden hinunterblickt.

Es wird das Gefühl getrennt,

Wenn wir getrennt bleiben,

Wenn wir distanziert bleiben.

Das ist der nahe Feind.

Das ist das Mitleid,

Bei dem Aversion mit im Spiel ist.

Das heißt,

Es ist unsere Unfähigkeit,

Sich für dieses Leiden zu öffnen.

Echtes Mitgefühl entsteht immer dann,

Wenn es uns gelingt,

Uns zu öffnen für Leiden.

Und interessant ist,

Dass immer wenn es uns gelingt,

Dann entsteht Mitgefühl,

Dann müssen wir nichts tun.

Kunst ist,

Offen zu bleiben.

Der Rest geschieht von selbst.

Und immer wenn es uns nicht gelingt,

Und das kommt immer wieder vor,

Entsteht nicht wirklich Mitgefühl.

Es mag sein,

Dass wir trotzdem helfen,

Und es ist immer noch gut für die Anderen.

Nicht,

Dass wir,

Wenn es nicht total echt ist,

Nichts mehr tun sollen.

Bei der formalen Mitgefühl und der Karuna-Meditation fangen wir an,

Beginnen wir mit jemandem,

Der offensichtlich leidet.

Und dabei ist es auch hier so,

Dass dieses Gefühl für uns bei manchen leicht kommt,

Bei anderen eher nicht.

Menschen,

Bei denen wir finden,

Es geschieht ihnen recht,

Die eignen sich nicht so sehr zum Beginn mit der Meditation.

Und können wir auch hier weitergehen,

Indem wir Menschen wählen,

Bei denen es uns schwerer fällt.

Vielleicht,

Weil es ihnen nach aussen sichtbar gut geht,

Oder weil sie vielleicht beliebt oder erfolgreich sind,

Oder wir sie als unsympathisch oder gar irritierend erleben.

Aber auch hier sollten wir nur in dem Mass weitergehen und für uns schwierigere Personen auswählen,

Wie wir geschickt damit umgehen können.

Es macht auch dort keinen Sinn,

Weiterzugehen,

Als wir wirklich können,

Sonst bleibt das Herz zu fettig.

Weil die üblichste,

Gewohnheitsmässigste Tendenz des Herzens ist es,

Bei Kontakt mit Leiden und Schmerz eben mit Ablehnung zu reagieren.

Bis zu einem gewissen Grad etwas Sinnvolles tun kann,

Absolut.

Das würde bedeuten,

Dass es auch Gleichmut und Gelassenheit braucht.

Es ist ja auch das,

Was uns überhaupt ermöglicht,

Wirklich das Herz offen zu behalten.

Nicht Gleichgültigkeit.

Und vielleicht,

Ich hoffe,

Dass wenn wir zum vierten dieser Brahma-Viharas kommen,

In 20 Minuten oder so,

Dass vielleicht da noch etwas in der Richtung beigetragen wird.

Danke,

Ja,

Aber auf jeden Fall.

Zwei,

Die sich im Leiden verlieren,

Ist schlechter als eins und eine Person,

Die hilfreich sein kann.

Danke.

Eigentlich ist es auch ein Stück weit eine Frage,

Ein Wagnis immer wieder,

Zu wagen,

Willens zu sein,

Uns zu öffnen,

Uns vom Leiden oder vom Schmerz berühren zu lassen.

Aber immer wenn es uns gelingt,

Ist die Antwort unseres Herzens ganz von selbst Mitgefühl.

Und vielleicht noch einmal gut,

Der Satz und die Haltung ist,

Möchtest du frei sein vom Leiden.

Es ist auch sehr interessant,

Im langen Corona-Retreat zu sehen,

Wie man ertrinken kann.

Wie man ertrinken kann,

Wenn das Gewicht auf Leiden ist und man vergisst das Gewicht auf Kontakt mit Leiden.

Kontakt mit Leiden,

Aber möchtest du frei sein,

Mögen wir alle frei sein,

Von Leiden gelegt wird.

Am besten können wir das bei uns selbst üben,

Sich zu öffnen für das eigene Leiden.

Unsere eigene Wut,

Unsere eigene Trauer,

Unsere eigenen Ängste uns fühlen lassen.

Das ist gar nicht so selbstverständlich.

Das ist ein wichtiger Teil im Prozess Mitgefühl zu lernen.

Der indische Meister Atisha schrieb,

Diejenigen,

Die helfen,

Andere vom Leiden zu befreien,

Sind vorzügliche Menschen,

Denn sie haben das Leiden in sich selbst erkannt und konfrontiert.

Um echtes Mitgefühl entstehen zu lassen und nicht seinen nahen Feind,

Müssen wir das immer wieder üben.

Der oder die Dritte der Brahma-Viharas Mitfreude-Mudita Mitfreude hier wird definiert als mitfühlende,

Wohlwollende Freude oder Wertschätzung und bedeutet freudiges Teilhaben am Glück,

Am Wohlergehen und am Erfolg der Lebewesen.

Auch sich Freuen oder Wertschätzung der guten heilsamen Qualitäten in anderen Lebewesen.

Und der Satz,

Der in der Mudita-Meditation hier gebraucht wird,

Heisst Möge dich Glück,

Wohlergehen und Erfolg nie verlassen.

Oder ähnlich.

Die gegenteilige Kraft,

Der sogenannte entfernte Feind,

Von Mitfreude ist Eifersucht und auch Neid und Konkurrenzdenken.

Rumi fragt Im großen Mysterium können wir nichts wirklich besitzen.

Was ist also das Gefühl der Konkurrenz,

Das wir haben,

Bevor wir einer nach dem anderen durch dasselbe Tor schreiten?

Mitfreude,

Wertschätzung,

Ist der Eifersucht,

Dem Neid und dem Konkurrenzdenken diametral entgegengesetzt.

Der nahe Feind oder die falsche oder täuschende Manifestation von Mitfreude ist so etwas wie Überschwung,

Wenn die Energie der Freude zu hoch wird und wir dabei Kontakt verlieren.

Gerade zusammen mit der Sammlung kann das absolutes Wow sein und der Kontakt dann weggehen.

Oder auch ein bisschen anders ist wohlwollendes Getue.

Also man freut sich über andere.

Sagt nette Dinge,

Aber eigentlich ist es gar nicht wirklich gemeint oder nicht wirklich in Kontakt.

Vielleicht gehört sogar Heuchelei ein Stück weit zu dem nahen Feind,

Der Mitfreude.

Unser Problem mit der Mitfreude ist oft unser enormer Mangel an Selbstrespekt,

An echter Wertschätzung für uns selbst,

Für unser Sein,

Für unser Wesen,

Für unsere vielen Qualitäten,

Die wir alle haben.

Weil wir immer wieder so viel Zeit verbringen mit uns richten,

Uns werten,

Bewerten,

Beurteilen,

Verurteilen.

Manchmal denke ich,

Wir Menschen oder vor allem wir Abendländer,

Abendländerinnen des jüdisch-christlichen Kulturkreises sind vielleicht der einzige Aspekt des Lebens,

Der sich immer wieder überzeugen muss,

Dass er lebens- und liebenswert ist.

Und manchmal erscheint uns das noch fast anmassend.

Schon theoretisch,

Schon klar,

Aber irgendwie ist es ein Phänomen,

Dass verschiedene asiatische Lehrer,

Die ich gekannt habe,

Immer wieder feststellen,

Das ist eines der größten Probleme,

Das sie sehen,

Bei Westlichen auch ein Hemmnis in der Meditation.

Und der Dalai Lama hat sich immer schon wieder gefragt,

Weil er konnte das nie nachvollziehen.

Und in einer Konferenz,

An der Sharon dort war,

Hat sie gesagt,

Sie ist in einer Konferenz mit westlichen Leuten zu jedem hingegangen und hat gesagt,

Verstehst du das?

Und dann hat er gesagt,

Ja,

Sure.

Gerade darum ist es so wichtig,

Metta,

Liebevolle Güte und auch Mitfreude,

Für sich selbst zu üben,

Immer und immer wieder uns an unseren Qualitäten zu erfreuen und sie wertzuschätzen.

Und wenn wir am Abend,

Beim Abschluss der Praxis,

Die heilsamen Energien und Qualitäten und Verdienste teilen und verschenken,

Ist es schon eben wichtig,

Dass zuerst Wertschätzung da ist,

Dass auch ein Gefühl da ist,

Dass wir wirklich etwas zu verteilen haben.

Ich habe das immer wieder festgestellt,

Dass ich die klassische Widmungsformel gesagt habe,

Durch die Kraft der Verdienste in meiner Praxis,

Und dann gehört habe,

Wie ein Klammer immer wieder kam,

Wenn da überhaupt etwas war.

Wenn,

Falls da überhaupt irgendetwas Gutes,

Positives dabei war,

Mögen alle,

Liebe Wesen,

Also schaut,

Ob ihr wirklich,

Wenn wir das tun am Abend,

Die zwei,

Drei Minuten sind es ja nur,

Ob ihr denkt,

Ja schon recht,

Wahrscheinlich war schon irgendetwas,

Oder ob es euch möglich ist,

Wirklich wertzuschätzen,

Ich meine,

Was wir hier tun,

Ist phänomenal.

Stellt euch vor,

Von all diesen Menschen auf dieser Welt oder in unserer Umgebung,

Und hier sind 57 Menschen,

Die so viel Zeit,

Ein bis vier Wochen,

Sich genommen haben,

Für manche sind das vielleicht die ganzen Ferien,

Um heilsame Qualitäten zu kultivieren,

Um das Leben zu erforschen,

Um zu verstehen,

Um zu lernen,

Was Leidenschaft und wie man sich selbst davon befreien könnte,

Und wie man seiner Mitwelt vielleicht hilfreicher wirken könnte.

Es ist fantastisch,

Es ist wertschätzenswert,

Es ist Grund,

Sich wirklich zu freuen,

Ohne übertreiben,

Und wenn ihr jedes Gefühl habt,

Ihr kippt in Stolz oder Einbildung,

Ist völlig okay,

Für uns ist es viel lieber,

Sich was darauf einbilden,

Als dieses,

Ja,

Ja,

Ist schon recht,

Ja.

Zumindest sollten wir doch bereit sein,

Uns Ashley Brilliants Aussage auch in Bezug auf uns selbst anzuschliessen.

Es mag sein,

Dass ich nicht absolut perfekt bin,

Aber grosse Teile von mir sind hervorragend.

Und abschließend,

Die wichtigste Eigenschaft von Mudita,

Ist erfreutes Wertschätzen des Erfolges,

Des Besitzes,

Des Wohlergehens,

Der Qualitäten,

Der guten Situationen,

Der Freude,

Des Glücks anderer Lebewesen und hier auch unserer selbst.

Es ist eine beglückwünschende Haltung,

Das Ausdruck der Gratulation.

Mitfreude entsteht,

Genau gleich wie Metta,

Auch aus der Erkenntnis und Erfahrung der Einheit,

Der Verbundenheit allen Lebens.

Und immer,

Wenn die Verbundenheit da ist,

Entsteht sie natürlich,

Spontan.

Aber wir können mit Freude auch üben,

In formaler Praxis,

Aber auch sonst,

Als eine Umschichtung vielleicht unserer Gewohnheit.

Können uns vielleicht zu Beginn,

Was vielleicht leichter ist,

Über die Qualitäten grosser Heiliger freuen,

Qualitäten eines Buddha,

Eines Christus oder uns näherliegende Beispiele,

Wie Mutter Teresa oder Kale Lama.

Wertschätzung ihrer Weisheit,

Ihrer Liebe,

Ihrer tiefen Verbundenheit.

Und dann können wir uns freuen über das Glück,

Das Wohlergehen und die Qualitäten von Menschen,

Die wir lieben,

Unsere Kinder,

Unsere Partnerinnen,

Freunde,

Freundinnen.

Und das eben bewusst tun,

Praktizieren,

Nicht,

Wenn es zufällig passiert.

Und natürlich spannend wird es auch hier mit für uns schwierigen Menschen.

Und die Frage ist,

Dann bin ich bereit,

Auch einem für mich schwierigen,

Mühsamen Menschen,

Positive Qualitäten zuzugestehen.

Vielleicht sogar meinem Feind oder Rivalen oder Konkurrenten.

Oder manchen Politikern,

Die wir wirklich nun völlig hoffnungslos daneben finden.

Die haben es,

Egal welche,

Die haben auch gute Qualitäten.

Vielleicht mehr verschüttet als in anderen.

Aber sie haben sie.

Und wenn es jemand ist,

Den wir schwierig finden,

Dann können wir uns freuen,

Wenn die glücklich sind oder erfolgreich.

Oder die Konkurrenten vielleicht sogar,

Denen das gelingt,

Was mir nicht gelungen ist.

Hohe Schule.

In einem langen Retreat,

Lieber ein anderes Mal in der Gruppe oder anschließend,

Wird sonst alles zu lang.

In einem langen Retreat wollte ich über Mitfreude reflektieren und kontemplieren.

Und ich habe auch gemerkt,

Dass es mir gar nicht leicht fiel,

Überhaupt Dinge zu finden,

Über die ich mich freuen konnte.

Ich habe mich entschlossen,

Einfach mal aufzuschreiben,

Was mir so dazu einfiel.

Hier ein Teil davon als Beispiel.

Eine Mischung aus Metta und Mudita.

Es ist sehr persönlich,

Ich weiss,

Aber ich lese es jetzt einfach.

Manchmal gibt es auch ein Gefühl,

Was es sein könnte.

Ich freue mich darüber,

Dass ich dieses Retreat mache.

Ich freue mich über die Momente,

In denen das Herz sich öffnet,

Ein tiefes Mitgefühl für die leitenden Wesen.

Ich freue mich über die Momente während der Morgendämmerung draussen vor dem Tor.

Die Erde und alle Lebewesen segnend mit dem großen Mantra.

Ich freue mich am großen Mitgefühl der Erwachten,

Der Erleuchteten,

Der Buddhas.

Ich bin dankbar,

Dass Techen Chöling,

Das Retreathaus dort,

Gebaut wurde und den Menschen zur Verfügung steht.

Ich bin meinem Lehrer dankbar für seinen Schutz und Segen über den Ort und allen,

Die hier praktizieren.

Ich freue mich über mein Bemühen und Interesse,

Immer und immer wieder die Natur des Geistes zu erforschen.

Ich freue mich über die Momente der Offenheit und Klarheit.

Ich freue mich über die Momente des Loslassens und der Abkehr von Samsara.

Ich freue mich darüber,

Dass die positiven Qualitäten und Energien,

Die hier erwacht und berührt worden sind,

Sie teilen zu können.

Mit all meinen Lehrern,

Mit meinen Eltern,

Mit meiner Frau,

Mit meinen Freunden.

Mit allen,

Die je einen Vortrag,

Retreat oder Kurs von mir besucht haben.

Mit allen Menschen und mit all den Tieren hier.

Es hatte viele Tiere dort.

Den Spinnen,

Den Fliegen und Motten,

Den Tausendfüßlern,

Den Regenwürmern,

Den scheuen Rehen und Hirschen,

Den wilden Druthähnen,

Den Murmeltieren,

Den Eulen,

Bussarten und Reihen,

Den kanadischen Wildgänzen auf ihrem Weg in den Süden,

Den Biber unter dem Teich,

All den unsichtbaren Lebewesen und vor allem auch all den kleinen Wesen im Feuerholz,

Das im Ofen verbrannt wurde,

Um mich warm zu halten.

Mit der Erde,

Dem Gras,

Den Bäumen und den Sternen.

Und ich freue mich und bin allen dankbar,

Dass es sie gibt und dass sie da sind.

Das ist ein ernsthafter Vorschlag.

Macht Listen von euren Qualitäten.

Von euren eigenen positiven Handlungen,

Ob klein oder groß,

Sind genau gleich bedeutsam.

Ich meine das im Ernst.

Ihr sollt nicht schreiben,

Wenn ihr eine Liste macht oder wenn ihr nach dem Retreat eine Liste macht.

Unbedingt.

Ich habe das schon oft gesagt.

Ich weiss nicht,

Ob je jemand eine macht.

Das ist sehr interessant.

Wenn wir das tun,

Wird es uns auch besser und besser gelingen,

Die Qualitäten anderer zu sehen und zu schätzen.

Wenn wir sie bei uns nicht sehen,

Ist es so schwer,

Sie bei anderen zu sehen.

Fällt uns auch leichter,

Das positive Tun anderer wirklich zu würdigen.

Mitfreude kann zu einem der positivsten und schönsten Aspekte unserer Praxis werden und Farbe und Lebendigkeit in unser Dasein bringen.

Und es ist manchmal wirklich anstrengend und braucht wirklich ausserordentlich viel Bemühen,

Diese Praxis.

Mitfreude wäre eigentlich gratis und noch angenehm.

Eigentlich neben Großzügigkeit die einfachste und freudvollste Praxis.

Es ist immer jemand,

Der gute Qualitäten hat.

Es ist immer jemand,

Der sich freut.

Es ist immer jemand,

Der Erfolg hat,

Irgendwo in unserem Umfeld.

Rumi sagt,

Wenn du in einen Garten gehst,

Betrachtest du die Rosen oder die Dornen?

Verbring mehr Zeit mit Tulpen und Jasminen.

Zum Schluss noch einige Worte dazu.

Vierten der Brahma-Viharas,

Gelassenheit,

Gleichmut,

Dupekha.

Es bedeutet unparteiisch und voreingenommen oder eben gelassen oder mit gleichem Mut,

Denke ich,

Gleichmut.

Mit dem zu sein,

Was ist,

Was immer es auch sein mag,

Möglichst ohne Anhaften und ohne Abneigung und ist vor allem das,

Was wir im Vipassana üben.

Dabei bezieht sich Gleichmut oder Gelassenheit im Sinne dieser Brahma-Viharas auf das Verhältnis zu Menschen,

Zu Lebewesen,

Zu den für uns angenehmen,

Zu den uns gleichgültigen und zu den für uns schwierigen und zu uns selbst.

In diesem System folgt Gelassenheitsmeditation als letztes nach Metta,

Karuna und Mudita,

Nach liebevoller Güte,

Mitgefühl und Mitfreude.

Das ist ganz wichtig hier.

In der Meditation von Gleichmut hier werden die guten Wünsche von Güte,

Von Mitgefühl und Mitfreude relativiert oder vielleicht in einen Kontext der Weisheit gesetzt.

Sie werden in Bezug gesetzt zur großen Gesetzmäßigkeit,

Die unser Tun,

Unser Handeln und unser Erfahren regiert und bestimmt.

Und der Satz,

Der in der Gelassenheitsmeditation rezitiert wird,

Heisst deshalb,

Alle Lebewesen sind die Erben oder die Erbinnen ihres Karmas.

Das heisst,

Sie erben oder erleben die Wirkung ihres eigenen Tuns.

Und der zweite Teil des Satzes macht das noch klarer.

Er sagt,

Dein Wohlergehen hängt von deinen eigenen Taten ab,

Von deinen eigenen Taten und inneren Haltungen ab,

Nicht von meinen guten Wünschen für dich.

Nicht von meinen guten Wünschen von Metta,

Karuna und Mudita für dich.

Das mag auf Anhieb schwer zu verstehen sein.

Bedeutet das,

Dass wir uns das Ganze nun doch anders überlegt haben mit diesem Liebe- und Mitgefühlzeug?

Natürlich nicht.

Wenn wir wirklich Metta,

Mitgefühl usw.

Üben,

Verändert das unsere innere Haltung und unser ganzes Sein.

Wenn echte Liebe und Mitgefühl in uns wachsen,

Wird sie sich auch nach aussen manifestieren.

Es wird sich auf die Umwelt auswirken.

Es muss sich in unseren Handlungen manifestieren.

Und trotzdem können wir nicht andere Lebewesen von ihrem inneren Leiden befreien.

Wenn das möglich wäre,

Hätte das der Buddha oder Christus längst getan.

Wir alle sind tatsächlich die Erschaffer unseres eigenen inneren Glücks und Leidens.

Karma würde mindestens ein ganzer Abendvortrag für sich sein.

Wir können nicht bestimmen,

Was uns zustößt,

Aber wie wir damit sind,

Wie wir damit umgehen,

Was wir damit tun.

Das schon.

Wir selbst brauchen Gleichmut,

Um uns nicht abhängig zu machen vom Erfolg oder Misserfolg unserer echt von Güte motivierten Taten.

Und das spricht vielleicht ein Stück weit zu deiner Frage.

Sonst haben wir Liebe oder Mitgefühl ohne Weisheit und ohne Gelassenheit.

Ohne Weisheit ist sie blind.

Ein Paradebeispiel sind für mich oft Friedensmärsche,

Die in Straßenschlachten enden.

Gibt es immer wieder mal.

Dabei sind sie wohl meist wirklich gut gemeint.

Es ist ein Mangel an Gleichmut.

Aber Burnout,

Wie sagt man es auf Deutsch?

Ausbrennen,

Hat wirklich damit zu tun.

Muss nicht,

Aber kann.

Wir sind da für andere endlos,

Endlos.

Und sind davon abhängig,

Dass wir erfolgreich sind.

Ich helfe,

Ich unterstütze,

Ich therapiere,

Aber es muss danach wirken.

Es muss ankommen.

Und wenn es nicht ankommt,

Bin ich frustriert.

Wenn es länger nicht ankommt,

Gräbt es mir die Energie ab.

Dort fehlt UPK.

Dort fehlt die Weisheit,

Die sieht,

Was möglich ist und was nicht möglich ist.

Dort fehlt zusätzlich zum wirklich für andere und für Leiden da zu sein,

Die Fähigkeit,

Auch in sich selbst zu ruhen,

Ohne sich vollständig zu verlieren.

Wenn der Lama Tuchcham Rinpoche diese Qualität so illustriert,

Wie ich es bereits einmal gelesen habe.

Der offene,

Weite Raum fühlt sich nicht bedroht von Blitz und Sturm und nicht geschmeichelt vom Regenbogen.

Und könnte man hier vielleicht glauben,

Es bedeute,

Von allen Wesen gleich distanziert zu sein.

Genau das Gegenteil ist aber wahr.

Man ist allen Wesen gleich nah.

Es ist ein Zustand der wachen Lebendigkeit.

Und hier ein Versuch einer Beschreibung des Verhältnisses von Liebe,

Mitgefühl und Mitfreude zu Gleichmut,

Zu UPK.

Ich könnte sagen,

Die drei,

Also Liebe voller Güte,

Mitgefühl,

Mitfreude,

Ruhen in Gelassenheit,

Ruhen in Gleichmut.

Es ist ein Zustand der Ruhe,

Aber auch der Bereitschaft.

Denn je nach der Erfahrung,

Die von aussen kommt,

An uns herantritt,

Je nach der Bedingung,

Die entsteht,

Antwortet das Herz mit Liebe,

Nämlich in Begegnung mit den Lebewesen,

Oder mit Mitgefühl,

In Begegnung mit Leid,

Oder mit Wertschätzung,

Mit Freude,

In Begegnung mit Glück,

Wohlergehen,

Erfolg.

Und dann kommt das Herz wieder zur Ruhe,

In Gleichmut,

In Gelassenheit.

Es ist der Ort,

Wo wir selbst zur Ruhe kommen.

Diese vier Brahma-Vihara können unendlich weit und tief kultiviert werden,

Bis in konzentrative Versenkungen,

In tiefe Chanas,

Und auf eine Art,

Die das ganze Wesen eines Menschens durchdringt und durchstrahlt.

Und dabei sind sie aber alle die ursprünglichen,

Fundamentalen,

Natürlichen Qualitäten unseres eigenen Geistes und Herzens.

Und weil sie das sind,

Praktizieren wir überhaupt.

Deshalb streben wir zum Licht,

Streben wir zur Befreiung.

Wären sie das nicht,

Wären sie nicht uns Innewohnden,

Wir könnten sie niemals erfinden.

Es könnte niemand sie uns lehren,

Wenn wir sie nicht in uns drinnen schon hätten.

Wir müssten sie kultivieren,

Oder entwickeln,

Oder vielleicht einfach freischaufeln,

Oder wiedererkennen,

Je nachdem,

Wie man das beschreiben will.

Aber sie sind immer schon da,

Sie sind unsere wahre,

Ureigenste Natur.

Und darauf können wir vertrauen.

4.9 (29)

Neueste Bewertungen

Caroona

November 16, 2025

Danke 🦋

rolf

October 29, 2022

danke vielmal 🙏

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