
Die kleine Schwalbe und das Glück | Meditation & Märchen
Eine entspannende Abendroutine (geführte Meditation mit Tagesreflexion & Dankbarkeitspraxis) und ein Märchen aus Korea zum Einschlafen. Was im Märchen passiert: In einem Dorf zwischen Hügeln und Reisfeldern pflegt ein Mann eine kleine Schwalbe gesund. Kurz darauf bringt sie ihm einen Kürbissen, der ihm und seiner Familie Glück bescheren wird. Sein älterer Bruder möchte das gleiche Glück und versucht, es zu erzwingen. Auch er erhält eine Bescherung, die ihm jedoch erst auf den zweiten Blick Glück verheißen wird. Wie immer, so wird auch diese Geschichte am Ende gut ausgehen, so dass Du beruhigt jederzeit einfach einschlafen kannst. Sanft. Warm. Beruhigend. Start Märchen: 09:05
Transkription
Die kleine Schwalbe und das Glück Meditative Abendroutine und ein Märchen aus Korea Mach es dir in deinem Bett bequem,
Rückel und regel dich zurecht und nimm ein paar tiefe Atemzüge.
Atme befreiend ein und aus und gib dir dazu die Bewegungen,
Die dir gerade gut tun.
Wenn du dann soweit bist,
Schließe deine Augen und werde ganz ruhig.
Komm an am Abend dieses einzigartigen Tages in deinem Bett.
Spüre,
Wie dein Atem ein- und ausströmt und wie sich sanft dein Oberkörper hebt und senkt.
Stell dir vor,
Wie du mit jedem Atemzug immer schwerer und immer gemütlicher in die Matratze sinkst und wie du alle vielleicht noch vorhandene Anspannung loslässt.
Lass los,
Gemütlich,
Sicher und geborgen.
Ich lade dich ein,
Die Bilder deines Tages vor deinem inneren Auge anzusehen.
Wie einen Film,
In dem du die Hauptrolle spielst.
Was ist heute passiert?
Wie hast du deinen Tag verbracht?
Schau mal,
Welche Bilder und Sequenzen so auftauchen.
Eine Minute für deinen Film des Tages.
Jetzt sammle nochmal die Dinge zusammen,
Für die du heute besonders dankbar bist.
Was hat dir heute Freude bereitet?
Was war angenehm?
Was auf schöne Weise überraschend?
Wofür bist du heute dankbar?
Nun nimm nochmal einen etwas tieferen Atemzug ein und lass los mit dem Ausatmen.
Lasse die Bilder des Tages,
Die Bilder der Dankbarkeit Richtung Himmel ziehen.
Hinauf zu den Wolken.
Und vielleicht willst du dir vorstellen,
Wie du an einem wundervollen Tag,
An einem schönen Platz,
In der Natur oder in einem Garten liegst und entspannst.
Wie die warme Luft dich wärmt,
Die Vögel zwitschern und ein sanfter Windhauch streichelt dein Gesicht.
Hier kannst du auftanken,
Regenerieren,
Erholen.
Denn es gibt jetzt nichts mehr zu tun,
Als einfach nur zu entspannen.
Und in diesen Momenten der Entspannung finden all die wichtigen Regenerationsprozesse in dir statt.
Einfach so.
Ob du nun darüber nachdenkst oder nicht.
Denn jede Zelle in dir weiß ganz genau,
Was zu tun ist.
Und während du jetzt vielleicht schon immer schläfriger und immer müder wirst,
Lese ich dir eine kleine Geschichte vor,
Die sich vor langer,
Langer Zeit weit,
Weit weg von hier zugetragen haben soll.
Und ich verrate dir jetzt schon,
Dass das Märchen gut ausgehen wird.
Du kannst also jederzeit ganz beruhigt einfach einschlafen.
Es war einmal in einem kleinen Dorf zwischen grünen Reisterrassen auf sanft geschwungenen Hügeln ein junger Mann namens Heungbo.
Er lebte mit seiner Frau und seinen Kindern in einem einfachen Lehmhaus.
Mit einem Dach aus hellem Reisstroh.
Heungbo besaß nicht viel.
Doch jeder im Dorf wusste,
Dass man an seine Tür klopfen konnte,
Wenn man Hilfe brauchte.
Ganz anders war sein älterer Bruder Nollbo.
Der in einem großen Haus am Dorfrand lebte.
Er hatte viele Truhen mit Vorräten und dicke Rollen aus feinstem Stoff.
Doch er lebte alleine und hatte kaum Zeit für andere.
Denn er kümmerte sich mehr um seine Vorräte als um andere Menschen.
Eines schönen Tages,
Als der Frühling gerade über die Felder zog und die ersten Schwalben unter den Dächern nach einem Platz für ihre Nester suchten,
Hörte Heungbo vor seiner Hütte ein leises Piepsen.
Er blickte sich um und sah eine kleine Schwalbe,
Die zitternd auf dem Boden lag.
Sie war verletzt und konnte nicht fliegen.
Heungbo kniete sich zu ihr,
Ganz behutsam.
»Kleine Freundin«,
Flüsterte er,
»du hast ihr wohl wehgetan.
« Vorsichtig nahm er sie in seine Hände,
Die warm und ruhig waren,
Und trug sie ins Haus.
Seine Frau legte ein Stück Leinen bereit und gemeinsam versorgten sie den kranken Vogel.
Die Tage vergingen,
Und die Schwalbe saß munter auf dem Fensterbrett,
Wo Heungbo ihr Körnchen und Wasser hingestellt hatte.
Oft hüpfte sie auf seine Schulter,
Und wenn die Kinder lachten,
Flatterte sie aufgeregt mit den Flügeln,
Als wollte sie sagen »Ich mache mit«.
Als der Sommer kam und die Schwalbe wieder gesund und kräftig war,
Ließen sie sie nach draußen.
Sie flog in weiten Kreisen über das Haus,
Zwitscherte laut und verschwand schließlich im warmen,
Weiten Blau des Himmels.
Heungbo seufzte leicht.
»Lebe wohl,
Kleine Freundin«.
Der Sommer verging,
Und der Herbst rückte näher.
Und da kehrte die Schwalbe zurück.
Sie landete direkt vor Heungbos Füßen,
Mit etwas Seltsamen im Schnabel,
Einem einzigen Kürbissamen,
Glänzend wie ein Tropfen Sonne.
»Für mich?
« fragte er,
Als könne die Schwalbe antworten.
Sie nickte,
Oder es sah zumindest so aus,
Als würde sie nicken.
Und dann flog sie wieder davon,
Hoch hinauf,
Über das Dach,
Über die Felder und die Wälder des Landes.
Heungbu pflanzte den Samen in die Erde.
Er dachte nicht viel darüber nach.
Ein Kürbis war ein Kürbis,
Und ein Geschenk einer Schwalbe war einfach schön,
Auch wenn man nicht wusste,
Was daraus wurde.
Doch schon bald wuchs aus dem kleinen Samen eine kräftige Ranke,
Die sich über den Garten legte wie ein grüner,
Lebendiger Teppich.
Und an dieser Ranke wuchsen Kürbisse,
Größer als alle anderen im Dorf,
Rund,
Orange,
Prall und glänzend,
Als seien sie mit Sonnenlicht gefüllt.
Als der Herbstwind bald die Blätter rascheln ließ,
Schnitt Heungbu die größten Früchte ab und trug sie ins Haus,
Um sie zu öffnen.
Kaum hatte er die Schale des ersten Kürbisses gespalten,
Rief seine Frau,
Die neben ihm stand,
Überrascht.
»Heungbu,
Schau nur!
« Aus dem Inneren des Kürbisses rieselte kein Fruchtfleisch,
Sondern Reis.
Weißer,
Feiner,
Duftender Reis,
Der sich auf dem Boden des Häuschens verteilte.
Im zweiten Kürbis lagen feine Stoffe,
Weich wie Seide,
In Farben,
Die wie das Morgenlicht schimmerten.
Im dritten Kürbis waren Werkzeuge aus festem Holz und glänzendem Metall,
Wie sie sich ein Handwerker nicht schöner hätte wünschen können.
Und im vierten Kürbis waren silberne und goldene Münzen,
So viele,
Dass die Kinder mit großen Augen da saßen und nicht wussten,
Ob sie gerade träumten.
Heungbu lachte,
Und seine Frau hielt sich die Hand vor den Mund.
»Das ist ein Wunder!
« Noch am selben Abend luden sie die Nachbarn ein.
Die Kinder liefen vergnügt über den Hof,
Und im kleinen Lebenhaus,
Das plötzlich so warm und voller Leben war wie nie zuvor,
Duftete es nach Reis.
Doch im großen Haus am Dorfrand saß Nollbu mit zusammengekniffenen Augen.
Er hatte das Lachen gehört,
Das aus dem Haus seines Bruders herausgedrungen war,
Und die Freude gespürt.
Und in seinem Herzen regte sich etwas,
Das sich eng und drückend anfühlte.
»Warum er?
« murmelte er.
»Warum nicht ich?
« Im nächsten Jahr geschah es,
Dass Nollbu mitansah,
Wie eine Schwalbe vergeblich versuchte,
Unter seinem Dachvorsprung ein Nest zu bauen.
Er verscheuchte sie grob.
Doch die Schwalbe ließ sich nicht beirren.
Sie blieb,
Baute weiter und flatterte hin und her.
Und da erinnerte er sich an das Glück seines jungen Bruders.
»Also gut«,
Sagte er,
»dann komm her.
« Er tat so,
Als wolle er sie füttern.
Aber in Wahrheit wollte er sie festhalten und sie bei sich einsperren.
Denn er glaubte,
Dass genau daraus die magische Kürbissaat entstanden war.
Kaum hatte er versucht,
Die Schwalbe zu fangen,
Flatterte er sie panisch davon und blieb mit dem Flügel in den Ästen eines Strauches hängen.
Es geschah nicht absichtlich.
Aber es geschah eben doch.
Nollbu griff nun nach dem Vogel,
Um ihn zu versorgen.
Doch seine Hände waren nicht ruhig und seine Geduld war kurz.
Schließlich schaffte es der Vogel,
Sich zu befreien und davon zu flattern.
Und Nollbu dachte,
Nun käme bestimmt ein schönes Wunder für ihn.
Und tatsächlich,
Ein paar Wochen später brachte die Schwalbe einen Samen und ließ ihn vor seinem Tor fallen.
Nollbu pflanzte ihn sofort ein und bewachte ihn.
Er musste nicht lange warten,
Denn bald wuchsen auch bei ihm Kürbisse.
Groß,
Rund und schwer.
Nollbu lachte.
Endlich.
Doch als er den ersten Kürbis öffnete,
Sprang ein kleiner frecher Kobold heraus,
Der in sein Haus lief und dort alles auf den Kopf stellte.
Trun öffnete,
Stoffrollen durch die Luft warf und Reis verstreute.
Im zweiten Kürbis saßen zwei Hasen,
Die sich sofort über Nollbus frisch gebackenen Kuchen hermachten und alles verkrümelten.
Im dritten Kürbis lag eine einzige blecherne Münze,
Winzig und leicht.
Nollbu sank auf seine Knie und rief.
Warum,
Warum werde ich so bestraft?
Doch als er so da saß,
Sah er,
Wie der Kobold,
Der eben noch Unfug getrieben hatte,
Sich mit den beiden Hasen auf sein Bett kuschelte und leise schnarchte.
Und ihm fiel auf,
Dass sein Haus,
So chaotisch es gerade auch war,
Plötzlich nicht mehr so still und einsam wirkte wie sonst.
Es war Leben eingekehrt und eine Gemütlichkeit,
Die er in den letzten Jahren sehr vermisst hatte.
Da klopfte es an die Tür.
Heung-Bu,
Sein jüngerer Bruder,
Stand draußen.
Komm,
Sagte Heung-Bu sanft,
Lass uns zusammen aufräumen.
Und so räumten sie gemeinsam das Haus des älteren Bruders auf.
Sie lachten über die Hasen,
Die sich in Nollbus' Ärmel verstecken wollten,
Und über den Kobold,
Der sich in einer Schale Reis wälzte,
Bis er aussah wie ein kleiner Schneeball.
Als der Abend kam,
Saßen die beiden Brüder vor dem Haus,
Während die Sonne unterging und der Himmel in Pfirsichfarben glühte.
Es tut mir leid,
Sagte Nollbu leise.
Heung-Bu lächelte,
Und in diesem Moment zog die kleine Schwalbe erneut ihre Kreise über den Himmel,
Als wollte sie sagen,
So soll es sein.
Sie lebten in Glück und Frieden,
Und wenn sie nicht gestorben sind,
Dann leben sie auch heute noch.
Irgendwo zwischen den Hügeln,
In ihrem Dorf,
In das die Schwalben jedes Frühjahr zurückkehren und den Menschen im Dorf Glück bringen.
Und dir wünsche ich eine gute Nacht,
Einen tiefen und erholsamen Schlaf und schöne Träume.
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