
Wut – Die Kraft, Die Dich Zurück Zu Dir Bringt
Wann warst du das letzte Mal so richtig wütend? In dieser Folge spreche ich über die Kraft, die so oft unterdrückt wird – und mit ihr unsere Wahrheit. Ich teile persönliche Erfahrungen, warum Wut für mich lange ein Problem war und wie ich gelernt habe, sie als Ressource zu sehen: nicht als Bedrohung, sondern als Wegweiser. Du erfährst, warum Wut mehr mit Selbstachtung als mit Aggression zu tun hat, wie du deine Wut ausdrücken kannst, ohne zu verletzen, und warum es so wichtig ist, ihr endlich zuzuhören. Denn: Wo Wut unterdrückt wird, wird auch Wahrheit unterdrückt.
Transkription
Heute geht es mal um Wut.
Wann warst du das letzte Mal so richtig wütend?
Mein zentraler Satz,
Den ich dir gleich mal mitgeben möchte,
Ist,
Wo Wut unterdrückt wird,
Wird auch Wahrheit unterdrückt.
Denn Wut ist eine sehr,
Sehr wichtige Kraft und kein Problem.
Für mich selber war es aber lange Zeit ein Problem,
Weil wir als Kinder damals nicht einfach wütend werden durften.
Das war wirklich ein Problem,
Denn meine Mutter,
Die uns das Ausdrücken von Wut verboten hatte,
Wurde selber sehr oft wütend.
Da schließt sich natürlich der Kreislauf der Schattenarbeit.
Ich weiß noch,
Wie ich ziemlich oft abends vor unterdrückter Wut in meinen Kissen geweint habe.
Oh Mann,
Das hat lange gedauert,
Aber inzwischen habe ich wieder ganz guten Zugang zu dieser Kraft.
Denn das ist es,
Eine Kraft.
Wut steht in Verbindung mit Aggression.
Und Aggression kommt aus dem Lateinischen,
Das heißt aggredere.
Übersetzt heißt das so viel wie rangehen.
Wie gehst du an etwas oder an andere Menschen ran?
Also nimmst du dir etwas vom Leben und wie grenzt du dich ab?
Für diese beiden Dimensionen brauchen wir die Kraft der Aggression und auch Wut.
Wut ist etwas anders als Aggression,
Aber lass uns das mal anschauen.
Wut wird in unserer Gesellschaft häufig als negatives Gefühl abgestempelt.
Doch das ist es nicht.
Wut ist eine zutiefst menschliche Emotion,
Die immer einen Grund hat.
Sie entsteht,
Wenn unsere Grenzen verletzt werden oder überschritten werden.
Wenn wir uns oder etwas,
Das uns wichtig ist,
Gefahr droht.
Wenn unsere Werte,
Unser Körper oder unsere Beziehung bedroht werden.
Wut bringt uns in Kontakt mit dem,
Was uns am Herzen liegt.
Sie ist ein kraftvoller Impuls,
Der uns schützt und verteidigt.
Und jetzt mal biologisch gesehen,
Kommen wir durch die Wut in einen Zustand der Aktivierung.
Wir gehen in Kampfbereitschaft.
Wir spannen uns an.
Unsere Aufmerksamkeit ist fokussiert.
Unser Nervensystem bereitet uns darauf vor,
Uns zu behaupten.
Und trotzdem,
So viele von uns haben nie gelernt,
Diese Kraft zuzulassen.
Vor allem Frauen,
Aber im Grunde auch Männer.
Wir wurden mit gesellschaftlichen Zuschreibungen geprägt.
Wütende Frauen gelten als zickig,
Überemotional.
Bestimmt hat sie ihre Tage.
Und Männer wiederum haben nur gewaltsame Vorbilder erlebt,
Wenn es um Wut geht.
Mit dem Ergebnis,
Dass sie sich selber dieses Gefühl nicht erlauben oder sofort ein schlechtes Gewissen haben,
Wenn es auftaucht.
Viele von uns,
Ob männlich oder weiblich,
Wir haben oft keine guten Vorbilder für einen gesunden,
Gewaltfreien Ausdruck von Wut.
Das beginnt natürlich in der Kindheit so,
Wie ich das eben von mir beschrieben habe.
Wenn Kinder wütend sind und ihre Wut nicht gehalten werden kann,
Weil Erwachsene damit überfordert sind,
Wird diese Wut abgewertet,
Weggeschoben oder sogar bestraft.
Und so lernen wir,
Wut ist nicht willkommen.
Wut ist gefährlich.
Wut macht einsam.
Und das Problem ist,
Unterdrückte Wut verschwindet nicht.
Sie bleibt im Körper.
Sie sucht sich andere Wege und das kann ganz unterschiedliche Formen annehmen,
Von psychosomatischen Beschwerden bis hin zu innerer Erschöpfung,
Rückzug,
Chronischem Stress oder sogar autoaggressiven Verhalten.
Also ich richte dann diese Wutenergie gegen mich selbst.
In meiner Pubertät konnte ich diese Wut nicht ausdrücken und so ist sie,
Bildlich gesprochen,
Nach innen geschossen.
Und was mir in dieser Phase besonders bewusst geworden ist,
Wir brauchen sichere Räume,
In denen wir dieser Kraft begegnen können.
Wut ist nichts,
Was einfach weggemacht werden sollte,
Sondern etwas,
Das gesehen,
Gespürt und ausgerückt werden will.
Und Ausdruck heißt nicht,
Dass wir wütend rumschreien oder jemanden verletzen müssen,
Im Gegenteil.
Wut kann auf vielfältige,
Kreative,
Kraftvolle Weise gespürt und bewegt werden.
Wichtig ist nur,
Dass wir sie nicht unterdrücken,
Denn dann bleibt sie gebunden,
Wie ein Impuls,
Der nie vollendet wurde.
Manchmal reicht es eine bestimmte Bewegung bewusst nachzuvollziehen,
Zum Beispiel in Zeitlupe mit der Faust auf ein Kissen schlagen.
Nicht um Gewalt auszuagieren,
Sondern um einen unterbrochenen Impuls im Nervensystem zu vollenden,
Damit unser Körper die Information bekommt,
Die Kraft hatte Raum,
Der Kreis ist geschlossen,
Es ist wieder sicher.
Wir bekommen dann einen langsamen,
Dosierten Zugang zur Wut.
Das Nervensystem darf sich mit jeder kleinen Bewegung wieder ein Stück regulieren.
Manchmal reicht ein inneres Bild,
Manchmal ein bewusst geführter Atem,
Aber all das braucht Zeit,
Raum und Sicherheit,
Vor allem dann,
Wenn die Wut über Jahre hin abgespalten war.
Es geht also darum,
Wieder in Verbindung zu kommen,
Mit dem eigenen Körper,
Mit der eigenen Wahrheit und mit der eigenen Kraft,
Denn Wut ist genau das,
Eine Kraft,
Eine Energie,
Eine Bewegung hin zu dem,
Was uns wichtig ist,
Eine Erinnerung daran,
Dass da etwas in uns ist,
Das geschützt werden will.
Und manchmal ist Wut auch der direkte Weg zurück zu uns selbst.
Sie zeigt uns,
Wo unsere Wahrheit unterdrückt wurde,
Wo wir nicht für uns eingestanden sind,
Wo wir uns selbst verleugnet haben,
Um anderen zu gefallen.
Ich möchte hier noch mal den Satz von eben aussprechen,
Wo Wut unterdrückt wird,
Wird auch Wahrheit unterdrückt.
Und vielleicht kennst du das ja auch,
Wenn du zu lange zu nett,
Zu angepasst,
Zu ruhig warst und plötzlich merkst du,
Dass sich etwas in dir zusammenzieht,
Dass du gereizt wirst von Kleinigkeiten,
Dass du dich leer fühlst,
Ausgelaugt,
Fremdbestimmt,
Dann ist vielleicht an der Zeit der Wut zuzuhören.
Nicht um sie auszuleben,
Sondern um mit ihr in Beziehung zu treten,
Um zu verstehen,
Was sie dir sagen will,
Um den Kontakt zu dir selbst wiederzufinden,
Denn genau das ist es,
Was Wut letztendlich will,
Dich zurück zu dir bringen.
Und wenn wir lernen,
Wut als Verbündete zu sehen,
Als Wegweiser für unsere Werte,
Unsere Bedürfnisse,
Unsere Wahrheit,
Dann muss sie auch nicht mehr explodieren,
Dann wird sie zur Klarheit und Kraft,
Zur Selbstachtung und vielleicht irgendwann zur Liebe.
Schreib mir gern,
Was du dazu denkst,
Wie gehst du mit Wut um,
Diese geheimnisvolle und tiefgründige Kraft in dir.
Ich wünsche dir ein gutes und erfülltes Leben.
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