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Unsere psychischen Grundbedürfnisse und unser Wohlbefinden

by Claudia Bechert-Möckel

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Im Vergleich zu den körperlichen Grundbedürfnissen stehen unsere psychischen Grundbedürfnisse oft ein bisschen im Schatten und ich denke, sie werden unterschätzt. Grund genug, Dich in dieser Episode mitzunehmen in die Welt der psychischen Bedürfnisse. Denn hier entscheidet sich, ob wir uns wohlfühlen in unserem Leben, oder eben nicht.

Transkription

Du bist nicht du selbst,

Wenn du hungrig bist.

Kennst du,

Oder?

Auch Schlafmangel kann ein Monster in uns wecken.

Durst bringt uns um den Verstand.

Jeder von uns weiß aus eigener Erfahrung,

Was passiert,

Wenn unsere körperlichen Grundbedürfnisse nicht befriedigt sind oder irgendwie vernachlässigt werden.

Langfristig kann das dann sogar zu körperlichen Schäden oder sogar zum Tod führen.

Es ist existenziell.

Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral.

Das weiß man schon seit Brecht.

Ist ja vollkommen klar.

Im Vergleich zu den körperlichen Grundbedürfnissen aber stehen unsere psychischen Grundbedürfnisse so ein bisschen im Schatten.

Und ich denke,

Sie werden unterschätzt.

Grund genug,

Dich in dieser Episode mitzunehmen in die Welt der psychischen Bedürfnisse.

Denn hier entscheidet sich,

Ob wir uns wohlfühlen in unserem Leben oder eben nicht.

Leben lieben lassen,

Der Podcast zum Thema Persönlichkeit,

Beziehung und Selbstliebe.

Von und mit Claudia Bechert-Möckel.

Hallo und herzlich willkommen.

Schön,

Dass du da bist,

Um mit mir in die Welt der psychischen Bedürfnisse einzutauchen.

Ich gebe es zu,

Es klingt ein bisschen theoretisch,

Ist es aber überhaupt gar nicht,

Wie du hören wirst.

Denn du kannst direkt jetzt und hier beim Hören des Podcasts mal schauen,

Wie das eigentlich in deinem Leben so ist.

Warum du dich in dem einen oder anderen Bereich irgendwie nicht mehr wohlfühlst oder unzufrieden bist und natürlich auch,

Was du tun kannst,

Um dich stimmiger und freudiger zu fühlen.

Ich bin's,

Claudia Bechert-Möckel,

Persönlichkeits- und Beziehungscoach.

Ich unterstütze Menschen dabei,

Sich selbst und andere und auch ihr Leben besser zu verstehen und gelingende Beziehungen zu führen.

Und wie ich es schon gesagt habe,

Mit unseren körperlichen Bedürfnissen sind wir in der Regel recht gut in Kontakt.

Ehrlich gesagt geht das auch gar nicht anders.

Sind wir müde oder der Magen knurrt,

Frieren wir oder haben wir Durst,

Dann zeigt uns das unser Körper unmissverständlich.

Wir fühlen uns dann unwohl und zwar sehr und das ist der Antrieb,

Uns um unsere Bedürfnisse zu kümmern.

Wir müssen essen,

Trinken,

Schlafen,

Uns vor der Witterung schützen,

Um überleben zu können.

Aber ob wir uns dabei emotional oder mental wohlfühlen,

Ob es uns gut geht,

Ob wir Freude empfinden,

Das ist auf dieser wirklich existenziellen Ebene erstmal zweitrangig.

Und doch funktioniert das alles auf der Ebene der psychischen Bedürfnisse ganz ähnlich.

Sind die nämlich nicht erfüllt,

Treten unangenehme Gefühle auf.

Es fehlt uns dann etwas,

Wir werden freudlos,

Leer oder traurig,

Fühlen uns vielleicht fremd.

Mir fällt immer wieder auf,

Dass meine Klienten und Klientinnen oft gar nicht so genau schauen,

Was brauche ich eigentlich,

Um mich wohlzufühlen.

Die Frage,

Geht es mir gut in meiner Beziehung oder nicht,

Wird häufig versucht zu beantworten mit,

Wie müsste ich sein,

Wie sollte ich empfinden,

Anstatt mit,

Was ist mir denn wichtig,

Was ist unabdingbar für mich.

Kurz gesagt ist es immer eine Balance aus eigener innerer Haltung und äußeren Umständen,

Die unser Wohlgefühl beeinflussen.

Was brauche ich,

Was darf ich erwarten,

Das wird nach meiner Meinung oft unterschätzt.

Damit haben die meisten von uns einfach weniger Erfahrung.

Und auch unter Experten gibt es gar keine klare Meinung darüber,

Wie viele dieser psychischen Grundbedürfnisse wir eigentlich wirklich haben.

Ich orientiere mich hier an dem Modell des Psychologen Klaus Grawe.

Und auch wie immer der Hinweis,

Mir geht es in diesem Podcast nicht um fachliches oder theoretisches Wissen für Experten,

Ich sage gern,

Mach's einfach.

Mir geht's um Erkennen und Sichtbarmachen und lebensnahe Anwendbarkeit.

Schauen wir uns also die vier wichtigsten psychischen Grundbedürfnisse an.

Nummer eins ist das Bedürfnis nach Bindung.

Wir sind Bindungstiere,

Sage ich gerne.

Verbunden zu sein ist für uns existenziell.

Das beginnt schon im Mutterleib und es hört unser ganzes Leben lang nicht mehr auf.

Wir wollen dazugehören,

Ein Teil von etwas sein,

Uns geliebt fühlen und wir wollen lieben.

Wir wollen Bindungen eingehen.

Wir brauchen die anderen,

Um uns wohlzufühlen.

Wir wollen berührt sein und wir wollen berühren,

Uns in anderen wiederfinden,

Miteinander sein,

Zu einem Team,

Zu einer Gruppe,

Einer Familie,

Einem Stamm gehören.

Dieser Wunsch,

Diese Sehnsucht,

Dieses Bedürfnis hängt an uns dran,

Wie unser Bein.

Es geht nicht ab.

Egal was du dir sagst,

Es gehört zu dir und es geht nicht wegzumachen.

Der Mensch wird am Du zum Ich,

So hat Martin Buber,

Der Philosoph,

Sehr schön das Ganze in Worte gefasst und meinte damit,

Dass unsere Individualität erst im Zusammenspiel mit den anderen spürbar wird.

Das Bedürfnis nach Bindung,

Das spielt gerade in den ersten Lebensjahren,

In denen wir ja sehr abhängige kleine Wesen sind und auf die Zuwendung unserer Bezugspersonen und meistens sind das die Elternfiguren angewiesen sind,

Eine riesengroße Rolle.

Und genau hier,

Wo wir am meisten von der Zuwendung der Großen abhängig sind,

Als Kind,

Wo wir unser Selbstbild daraus entwickeln,

Wie andere mit uns umgehen,

Kann das Bedürfnis nach Bindung eben auch schon frühzeitig frustriert werden.

Bekommen wir nicht die Wärme,

Die Zuwendung,

Die Aufmerksamkeit oder die Liebe,

Die wir brauchen,

Um uns okay,

Lebenswert und angenommen und gesehen zu fühlen,

Kann das schon in der Kindheit unser Grundvertrauen in Menschen und Beziehungen tief erschüttern.

Man spricht hier vom Urvertrauen,

Das eben vorhanden ist oder angeknackst und ich habe bereits eine ganze Podcast-Folge zum Urvertrauen gemacht,

Ein ganz wichtiges Thema,

Wie ich finde und auch diese Folge und den Artikel verlinke ich dir gerne in den Shownotes.

Die Bindungsforschung,

Die zeigt uns,

Wie tief sich diese frühen Bindungserfahrungen in unserem Nervensystem regelrecht einspuren und wie sie später als eine Art Blaupause für Beziehungen in unserem Leben dienen.

Und ich bin wirklich immer wieder tief beeindruckt,

Wie stark sich das in meiner Arbeit mit Paaren zeigt,

Wenn wir die Bindungsmuster sichtbar machen.

Denn die sind in der Regel eine unbewusste Wiederholung der frühen Bindungsstruktur,

Die man erlebt hat.

In einer der nächsten Folgen,

So habe ich mir das vorgenommen,

Werde ich mal genauer auf die unterschiedlichen Bindungsstile eingehen,

Die heute sehr gut erforscht sind.

Und die großen Namen der Bindungsforschung und Bindungstheorie sind John Balby,

Das war ein britischer Kinderpsychiater,

Und Mary Ainsworth,

Eine kanadische Psychologin.

Aber wie gesagt,

Bald wird es eine Folge zu unseren Bindungsstilen geben und auch da lässt sich meist recht gut erkennen,

Wo man eigentlich mit sich selbst verortet ist.

Kommen wir aber wieder zurück zum kindlichen Bindungsbedürfnis.

Für das Kind geht es nämlich nicht nur um körperliche Versorgung.

Fehlen uns emotional zugewandte Bezugspersonen,

Die auch wirklich anwesend sind,

Also da,

Fehlt uns Aufmerksamkeit oder Spiegelung oder und das Gefühl sicher gebunden zu sein,

Dann haben wir eine erhöhte Wahrscheinlichkeit später Bindungsschwierigkeiten und psychische Probleme im Allgemeinen zu entwickeln.

Auf den Punkt gebracht,

Unsere ersten Beziehungserfahrungen prägen uns für unser ganzes Leben.

Unbedingt erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch die Arbeit von Professor Marz von der Universität in Halle.

Hans-Joachim Marz ist der Autor des Buches Die narzisstische Gesellschaft und der hat mit seinem Team sehr gut erforscht,

Welche Auswirkungen verschiedene Probleme in den mütterlichen und väterlichen Beziehungen unserer Kindheit zu welchen Problemen im Erwachsenenalter werden können.

Das ist super beeindruckend.

Auch da ein Link in den Shownotes.

Und so konnte Professor Marz zum Beispiel nachweisen,

Dass die Frage,

Was Menschen denken,

Wie ihre Eltern reagiert haben,

Als diese eben erfuhren,

Dass sie Nachwuchs erwarten.

Die Antwort auf diese Frage wirkt sich maßgeblich auf unser späteres Selbstwertgefühl aus.

Ist das nicht Wahnsinn?

Leben ist Beziehung und man kann dieser Wahrheit gar nicht genug Stellenwert geben.

Doch auch später,

Wenn wir älter und eigenständiger sind,

Hat das Bindungsbedürfnis einen großen Einfluss auf unsere Zufriedenheit.

Eine Familie zu haben,

Freunde,

Partner oder Partnerin,

Kollegen,

Auf die wir uns verlassen können,

Sportteams vielleicht,

Interessengruppen,

Austausch mit Menschen,

Die uns verstehen und mögen,

Ein tragfähiges soziales Netz – das alles erfüllt unser Bedürfnis nach Bindung auf vielfältige Weise und hat großen Einfluss auf unser Lebensglück und unsere Lebenszufriedenheit.

Umso schlimmer sind natürlich die Momente,

Wo wir jemanden vermissen,

Verlieren,

Wo wir uns alleine und verlassen fühlen und sehr unglücklich.

Und selbst dann,

Wenn man sich vom Partner oder von der Partnerin trennt,

Obwohl die Beziehung gar nicht funktioniert hat und man weiß es auch,

Kann man dennoch sehr traurig sein und den anderen vermissen.

Uns fehlt dann etwas.

Und natürlich können wir das Beste daraus machen und allein sein ist nicht gleich einsam sein.

Dennoch ist Einsamkeit eines der schrecklichsten Gefühle,

Die Menschen haben können.

Einsamkeit kann krank machen,

Denn sie ist das komplette Gegenteil von unserer natürlichen Sehnsucht danach,

Mit anderen Menschen verbunden zu sein.

Grundbedürfnis Nummer zwei.

Das Bedürfnis nach Kontrolle,

Sicherheit und Selbstbestimmtheit,

Kurz nach Autonomie.

Jetzt wird die Sache richtig spannend,

Denn nun,

Da wir wissen,

Wie wichtig Bindung für uns ist,

Entsteht mit dem Bedürfnis nach Autonomie eine Art Gegenpol zum Bindungsbedürfnis.

So richtig scheinen die beiden nämlich nicht zusammenzupassen,

Zumindest kann es schwierig sein.

Wir wollen wir selbst sein,

Wir wollen auch selbst bestimmen,

Eine Meinung haben,

Wir wollen Grenzen setzen.

Wir brauchen das Gefühl von Wirksamkeit in unserem Leben,

Dass wir Einfluss haben auf das,

Was geschieht.

Dass wir unsere Richtung bestimmen können,

Das ist mit Kontrolle gemeint.

Ist das möglich,

Also haben wir Einfluss auf unser Leben,

Haben wir das Gefühl,

Wir können Beziehungen und Umstände mitgestalten,

Erzeugt das ein Gefühl von Sicherheit.

Das Leben passiert uns dann nicht einfach nur,

So wie das Wetter,

Sondern wir haben Einfluss.

Und das fühlt sich super an.

Das Autonomie-Bedürfnis erwacht ungefähr zu dem Zeitpunkt,

An dem wir erkennen,

Dass wir ein Ich sind.

Und vielleicht,

Wenn du Kinder hast,

Erinnerst du dich an die Trotzphase.

Wenn die Kleinen Nein sagen,

Bockig werden,

Sich auf den Boden werfen,

Dann testen sie ihre autonomen Fähigkeiten.

Und die freuen sich daran,

Dass sie einen eigenen Willen haben dürfen,

Den sie dir entgegensetzen.

Als mein Sohn klein war,

Habe ich ihn immer den kleinen Herr Nein genannt und dann habe ich gerne gesagt,

Na,

Bist du der kleine Herr Nein?

Und er hat sich debisch gefreut und hat gesagt,

Nein,

Nein,

Nein.

Also die Autonomie zu entdecken,

Kann wirklich Freude machen.

Aber von diesem Moment an,

Wo wir das Bedürfnis kennen,

Wo wir wissen,

Wir sind ein Ich,

Von da an wollen wir eben nicht nur eine sichere Bindung,

Wir wollen auch eigene Entscheidungen treffen.

Tja,

Und nicht immer passt es zu unseren Bindungsbedürfnissen.

Denn werden unsere Autonomie-Bestrebungen z.

B.

In der Kindheit permanent mit Vorwürfen und Schuldgefühlen untergraben,

Dürfen wir irgendwie nicht wir selber sein,

Wird uns vielleicht gespiegelt,

Dass es nicht okay ist,

Was wir machen,

Wie wir das machen,

Wer wir sind,

Dann opfern wir natürlich unsere Autonomie und unser Kontrollbedürfnis,

Um nicht die Bindung zu den Bezugspersonen zu gefährden.

Das Bedürfnis nach Bindung steht für uns als Kind über allem.

Der Widerspruch dieser beiden so wichtigen Grundbedürfnisse,

Autonomie und Bindung,

Der kann sich auch durch unser ganzes Leben ziehen.

In Paarbeziehungen und auch in Familien ist das ein häufiges Thema.

Kann ich so sein,

Wie ich sein will und ein Teil vom Großen und Ganzen sein?

Oder muss ich mich aufgeben,

Um Liebe zu bekommen?

Das ist die Frage.

Und natürlich wird unser Autonomie-,

Sicherheits- und Kontrollbedürfnis auch verletzt,

Wenn wir häufig die Erfahrung machen,

Dass Situationen nicht vorhersehbar sind und dass wir keinen Einfluss auf unser Leben nehmen können.

Das kann auch sein,

Wenn wir in der Kindheit keine klaren,

Verlässlichen Regeln gesetzt bekommen haben.

Oder wenn im späteren Leben unkontrollierbare Ereignisse wie Katastrophen über uns hereinbrechen.

Den Arbeitsplatz zu verlieren kann so eine Katastrophe sein,

Ein Naturereignis,

Dem wir ausgesetzt sind,

Aber eben auch,

Wenn uns der Beziehungspartner oder die Partnerin verlässt,

Dann tut die Trennung auch deswegen so weh,

Weil wir machtlos sind,

Ausgeliefert hilflos und wir nichts mehr tun oder beeinflussen können.

Und gerade an diesem Punkt,

Wenn Du das vielleicht schon mal erlebt hast,

Bei Dir selbst oder bei anderen,

Merkt man,

Wie dann doch immer wieder versucht wird,

Doch noch die Kontrolle über etwas zu bekommen,

Das man gar nicht kontrollieren kann.

Das ist keine leichte Sache.

Die Verstrickungen zwischen unserem Bedürfnis nach Bindung und dem nach Autonomie sind auch wirklich so komplex,

Dass Sie ganze Bücher füllen können.

Oft wird nämlich versucht,

Dem wenig erfüllten Bindungsbedürfnis mit Kontrolle beizukommen.

Ich schaue im Einzelfall mit meinen Klienten und Klientinnen und den Paaren sehr genau auf die jeweilige Balance oder eben das Balance zwischen Autonomie und Bindung und wie man sie eben günstig oder gelingend beeinflussen kann.

Denn das ist möglich.

Autonomie und Bindung,

Dieses Verhältnis kann man sich so vorstellen wie bei einer Wippe.

Wenn beide Bedürfnisse,

Autonomie und Bindung brauchen einen eigenen Platz und ein etwa gleiches Gewicht,

Dann ist eine wunderbar lebendige Beziehung möglich,

Man wippt zusammen.

Gibt es dagegen kein Gleichgewicht,

Kann man nicht wippen und es wird öde.

Und als ob das noch nicht genug ist,

Kommt jetzt auch noch das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung dazu.

Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung,

Das klingt so richtig bekloppt,

Oder?

Es klingt so,

Als würde man sich über andere erheben,

Aber natürlich,

Darum geht es gar nicht.

Was es meint,

Ist die Tatsache,

Dass wir Anerkennung und Wertschätzung brauchen,

Um uns wirklich wohlzufühlen.

Wir wollen gesehen werden,

In unseren Bemühungen Gutes zu tun,

Auch Lob fühlt sich für uns ganz hervorragend an.

Aber auch Ziele zu erreichen,

Etwas zu bewirken,

Uns in unserer Einzigartigkeit und in unseren Fähigkeiten zu spüren,

Verschafft uns ein gutes Okay-Gefühl und dadurch erhöht sich unser Selbstwertempfinden.

Es ist ein Streben,

Das schon von Kindheit an in uns wohnt,

Dass wir uns selbst als gut,

Okay,

Kompetent und von anderen geschätzt fühlen.

Und auch dieses Bedürfnis hängt eng mit den Anderen und den Verbindungen zum Großen und Ganzen zusammen.

Wachsen wir in einem Umfeld auf,

Das Vertrauen in uns hat,

Unsere Leistungen anerkennt und uns gleichzeitig vermittelt,

Dass auch Fehler dazugehören und dass etwas falsch machen gar nichts in unserem Wert ändert,

Dann erfüllt sich unser Bedürfnis.

Ich zum Beispiel bin mit dem Druck zum Perfektionsstreben aufgewachsen.

Ich war eine Einserschülerin,

Klassenbeste,

Und dennoch,

Wenn ich eine Zwei in Mathe geschrieben habe,

Bei der mir ein Punkt zu eins gefehlt hat,

Ging meine Kinderwelt unter.

Stundenlang habe ich damals am Fenster gesessen,

Vom Schulschluss an,

Um den Moment zu erhaschen,

Wenn mein Vater das Haus betreten würde.

Ich habe versucht,

An seinem Gesichtsausdruck zu erkennen,

Wie er heute drauf ist und wie er auf dieses Unvermögen meines,

Einen Fehler gemacht zu haben,

Reagieren würde.

Ich habe kaum eine größere Angst gekannt in meiner Kindheit,

Als Fehler zu machen.

Das war nämlich gleichbedeutend mit Untergang und Ablehnung.

Es war die Sichtbarwerdung meiner Ungenügendheit.

Und so habe ich damals angenommen,

Das habe ich wirklich gedacht,

Dass es im Erwachsenenalter wie im Schlaraffenland sein müsste,

Niemand,

Dem man seine Noten zeigen muss.

Und viele Jahre hat mich dann natürlich dieses früh geprägte,

Nicht gut genug Monster durch mein Leben begleitet und ich habe wirklich sehr darunter gelitten.

Heute hat es ehrlich gesagt nur noch wenig Macht über mich,

Aber es gibt Situationen,

Wo man versucht,

Es doch nochmal zurückzukommen.

Ich erzähle Dir das,

Weil ich weiß,

Dass ich viele bin.

Ich kann täglich sehen,

Wie ein Mangel an Wertschätzung und Lob und die Schuld- und Schamgefühle,

Die Menschen in ihrer Kindheit aufgeladen worden sind,

Bis heute in ihrem Leben Verheerungen anrichten können.

Und ich möchte,

Dass Du weißt,

Du kannst lernen,

Damit aufzuhören.

Und zwar egal,

Wie alt Du bist.

Denn wenn ich es konnte,

Dann kann es wirklich jeder,

Du auch,

Ganz sicher.

Und jetzt,

Wo Du einmal mehr weißt,

Wie wichtig für uns alle das Gefühl von Anerkennung und Akzeptanz,

Von Wertschätzung und gesehen und vor allem gehört werden ist,

So sein zu dürfen,

Wie man wirklich ist,

Kann es gar nicht schaden,

Jede Menge davon auszuteilen.

Ich liebe es total,

Menschen zu sagen,

Was mir Wunderbares an ihnen auffällt,

Für was ich mich bei ihnen bedanken möchte oder was ich an ihnen bewundere.

Es bringt Menschen zum Leuchten,

Wenn man das tut.

Und ehrlich gesagt,

Mich auch,

Wenn ich es mache.

Und übrigens,

Was glaubst Du denn,

Warum Facebook,

Instagram und andere Social Media-Kanäle so erfolgreich sind?

Weil sie unser Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung bedienen,

Manchmal auch auf eine krankhafte Weise.

Kommen wir zu Grundbedürfnis Nummer 4,

Das Bedürfnis nach Lust bzw.

Unlustvermeidung.

Man kann es zugeben oder nicht,

Aber ich glaube,

Wir alle streben nach angenehmen Erfahrungen und wir vermeiden gerne Sachen,

Die nerven.

Sich zum Beispiel stundenlang vorm Putzen zu drücken,

Nicht zum Sport zu gehen,

Obwohl man es sich vorgenommen hatte,

Nicht für die Prüfung zu lernen,

Obwohl es wichtig ist.

Das wirkte auf den ersten Blick so wie Faulheit.

Meist und grundsätzlich ist es aber erstmal das Resultat eines gesunden menschlichen Bedürfnisses,

Denn wir streben alle von Geburt an unablässig danach,

Schöne und lustvolle Erfahrungen zu sammeln und unangenehme oder schmerzhafte Erlebnisse zu vermeiden.

Und auch hier geht es,

Wie immer,

Um Balance.

Natürlich ist es okay und wichtig,

Sich etwas zu gönnen,

Zu genießen,

Zu faulenzen,

Freude zu sammeln.

Das macht uns happy.

Und es ist wichtig,

Dass wir uns das erlauben.

Aber auch Frustrationstoleranz zu lernen,

Disziplin und Ausdauer,

Das ist genauso wichtig,

Zum Beispiel um längerfristige Ziele zu erreichen.

Wollen wir zum Beispiel bei einer Prüfung gut abschließen,

Ist es unerlässlich,

Dass man sich irgendwann zum Lernen aufrafft,

Auch wenn es dabei Unlustgefühle gibt.

Denn am Ende bestätigt das Erreichen der Ziele wiederum unseren Selbstwert und verschafft uns vielleicht auch Anerkennung.

Du siehst auch hier,

Alles hängt irgendwie miteinander zusammen.

Das Leben ist verknüpft und in Balance,

Nicht einseitig.

Sind unsere psychischen Grundbedürfnisse weitestgehend erfüllt,

Dann geht es uns so richtig gut.

Zufriedenheit,

Ein Gefühl von Stimmigkeit befüllen uns lebendig.

Kommst Du von einer Reise zum Beispiel zurück und Deine Partnerin,

Dein Partner wartet zuhause vielleicht auf Dich mit Deinem Lieblingsessen,

Dann fühlt sich das doch total nach Geborgenheit und Wärme an.

Dein Bindungsbedürfnis erfüllt sich und auch das Nach-Selbstwert-Erhöhung und Nach-Lust-Gefühlen,

Also nach schönen Momenten.

Trittst Du Deine lang ersehnte Wanderung durch die Alpen an?

Lustbestimmtheit,

Wirksamkeit und auch hier Freude an Erfahrungen,

Also Lustgewinn,

Das steckt drin.

Du verstehst,

Was ich meine,

Oder?

Natürlich ist es nicht möglich,

Unsere Grundbedürfnisse immer optimal zu erfüllen oder erfüllt zu bekommen.

In bestimmten Situationen oder Lebensphasen,

Umzug vielleicht,

Eine Trennung,

Ärger,

Können unsere Grundbedürfnisse vorübergehend frustriert sein.

Aber wir streben danach und meistens schaffen wir es auch,

Die Umstände so zu verändern oder neu zu schaffen,

Dass wir sie wieder nach unseren Bedürfnissen gestalten können.

Du ziehst um und knüpfst neue Kontakte in eine andere Stadt,

Dein Partner hat sich getrennt und irgendwann hast Du das verarbeitet und lernst jemanden neuen kennen.

Dauenphasen im Leben sind unangenehm,

Aber oft sind sie auch wichtig,

Um persönliche Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Zudem gewinnen wir gerade in den schwierigen Zeiten auch das Vertrauen in uns,

Dass wir Schwierigkeiten bewältigen können,

Also Resilienz.

Ich selber glaube ja,

Dass Frustration ein sehr starker Motor für Entwicklung sein kann.

Nicht zum Spaß gibt es zum Beispiel den wunderbaren Spruch,

Geht es Dir gut oder lernst Du gerade etwas?

Und wie ist es eigentlich in Deinem Leben?

Ein erster Schritt zum Wohlbefinden ist es,

Die eigenen Bedürfnisse zu kennen oder vielleicht auch erstmal kennenzulernen.

Es lohnt sich mal zu checken,

Wie ist denn es eigentlich in meinen Beziehungen,

Meinen Freundschaften,

Meiner Familie,

Meinem Job oder in anderen Lebensbereichen?

Wenn Du Dir die vier psychischen Grundbedürfnisse wie Säulen vorstellst,

Welche Säulen tragen in diesem Bereich?

Welche sind brüchig oder weggebrochen?

Denk doch mal an Deine Beziehung und frag Dich,

Wie steht es denn mit meinem Bindungsbedürfnis?

Fühle ich mich geliebt?

Habe ich ein Gefühl von Nähe und Vertrautheit,

Verbundenheit?

Ist mein Partner,

Meine Partnerin zugewandt?

Bemüht sie oder er sich um mich und die Beziehung?

Liebe ich selbst?

Was gebe ich in diese Bindung hinein?

All das gehört zum Thema Bindungsbedürfnis.

Kann ich auch ich selbst sein?

Grenzen setzen?

Nein sagen?

Spielen meine Bedürfnisse eine Rolle in dieser Beziehung oder ist da nur Platz für eine Meinung und eine Richtung?

Können wir uns auseinandersetzen und Lösungen finden?

Ist es möglich,

Auch eigene Interessen zu verfolgen?

Werde ich ernst genommen?

Fühle ich mich sicher in dieser Beziehung?

Habe ich Vertrauen?

Das alles gehört zum Bedürfnis Autonomie,

Kontrolle und Sicherheit.

Und gibt es Komplimente ab und zu?

Gesten der Liebe,

Wertschätzung,

Lob?

Spüre ich,

Was ich dem anderen bedeute?

Werde ich gesehen,

Gehört,

Wahrgenommen?

Das betrifft den Bereich der Selbstwerterhöhung.

Und last but not least,

Haben wir schöne gemeinsame Erfahrungen,

Zärtlichkeit,

Sex?

Erleben wir Freude durch das Teilen von Interessen,

Von Zielen,

Gemeinsamen Träumen?

Überwiegt der Freude- oder der Frustanteil in deiner Beziehung?

Daran kannst du sehen,

Wie es um Unlustvermeidung bzw.

Das Bedürfnis nach lustvollen Erfahrungen steht.

Und dieses Check-up-Prinzip kannst du eigentlich für alle Lebensbereiche anwenden.

Dabei kann man erstaunliche Entdeckungen machen und nicht immer nur positive.

Eine Klientin zum Beispiel,

Mit der ich gestern erst über diese vier Grundbedürfnisse unseres Selbst gesprochen habe,

Der ging total die Augen auf.

Sie stellte fest,

Dass sie in ihrer Beziehung,

Aus der sie sich bereits gelöst hatte,

In allen Grundbedürfnissen im Minusbereich war.

Du kannst dir denken,

Dass das eine Beziehung voller Streit,

Schuldvorwürfe und Frustration war.

Sehr einseitig.

Und natürlich hat sie sich gefragt,

Wieso sie nie darauf gekommen war.

Die ganz kurze Erklärung an dieser Stelle,

Diese Art von Beziehung war ihr schon vertraut,

Aus ihrer Herkunftsfamilie.

Einen sehr wichtigen Hinweis bei der Untersuchung deiner Bedürfnisse in deinem Leben geben dir übrigens deine Gefühle.

Was sich gut anfühlt,

Hat mit erfüllten Bedürfnissen zu tun,

In der Regel.

Was sich schlecht anfühlt,

Meist mit unerfüllten.

Wenn wir also wissen,

Wo es hakt und wir das untersucht haben,

Dann können wir schauen,

Was lässt sich tun,

Um die Situation zu verändern.

Ich wünsche dir,

Dass deine Bilanz gut ausfällt und wenn nicht,

Dass du Wege findest,

Wie du deine wichtigsten psychischen Grundbedürfnisse etwas mehr erfüllen kannst.

Denn wir alle haben es verdient,

Uns geliebt,

Selbstbestimmt und auch wertvoll zu fühlen und viele wunderschöne Erfahrungen in unserem Leben zu machen.

Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.

Alles Liebe,

Deine Claudia.

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Ich höre deine Stimme immer noch gerne, sie ist eine Wohltat für mein System 🎈

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Hat mich sehr zum Nachdenken über mein eigenes Leben angeregt, vielen Dank. Ich glaube, da ist nicht alles im grünen Bereich

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Sehr gut liebe Claudia

Monika

August 31, 2022

Super

Andreea

April 10, 2022

Liebe Claudia, dein Vortrag hat mich inspiriert. Ich freue mich schon auf den nächsten. Danke für die Leichtigkeit mit der du komplexe Theorien greifbar machst. Für die Fragen am Ende bin ich besonders dankbar, dafür nehme ich mir Zeit. 🙏 auch für die Empfehlungen zur Vertiefung der Themen. 🌸

Irene

October 12, 2021

Vielen Dank für die Infos! Sehr angenehme Stimme und interessante Themen. Gerne mehr davon 🙏

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