
Der Weg der Vergebung
"Der Weg der Vergebung verändert nicht die Vergangenheit, sondern bereichert die Zukunft." Und wird ein Weg der Erleichterung sein. Doch wie gehen wir dieses Thema meditativ an? Und was bedeutet es aus der Sicht der buddhistischen Psychologie? Was ist es, und was ist es eben auch nicht? Eine Meditation übers Verzeihen.
Transkription
Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Mindful Minutes.
Ich bin Daniela Barchasch und eure,
Sagen wir mal,
Gastgeberin heute.
Die heutige Meditation handelt von einem Thema,
Das mir selbst sehr am Herzen liegt.
Ich war allerdings lange nicht sicher,
Ob ich überhaupt darüber eine Podcast-Folge machen sollte,
Ob ich sie aufnehmen sollte,
Denn es gibt sehr viele Missverständnisse,
Die damit verbunden sind.
Und wir sind schon oft Menschen begegnet,
Für die diese Meditation heute eher belastend war,
Als befreiend ist.
Es geht um das Thema Vergebung,
Es geht um das Thema Verzeihen und damit es für dich auch wirklich heilsam sein kann,
Solltest du dazu ein paar Dinge wissen.
Das erste ist,
Ich weiß nicht,
In welcher Situation du bist,
Ich weiß nichts von deinem Leben.
Du solltest sowieso immer,
Wenn du irgendeine Vorstellung oder eine Idee von jemand anderem annimmst oder von jemand anderem in irgendeiner Art und Weise damit konfrontiert wirst,
Überprüfen,
Okay,
Stimmt das für mich auch wirklich oder stimmt das nicht?
Stimmt das für mein Leben,
Kann ich damit etwas anfangen oder nicht?
Und das gilt heute insbesondere für diese Meditation.
Die Grundannahme der buddhistischen Psychologie ist es,
Dass,
Wenn ich jemanden,
Der mir etwas Bestimmtes angetan hat,
Nicht verzeihe,
Ich mich damit primär selbst belaste.
Und diesen Gräuel,
Den ich eventuell dann hege,
Den ich mit mir in mir trage,
Diese negativen Gefühle,
Die ich einer anderen Person entgegenbringe,
Verwahre ich in mir selbst drinnen auf.
Und das hat weniger Auswirkung auf den anderen,
Als im Endeffekt auf mich selbst.
Wenn ich allerdings vergebe und verzeihe,
Das ist die Grundannahme der buddhistischen Psychologie,
Dann kann ich mich von dieser eigenen Last befreien und somit ein leichteres und ja,
Ein befreiteres Leben führen.
Das ist die Theorie.
Es gibt allerdings Menschen,
Die tun einfach anderen Menschen grauenhafte Dinge an.
Und ich finde es sehr bedenklich,
Denen,
Nennen wir es mal in diesem Fall Opfern,
Zu raten,
Sie bräuchten doch einfach nur verzeihen und ihr Leben wäre doch um einiges leichter oder vielleicht sogar noch schlimmer,
Ihnen fast schon überheblich zu suggerieren,
Dass sie,
Wenn sie nicht endlich mal verzeihen würden,
An einem Teil ihrer Last selbst schuld wären.
Ich sitze auch nicht lächelnd hier vor meinem Mikrofon und denke innerlich,
Ja,
Vielleicht sogar überheblich,
Dass du ja noch nicht soweit bist und ich es selbst doch eigentlich besser weiß,
Wie du dein Leben führen solltest.
Denn ich weiß es nicht,
Denn ich weiß nichts von deinem Leben und ich weiß nichts von deinem Weg.
Was ich allerdings weiß,
Ist,
Dass vergeben und verzeihen nichts ist,
Was man sich mal eben aneignen kann.
Es ist ein langer Prozess,
Es ist ein Weg und ob an diesem Ende Vergebung stehen kann oder nicht,
Ist auch nicht immer unbedingt gesagt.
Es ist ein Weg,
Den wir gehen können,
Um am Ende dann aber vielleicht dann doch nicht da anzukommen,
Wo wir es gerne hätten,
Was wir uns vorher ausgemalt haben.
Denn wie gesagt,
Verzeihen ist nichts,
Was ich mir einfach vornehmen kann,
Was ich mir wie ein Kleidungsstück anziehen kann,
Es ist ein Gefühl,
Das sich womöglich irgendwann einstellt.
Was viele allerdings nicht wissen,
Die diesen Weg nie gegangen sind,
Ist,
Dass es eben neben der Vergebung und das ist ganz wichtig,
Noch etwas anderes gibt.
Ich würde nicht sagen,
Dass es vom Gefühl her,
Vom Empfinden her gleichrangig ist.
Und die Erleichterung,
Die wir bei einer Vergebung oder bei einem Verzeihen empfinden,
Stellt sich auch nicht wirklich in diesem Maße ein.
Es ist aber trotzdem etwas,
Das gut tut.
Es kann nämlich passieren,
Dass wenn du diesen Weg gehst,
Dass es dir einfach nicht mehr so wichtig ist.
Also du würdest sagen,
Okay,
Ich habe dem anderen nicht verziehen,
Aber momentan ist es auch gar nicht so wichtig in meinem Leben,
Es hat gar nicht so einen großen Stellenwert,
Es nimmt mich gar nicht so sehr ein.
Die Person und die Situation oder das Erlebte nimmt mich nicht mehr ein.
Und dass sie nicht mehr den Stellenwert hat,
Den sie eventuell mal in deinem Leben hatte.
Und du auch nicht mehr ständig deine Gedanken negativ davon einnehmen lässt.
Und das ist auch eine Möglichkeit,
Dass sich eine positive Ruhe in dir ausbreitet.
Und das ist möglich und vielleicht sogar leichter für dich zu erreichen,
Als der Zustand der vollkommenen Vergebung.
Doch wie gesagt,
Es ist dein Weg und ich maße mir überhaupt nicht an zu behaupten,
Ich wüsste,
Was du tun sollst.
Diese Meditation ist nur ein Vorschlag von mir und vielleicht verschafft sie dir Linderung und bringt dich an irgendeinem Punkt in deinem Leben weiter,
Dass tatsächlich mehr Ruhe in dein Leben einkehrt,
Vor allem in Bezug auf das Erlebte.
Also begib dich an einen ruhigen und ungestörten Ort und mach es dir bequem.
Und wenn du soweit bist,
Dann schließe deine Augen.
Und dann wollen wir erstmal zu Beginn den Körper ausrichten.
Das heißt,
Du erlaubst dir mit deiner nächsten Ausatmung,
Dass die Schultern nach unten senken.
Und du erlaubst dir mit deiner nächsten Ausatmung,
Dass sich dein Gesicht entspannt und insbesondere dein Kiefer und deine Zunge.
Und dann erlaubst du dir mit deiner nächsten Einatmung mal ganz tief einzuatmen und ausatmend und aus dem Mund seufzend auszuatmen und das tust du ein paar mal.
Einatmen durch die Nase,
Ausatmend,
Seufzend durch den Mund raus und vielleicht kannst du jetzt schon ein klein bisschen ein Gefühl dafür bekommen,
Was es heißt loszulassen.
Und was es nicht nur heißt im Kopf loszulassen,
Sondern auch übertragen auf deiner körperlichen Ebene,
Auf deiner physischen Ebene.
Atme noch einmal ganz tief ein und ausatmend,
Aus dem Mund seufzend aus und dann kehre zu deinem natürlichen Atemrhythmus zurück,
Ohne etwas zu erzwingen.
Der Weg der Vergebung verändert nicht die Vergangenheit,
Sondern er bereichert deine eigene Zukunft.
Er hat mit dem anderen nichts zu tun.
Ganz bewusst der Weg der Vergebung,
Der Prozess,
Nicht unbedingt das,
Was am Ende dabei rauskommen soll.
Im ersten Schritt dieser Meditation,
Mach dir bewusst,
Was du im Laufe deines Lebens anderen Menschen in vielfacher Weise angetan hast,
Wie du womöglich andere Menschen verletzt hast.
Ob bewusst oder unbewusst,
Mach dir bewusst,
Wie du im Laufe deines Lebens andere Menschen verletzt hast.
Und dann sage dir,
Ich habe andere in vielfacher Weise verletzt,
Ich habe sie im Stich gelassen und verraten,
Ich habe ihnen einen Schaden zugefügt,
Ich habe ihnen vor lauter Kummer und aus Angst,
Wut und Verwirrung bewusst oder unbewusst Schmerz zugefügt und innerlich sagst du dir,
Ich bitte um Entschuldigung,
Vergib mir,
Ich bitte um Entschuldigung,
Bitte vergib mir und nun sage dir innerlich,
So wie ich anderen Leid zugefügt habe,
So habe ich auch mir auf vielfältige Weise wehgetan und geschadet,
Ich habe mich bewusst und unbewusst in Gedanken,
Worten und Taten selbst verraten,
Aufgegeben oder sogar verletzt.
Auf welche Weise hast du dir selbst geschadet?
Vergegenwärtige dir hier die Situation und dann sage dir innerlich,
Dass ich mir durch mein Tun und Lassen aus Angst,
Scham oder auch Verwirrung auf vielfältige Weise wehgetan und geschadet habe,
Verzeihe ich mir von ganzem Herzen und dann richte deinen Fokus auf das,
Was andere dir angetan haben,
Im Großen oder im Kleinen,
Sage dir innerlich,
Man hat mir auf vielfältige Weise durch Gedanken,
Worte und Taten bewusst oder unwissentlich Schaden zugefügt,
Man hat mich ausgenutzt,
Man hat mich im Stich gelassen,
Man hat mir wehgetan,
Ich bin betrogen worden,
Ich bin verletzt worden,
Was kommt dir gerade in den Sinn,
Was belastet dich und schau dir dieses Leid an,
Das dir andere angetan haben,
Was wurde dir zugefügt,
Was für eine Last ist das und dann sage dir innerlich,
Ich erinnere mich an viele Situationen,
In denen mir andere vor Wut und Angst und Schmerz und Verwirrung und warum auch immer Schaden zugefügt haben,
Ich habe darunter sehr lange gelitten und tue es vielleicht auch immer noch und ich vergebe dem anderen so gut ich kann,
Ich verzeihe so gut ich momentan kann und dann spüre noch einen Moment in deinen Körper hinein,
Spüre nach,
Hat sich vielleicht etwas verändert an deiner Haltung,
An deiner Atmung,
An den Gedanken in deinem Kopf und jetzt zum Schluss dieser Meditation,
Atme noch dreimal ganz tief durch die Nase ein und durch den Mund seufzend aus und dann fang langsam an,
Deinen Körper wieder zu bewegen,
Komm langsam wieder in diesen Raum rein und dann öffne deine Augen.
Du kannst diese Meditation immer wieder wiederholen,
Sollte es dir gut tun und solange es dir gut tut.
Denk noch einmal dran,
Vergebung ist ein Prozess,
Es ist nichts,
Was wir uns einfach nehmen können und auf diesem Weg können dir unterschiedliche Dinge begegnen,
Die auch schon erleichternd und befreiend sein können.
Danke,
Dass du mir heute zugehört hast und ich freue mich,
Wenn wir uns ein nächstes Mal wieder hören.
Ich wünsche dir einen schönen restlichen Tag oder restlichen Abend,
Bis zum nächsten Mal.
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