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Der Nachtzug Durch Die Leisen Länder - Einschlafgeschichte

by Dominik Kavallar

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Diese Reise ist für alle, die abends nicht so leicht zur Ruhe kommen, deren Gedanken noch kreisen, wenn der Körper längst müde ist. Die gleichmäßige Bewegung des Zuges, das leise Rattern der Schienen und die ruhige Erzählweise wirken wie eine sanfte Trance – sie laden den Verstand ein, loszulassen, ohne dass er etwas dafür tun muss. Du musst nichts verstehen, nichts festhalten, nichts richtig machen. Es reicht, einzusteigen und dich tragen zu lassen – tiefer, weiter, bis du ganz natürlich in einen erholsamen Schlaf hinübergleitest. Eine Einladung, das Steuer für eine Nacht abzugeben.

Transkription

Der Nachtzug durch die leisen Länder Eine Einschlafgeschichte Es gibt Züge,

Die fahren von Stadt zu Stadt,

Von Bahnhof zu Bahnhof.

Von einem Ort mit Namen zu einem anderen Ort mit Namen.

Und dann?

Dann gibt es jene Züger,

Die nicht in Fahrplänen stehen.

Züge,

Die nicht deshalb auftauchen,

Weil man sie gebucht hat.

Sondern weil der Abend spät genug geworden ist.

Weil die Gedanken langsam müde geworden sind oder vielleicht auch Weil ein Teil von dir längst wußte,

Daß heute Nacht eine Reise beginnt,

Ohne daß du dafür irgendwo hin mußt.

Es ist nicht ganz klar.

An welchem Bahnhof diese Reise anfängt.

Vielleicht an einem,

Den du kennst?

Vielleicht an einem,

An dem du nie gewesen bist.

Vielleicht beginnt sie sogar erst in dem Moment,

In dem du aufhörst,

Darüber nachzudenken,

Wo sie beginnt.

Und genau darin liegt etwas sehr Beruhigendes.

Denn der Verstand liebt es,

Dinge einzuordnen.

Anfang,

Mitte,

Ende.

Hier.

Oder später.

Doch Müdigkeit.

Folgt anderen Regeln.

Müdigkeit fragt nicht,

Ob schon alles geklärt ist.

Sie kommt näher,

Wenn Dinge weich werden,

Wenn Linien verschwimmen.

Wenn man nicht mehr jeden Gedanken bis zum Rand ausfüllt.

Und während du das hörst,

Kann es sein.

Daß den Körper bereits beginnt,

Sich ein wenig schwerer anzufühlen.

Vielleicht nur in den Schultern.

Vielleicht in den Beinen?

Vielleicht hinter den Augen.

Vielleicht dort,

Wo du gar nicht genau sagen kannst,

Ob es ein Ort im Körper ist oder eher ein Nachlassen im Inneren.

Du stehst nun auf einem Bahnsteig.

Oder du stellst es dir vor,

Oder du bist schon in einem Zug,

Während du noch glaubst,

Auf den Zug zu warten,

Und es ist gar nicht nötig,

Das sofort zu entscheiden.

Der Bahnsteig ist ruhig.

Der Ternen.

Werfen warmes Licht auf die alten Steinplatten.

Es ist Nacht.

Doch nicht die dunkle,

Schwere Nacht.

Sondern jene erste tiefer werdende Nacht,

In der vieles schon stiller wird,

Während anderes noch nicht ganz Verschwunden ist.

Du hörst irgendwo in der Ferne ein leises,

Metallisches Klingen,

Nicht laut,

Aber so,

Daß es die Stille nicht stört,

Sondern ihr eine Form gibt.

Es riecht nach kühler Luft.

Nach altem Holz.

Nach Eisen.

Nach etwas Vertrautem,

Das keinen Namen braucht.

Auf der Anzeigetafel steht nichts.

Oder vielleicht steht dort etwas.

Doch die Buchstaben wechseln zu langsam oder zu sanft,

Um sie wirklich festhalten zu können.

Man könnte versuchen,

Den Zielort zu lesen,

Und vielleicht würde der Verstand es gerne tun.

Vielleicht würde er wissen wollen,

Wohin die Reise,

Wohin der Zug fährt,

Wohin dieser Zug fährt,

Wann er ankommt,

Wie lange die Reise dauert.

Aber.

Merkwürdigerweise fühlt es sich gut an.

Es nicht zu wissen.

Denn nicht jede Reise braucht ein Ziel.

Dass man sich merken muss,

Nicht jede Fahrt.

Muss überwacht werden.

Nicht jeder Übergang.

Muss kontrolliert werden.

Manchmal reicht es vollkommen aus,

Einfach einzusteigen.

Und fast noch bevor dieser Gedanke ganz zu Ende gedacht ist,

Hörst du das langsame Rollen des Zuges?

Er kommt nicht schnell.

Er nährt sich auf jene ruhige Weise,

Mit der etwas auftaucht.

Das nie in Eile war.

Licht gleitet an dir vorbei.

Fenster,

Dunkles Holz,

Mattes Metall.

Eine Lokomotive,

Die nicht laut wirkt,

Sondern sanft und tief,

Als würde sie nicht einfach fahren,

Sondern wissen,

Wie man durch Stille reist.

Der Zug hält an.

Und die Türen öffnen sich.

Und wieder ist er,

Dieser kleine Moment,

In dem der Verstand vielleicht fragt.

Ist das wirklich der richtige Zug?

Doch manchmal ist eine Sache genau dann richtig.

Wenn sie sich nicht beweisen muss.

Du steigst ein.

Schon beim ersten Schritt hinein verändert sich etwas.

Draußen war Luft,

Weite und Nacht.

Hier drinnen ist Wärme,

Getragenes Licht,

Gedämpfte Geräusche,

Der Boden unter deinen Füßen ist reich genug,

Daß kein Schritt stört.

Die Wände sind mit dunklem Holz verkleidet,

Halterungen aus Messing glänzen matt,

Es riecht nach Stoff.

Nach Papier.

Nach jener stillen Geborgenheit,

Die alte Räume manchmal in sich tragen.

Der Gang.

Ist schmal.

Aber nicht eng.

Eher so,

Als wolle er's sagen.

Hier wird nichts breit ausgerollt.

Hier wird alles ein wenig näher,

Ein wenig leiser.

Ein wenig sanfter.

Du gehst langsam durch den Waggon.

Links und rechts in Abteile.

Manche Türen sind geschlossen,

Manche stehn in den Spalt offen.

Du siehst leere Sitze,

Kleine Lampen,

Gebäcksnetze,

Fenster,

Hinter denen die Nacht bereits vorbeizieht.

Obwohl du dich kaum erinnern kannst,

Wann der Zug eigentlich wieder abgefahren ist.

Und vielleicht ist er längst in Bewegung,

Oder vielleicht stand er nie ganz still,

Vielleicht war die Bewegung schon da,

Bevor du sie bemerkt hast.

Wie beim Einschlafen.

Denn oft beginnt Schlaf nicht in dem Moment,

In dem man denkt,

Jetzt.

Sondern viel früher,

Dann,

Wenn der innere Halt langsam nachgibt.

Wenn etwas von der Wachheit sich hinsetzt.

Oder sich hinlegt.

Oder einfach aufhört,

Sich selbst festzuhalten.

Am Ende des Waggons.

Findest du ein Abteil,

Dessen Tür offen steht.

Es scheint auf dich zu warten.

Es ist einfach da.

Tritzt ein.

Im Abteil ist es still,

Nicht vollkommen still,

Denn völlige Stille gibt es selten,

Eher jene tiefe,

Freundliche Ruhe,

In der kleine Geräusche nicht mehr als Störung erscheinen,

Sondern wie Teil eines großen Ganzen.

Da ist das sanfte Rattern des Zugers.

Das leise Schwingern in den Wänden.

Vielleicht ein fernes Klicken.

Wenn Schienen sich treffen.

Ein gleichmäßiger Rhythmus.

Der Sitz ist weich.

Die Polsterung gibt nach genau so weit,

Daß dein Körper nicht mehr entscheiden muß,

Wie er sich hält.

Du setzt dich hin.

Oder du singst ein wenig hinein und du spürst fast sofort,

Wie angenehm es ist,

Nicht aktiv sitzen zu müssen.

Die Lene trägt dich.

Die Armstütze wartet,

Falls du sie brauchst.

Das Fenster neben dir.

Zeigt eine Nachtlandschaft,

Die dunkel genug ist,

Um nichts zu fordern,

Und bewegt genug,

Um den Blick weich werden zu lassen.

Man könnte hinaussehen und versuchen,

Einzelne Dinge zu erkennen.

Ein Haus mit einem Licht im Fenster.

Vielleicht ein Weg oder Wasser,

Das kurz den Mond widerspiegelt,

Doch je länger man hinschaut,

Desto weniger wichtig wird das,

Was dort draußen ist.

Dein Bewegung im Dunkeln löst etwas aus.

Der Blick sucht Konturen und findet sie halb,

Verliert sie wieder,

Beginnt neu.

Und irgendwann merkte Verstand.

Dass er nicht alles benennen kann.

Und wenn er das merkt.

Wird er oft ruhiger.

Und müde.

Das Atmen wird tiefer.

Vielleicht nicht deutlich,

Vielleicht nur ein wenig.

Genug,

Mehr braucht es nicht.

Mit jedem Ausatmen gibt dein Körper ein kleines Stück Spannung ab.

Die Füße werden schwerer.

Die Beine.

Ruhige.

Der Bauch weicher und die Schultern sinken,

Während ein Kiefer sich löst,

Und manchmal ist es erstaunlich,

Wie viel sich verändern kann,

Wenn niemand mehr verlangt.

Dass etwas kontrolliert wird.

Im Netz über dir.

Da liegt ein alter Koffer.

Du hast ihn vorher nicht bemerkt oder doch nur ohne ihn wichtig zu finden.

Er ist nicht groß,

Er ist auch nicht klein.

Gerade so,

Als würde er genau das enthalten,

Was heute Nacht abgelegt werden darf.

Und während du ihn ansiehst,

Weißt du plötzlich,

Ohne zu wissen woher,

Dass dieser Koffer für all das da ist,

Was dich heute nicht in den Schlaf begleiten muss.

Vielleicht Gedankenreste.

Gespräche,

Vielleicht halbe Vorhaben.

Vielleicht Sorgen,

Die morgen noch immer existieren dürfen,

Ohne heute Nacht bewacht werden zu müssen.

Der Koffer steht still,

Und doch scheint er bereits geöffnet zu sein,

Oder halb geöffnet.

Oder innerlich offen.

Manche Behälter müssen nicht sichtbar offen sein,

Um etwas aufnehmen zu können.

Du stellst dir vor,

Wie du einen Gedanken hineinlegst,

Vielleicht den ersten,

Der auftaucht.

Dann noch einen.

Eine kleine Anspannung vielleicht.

Ein inneres Müssen.

Eine Frage.

Oder ein Stück Unruhe.

Und mit jedem Unsichtbaren hineinlegen.

Wirst du selbst lehrer.

Wie ein Tisch,

Von dem man am Abend alles abräumt.

Damit nichts mehr getan werden muss.

Wie ein Himmel.

Indem nach und nach die letzten Vögel verstummen,

Wie ein Hahn.

Die etwas lange gehalten hat.

Und nun langsam merken.

Dass sie loslassen darf.

Der Zug schaukelt sanft.

Es ist ein merkwürdiges Schaukeln.

Nicht stark genug,

Um dich wach zu halten,

Nicht gleichförmig genug,

Um langweilig zu werden,

Es ist genau jene Art von Bewegung,

In der der Körper aufhört,

Noch ganz da sein zu wollen.

Vor.

Ein wenig seitwärts.

Und wieder vor.

Fast wie Atmen.

Bebiegen.

Fast wie jener Zustand kurz vor dem Einschlag.

Wenn der Körper schon schwer wird.

Während ein letzter Teil des Geistes noch versucht,

Herauszufinden.

Ob das schon der Anfang des Schlafs ist?

Und gerade dieser Versuch macht's so unglaublich müde.

Wenn der Verstand zu prüfen beginnt.

Ob Müdigkeit bereits da ist.

Beschäftigt er sich noch einmal.

Und manchmal ist genau das hilfreich.

Erprüft.

Vergleicht.

Beobachtet.

Und während er das tut,

Wird der Selbst immer träger.

Vielleicht fragst du dich für einen Moment.

Ob der Zug schneller geworden ist.

Oder ob die Nacht draußen nur dunkler ist.

Oder ob beides gleichzeitig geschieht.

Ob Geschwindigkeit überhaupt spürbar ist,

Wenn kein Ziel bekannt ist?

Und schon während diese Fragen auftauchen,

Beginnen sie,

Sich aufzulösen.

Denn du wirst sie nie beantworten müssen,

Nicht jetzt.

Nicht heute Nacht.

Im Gegenteil.

Gerade das Nicht-Beantworten Ist so wohltuend.

Die Tür des Abteils Gleitet fast lautlos auf.

Ein Schaffner tritt ein.

Oder jemand,

Der wie ein Schaffner wirkt.

Ohne die Stränge eines Schaffners zu haben.

Er trägt eine dunkle Uniform,

Nichts Geschnigeltes,

Eher zeitlos.

Sein Gesicht ist freundlich.

Still.

So als habe er schon viele Menschen in den Schlaf begleitet,

Ohne daß sie es je bemerkt haben.

Er nickte zu,

Bestätigend,

Als wollte er es sagen.

Du bist genau richtig hier.

Er hält kein Ticket in der Hand,

Und er verlangt keines.

Und diese kleine Abwesenheit von Kontrolle.

Ist überraschend tröstlich.

Du musst nichts vorzeigen,

Nichts nachweisen.

Nichts leisten.

Du bist schon mitgenommen.

Der Schaffner legt etwas auf den kleinen Tisch unter dem Fenster.

Es ist eine Taschenuhr.

Rund silbern.

Schwer.

Langsam öffnet er sie.

Innen drin.

Gibt es ein Ziffernblatt,

Doch die Zahlen stehen nicht dort,

Wo man sie erwarten würde.

Oder vielleicht wechseln Sie Ihren Platz?

Oder vielleicht sind das gar nur Markierungen,

Die aussehen,

Als hätten Zahlen einmal darüber nachgedacht,

Sich dort hinzustellen.

Es dann aber doch nicht für nötig gehalten.

Der Sekundenzeiger bewegt sich.

Oder vielleicht springt er?

Vielleicht scheint er sich zu bewegen.

Weil das Licht der Lampe sich minimal verändert,

Du versuchst vielleicht,

Für einen Moment Bewegung zu verfolgen.

Und genau darin liegt die sanfte Überforderung.

Dann etwas in dir.

Möchte verstehen,

Ob die Uhr richtig geht.

Aber was wäre hier richtig?

Wenn ein Zug durch die Nacht fährt.

Ohne Fahrplan.

Wenn der Zielort nicht bekannt ist.

Und wenn Müdigkeit näher kommt,

Ohne dass sie sich ankündigen muss.

Wenn Zahlen sich verschieben können,

Ohne daß Zeit verloren geht.

Erschaffener lächelt.

Klappt die Uhr zu?

Und geht wieder.

Die Tür schließt sich.

Und du bleibst zurück.

Mit dem leisen Eindruck.

Das im Schlaf ganz andere Zeit gilt.

Eine Zeit,

Die nicht gemessen werden muss,

Damit Erholung geschieht.

Eine Zeit.

In der eine Minute sehr tief sein kann Und eine Stunde sehr weich.

Und ein Übergang so unbemerkt.

Dass man später kaum sagen kann,

Wann genau das Wachen aufgehört hat.

Nach außen ziehen jetzt Lichter vorbei.

Vereinzelt zunächst,

Dann dichter.

Dann wieder kaum welche.

Vielleicht fährt der Zug durch Dörfer.

Vielleicht durch offenes Land,

Vielleicht an Flüsten entlang über Brücken.

Und vielleicht macht gerade das keinen Unterschied mehr.

Denn je länger du schaust,

Desto weniger wird die Landschaft.

Zu einer Ansammlung einzelner Dinge.

Und desto mehr zu einem sanften Fluss Aus Dunkel und Licht.

Wie Gedanken.

Erst noch auseinanderstehen und später ineinandergleiten.

Wie Erinnerungen.

Die erst Worte haben und dann nur noch Gefühle.

Wie Sätze,

Die halb beginnen und dann nicht mehr fertig werden müssen.

Vielleicht taucht ein Gedanke auf.

Vielleicht morgen.

Und schon verliert sich das danach vielleicht.

Ich sollte noch.

Vielleicht,

Was wenn?

Unten.

Ist das in Ordnung?

Fending unvollständig bleiben.

Schlaf lieb.

Unvollständigkeit.

Denn wenn ein Gedanke nicht zu Ende geführt wird,

Muss niemand mehr mit ihm weitergehen.

Du lehnst den Kopf an die Scheibe.

Das Glas ist kühl genug,

Um angenehm zu sein.

Die Vibration des Zuges zieht in feinen Wellen hindurch,

Es ist fast so,

Als würde der Zug nicht nur die Landschaft durchqueren,

Sondern auch deine inneren Räume.

Als würde er durch Anspannung fahren und sie unterwegs abladen.

Durch Wachheit fahren und sie sanft ausdünnen.

Durch Gedanken.

Und sie weiter und weiter nach hinten ziehen.

Bis sie nur noch leise Lichter in der Ferne sind.

Du hörst das gleichmäßige Rattern.

Es hat jetzt etwas Hypnotisches.

Weil es nichts von dir will.

Man könnte mitzählen.

Doch bald würde man sich verzählen oder vergessen.

Bei welcher Zahl man war.

Und schon dieses Kleine vergessen.

Ist angenehm.

War es sieben.

Oder 8.

Und irgendwann.

.

.

Ist selbst das egal.

So wird das Ordnung,

Ruhe.

So wird das Wiederholung tiefer.

So.

Wird aus der Frage nach Kontrolle.

Eine freundliche Ermüdung.

Sehr leicht wird das dem Zoo.

Für einen Moment ein Schiff,

Oder aus dem Fenster ein stiller See.

Oder aus dem Rattern ein fernes Rauschen von Regen.

Und sobald du glaubst,

Das Bild festhalten zu können.

Das ist gut so.

Weihgebild.

Tragen.

Der Zug fährt weiter.

Vielleicht doch neber?

Vielleicht jetzt bergauf oder nur langsamer.

Orden und Tiefe.

Du musst es nicht wissen.

Das Abteil fühlt sich mit jedem Moment geborgen an.

Fast wie ein Kokon aus Holz,

Stoff und Nacht.

Fast so wie eine kleine Welt,

In der nichts mehr passieren muss.

Fast wie eine Wiege für Erwachsene,

Die vergessen haben,

Daß Wiegen auch später im Leben noch beruhigen kann.

Du bemerkst deine Hände,

Wie ruhig sie liegen.

Deine Arme,

Wie schwer sie geworden sind.

Dein Brustkorb,

Wie gleichmäßig er sich hebt und senkt.

Dein Bauch.

Wie weicher mit dem Atem geht.

Die Beine,

Wie still sie geworden sind.

Fühlst du.

Warm oder schwer?

Oder weit entfernt auf jene angenehme Weise,

Auf die der Körper beginnt,

Sich nicht mehr überall gleich klar zu melden.

Der Zug fährt jetzt durch einen Tunnel.

Oder vielleicht schließt du nur die Augen und das Dunkel wird dichter.

Im Tunnel wird das Geräusch anders,

Tiefer.

Umschlossen.

Das Rattern wird voller,

Der Klang runder.

Fast wie ein Herzschlag.

Und obwohl Tunnel oft als Übergänge gelten.

Muss man nie genau wissen,

Was man mitten in einem Tunnel ist.

Man fährt hinein.

Es wird dunkler,

Es klingt anders,

Und irgendwann ist man wieder draußen.

Ist ein Schlafen ähnlich.

Nicht ein Punkt,

Sondern ein Abschnitt.

Ein Hineingleiten,

Ein Verdichten.

Der Tunnel scheint lang oder kurz,

Genau richtig.

Vielleicht denkst du einen Moment lang.

Wie lang dauert dieser Tunnel?

Und während der Gedanke auftaucht.

Ist er auch schon müde.

Wenn man schon sehr müde ist.

Fragt man kaum noch.

Und dazwischen liegt jener weiche Bereich,

In dem Worte noch ankommen,

Aber Bedeutung schon leichter wird.

Du hörst jetzt vielleicht nicht jeden Satz ganz,

Vielleicht nur Teile.

Rüttmann Pausen.

Und das genügt.

Denn manchmal ist deine Stimme nicht dazu da.

Dass du ihr vollständig folgst,

Sondern dazu,

Dass du immer weniger folgen musst.

Du musst.

Nirgends aussteigen.

Weil manche Stationen nur dazu da sind,

Im Vorbeifahren Ruhe auszustrahlen.

Du musst nirgndwohin.

Heute Nacht nicht.

Dieser Zug.

Bringt dich nicht zu einer Aufgabe.

Nicht zu einem Morgen,

Nicht zu einem Ziel.

Er bringt dich tiefer.

Tiefer und weiter hinein.

Sanfter Weg.

Von allem,

Was noch fest war.

Vielleicht spürst du jetzt.

Als würde er sich langsam mit deinem Atem vermischen.

Der Matratze unter dir.

Mit der Decke.

Mit der Dunkelheit hinter deinen Augen.

Vielleicht gibt es den Bahnsteig schon nicht mehr,

Vielleicht den Koffer auch nicht.

Vielleicht ist er Schaffner.

Nur noch ein Gefühl von Sicherheit.

Die Uhr nur noch eine Ahnung,

Daß Zeit keine Rolle spielt.

Das Fenster,

Nur noch eine Bewegung.

Nur noch ein Wiegen.

Ja,

Vielleicht.

Ist der Zog jetzt nur noch ein Wiegen.

4.

Und zurück.

Und aus.

Nähe.

Und weiter.

Hören.

Und davon gleiten.

Nichts zu ordnen,

Nichts zu lösen.

Der Körper ist schwer.

Der Atemberuhig.

Gedanken weit.

Asananda.

Leise und unfertig.

Doch keiner bleibt lange genug.

Um dich zurückzuholen.

Denn heute Nacht.

Holt dich nichts zurück.

Heute Nacht.

Fährt alles nur weiter nach innen.

Tiefe Entspannung.

Tiefe Gelöstheit.

Tiefe Ruhe.

Dort,

Wo die Nacht dich trägt.

Und nichts mehr festgehalten werden will.

Wo halbe Bilder genügen.

Wo selbst Fragen zu schwer werden,

Um noch gefragt zu werden.

Ist ruhiger.

Und Sperre.

Stiller.

Und Tiefe.

Bist du ganz natürlich.

Ganz sanft.

Ganz mühelos.

Hinernen Tiefen.

Erholt Samen.

Schlaf hinübergleitest.

Treffen Sie Ihren Lehrer

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