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Dein Nervensystem Spricht Kein Deutsch – Aber Wahrheit

by Jan von Wille

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4.8
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Meditation
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Dein Körper spricht kein Deutsch. Er versteht keine Argumente, keine Therapie-Einsichten, keine spirituellen Durchbrüche. Er spricht nur: sicher oder unsicher. In dieser Episode erfährst du, warum dein Nervensystem schneller entscheidet als dein Verstand, warum "Rückfälle" keine Rückfälle sind, und was wirklich passieren muss, bevor Veränderung möglich wird. Jan von Wille

Transkription

Hey,

Ich habe schon länger keinen Podcast mehr hier erstellt,

Aber jetzt bin ich wieder an Bord und möchte dir gleich was erzählen.

Also was mir letzte Woche passiert ist und warum das mein Aufhänger hier für diese Episode ist.

Neulich hatte ich eine etwas ernstere Kommunikation auf WhatsApp.

Es ging so ein paar Mal hin und her und wurde dann immer komplizierter.

Und dann,

Kennst du wahrscheinlich auch,

Dann gibt es dieses Tippen,

Wo man nur noch diese drei Punkte sieht,

Die sich bewegen.

Und dann geschah nichts.

Die Punkte verschwanden wieder.

Keine Nachricht.

Mein Kopf sagte sofort,

Ja,

Vielleicht ist der Akku leer oder irgendwas ist dazwischen gekommen,

Alles gut.

Aber mein Körper,

Der war innerlich schon dabei,

Mein komplettes Bindungsmuster zu überprüfen und alte Kindheitserfahrungen zu aktivieren,

Nur wegen drei Punkten.

Mein Körper und das liebe Nervensystem.

Über das inzwischen schon so viel geforscht und geschrieben worden ist.

In diesem Moment wollte mich mein Körper oder besser gesagt mein Nervensystem natürlich nicht sabotieren,

Sondern es hat ganz einfach gelernt,

Vorsichtig zu sein.

Denn unser Nervensystem hat im Grunde nur eine Aufgabe,

Unser Überleben zu sichern.

Gibt natürlich noch viele weitere Unterfunktionen,

Aber es ist ein ganz altes System,

Das in Millisekunden entscheiden muss,

Kämpfen,

Fliehen oder erstarren.

Es hat keine Zeit für Nuancen,

Keine Zeit für,

Ist das wirklich so schlimm,

Sondern es prüft blitzschnell,

Bin ich hier sicher oder nicht.

Und dann gibt es sofort einen Impuls.

Und es entscheidet,

Bevor Du darüber nachdenken kannst.

Es versteht keine Argumente,

Keine klugen Zusammenhänge,

Keine spirituellen Einsichten.

Es spricht eben nicht Deutsch,

Sondern in der Sprache Spannung oder Entspannung,

Nähe oder Rückzug,

Sicher oder nicht sicher.

Und wenn Dein System einmal gelernt hat,

Dass Nähe,

Kritik oder Druck gefährlich sein könnten,

Dann reagiert es schneller als Dein Denken.

Da kannst Du noch so viel verstanden haben.

Wenn Dein Körper Gefahr wittert,

Gewinnt er.

Und dabei ist er nicht gegen Dich,

Sondern für Dich.

Er will Dich eben schützen.

Okay,

Soweit ist das ja nicht so schwer zu verstehen.

Mein Körper hat also ein Alarmsystem und das macht Sinn.

Aber hier ist das,

Was mich wirklich verwirrt hat.

Ich habe inzwischen so viel integriert.

Ich meditiere,

Ich reflektiere,

Ich spüre mich.

Ich bin nicht mehr der Mensch wie vor 10 Jahren.

Und trotzdem gibt es diese Momente,

Wo ich so einen starken Kontrast merke.

Da gibt es so hochentwickelte Anteile in mir und dann wieder Anteile,

Die so stecken geblieben sind.

Und in den Momenten frage ich mich,

Manchmal hat sich überhaupt was verändert.

Wo plötzlich alles zurückkommt und ich mich irgendwie wie am Anfang fühle.

Kennst Du das?

Das habe ich jetzt mal beim Einkaufen erlebt.

Also das war jetzt nicht so dramatisch,

Aber ich hatte einen sehr vollen Tag und ich stand da an der Kasse.

Die Schlange vor mir war schon recht lang und von hinten sehe ich,

Wie jemand mit Kleingeld bezahlen will.

Kennst Du das auch,

Oder?

Also nicht mit Handy oder Karte,

Sondern er holt ein dickes Portemonnaie raus und will sein Kleingeld loswerden.

Aber das war wohl nicht so einfach.

Es gab irgendwie eine Diskussion über einen Artikel.

Oh man.

Und ich merke,

Wie sich mein Körper zusammenzieht.

Mein Kiefer spannte an.

Der Atem wurde flacher.

Ich bin ja schon ziemlich gut mit der Wahrnehmung des inneren Körpers.

Also das kann ich ganz gut,

Aber es hat mich nicht entspannter gemacht.

Ich konnte das jetzt nur sehr bewusst beobachten,

Wie ich innerlich ausraste.

Sehr spirituell.

Und dann kommt dieser Gedanke,

Ich dachte,

Ich wäre schon weiter.

Aber das ist die gute Botschaft,

Die ich jetzt verstanden habe.

Es gibt keine Rückfälle,

Es gibt nur Zustandswechsel.

Und der Unterschied ist wichtig.

Ein Rückfall würde bedeuten,

Du hast Deine Entwicklung verloren.

Du bist wieder am Anfang.

Ein Zustandswechsel bedeutet,

Dein System hat temporär in einen alten Modus geschaltet,

Weil es dachte,

Das wäre jetzt nötig.

Dein Nervensystem arbeitet also nicht linear,

Sondern in Mustern.

Wenn Dein System Stress registriert,

Schaltet es in ein altes,

Bekanntes Programm.

Nicht,

Weil Du versagt hast,

Sondern,

Wie gesagt,

Weil es Dich schützen will.

Das Verhalten,

Das Dich heute an Dir nervt,

Die Gereiztheit,

Das Dichtmachen oder die Härte,

Das war früher sozusagen Deine Lebensversicherung.

Es war die intelligenteste Antwort,

Die Du als Kind auf eine überfordernde Situation hattest.

Lass das mal auf Dich wirken.

Vielleicht weißt Du das schon,

Aber verbinde es mal mit einem bewussten Anerkennen.

Ja,

Das war bisher die intelligenteste Antwort,

Die ich entwickelt habe.

Und die war mir in vielen Situationen auch hilfreich.

Aber was damals eine Hilfe war,

Kann heute ein Hindernis sein.

Das ist so,

Als würdest Du heute noch mit dem Fahrradhelm vom Kindergarten durch die Stadt fahren.

Der hat Dich damals geschützt,

Aber er passt natürlich nicht mehr.

Er schnürt Dich ein.

Und trotzdem trägt Dein Körper ihn weiter,

Weil er denkt,

Der hat doch immer funktioniert.

Dein Körper unterscheidet nämlich nicht zwischen Überleben und Leben.

Als Kind ging es oft ums Überleben.

Und heute geht es hoffentlich ums Leben.

Aber für das Nervensystem kann eine scheinbar harmlose Situation plötzlich existenziell werden.

Je nachdem,

Was Deine Biografie abgespeichert hat.

Es geht ja nicht wirklich um die 30 Cent im Supermarkt,

Sondern vielleicht ums Warten müssen oder ums Ausgeliefertsein.

Oder darum,

Dass jemand anderes die Kontrolle hat.

Für den einen ist das ein Mini-Ärgernis,

Für den anderen mit einer anderen Geschichte fühlt es sich wie Gefahr an.

Ja,

In dem Sinne ist Dein Körper extrem treu.

Er beschützt Dich immer noch mit den Mitteln von damals.

Er verwechselt halt nur das Datum.

Und genau das erklärt,

Warum unsere gesamten Tools und Methoden oft nicht funktionieren.

Vielleicht hast Du ja auch so eine Art Werkzeugkasten mit ein paar Techniken.

Breathwork,

Yoga,

Achtsamkeit und so weiter.

Aber hast Du auch schon mal gemerkt,

Dass diese Tools genau dann nicht greifen,

Wenn es wirklich brennt?

Warum ist das so?

Weil wir die Tools,

Also die Methoden anwenden,

Ohne zu fragen,

Was braucht mein System gerade wirklich.

Wir machen einfach das,

Was man halt so macht,

Wenn man an sich arbeitet.

Wahrscheinlich weißt Du,

Dass alles Medizin sein kann und alles kann auch Gift sein.

Es kommt auf das Maß und auf den Zustand an,

In dem Du bist.

Die Frage ist nicht,

Ist Meditation gut?

Die Frage ist,

Wovor laufe ich gerade weg und führt mich diese Methode näher ran oder weiter weg?

Für ein Großmaul ist Schweigen Medizin.

Für einen schüchternen Menschen kann es Medizin sein,

Endlich mal lauthals zu fluchen.

Ja,

Mein ich so.

Wenn Du jahrelang im Hamsterrad gerannt bist,

Dann könnte mal Nichtstun Deine Medizin sein.

Aber wenn Du Dich auf Deinem spirituellen Kissen versteckst,

Dann ist Stille oftmals keine wirkliche Heilung,

Sondern könnte Vermeidung mit gutem Marketing sein.

Dann brauchst Du vielleicht nicht Ruhe,

Sondern eher Reibung,

Risiko,

Den Mut Deinen Hintern in Bewegung zu setzen.

Und denk mal drüber nach,

Medizin ist oft das Gegenteil von dem,

Was wir zu viel machen.

Aber selbst wenn wir das richtige Tool wählen,

Die passende Methode,

Selbst wenn Stille theoretisch genau das Richtige für uns wäre,

Gibt es noch eine weitere Herausforderung.

Dein Nervensystem muss überhaupt erst mal bereit sein,

Das Tool anzunehmen.

Du kannst Dir die beste Medizin der Welt besorgen,

Aber wenn Dein Körper im Alarmmodus ist,

Spuckt er sie wieder aus.

Ich gebe Dir hier mal ein Beispiel mit dem Thema Meditation.

Meditation ist ja ein sehr guter Weg,

Um mit unserem Nervensystem zu arbeiten.

Aber wenn Du merkst,

Dass Du nervös wirst,

Wenn Du länger als zwei Minuten still wirst,

Dass die Gedanken rasen und Dein Körper schreit,

Ich will hier weg,

Dann muss das nicht heißen,

Dass Du nicht meditieren kannst,

Sondern vielleicht fehlt Deinem System erst noch die Grundlage,

Um überhaupt mit Stille arbeiten zu können.

Warum?

Weil wir Herdentiere sind.

Für unsere Vorfahren bedeutete alleine und still in der Wildnis sitzen oft Gefahr.

Und wenn Dein System ohnehin auf Alarm steht,

Interpretiert es Stille nicht als Wellness,

Sondern als Isolation.

Und Isolation ist für ein Säugetier keine Entspannung,

Sondern eben Gefahr.

Du kannst eine intelligente Überlebensfunktion nicht einfach wegatmen,

Wir müssen sie erst mal würdigen.

Die Frage ist also warum funktioniert meine Meditation nicht,

Sondern was braucht mein Körper,

Bevor er überhaupt bereit ist,

Loszulassen oder in die Stille zu gehen.

Der erste Schritt wäre in dem Fall nicht Stille,

Sondern Sicherheit aufbauen.

Und das kann ganz unterschiedlich aussehen.

Für manche bedeutet das,

Mit jemandem zu sprechen,

Also wirklich gesehen werden.

Vielleicht reicht schon ein kurzer Anruf bei einem Menschen,

Bei dem Du Dich nicht verstellen musst.

Für andere kann es bedeuten,

Sich selbst innerlich zuzuwenden,

Die Hand auf den Bauch legen und spüren,

Ich bin hier sicher,

Ich halte mich.

Das ist bei mir mein Morgenritual.

Direkt nach dem Aufwachen lege ich meine Hand auf meinen Bauch.

Noch bevor ich irgendwas denke oder plane,

Das ist für mich Sicherheit,

Verbindung aufbauen,

Mich zu spüren.

Manchmal ist es auch Bewegung,

Schütteln,

Tanzen,

Den Alarm erstmal körperlich rauslassen,

Bevor Du still sitzen kannst.

Es geht um Einstimmung,

Entweder zu Dir selbst oder zu einem anderen Menschen.

Dein Körper muss erstmal spüren,

Dass er gehalten ist,

Bevor er loslassen kann.

Dass jemand da ist.

Oder dass Du selbst da bist für Dich.

Erst dann ist Stille nicht mehr Isolation,

Sondern heilsame Medizin.

Diesen Prozess nenne ich Heimkehr.

Schönes Wort,

Ne?

Es ist ein Einziehen in Deinen inneren Körper.

Du nimmst Deinen Körper wieder in Besitz.

Zimmer für Zimmer.

Wenn Dich das näher interessiert,

Könnte Awake Body etwas für Dich sein.

Ich habe dafür einen schönen Titel gefunden.

Damit Dein Körper lernt,

Was Dein Kopf längst weiß.

Und Du so sicher wirst,

Dass Du Dich in das Leben wieder verlieben kannst.

Spannend,

Ne?

Ja,

Und vielleicht findest Du heute mal zwei Minuten,

In denen Du einfach nur da bist,

Ohne Ziel.

Nur innerlich Heimat spüren.

Auch wenn es seine Zeit braucht,

Um zu einem richtigen,

Wohligen Gefühl zu werden.

Aber für den Anfang reicht das für Dich.

Ich wünsche Dir ein gutes Leben.

4.8 (14)

Neueste Bewertungen

Klaus

March 5, 2026

Danke! Das war so "passgenau" für mich. Anfangs habe ich ständig lächelnd genickt: kenne ich, geht mir genauso, habe ich mir auch schon gedacht. Und dann wurde ich immer nachdenklicher und lernbereiter. Nun werde ich wohl in Zukunft hoffentlich öfter geduldiger und verständnisvoller mit meinem Nervensystem umgehen. Danke für diesen sehr hilfreichen Text.

Lilian

March 4, 2026

DankeJan🙏🏻das war sehr intetessant und aufschlussreich

Simon

March 4, 2026

Großartig, sehr inspirierend! 🙏🏼

Jens

March 4, 2026

Danke Jan, ich habe geschmunzelt, mich selbst an der Supermarktkasse gesehen und gefreut, dass ich nicht alleine damit bin. Wir fallen also nicht zurück, wir erleben einen Zustand. 💪

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