37:57

Einschlafmärchen: Alles am rechten Platz (Andersen)

by Alexandra Matthes

rating.1a6a70b7
Bewertet
4.6
Group
Aktivität
Meditation
Geeignet für
Alle
Aufrufe
16.3k

Lasse Dich von mir in den Schlaf begleiten. Nach einer meditativen Entspannungs-Sequenz erzähle ich Dir das Märchen aus Dänemark nach hans Christian Andersen: "Alles am rechten Platz" (gekürzte Fassung). Du darfst jederzeit einschlafen, denn Du kannst sicher sein, dass es gut ausgehen wird. Ich wünsche Dir eine gute Nacht und schöne Träume!

Transkription

Alles am rechten Platz.

Abendmeditation und Einschlafmärchen nach Hans Christian Andersen.

Finde eine wunderbare Position,

Der du ganz bequem und entspannt liegen kannst.

Mach es dir in deinem Bett bequem.

Recke und strecke dich noch mal und rückel und schaukel dich so richtig angenehm in deinem Bett zurecht.

Gerne kannst du auch gähnen und seufzen.

Gib dir die Bewegungen,

Die dir gerade gut tun und dann lasse Ruhe einkehren.

Es gibt jetzt nichts weiter zu tun,

Als einfach da zu liegen und zu atmen und mehr und mehr zu entspannen.

Lege eine Hand flach auf dein Herz,

Die andere auf deinen Bauch und dann spüre mal in dich hinein.

Spüre das Heben und Senken deines Oberkörpers mit jedem Atemzug.

Spüre deinen Herzschlag.

Spüre dich hier und jetzt am Ende dieses Tages und es darf sich gut anfühlen,

Mehr und mehr zur Ruhe zu kommen.

Mehr und mehr bei dir selbst anzukommen.

Nimm noch zwei,

Drei ganz bewusste,

Etwas tiefere Atemzüge.

Versuche durch dein Herz hindurch zu atmen und diese Herzensenergie in deinem ganzen Körper zu verteilen.

Dann finde einen angenehmen Platz für deine Hände und rückel dich noch mal in deinem Bett zurecht.

Die nächste Minute darfst du nutzen,

Um die Bilder deines heutigen Tages noch mal Revue passieren zu lassen.

Was ist heute passiert?

Was waren deine Themen,

Gedanken und Ereignisse heute?

Schau einfach mal,

Welche Bilder in dir so aufkommen.

Eine Minute für deine Bilder des Tages.

Dann richte deine Aufmerksamkeit noch mal auf die Dinge,

Für die du heute besonders dankbar bist.

Sammle mindestens drei Dinge zusammen,

Für die du dankbar bist.

Dann lasse die Bilder und Gedanken aus dir hinausziehen Dein Körper darf immer schwerer werden,

Dein Geist immer leichter und die Gedanken dürfen hoch zum Himmel fliegen,

Hinauf zu den Wolken.

Der Tag ist vorbei.

Für dich gibt es nichts mehr zu tun,

Außer zu ruhen und auf angenehme Art und Weise immer schwerer zu werden.

Du darfst jederzeit einschlafen.

Morgen ist wieder ein neuer Tag mit neuen Abenteuern und während du schläfst,

Kann sich dein Körper erholen,

Neue Kräfte tanken,

Damit du morgen klar und erholt erwachst.

Ich habe dir heute eine kleine Geschichte mitgebracht,

Der du ganz nebenbei lauschen kannst.

Es ist über 100 Jahre her.

Da lag hinter dem Walde,

An dem großen See,

Ein alter Herrenhof.

Der war ringsherum von tiefen Gräben umgeben,

In denen Kolbenrohr,

Schilf und Röhricht wuchsen.

Drüben vom Hohlwege herüber erklangen Jagdhornruf und Pferdegetrappel und deshalb beeilte sich das kleine Gänsemädchen,

Die Gänse auf der Brücke zur Seite zu treiben,

Ehe die Jagdgesellschaft herangaloppiert kam.

Sie kamen so geschwind daher,

Dass sie hurtig auf einen der großen Steine an der Seite der Brücke springen musste,

Um nicht unter die Hufe zu kommen.

Ein halbes Kind war sie noch,

Fein und zierlich,

Doch mit einem wunderbaren Ausdruck im Antlitz und in den großen hellen Augen.

Aber das sah der Gutsherr nicht.

Während seines sausenden Galops drehte er die Peitsche in seine Hand und mit roher Lust stieß er sie,

Dass sie hinten überfiel.

Alles am rechten Platz,

Rief er.

In den Mist mit dir.

Und dann lachte er,

Denn es sollte ein guter Witz sein.

Und die anderen lachten mit.

Die ganze Gesellschaft schrie und lärmte und die Jagdhunde bellten.

Es war,

Ganz wie in dem Liede,

Reiche Vögel kommen geflogen.

Gott weiß,

Wie reich er damals war.

Das arme Gänsemädchen griff um sich,

Als sie fiel und bekam einen der herabhängenden Weidenzweige zu fassen.

An diesem hielt sie sich krampfhaft über dem Schlamm.

Und sobald die Herrschaft und die Hunde im Tore verschwunden waren,

Versuchte sie,

Sich hinaufzuarbeiten.

Aber der Zweig brach oben am Stamme ab und das Gänsemädchen fiel schwer zurück ins Rohr.

Im selben Augenblick griff von oben her eine kräftige Hand nach ihr.

Es war ein wandernder Hausierer,

Der ein Stückchen weiter davon zugesehen hatte und sich nun beeilte,

Ihr zur Hilfe zu kommen.

Alles am rechten Platze,

Sagte er höhnend hinter dem Gutsherrn her,

Und zog sie auf das Trockene.

Den abgebrochenen Zweig drückte er gegen die Stelle,

Wo er sich abgespalten hatte.

Aber alles am rechten Platze lässt sich nicht immer tun.

Deshalb steckte er den Zweig in die weiche Erde.

Wachse,

Wenn du kannst,

Und schneide denen dort oben auf dem Hofe eine gute Flöte.

Er hätte dem Gutsbesitzer und den Seinen wohl einen tüchtigen Spießrutenmarsch gegönnt.

Dann ging er in den Herrenhof,

Aber nicht oben in den Festsaal.

Er ging zu den Dienstleuten in die Gesindestube.

Und sie beschauten seine Waren und handelten.

Aber oben von der Festtafel tönte Gekreisch und Gebrüll.

Das sollte Gesang vorstellen.

Sie konnten es nicht besser.

Es klang Gelächter und Hundegebell.

Es war ein wahres Fress- und Saufgelage.

Wein und altes Bier schäumten in Gläsern und Krügen.

Der Hausierer wurde mit seinen Waren heraufgerufen.

Aber nur,

Damit sie ihre Späße mit ihm treiben konnten.

Der Wein war drinnen und der Verstand draußen.

Sie gossen Bier für ihn in einen Strumpf,

Das er mittrinken könne.

Aber geschwind!

Das war nun ein außerordentlich feiner Einfall und sehr zum Lachen.

Ganze Herdenvieh,

Bauern und Bauernhöfe wurden auf eine Karte gesetzt und verloren.

Alles am rechten Fleck,

Sagte der Hausierer,

Als er wohlbehalten aus dem Sodom und Gomorrah,

Wie er es nannte,

Entronnen war.

Die offene Landstraße,

Das ist der rechte Platz für mich.

Dort oben war mir nicht wohlzumute.

Und das kleine Gänsemädchen nickte ihm von der Feldgrenze aus zu.

Und es vergingen Tage und es vergingen Wochen.

Und es zeigte sich,

Dass der abgebrochene Weidenzweig,

Den der Hausierer neben dem Wassergraben in die Erde gesteckt hatte,

Sich ständig grün hielt.

Ja,

Er trieb sogar neue Zweige aus.

Das kleine Gänsemädchen sah,

Dass er Wurzeln gefasst haben musste,

Und sie freute sich von ganzem Herzen darüber.

Denn es war ihr,

Als gehöre der Baum ihr.

Ja,

Mit dem Baum ging es vorwärts.

Aber mit allem anderen auf dem Hofe ging es durch Trunk und Spiel mit großen Schritten rückwärts.

Das sind zwei Rollen,

Auf denen nicht gut zu stehen ist.

Nicht ganz sechs Jahre waren vergangen.

Da wanderte der Gutsherr mit Sack und Stock als armer Mann vom Hofe.

Der wurde von einem reichen Hausierer gekauft,

Und es war derselbe,

Der einst dort zum Spott und Gelächter gemacht worden war,

Als man ihm Bier in einem Strumpfe darbot.

Aber Ehrlichkeit und Fleiß geben guten Fahrwind.

Nun war unser Hausierer der Herr auf dem Hofe,

Und von Stund an kam kein Kartenspiel mehr dorthin.

Das ist eine schlechte Lektüre,

Sagte er.

Sie entstand damals,

Als der Teufel das erste Mal die Bibel zu Augen bekam.

Er wollte daraus ein Zerrbild schaffen,

Das ebenso große Anziehungskraft besäße.

So erfand er denn das Kartenspiel.

Der neue Herr nahm sich eine Frau.

Und wer war sie?

Es war das kleine Gänsemädchen,

Das immer so gut gewesen war.

In den neuen Kleidern sah sie so fein und schön aus,

Als sei sie als vornehme Dame geboren.

Wie ging das zu?

Ja,

Das würde eine zu lange Geschichte für unsere eilfertige Zeit werden.

Aber es war nun einmal so.

Und das Wichtigste kommt nun.

Gesegnet und gut war alles auf dem alten Hofe.

Die Hausmutter stand selbst dem inneren Hause vor,

Und der Hausherr dem äußeren.

Es war gerade als Quelle der Segen überall hervor.

Und wo Wohlstand ist,

Kommt Wohlstand ins Haus.

Der alte Hof wurde geputzt und gestrichen,

Die Gräben gereinigt und Obstbäume gepflanzt.

Freundlich und gepflegt sah es hier aus.

Die Fußböden in den Zimmern waren blank wie poliert.

In dem großen Saale saß an den Winterabenden die Hausfrau mit allen ihren Mägden und Spannwolle.

An jedem Sonntagabend wurde laut aus der Bibel vorgelesen.

Und zwar von dem Kommerzialrat selbst.

Denn der Hausierer war Kommerzialrat geworden.

Aber erst in seinen alten Tagen.

Die Kinder wuchsen heran,

Denn Kinder waren auch gekommen.

Und alle lernten etwas Rechtes.

Sie hatten nicht alle gleich gute Köpfe,

Aber das geht ja in einer jeden Familie so.

Der Weidenzweig draußen war ein großer,

Prächtiger Baum geworden,

Der frei und unbeschnitten dastand.

Das ist unser Stammbaum,

Sagten die alten Leute.

Und der Baum soll in Achtung und Ehren gehalten werden,

Sagten sie zu den Kindern.

Auch zu denen,

Die keinen guten Kopf mitbekommen hatten.

Und nun waren darüber hundert Jahre vergangen.

Es war in unserer heutigen Zeit.

Der See war zu einem Moor geworden und der alte Herrenhof war gleichsam wie weggewischt.

Eine längliche Wasserpfütze mit ein wenig Steinumrandung an den Seiten war der Rest der tiefen Gräben.

Und hier stand ein prächtiger,

Alter Baum,

Der seine Zweige ausbreitete.

Das war der Stammbaum.

Er stand und zeigte,

Wie schön ein Weidenbaum sein kann,

Wenn er wachsen darf,

Wie er Lust hat.

Er war freilich mitten im Stamme geborsten,

Von der Wurzel bis zur Krone hinauf.

Und der Sturm hatte ihn ein wenig geneigt.

Aber er stand.

Und aus allen Rissen und Spalten,

In die der Wind Erde hineingeweht hatte,

Wuchsen Gras und Blumen.

Besonders ganz oben,

Wo die großen Zweige sich teilten,

War gleichsam ein hängender kleiner Garten mit Himbeeren und Vogelgras.

Ja,

Auch ein winzig kleiner Vogelbärbaum hatte dort Wurzeln gefasst und stand schlank und fein in der Mitte.

Oben auf dem alten Weidenbaum,

Der sich in dem schwarzen Wasser spiegelte,

Wenn der Wind die Wasserlilien in eine Ecke der Wasserpfütze getrieben hatte.

Ein schmaler Fußsteig führte dicht hier vorbei,

Hoch auf dem Hügel am Walde mit einer herrlichen Aussicht lag das neue Schloss.

Groß und prächtig,

Mit Glasfenstern so klar,

Dass man hätte glauben mögen,

Es seien gar keine darinnen.

Die große Treppe vor der Tür sah wie eine Laube aus Rosen und großblättrigen Pflanzen aus.

Die Grasflächen waren so sauber gehalten und so grün,

Als ob nach jedem Halm abends und morgens gesehen würde.

Drinnen im Saale hingen kostbare Gemälde und mit Seide und Samt bezogene Stühle und Sofas,

Die fast auf ihren eigenen Beinen einhergehen konnten.

Tische mit blanken Marmorplatten und Bücher in Goldschnitt gewunden,

Standen auch da.

Ja,

Es waren wohl freilich reiche Leute,

Die hier wohnten.

Es waren vornehme Leute,

Hier wohnten Barone.

Eins passte zum anderen,

Alles am rechten Fleck,

Sagten auch sie.

Und deshalb waren alle Gemälde,

Die einmal dem alten Hofe zu Schmuck und Ehren gereicht hatten,

Nun im Gange,

Der nach der Dienerkammer führte,

Aufgehängt worden.

Es war ja altes Gerümpel.

Besonders zwei alte Porträts,

Die einen Mann in rosenrotem Rocke mit einer Perücke und eine Dame mit gepudertem,

Hochfrisiertem Haar und einer roten Rose in der Hand darstellten,

Aber beide mit dem gleichen großen Kranz von Weidenzweig umgeben.

Es waren viele runde Löcher in den beiden Bildern.

Das kam daher,

Dass die kleinen Barone immer ihre Filzbogen auf beiden alten Leuten abschossen.

Und die alten Leute auf den Bildern waren der Kommerzialrat und die Kommerzialrätin,

Von denen das ganze Geschlecht abstammte.

Sie gehören aber nicht richtig in unsere Familie,

Sagte einer der kleinen Barone.

Es war ein Hausierer gewesen und sie eine Gänsemagd.

Sie waren nicht so wie Papa und Mama.

Die Bilder waren altes,

Hässliches Gerümpel und alles am rechten Fleck,

Sagte man.

Und so kamen Urgroßvater und Urgroßmutter auf den Gang zur Dienerkammer.

Der Pfarrerssohn war Hauslehrer auf dem Schlosse.

Eines Tages ging er mit den kleinen Baronen und ihrer älteren Schwester,

Die gerade kürzlich eingesegnet worden war,

Spazieren.

Dabei kamen sie den Fußsteg entlang und zu dem alten Weidenbaume herunter.

Und während sie gingen,

Band sie einen Feldblumenstrauß.

Alles am rechten Fleck.

Er wurde ein kleines Kunstwerk.

Währenddessen hörte sie aber noch recht gut alles,

Was gesagt wurde.

Und sie freute sich,

Wie der Pfarrerssohn von den Kräften der Natur und der Geschichte großer Männer und Frauen erzählte.

Sie war eine gesunde,

Prächtige Natur,

Voller Adel des Geistes und der Seele und mit einem Herzen,

Das alles von Gott Erschaffene freudig umfasste.

Sie machten unten bei dem alten Weidenbaume Halt.

Der kleinste der Barone wollte gerne eine Flöte geschnitten haben,

Wie er sie schon oft von Weidenbäumen bekommen hatte.

Und der Pfarrerssohn brach einen Zweig ab.

Oh,

Tun Sie es nicht,

Sagte die junge Baroness.

Aber es war schon geschehen.

Das ist ja unser alter,

Viel berühmter Baum.

Ich habe ihn so gern.

Deshalb werde ich oft zu Hause ausgelacht.

Aber das tut nichts.

Es umschwebt eine Sage dem Baum.

Erzählte sie alles,

Was sie über den Baum gehört hatte.

Über den alten Herrenhof,

Über das Gänsemädchen und den Hausierer,

Die sich hier begegnet und die Stammeltern des vornehmen Geschlechts und auch der jungen Barone wurden.

Sie wollten sich nicht adeln lassen,

Die beiden alten,

Biederen Leute,

Sagte sie.

Sie hatten den Wahlspruch,

Alles am rechten Platze.

Und sie meinten,

Nicht dahin zu kommen,

Wenn sie sich durch Geld erhöhen ließen.

Ihr Sohn,

Mein Großvater war es,

Der Baron wurde.

Er soll ein großes Wissen besessen haben und hoch angesehen bei Prinzen und Prinzessinnen gewesen sein.

Er war bei allen ihren Festen dabei und ihn verehrten die anderen zu Hause am meisten.

Aber ich weiß selbst nicht,

Für mich ist es etwas an dem alten Paar,

Was mein Herz zu ihnen zieht.

Es muss so gemütlich auf dem alten Hofe gewesen sein,

Wo die Hausmutter saß und mit allen ihren Mägden spann und der alte Herr laut aus der Bibel vorlas.

Es waren prächtige Leute,

Vernünftige Leute,

Sagte der Pfarrerssohn.

Dann geriet das Gespräch in Fahrwasser und unterdessen war die Pfeife geschnitten.

Es war eine große Gesellschaft auf dem Schloss mit vielen Gästen aus der Umgebung und aus der Hauptstadt.

Die Damen waren mit und ohne Geschmack gekleidet.

Der große Saal war voller Menschen.

Ein großes Konzert sollte stattfinden.

Daher hatte der kleine Baron seine Weidenflöte mit hereingebracht.

Aber er konnte ihr keinen Ton entlocken,

Auch Papa konnte es nicht.

Nun kamen Musik und Gesang an die Reihe und zwar von jener Art,

Die hauptsächlich den Ausübenden Freude macht.

Es war übrigens wirklich niedlich.

Sind sie auch virtuos,

Sagte ein Kavalier,

Der das Kind seiner Eltern war,

Zum Hauslehrer.

Sie blasen Flöte,

Nicht wahr?

Sie werden uns mit diesem kleinen Instrument entzücken.

Und dann reichte er dem Hauslehrer die Flöte,

Die von dem Weidenbaume unten am Wassertümpel geschnitten war.

Und laut und vernehmlich verkündete er,

Dass der Hauslehrer ein kleines Flötensolo zum Besten geben wollte.

Man wollte ihn zum Gespött machen,

Das war nicht schwer zu verstehen und deshalb wollte der Hauslehrer auch nicht blasen,

Obwohl er es recht wohl gekonnt hätte.

Aber sie drängten ihn und nötigten ihn und so nahm er die Flöte und setzte sie an den Mund.

Es war eine wunderliche Flöte.

Es erklang ein Ton,

So anhaltend wie bei einer Dampflokomotive,

Nur noch viel schriller.

Er klang über den ganzen Hof,

Den Garten und den Wald und meilenweit ins Land hinaus.

Und mit dem Ton erhob sich ein Sturmwind,

Der brauste alles am rechten Platze.

Und da flog Papa wie vom Winde getragen aus dem Hause hinaus,

Gerade in das Viehhüterhaus hinein.

Und der Viehhirt flog hinauf in den Saal,

Mitten unter die feine Gesellschaft,

Die in seidenen Strümpfen einherging.

Den stolzen Herren schlug der Schreck wie Gicht in die Glieder,

Dass so eine geringe Person sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen wagte.

Aber im großen Saale flog die junge Baroness an das oberste Tischende,

Wo zu sitzen sie würdig war.

Und der Pfarrerssohn bekam den Sessel an ihrer Seite.

Und da saßen sie nun beide,

Als seien sie ein Brautpaar.

Ein alter Graf aus dem ältesten Geschlecht des Landes blieb unverrückt auf seinem Ehrenplatz.

Denn die Flöte war gerecht.

Und das soll man sein.

Der witzige Kabalier,

Der die Schuld am Flötenspiel trug und der das Kind seiner Eltern war,

Flog kopfüber zwischen die Hühner.

Eine ganze Meile ins Land hinaus,

Klang die Flöte,

Und man hörte von großen Begebenheiten.

Eine reiche Großhändlerfamilie,

Die mit Vieren ausgefahren war,

Wurde aus dem Wagen hinausgeblasen und bekam nicht einmal den hinteren Platz.

Zwei reiche Bauern,

Die in letzter Zeit über ihre Kornfelder hinausgewachsen waren,

Wurden in einen sumpfigen Graben hinabgeblasen.

Es war eine gefährliche Flöte.

Glücklicherweise sprang sie beim ersten Ton.

Und das war gut.

Denn so kam sie wieder in die Tasche.

Alles am rechten Platze.

Am nächsten Tag sprach man nicht über die Begebenheit.

Daher stammte die Redensart,

Die Pfeife wieder einstecken.

Alles war auch wieder in seiner alten Ordnung.

Nur,

Dass die beiden alten Bilder,

Der Hausierer und das Gänsemädchen,

Oben im Saal hingen.

Sie waren dort an die Wand geblasen worden.

Und da ein wirklicher Kunstkenner sagte,

Dass sie von Meisterhand gemalt seien,

Blieben sie dort hängen und wurden instand gesetzt.

Man hatte ja vorher nicht gewusst,

Dass sie etwas taugten.

Und woher hätte man das auch wissen sollen?

Nun hingen sie an dem Ehrenplatze.

Alles am rechten Platze.

Und dahin kommt es auch meist.

Die Ewigkeit ist lang.

Länger als diese Geschichte.

Und dir wünsche ich eine gute Nacht und schöne Träume.

4.6 (157)

Neueste Bewertungen

Regina

March 3, 2025

Ein sehr tiefsinnige Märchen - hab es nicht zum Einschlafen genutzt, sondern zugehört und entspannt :) Dankeschön!

Traude

January 22, 2024

Wunderbare Stimme - beste Anleitung - danke

Ilo

July 24, 2023

gut

Ilo

March 21, 2023

dehr gut

Rosi

January 11, 2023

Sehr angenehm

Thomas

January 3, 2023

Gut durchdacht, super Stimme und Tempo - alles richtig

Crissy

January 2, 2023

Du machst das immer Soooo TOLL.. Ich liebe alle deine Märchen und deine Art und Weise.

© 2026 Alexandra Matthes. All rights reserved. All copyright in this work remains with the original creator. No part of this material may be reproduced, distributed, or transmitted in any form or by any means, without the prior written permission of the copyright owner.

Trusted by 35 million people. It's free.

Insight Timer

Get the app

How can we help?

Sleep better
Reduce stress or anxiety
Meditation
Spirituality
Something else