
Wenn ich aufhöre zu funktionieren, wer bin ich dann?
Es gibt diesen Moment, den viele Menschen kennen – auch wenn kaum jemand darüber spricht. Ein Moment, in dem plötzlich alles langsamer wird. Oder zumindest langsamer werden möchte. Und gleichzeitig entsteht eine innere Unruhe. Denn da ist nicht nur Erschöpfung. Da ist auch eine Frage: Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht mehr funktioniere? In dieser Folge möchte ich dir eine neue Perspektive geben, einen neuen Zugang: Sein statt Tun Was wäre, wenn dein Wert nie an deine Leistung gebunden war? Was wäre, wenn du nichts „beweisen“ müsstest? Das bedeutet nicht, dass du aufhörst, aktiv zu sein oder Ziele zu verfolgen. Es bedeutet, dass dein innerer Zustand nicht mehr davon abhängig ist. Loslassen heißt nicht aufgeben. Loslassen heißt: - den inneren Druck reduzieren - die Identifikation mit Leistung lösen - dir selbst Raum geben Es ist eine Rückkehr. Nicht zu jemand anderem – sondern zu dir. Bild von Margarita Kochneva auf Pixabay Musik von Forest XPTL Music from Pixabay
Transkription
Kennst du das Gefühl?
Du funktionierst einfach,
Du machst,
Du organisierst,
Du hältst durch,
Du bist stark,
Zuverlässig,
Leistungsfähig.
Und vielleicht bekommst du auch genau dafür Anerkennung.
Doch innerlich ist da eine leise Stimme,
Die sagt,
Ich kann nicht mehr,
Ich bin müde,
Ich will einfach nur mal sein.
Und gleichzeitig kommt sofort eine andere Stimme,
Reiß dich zusammen.
Andere schaffen das doch auch.
Du kannst doch jetzt nicht schwach sein.
In dieser Folge geht es genau darum,
Um den inneren Antreiber,
Um dieses ständige Funktionieren.
Und darum,
Warum Loslassen oft so schwer ist.
Und wie du wieder in Verbindung mit dir selbst kommst.
Viele Menschen,
Die heute stark funktionieren,
Waren früher Kinder,
Die sehr früh gelernt haben,
Ich muss stark sein.
Ich darf keine Last sein,
Ich schaffe das allein.
Vielleicht hast du Sätze gehört wie,
Man muss da durch,
Reiß dich zusammen,
Nicht aufgeben,
Andere haben es schwerer.
Und das sind auf den ersten Blick starke Botschaften.
Doch tief im Inneren entsteht oft ein Glaubenssatz.
Ich bin nur wertvoll,
Wenn ich leiste.
Und daraus entsteht ein innerer Antreiber,
Eine Stimme,
Die dich immer weiter antreibt,
Die sagt,
Du musst noch mehr machen,
Das reicht noch nicht.
Du kannst dich doch jetzt nicht ausruhen,
Andere sind besser.
Und dieser Anteil meint es nicht böse.
Er wollte dich schützen,
Vor Ablehnung,
Vor Schwäche,
Vor dem Gefühl nicht genug zu sein.
Aber heute führt genau dieser Anteil dazu,
Dass du dich erschöpfst,
Dass dein Körper irgendwann sagt,
Stopp.
Und in der Yoga-Philosophie gibt es dafür einen sehr spannenden Begriff,
Asmita.
Das bedeutet so viel wie,
Sich mit etwas zu identifizieren.
Oft mit unserem Ego.
Und in diesem Zusammenhang heißt das,
Wir beginnen uns über unsere Leistung zu definieren.
Über das,
Was wir tun.
Über das,
Was wir schaffen.
Und irgendwann glauben wir,
Das bin ich.
Ich bin die,
Die funktioniert.
Ich bin die,
Die stark ist.
Ich bin die,
Die alles schafft.
Und jetzt wird es spannend,
Denn in dem Moment,
In dem du langsamer wirst,
In dem du nichts tust,
Fühlt sich das für einen Teil in dir fast bedrohlich an.
Weil dieses Ego plötzlich nicht mehr hat,
Womit es sich identifizieren kann.
Keine Leistung,
Kein Funktionieren.
Kein Ich-habe-etwas-geschafft.
Und genau deshalb fällt Loslassen oft so schwer.
Nicht,
Weil wir es nicht können,
Sondern weil ein Teil in uns glaubt,
Wenn ich nichts leiste,
Bin ich nichts.
Und vielleicht darf genau hier ein neuer Raum entstehen.
Ein Raum,
In dem du beginnst zu spüren,
Ich bin mehr als das,
Was ich tue.
Ich bin auch dann wertvoll,
Wenn ich einfach nur bin.
Und vielleicht ist genau das die Einladung aus dem Yoga,
Dich wieder daran zu erinnern,
Wer du bist,
Wenn du nichts leisten musst.
In vielen Fällen spricht unser Körper schon viel früher mit uns,
Nur hören wir oft nicht hin oder wir nehmen es nicht ernst genug.
Vielleicht kennst du das.
Kopfschmerzen,
Ein Druck im Kopf,
Verspannungen im Nacken,
Ein Ziehen im Körper oder sogar schon Schlafprobleme.
Tinnitus oder sogar Schwindel oder einfach das Gefühl,
Leer zu sein.
Und oft versuchen wir dann,
Einfach weiterzumachen,
Funktionieren weiter,
Nehmen es hin oder denken,
Das geht schon wieder weg.
Doch all das können Zeichen sein,
Dass du deine eigenen Grenzen immer wieder überschreitest,
Ganz leise,
Ganz schleichend.
Und dein Körper beginnt,
Dich darauf aufmerksam zu machen.
So geht es nicht mehr weiter,
Nicht um dich zu bestrafen,
Sondern um dich zu schützen.
Und vielleicht ist genau jetzt der Moment,
Nicht erst dann anzuhalten,
Wenn gar nichts mehr geht,
Sondern früher,
Viel früher,
Wenn dein Körper leise beginnt zu sprechen.
Denn wenn wir nicht hören,
Wird der Körper oft deutlicher und manchmal endet das in einem Punkt,
An dem wirklich nichts mehr geht,
Wie ein Burnout.
Und das ist kein Versagen,
Sondern oft das Ergebnis von viel zu langem Funktionieren.
Und genau deshalb geht es nicht darum,
Noch mehr zu leisten,
Sondern darum,
Früher hinzuspüren,
Früher innezuhalten,
Um dir selbst zu erlauben,
Aus diesem inneren Druck auszusteigen.
Und vielleicht machst du sogar schon ganz viel für dich,
Wie Yoga,
Bewegung,
Gesunde Ernährung.
Und trotzdem ist da dieses Gefühl,
Es ist noch nicht genug.
Und genau da liegt der Schlüssel.
Es geht gar nicht darum,
Noch mehr zu tun,
Eine To-do-Liste deiner Selbstfürsorge abzuarbeiten,
Sondern darum,
Anders mit dir zu sein.
Denn solange dein innerer Dialog streng ist,
Wird sich nichts wirklich verändern.
Loslassen bedeutet nicht aufgeben.
Loslassen bedeutet,
Den inneren Druck gehen lassen,
Dich von deinem Wert nicht mehr abhängig zu machen und auch nicht von deiner Leistung.
Und vielleicht ist der wichtigste Satz heute,
Du bist nicht hier,
Um nur zu funktionieren,
Du bist hier,
Um zu leben.
Und genau dafür möchte ich dich jetzt einladen,
In eine kleine Reise zu einem Ort in dir,
An dem du nichts leisten musst,
An dem du einfach sein darfst.
Wenn du magst,
Such dir einen ruhigen Platz,
Setze oder lege dich bequem hin und wenn es sich für dich gut anfühlt,
Schließe sanft deine Augen,
Komm an bei dir.
Atme tief ein und langsam wieder aus.
Atme in deinen Bauch ein und weich wieder aus.
In den Bauch einatmen und dann lass die Bauchdecke wieder ganz weich werden.
Durch die Nase ein und durch den leicht geöffneten Mund ausatmen,
Wie wenn du eine Kerze auspusten möchtest.
Spüre,
Wie sich beim Einatmen die Bauchdecke hebt und ganz sanft wieder zurückzieht.
Atme ein in den Bauch und dann geh ein bisschen weiter nach oben in deine Rippenbögen und weich wieder ausatmen.
Spüre,
Wie sich die Bauchdecke hebt,
Die Rippenbögen ausdehnen und alles wieder sanft zurückzieht.
Ein bisschen kraftvoller in den Bauch,
In deine Rippenbögen und nun geh weiter,
Zieh den Atem weiter nach oben in deinen Brustkorb und von oben nach unten wieder ausatmen.
Atme tief ein und nun nimm dir für die Ausatmung etwas mehr Zeit.
Atme aus auf 3,
2,
1.
Stell dir vor,
Wie dein Atem von unten die Wirbessäule entlang nach oben fließt und von oben nach unten über die Wirbessäule wieder in den Beckenbereich.
Atme tief ein und ganz langsam wieder ausatmen und dann lass den Atem wieder in seinen ganz natürlichen Rhythmus zurückkehren.
Lass deinen Atem ganz ruhig werden.
Du musst nun nichts mehr verändern,
Nur wahrnehmen,
Spüren,
Wie dein Körper getragen wird,
Wie er gehalten wird.
Und für diesen Moment gibt es nichts zu tun,
Nichts zu erreichen,
Du darfst einfach sein.
Und vielleicht merkst du,
Wie dein System es gewohnt ist,
Weiter zu wollen,
Etwas zu tun,
Etwas zu verbessern und genau jetzt darfst du dir erlauben,
Still zu werden.
Stell dir vor,
Du steigst aus einem sehr schnellen Zug aus,
Ein Zug,
Der dich lange getragen hat,
Der immer weiter gefahren ist,
Ohne Pause,
Ohne anzuhalten.
Und jetzt stehst du da,
Auf festem Boden und alles wird langsamer,
Ruhiger,
Weiter.
Und vielleicht spürst du,
Wie ungewohnt das ist,
Nicht weiter zu müssen und gleichzeitig,
Wie wohltuend.
Und jetzt begegne einem Teil von dir,
Der dich immer angetrieben hat,
Der gesagt hat,
Du musst stark sein,
Du musst durchhalten,
Du darfst nicht aufgeben.
Und vielleicht kannst du erkennen,
Dieser Teil wollte dich schützen,
Wollte,
Dass du sicher bist,
Dass du anerkannt bist und du darfst ihm jetzt sagen,
Danke,
Dass du mich so lange begleitet hast.
Danke für deine Kraft und gleichzeitig darf ich heute einen neuen Weg gehen und jetzt entsteht ein neuer Satz in dir,
Ganz ruhig,
Ganz sanft,
Ich darf langsamer werden.
Ich darf Pause machen,
Ich bin genug,
Auch wenn ich nichts tue.
Spüre,
Wie sich dieser Satz in deinem Körper ausbreitet,
Vielleicht ganz leise,
Vielleicht noch ungewohnt und doch wahr.
Und jetzt bring deine Aufmerksamkeit zu deinem Herzen,
Vielleicht möchtest du eine oder beide Hände auf dein Herz legen und spürst dich selbst.
Du bist hier,
Du atmest,
Du lebst und das allein ist genug.
Du musst nichts beweisen,
Niemanden,
Auch nicht dir selbst.
Und vielleicht darf heute ein kleiner Teil von dir verstehen,
Mein Wert hängt nicht von meiner Leistung ab,
Dein Körper darf beginnen,
Loszulassen,
Schritt für Schritt,
In seinem Tempo.
Und wann immer du im Alltag merkst,
Dass dieser Druck zurückkommt,
Kannst du dich erinnern an genau diesen Moment,
An dieses Gefühl,
An diesen Satz,
Ich darf einfach sein.
Atme noch einmal tief ein und langsam wieder aus und dann spüre deinen Körper,
Nimm den Raum um dich herum wahr.
Beginne sanft deine Finger und deine Hände zu bewegen.
Bewege deine Füße,
Deine Zehen.
Mit der nächsten tiefen Einatmung spann alle Muskeln kräftig an und ausatmen,
Wieder loslassen.
Noch einmal tief einatmen,
Anspannen und wieder locker lassen.
Und wenn du möchtest,
Dann öffne nun wieder langsam deine Augen,
Komm wieder zurück in diese Situation und vielleicht nimmst du heute einfach nur diesen einen Gedanken mit,
Ich bin genug,
Auch ohne Leistung.
Und vielleicht darf das der Anfang sein für einen liebevollen Umgang mit dir selbst.
Ich bedanke mich ganz herzlich fürs Zuhören und wünsche dir eine wundervolle Zeit.
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