
Wenn Die Vergangenheit Im Körper Wieder Aufwacht
Manchmal reagiert dein Körper viel stärker, als es die aktuelle Situation eigentlich erklären würde. Eine volle Spüle, ein bestimmter Tonfall oder eine knappe Nachricht reichen – und plötzlich ist da Enge, Hektik, Scham oder Alarm. In dieser Folge geht es darum, warum alte Erfahrungen im Körper weiterwirken können und weshalb Nervensystemregulation nicht bedeutet, immer ruhig zu sein. Du erfährst, wie Schutzmuster entstehen, woran du sie erkennst und was dir helfen kann, wieder mehr im Heute anzukommen. Vielleicht ist dein Körper gerade nicht schwierig – er erinnert sich nur... Jan von Wille
Transkription
Du kommst frühmorgens in die Küche und du hast so eine halbe Stunde Zeit,
Um zu frühstücken und dann loszufahren.
Und dann siehst du die Spüle voll mit dem Geschirr vom Vorhaben.
Mehr ist nicht passiert.
Kein Einbrecher,
Kein Feuer oder Notfall.
Ein paar Teller,
Ein paar Tassen und irgendwo eine Gabel,
Die sich über Nacht fest vorgenommen hat,
Besonders hartnäckig zu sein.
Und trotzdem für dein Körper hektisch.
In der Brust steigt etwas auf,
Das sich verdächtig nach Panik anfühlt.
Du wäschst in Windeseile ab,
Innerlich bist du schon viel zu spät und aus dem Frühstück wird ne Prüfung.
Also,
Das war jetzt nur ne Vorstellung.
Aber ich mag diese Szene,
Weil sie so gewöhnlich ist.
So sieht ein überfordertes Nervensystem meistens aus.
Da liegt niemand zitternd unter dem Tisch.
Du spülst nur auffällig schnell eine Tasse.
Oder jemand antwortet auf deine Nachricht anders,
Als du gehofft hast,
Und dein Bauch zieht sich zusammen.
Mutter,
Du vergisst einen Termin,
Vertauschst eine Zahl,
Und in dir meldet sich was,
Als wärst du jetzt nichts mehr wert.
Dein Körper ist dann längst im Alarm,
Und dein Verstand hat noch gar nicht mitgekriegt,
Was los ist.
Und darüber möchte ich heute mit dir sprechen.
Über Nervensystemregulation.
Ein Wort,
Das inzwischen ja überall rumliegt.
Man soll sein Nervensystem regulieren,
Am besten vor dem Frühstück.
Man atmet durch das richtige Nasenloch,
Summt ein bisschen,
Klopft sich auf die Brust.
Und schaut danach sehr gelassen aus dem Fenster.
Ich mache mich darüber nicht lustig.
Na gut,
Ein bisschen vielleicht,
Aber vieles davon hilft wirklich.
Also atmen,
Summen,
Bewegen,
Den Körper spüren und so.
Nur entsteht dabei leichter Eindruck,
Ein reguliertes Nervensystem ist eins,
Das immer schön gelassen und ruhig ist.
Aber das wäre ziemlich unpraktisch.
Wenn dein Haus brennt,
Soll dein Nervensystem ja nicht tiefenentspannt auf dem Sofa liegen und sagen,
Ich nehme die Hitze wahr,
Ohne sie zu bewerten.
Hey,
Schön,
Dass du da bist.
Das ist AWAKE,
Der Podcast von Jan van Wille für Menschen,
Die genug vom Funktionieren haben.
Wir reden über Nervensystem,
Körper und innere Reifung und darüber,
Wer Du bist,
Wenn Dein Schutz nicht mehr alles tragen muss.
Es geht mir,
Wie immer,
Nicht um Selbstoptimierung,
Sondern um Reifung.
Also zurück zur Spüle.
Wir brauchen Aktivierung.
Wir müssen uns wehren können,
Weglaufen.
Schnell handeln,
Uns konzentrieren,
Wir wollen streiten und lieben und etwas wagen und manchmal auch ziemlich deutlich sagen,
Bis hierhin und nicht weiter.
Regulation heißt für mich deshalb .
.
.
Beweglich bleiben.
Beweglich bleiben.
Ich darf mich anspannen,
Ohne mich in der Anspannung zu verlieren.
Ich kann Angst haben,
Ohne dass die Angst alles entscheidet.
Ich darf mich aufregen und komme später wieder runter.
Und wenn in mir etwas aus der Spur kommt,
Dann finde ich den Weg schon mit der Zeit zurück.
Das ist für mich der Kern.
Regulation?
Ist die Fähigkeit zur Rückkehr.
Aber warum fällt uns diese Rückkehr manchmal so schwer?
Weil unser Körper nicht nur auf das reagiert,
Was gerade passiert,
Sondern er reagiert auf das,
Was er gelernt hat.
Und zwar in der Regel in der sehr frühen Kindheit.
Wenn bestimmte Situationen früher gefährlich waren,
Merkt sich das dein System?
Ein Blick,
Ein Tonfall,
Jemand zieht sich zurück,
Du brauchst etwas und weißt nicht,
Ob du es bekommst.
Es reicht manchmal wirklich sehr wenig.
Dein Verstand sagt.
Ist doch nur ein erwachsenes Gespräch.
Dienstagvormittag.
Und dein Körper sagt,
Nee,
Wir sind wieder acht Jahre alt,
Ein kleines Kind im Kindergarten.
Körper von einem Erwachsenen.
Und gleich wird's bestimmt ganz schlimm.
Das Tückische ist,
Du erinnerst dich dabei nicht mal an etwas.
Du fühlst dich einfach plötzlich klein oder beschämt oder ausgeschlossen.
Das Gefühl ist echt.
Aber diese intensive Wucht.
Die gehört vielleicht gar nicht zu dem,
Was jetzt grad wirklich passiert.
Du stehst mit einem Erwachsenem Körper in der Gegenwart?
Und ein jüngerer Teil von dir ist irgendwo anders gelandet.
Also ich finde es auf der einen Seite aber auch sehr entlastend.
Meistens fragen wir uns in solchen Momenten ja,
Was stimmt nicht mit mir?
Warum übertreibe ich so?
Warum krieg ich das nicht endlich in den Griff?
Das klingt vernünftig,
Ist aber meistens schon die zweite Verletzung sozusagen.
Erst kommt die alte Angst und dann beschimpfen wir uns noch dafür,
Dass sie da ist.
Das ist so,
Als käme ein Kind nachts weinend ins Schlafzimmer und wir sagen,
Jetzt reiß dich mal zusammen,
Wir müssen morgen früh raus.
Und dann wundern wir uns,
Dass das Kind nicht ruhiger wird.
Vielleicht wäre die bessere erste Frage?
Was hält mein Körper gerade für wahr?
Was tatsächlich passiert ist,
Können wir später klären.
Zuerst interessiert mich.
.
.
Was der Körper glaubt.
Also was?
Glaubt gerade mein Körper.
Dass ich verlassen werde?
Es sich.
In Gefahr bin.
Dass ich keine Bedürfnisse haben darf.
Dein Nervensystem ist ja kein zuverlässiger Nachrichtensprecher,
Aber wir könnten es als einen sehr aufrichtigen Historiker bezeichnen.
Es berichtet nicht genau,
Was heute los ist,
Sondern genauer das,
Was es mal lernen musste,
Also früher in deiner Kindheit.
Und um dich zu schützen,
Hat es ein paar sehr alte Bewegungen drauf.
Du kennst sie vielleicht.
Es gibt diese vier klassischen Hauptbewegungen des Nervensystems.
Fluch.
Erstarrung!
Und Anpassung.
Heute werden die ja gern wie Persönlichkeitstypen behandelt.
Ich bin der eine,
Du bist der andere,
Und Tante Brigitte ist vermutlich alles gleichzeitig.
Ich sehe das eher als Bewegung,
Und jede davon ist sinnvoll.
Mit dem Kampfmodus zum Beispiel,
Da setzen wir Grenzen.
Die Flucht,
Also der Fluchtmodus,
Der bringt uns aus der Gefahr.
Die Erstarrung?
Lässt uns still werden und abwarten,
Und das ist manchmal richtig klug.
Und die Anpassung hält die Verbindung zu den anderen Menschen.
Wir brauchen also alle vier.
Schwierig wird's erst,
Wenn eine dieser Türen der einzige Ausgang bleibt,
Also wenn du fast immer mit demselben Muster reagierst,
Egal was grad los ist.
Dann läuft es auf,
Autopilot.
Dann wird aus Kampf,
Kontrolle,
Aus Flucht?
Kann eine Art von Getriebenheit werden.
Aus Erstarrung.
Kann dann ein Inneres verschwinden werden und Aus Anpassung Selbstverlust.
Wie sieht das im Alltag aus?
Wer kämpft,
Wird lauter und fordernder,
Sobald er sich unsicher fühlt.
Er will alles im Griff haben,
Damit ihm nichts mehr passieren kann.
Wer flieht,
Wird schneller.
Noch eine Aufgabe,
Noch kurz die Mails und.
.
.
Wenn innere Unruhe aufsteigt,
Wird außen sehr effizient aufgeräumt.
Wer erstarrt,
Der zieht sich zurück aufs Sofa,
In Serien ins stundenlange Scrollen.
Der Körper ist noch da,
Der Rest hat sich vorsichtshalber mal abgemeldet.
Und wer sich anpasst,
Schaut erst mal,
Wie es allen anderen geht.
Er löst Probleme,
Die ihm niemand übertragen hat und sagt Ja,
Bevor die Frage zu Ende gestellt worden ist.
Fragt man ihn dann,
Was er selbst möchte,
Braucht er einen Moment.
Oder drei Jahre.
Die Anpassung kenne ich übrigens gut aus meiner Zeit als Pastor.
Wenn du früh gelernt hast,
Dass du Verbindungen sicherst,
Indem du hilfreich bist,
Findest du sicherlich Menschen,
Die Hilfe brauchen.
Im Pfarramt ist das nicht schwärmen,
Macht morgens die Tür auf und schon steht eine Aufgabe da.
Und daran ist ja nichts falsch.
Helfen kann schön sein.
Aber irgendwann merkst du vielleicht,
Ich helfe nicht mehr nur,
Weil jemand was braucht,
Ich helfe auch,
Weil ich selbst was brauch.
Einen sicheren Platz oder Anerkennung.
Des Gefühls.
Unentbehrlich zu sein und So wird aus helfen langsam Selbstaufgabe.
Es geht also nicht darum,
Diese Schutzbewegungen loszuwerden.
Sie sollen nur nicht mehr allein regieren.
Gibt's in uns noch jemanden,
Der das alles kommentiert,
Den berüchtigten inneren Kritiker.
Ich stelle ihn mir gern als Mitarbeiter vor,
Der vor langer Zeit für eine Krise eingestellt wurde und nie erfahren hat,
Dass sie vorbei ist.
Er ist morgens als erster im Büro,
Er nimmt keinen Urlaub.
Und seine Idee von Motivation besteht darin,
Auf mögliche Katastrophen hinzuweisen.
Du hast noch nicht genug getan.
Das war peinlich.
Die anderen sind weiter.
Wenn du jetzt nachlässt,
Fliegt alles auf und so weiter.
Dabei hatte der mal eine wichtige Aufgabe.
Es kann sein,
Dass du dir als Kind zum Beispiel eine Formel zurechtgelegt hast,
Um dich sicher zu fühlen.
Wenn ich alles richtig mache?
Werde ich nicht beschämt.
Wenn ich früh merke,
Was schiefgehen könnte,
Überrascht mich nichts mehr.
Wenn ich wenig brauche,
Falle ich niemandem zur Last.
Und so ne Vorbild funktioniert sogar.
Menschen mit so einem inneren Kritiker sind oft aufmerksam,
Verlässlich und unglaublich feinfühlig.
Sie spüren die Stimmung im Raum.
Bevor die anderen wissen,
Dass sie eine haben.
Ihre Stärke ist echt,
Sie ist nur in einer Zeit entstanden,
In der niemand sie frei gewählt hat.
Eine gesunde,
Innere Stimme sagt er.
Ey,
Das war nicht so gut.
Komm,
Entschuldige dich und mach's das nächste Mal anders.
Und irgendwann ist es auch wieder gut.
Der innere Kritiker sagt.
Du bist der Fehler!
Also nicht dein Verhalten war grad nicht so passend,
Sondern du bist nicht passend.
Und genau da liegt für mich der Wundepunkt.
Richtig schwer wird es,
Oft erst dadurch,
Dass ich mich selbst verlasse.
Ich bin unruhig und schämig dafür.
Ich bin erschöpft und treib mich trotzdem weiter.
Ich spüre eine Grenze und rede mir ein,
So schlimm ist es doch nicht.
Also ich lass mich selbst im Stich,
Kurz bevor es ein anderer tun könnte.
Und jetzt kommt etwas,
Was total wichtig ist.
Wir denken ja meistens,
Ein Trauma entsteht durch das,
Was passiert ist,
Also die schwere Situation,
Die Überforderung,
Der Schreck.
Bei mir zum Beispiel das Kinderheim.
Und klar,
Das spielt eine Rolle.
Aber in der Tiefe geht es um etwas anderes,
Und zwar,
Dass ich in diesem schweren Moment allein war.
Dass keiner mich gehalten hat.
Also ich war mit dem,
Was mich überfordert hat,
Allein,
Getrennt von einem Wesen,
Das mir Halt geben könnte.
Wenn jemand bei uns ist,
Können wir erstaunlich viel aushalten.
Das Alleinsein mit diesem Schmerz,
Das Getrenntsein,
Das ist das,
Was sich in uns einbrennt.
Im Kern geht es also um Kontaktverlust,
Um Unverbundenheit.
Jetzt schauen wir mal,
Was wir mit unseren Gefühlen machen.
Also mit den dunklen,
Schwierigen Gefühlen.
Meistens lehnen wir sie ab.
Wie bekämpfen Sie?
Wir wollen sie.
.
.
Anders haben,
Als sie sind.
Und das kann auch ganz subtil sein,
Indem wir eine sehr effektive Methode suchen zur Nervensystemregulierung.
Ah,
So kann ich meine Gefühle schnell wieder in den Griff kriegen.
Und ja,
Emotionsregulierung ist entscheidend.
Aber das Vorzeichen ist noch wichtiger.
Will ich was wegkriegen,
Wie ein schreiendes Kind,
Das eben nur noch nervt?
Dann wiederhole ich selbst das innere Trauma.
Also weg mit dir,
Schnell regulieren,
Damit ich wieder funktionieren kann.
Das ist wieder eine Art Trennung.
Wird das deutlich?
Es kann natürlich auch ganz grob sein.
Stell dich nicht so an,
Reiß dich zusammen.
Und damit wiederholen wir genau diesen einen Moment.
Das Gefühl ist da?
Und wieder.
Ist niemand bei ihm.
Auch ich nicht,
Ich verlasse mich selbst.
Das finde ich eine ganz wichtige Einsicht,
Auch wenn sie ein bisschen wehtut.
Sie hat nämlich eine gute Seite.
Wenn ich mich verlassen kann?
Kann ich auch bei mir bleiben.
Ich kann mich also selbst halten,
So wie ich das damals gebraucht hätte.
Man könnte sagen,
Ich bemutere mich nach,
Gerade in diesen Momenten.
Darum beginnt Regulation für mich an einer tieferen Stelle.
Der Atem kommt erst später.
Zuerst kommt die Frage,
Kann ich bei mir bleiben,
Wenn es mir gerade nicht gut geht?
Und dafür bauen wir zwei Dinge.
Das eine ist eine innere Decke,
Die mich wärmt.
Stell dir vor,
Du kommst in ein Zimmer und dort sitzt ein Kind,
Das Angst hat.
Du würdest es doch nicht anschreien.
Wahrscheinlich würdest du dich dazusetzen,
Vielleicht ne Decke um es legen und sagen,
Hey,
Ich bin da.
Genau das.
Was mache ich dann mit mir?
Ich sehe,
Dass ich Angst habe zum Beispiel.
Dann leg ich eine Hand auf meine Brust oder den Bauch.
Ich sag mir,
Ja,
Das ist jetzt da.
Ich mach mich nicht lächerlich dafür.
Ich bleibe da.
Und also das wäre der Kontakt.
Die Decke.
Das andere ist eine innere Grenze.
Auch die kennen wir von guten Eltern.
Wenn .
.
.
Jemand,
Das Kind anbrüllt,
Stellt sich ein guter Elfernteil dazwischen.
Das tue ich dann für mich.
Ich sag Nein.
Oder ich gehe aus der Situation raus,
In ein anderes Zimmer,
An die frische Luft,
Ans Telefon.
Ja,
Also ich setze mich für mich ein.
Ich setze mich einer Behandlung nicht länger aus,
Die mir nicht gut tut.
Auch wenn sie von mir selbst kommt,
Also vom inneren Kritiker.
Manchmal braucht das Nervensystem zuerst die Decke.
Und manchmal .
.
.
Braucht es zuerst die Grenze und danach die Decke.
Wenn du mittendrin steckst,
Hilft oft schon was ganz Einfaches.
Schau dich um.
Wo bist du?
Welches Jahr ist heute?
Was kannst du heute?
Was du als Kind noch nicht konntest.
Du kannst gehen,
Also die Situation verlassen.
Oder du kannst widersprechen.
Du kannst jemanden anrufen.
Spüre mal,
Was in deinem Körper geschieht und was dir jetzt als Erwachsener möglich ist.
Und dann auch in Verbindung damit wirklich den Körper spüren.
Was machen jetzt die Schultern?
Der Atem.
Und den Atem vielleicht ein kleines bisschen runterfahren,
Ein bisschen Tempo rausnehmen.
Ein bisschen reicht wirklich.
Bei großen Versprechen wird das Nervensystem meist misstrauen.
Und manche Gefühle wollen dabei gar nicht beruhigt werden.
Die wollen ernst genommen werden.
Auch wichtig.
Die Wut sagt,
Das war nicht in Ordnung.
Die Tränen sagen,
Das hat mir gefehlt,
Und Wenn es überwältigend wird,
Kannst du dir Unterstützung holen.
Du musst das nicht allein zu Hause durchstehen.
Aber das ist auch noch so ein wichtiger Punkt.
Gefühle nicht immer sofort beruhigen,
Sondern erstmal ernst nehmen,
Wahrnehmen,
Fühlen.
Ja,
Und damit bin ich bei dem,
Was ich am wichtigsten finde.
Wir regulieren uns nicht nur alleine.
Als Kinder leihen wir uns sozusagen das Nervensystem eines Erwachsenen.
Eine ruhige Stimme.
Arme,
Die halten.
Ein Gesicht,
Das nicht plötzlich hart wird.
Jemand der wiederkommt.
Diese Fähigkeit verlieren wir nie,
Auch als Erwachsene.
Kann uns ein Mensch zurückholen.
Meistens nicht mit nem klugen Rad,
Also besser ohne.
Nur Dasein,
Die pure,
Annehmende Gegenwart von einem Menschen,
Dem du vertraust.
Das ist der Schlüssel.
Ein Mensch,
Der keine Angst vor unserer Angst hat.
Ich zeige mich also mit einem Zustand.
Für den ich mich vielleicht schäme,
Und der andere geht nicht weg.
Mein Körper.
Bekommt dadurch eine neue Information.
Manches Nervensystem braucht gar keine weitere Technik.
Es braucht einen Menschen,
Der bleibt.
Tja,
Werden wir irgendwann komplett reguliert sein,
Stehen wir dann vor der vollen Spüle und sagen,
Ach,
Wie schön,
Liebes,
Dreckiges Geschirr.
Ich glaub nicht.
Das Nervensystem meldet sich auch nach Jahren.
Es sagt nur nicht mehr »Alarm«,
Sondern eher »Alarm«.
Ah,
Du schon wieder.
Aber mit der Zeit verändert sich was,
Graduell.
Der Alarm kommt zum Beispiel seltener und weniger heftig.
Du erkennst ihn früher,
Und du glaubst nicht mehr jeden Gedanken,
Der dabei auftaucht.
Du merkst schneller,
Welche Tür gerade aufgegangen ist.
Und schämst dich etwas weniger und bittest früher um Hilfe.
Das könnten gute Zeichen von .
.
.
Wachsender Regulation im Sinne von Reifung sein.
Der Alarm geht an,
Aber er übernimmt nicht mehr das ganze Haus.
Und das kann eine gesamte Lebensatmosphäre ändern.
Ist doch klasse,
Oder?
Ich gehe nochmal zurück in Deine Küche.
Du stehst vor der Spüle,
Das Geschirr wartet.
Und im Körper beginnt die alte Hektik.
Früher wärst du losgerannt.
Heute merkst du,
Moment,
Mein Körper reagiert gerade auf mehr als auf ein paar Teller.
Du setzt dich kurz hin.
Die Enge im Bau.
Atmest etwas langsamer.
Und erinnerst dich daran,
Dass du nicht mehr am Esstisch von damals sitzt.
Und irgendwann ist die Spüle wieder eine Spüle.
Voll ja!
Lästig,
Klar,
Aber keine Gefahr.
Und ich wünsche dir,
Dass die nächste volle Spüle einfach nur eine Spüle bleibt.
Daimyan
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