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Was Ich Fand, Als Ich Nichts Mehr Aus Mir Machen Musste

by Jan von Wille

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Wie schnell korrigierst oder regulierst du dich selbst, wenn du etwas Unangenehmes spürst? Ich habe mich gefragt, was passiert, wenn wir hier nicht so in die Veränderung gehen. Wenn ich aufhöre, mich sofort reparieren zu wollen, und stattdessen einfach nur neugierig bleibe auf das, was gerade wirklich in mir da ist. Diese Folge handelt von dem Unterschied zwischen Verbessern und Entdecken – und davon, was in dir lebendig werden darf, wenn du nicht länger an dir arbeitest. Eine Einladung, dich selbst noch einmal ganz neu zu besuchen. Nicht als Handwerker. Sondern als Freund. Jan Von Wille

Transkription

Ich schreibe gerade an meinem neuen Buch und habe dafür folgenden Untertitel gewählt.

Was ich fand,

Als ich nichts mehr aus mir machen musste.

Ich finde diesen Satz richtig klasse und er war in den letzten Tagen auch die Inspiration für diesen Podcast hier.

SWR 2021 Hey,

Das hier ist AWAKE,

Der Podcast von Jan von Wille.

Für Menschen,

Die genug vom Funktionieren haben.

Wir reden über Nervensystem,

Körper,

Innere Reifung und über die Frage,

Wer du eigentlich bist,

Wenn du dich nicht mehr selbst im Griff haben musst.

Was ich fand,

Als ich nichts mehr aus mir machen musste.

Vielleicht geht es dir auch so,

Dass du für einige Dinge richtig froh bist,

Die sich so entwickelt haben.

Ich bin zum Beispiel heilfroh,

Dass wir heute nicht mehr nur Filterkaffee trinken müssen,

Sondern diese fantastischen Siebträgermaschinen haben.

Und für einen perfekten Espresso müssen wir nicht mehr nach Italien fahren.

Aber manchmal schlägt dieser Fortschritt eben auch um.

Und wir machen aus den einfachsten Dingen des Lebens ein Wissenschaftsprojekt.

Schlafen zum Beispiel.

Früher war das so herrlich unkompliziert.

Man ging nach der Spätsendung ins Bett,

Legte den Kopf aufs Kissen und hoffte einfach,

Dass es klappt.

Und heute liegen nicht wenige Menschen verkabelt im Bett,

Messen ihren Tiefschlaf,

Bewerten die REM-Phasen und stellen am nächsten Morgen fest,

Die Apple Watch auf dem Nachttisch hat offenbar bedeutend besser geschlafen als man selbst.

Oder das Atmen,

Eigentlich ein Vorgang,

Den Muttern Natur seit ein paar hunderttausend Jahren ziemlich zuverlässig ohne App steuert.

Inzwischen atmen wir aber nicht mehr einfach so vor uns hin.

Wir atmen im 4-5-4-Rhythmus,

Regulieren die Herzratenvariabilität und schauen,

Ob die Biofeedbackkurve endlich im strahlenden Grün leuchtet.

Ich meine das jetzt aber gar nicht spöttisch oder abwertend.

Ich mache ja selbst einiges davon.

Also ich meditiere,

Nutze Lichttherapie,

Mache das Eisbad am Morgen und kenne mein Nervensystem inzwischen beim Vornamen.

Und finde innere Entwicklung einfach super spannend und sinnvoll.

Aber in den letzten Monaten habe ich immer mal wieder darüber nachgedacht,

Was passiert eigentlich,

Wenn wir uns selbst gar nicht mehr einfach so als Freund besuchen kommen,

Sondern immer nur Ja,

Sozusagen als Handwerker,

Der sofort mit dem Werkzeugkasten anrückt,

Um irgendwas zu reparieren.

Ich spüre zum Beispiel eine Anspannung und sofort kommt die Frage,

Wie bekomme ich das jetzt möglichst schnell weg?

Ich entdecke ein altes Muster und denke im selben Augenblick schon darüber nach,

Wie ich das somatisch auflösen kann.

Ich bin müde und erschöpft und.

.

.

Schimpfe innerlich mit mir,

Weil ich .

.

.

Mich doch besser hätte regulieren müssen.

Und ich merke dabei,

Dass Selbstannahme dann einen ziemlich merkwürdigen Beigeschmack bekommt,

Also im Sinne von Du darfst jetzt genauso sein,

Wie du bist,

Aber bitte nur so lange,

Wie es keiner merkt.

Wir entwickeln dann im Laufe unseres Lebens ein bestimmtes Bild davon,

Wie wir am liebsten sein sollten,

Also eine bestimmte Vorstellung von uns.

So und so,

Das wäre klasse.

Und was dadurch in unserem Inneren entsteht,

Ist Folgendes.

Wir fangen ganz unbewusst an,

Unser Erleben auszusortieren.

Was zum Selbstbild passt,

Darf bleiben.

Was stört,

Fliegt raus oder wird sofort in die Entwicklungsabteilung geschickt.

Der besonnene,

Gelassene Teil in mir?

Perfekt,

Der darf bleiben.

Aber die plötzliche Aggression auf den Autofahrer vor mir,

Nee,

Das passt nicht ins Profilbild.

Und dieses Aussortieren in uns verbraucht unfassbar viel Lebensenergie.

Jeden Tag.

Und irgendwann tut sich eine Kluft auf zwischen dem,

Was wirklich in uns geschieht,

Und dem,

Was wir nach außen hin zeigen.

Der Regieanweisung,

Die wir uns selbst gegeben haben.

Und dann habe ich mich gefragt,

Was passiert da in uns,

Wenn dieses innere,

Unbewusste Aussortieren in Verbindung mit dem Thema Selbstentwicklung kommt?

Also,

Wenn wir gar nicht mehr wirklich neugierig darauf sind,

Wer wir sind.

Sondern längst beschlossen haben,

Wer wir werden,

Sollen oder wollen.

Wie wir sein sollen,

Um zum Beispiel dazuzugehören oder erfolgreich zu sein oder auch vielleicht begehrenswert zu werden.

Dann ist die Frage nicht mehr,

Was geschieht gerade wirklich in mir,

Sondern Wie komme ich möglichst schnell wieder in die richtige Richtung?

Ich hoffe,

Das kommt jetzt verständlich rüber.

Und Vielleicht ist genau das einer der Gründe,

Warum Menschen irgendwann müde werden von all der Arbeit an sich selbst.

Deshalb habe ich dann diesen Untertitel für das Buch gewählt.

Was ich fand,

Als ich nichts mehr aus mir machen musste.

Und jetzt wird's spannend.

Also,

Was ich gemerkt hab.

Wenn ich aufhöre,

Sofort etwas aus mir machen zu wollen,

Passiert nicht nichts.

Im Gegenteil.

Ich werd neugierig.

Neugier?

Ist was völlig anderes als Verbesserungsabsicht.

Lass mich mal so ausdrücken.

Verbesserung fragt.

Wie komme ich dahin?

Entdecken?

Fragt er.

Was ist eigentlich hier?

Nehmen wir mal zum Beispiel die Anspannung.

Ich kann diese Enge im Brustkorb spüren.

Und sofort die gewohnte Werkzeugkiste aufmachen.

Atemübung,

Atemrhythmus,

Nervensystem beruhigen,

Zack,

Möglichst schnell wieder runter regulieren.

Oder ich kann einen Moment länger bleiben und mich fragen,

Was geschieht eigentlich kurz vorher?

Wann taucht diese Spannung auf?

Bei welchen Menschen?

Bei welchen Gedanken?

Ist das überhaupt Angst oder vielleicht Ärger?

Oder der Impuls,

Etwas zu sagen,

Was ich mir seit zwanzig Minuten verkneife.

Merkst du den Unterschied?

Wenn ich sofort regulieren will,

Dann kann es passieren,

Dass ich etwas beruhige,

Bevor ich überhaupt verstanden habe,

Was es mir sagen möchte.

Wenn ich zu schnell in die Regulation gehe,

Schalte ich sozusagen die Alarmanlage in meinem Körper aus,

Bevor ich überhaupt verstanden habe,

Wer gerade an der Tür geklingelt hat.

Dann kann das Streben nach Regulation,

Nach einem angenehmen,

Ausgeglichenen Zustand auch wieder unmerklich zu einer Form von Flucht werden.

Ich liebe ja diesen Begriff lebendiger werden.

Aber lebendiger werden bedeutet eben nicht,

Dass ich mich jetzt den Tag über fantastisch wohlfühle,

Sondern eher so.

Mehr von mir darf am Leben teilnehmen.

Meine Freude,

Meine Kraft.

Aber genauso meine Wut,

Meine Traurigkeit,

Meine.

.

.

Ja,

Tiefe Müdigkeit oder Angst.

Mein Bedürfnis nach echter Nähe?

Und genauso mein Wunsch,

Einfach mal alle Türen zuzumachen und meine Ruhe zu haben.

Nicht alles davon soll mich dann letztendlich bestimmen,

Aber alles darf erst mal da sein,

Sozusagen mit am Tisch sitzen.

Entwicklung heißt dann eben nicht,

Ich muss eine noch bessere Version von mir entwickeln,

Nicht optimistischer,

Gelassener,

Funktionierender,

Sondern eher weiter,

Mehr innere Flexibilität.

Mehr Möglichkeiten,

Auf das Leben zu antworten.

Und das braucht auch Mut.

Also wenn ich mich eher aufs Entdecken einlasse als auf Optimieren und Verbessern,

Dann wird eben nicht alles schnell schön oder lichtvoll.

Wer eine alte Schublade aufmacht,

Findet nicht nur Goldmünzen.

Manchmal findet man ausgelaufene Batterien,

Ein altes Kabel oder irgendwas Klebriges am Boden,

Das man besser nur mit Handschuhen anfasst.

Und genauso ist in uns eben nicht alles hübsch und aufgeräumt.

Aber es gehört nun mal zu uns.

Und Lebendigkeit beginnt für mich genau da,

Wo wir nicht mehr vorher festlegen,

Was da sichtbar wird,

Wenn ich mir selbst wirklich begegne,

Sondern einfach mal anschaue,

Wer da eigentlich zum Vorschein kommt,

Wenn ich die Tür aufmache?

Deshalb möchte ich dir hier mal eine Frage für zwischendurch mitgeben.

Also,

Die kannst du dir selber mal stellen.

Wann oder wobei?

Werde ich im Laufe eines ganz normalen Tages ein klein bisschen lebendiger.

Wann werde ich etwas weniger lebendig?

Jetzt kann die Frage auftauchen,

Ja wunderbar,

Jan,

Aber was genau soll dieses Lebendigsein eigentlich sein?

Es ist ja eben nicht eine beständige hoch schwingende Frequenz in uns,

Guten Morgen Welt,

Ich spüre den Kosmos durch meine Adern fließen,

Das habe ich ja schon gesagt.

Für mich bedeutet es,

Oder woran ich es spüre,

Ist zum Beispiel,

Wenn ich in einem Gespräch mit einem anderen Menschen wirklich gut zuhören kann.

Also ich bin präsent und in guter Verbindung mit mir und dem anderen Menschen.

Ich spüre die Verbindung.

Oder auch Ich spüre meine Wut.

Wenn irgendwelche Grenzen übergangen werden,

Kann ich rohe Aggression von einer kraftvollen Wut unterscheiden.

Wutenergie,

Die ich für mein Leben brauche.

Auch das ist für mich ein Zeichen von Lebendigkeit.

Oder,

Ganz simpel,

Wenn ich gut wechseln kann,

Von im Kopf sein und im Bauch sein.

Also der Wechsel von Denken und Fühlen.

Woran merke ich,

Dass ich weniger lebendig bin?

Bei mir ist das,

Wenn ich merke,

Dass ich sehr viel im Automatismus bin,

Also Autopilot.

Die Routinen im Alltag sind dominant.

Oder auch wenn ich meine Schultern etwas anspanne,

Also wenn die Schultern so verspannt sind.

Das ist oft ein Zeichen bei mir,

Dass ich zu viel Computerarbeit mache und weniger kreativ bin.

Ja,

Und hier meine Empfehlung,

Erstmal bemerken und eben nicht sofort korrigieren.

Vielleicht merkst du ja,

Dass du beim Arbeiten lebendig bist und beim Meditieren auf dem Kissen gerade nicht?

Vielleicht im Gespräch,

Vielleicht im Alleinsein.

Und ich wünsche dir sehr,

Dass du dann immer mehr wegkommen kannst von der Frage oder Überlegung,

Wie sollte ich noch werden,

Hin zu dem,

Was eigentlich zählt.

Was in mir möchte eigentlich leben?

Ich wünsche dir eine gute Entdeckungsreise.

Dein Jan

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