
In den Schlaf getragen – Mit Rilkes Gedichten
by ZenHealth
Diese Einschlafreise lädt dich ein, mit ausgewählten Gedichten von Rainer Maria Rilke sanft in die Nacht zu gleiten. Zwischen Stille, Poesie und einer ruhigen Begleitung darfst du loslassen, was war – und dich hineinlehnen in das, was jetzt zählt: Ruhe, Geborgenheit, Schlaf. Rilkes Worte wirken wie leise Wegweiser in die Tiefe der Nacht. Lausche, entspanne, und lass dich nach und nach in einen natürlichen Schlaf begleiten. Kein Ziel, kein Müssen – nur Zeit für dich. Hintergrundmusik: Chris Collins/indiemusicbox
Transkription
Guten Abend und willkommen zu deiner Einschlafreise mit Rainer Maria Rilke.
Ich werde dich heute mit einer Auswahl von Gedichten eines meiner Lieblingsdichter in den Schlaf begleiten.
Mit Gedichten von Rainer Maria Rilke.
Mach es dir dazu in deinem Bett bequem und gemütlich und lege dich am besten so hin,
Wie du gerne einschläfst.
Schau auch,
Ob du noch etwas deinen Körper bewegen möchtest.
Vielleicht magst du dich noch ein wenig strecken und räkeln,
Vielleicht ein herzhaftes Gähnen einladen,
Sodass du wirklich bequem und entspannt liegen kannst.
Schließe deine Augen,
Wenn du magst,
Spüre die Ruhe der Nacht um dich herum und erlaube dir mit jedem Atemzug ein wenig mehr bei dir in diesem gegenwärtigen Moment anzukommen,
Dich niederzulassen,
Auch loszulassen von dem,
Was bereits getan und geschafft wurde und auch dem,
Was noch vor dir liegt,
Auch von den Erwartungen schnell einzuschlafen und erlaube dir mehr und mehr die Kontrolle deinem Körper zu überlassen,
Der ganz genau weiß,
Wie Schlafen funktioniert.
Wir müssen hier gar nichts tun oder forcieren,
Sondern einfach darauf vertrauen,
Dass unser Körper weiß,
Was er braucht und auch weiß,
Wie er von ganz allein ohne deinem Zutun langsam eindämmert und schließlich einschläft und bemerke,
Wie mit jedem Atemzug dein Körper ruhiger und entspannter wird,
Du dich immer mehr der Nacht dem Schlaf hingibst und den Tag loslässt,
Versunken in einem Zustand der Losgelöstheit.
Und vielleicht sind noch Geräusche hörbar,
Vielleicht der Nachbar,
Der sich auf die Nacht vorbereitet,
Ein vorbeifahrendes Auto,
Vielleicht ein paar Vögel,
Die die Nacht herbeirufen.
Und die Nacht breitet sich langsam aus,
Sanft,
Still,
Geheimnisvoll,
Während ich dir nun einige Gedichte von Rainer Maria Rilke vorlese.
Der Nachbar Ich höre jemand an der Wand,
Der leistig rührt wie ich.
Was macht er wohl mit seiner Hand und horcht er auch auf mich?
Und dann im Dunkel schlafen gehen und nichts mehr wissen voneinand' und leicht wie Wolken weiterziehen und doch so nah,
So nah verwandt.
Und lass auch du dich mit diesen Zahlen von Rilke wie Wolken weiterziehen,
Tief in die Nacht,
Tief in den Schlaf,
Ganz ohne Eile,
Ohne Hast,
Während du dem Gedicht nächtlicher Spaziergang lauscht.
Nächtlicher Spaziergang Weit schweigt die Nacht in ihrem Dunkel,
Nur ferner Wind regt räumend Laub.
Die Welt wird still,
Ein mildes Angesicht,
Das nur im Inneren zu leuchten scheint.
Die Stille atmet weit unwunderbar,
Ein jeder Schlag des Herzens ist ein Stern.
Im weiten Blau,
Das sanft den Schlaf umhüllt und in dem Stillen wächst ein leiser Klang.
Das Sehnen wird zum Frieden,
Die Müdigkeit zur Wiege.
Und jede Faser deines Seins huzacht auf diesem sanften Klang.
Und während du den Gedichten lauscht,
Spüre,
Wie die Nacht dich umhüllt,
So dunkel,
So weich,
Und wie die Well langsam zur Ruhe kommt und alles,
Was laut war,
Leise wird.
Die Stille atmet weit und wunderbar und stell dir vor,
Wie jeder Herzschlag zu einem Stern wird und in den Himmel steigt und nur das Atmen und das Lauschen meiner Stimme und der Stille bleibt.
Die Nacht von Rainer Maria Rilke Du dunkler,
Stiller Grund der Welt,
Die Nacht,
Von deinem Rand steigen die Tage sacht,
Wie dünne Dämpfe aus dem warmen Wein,
Du schenkst sie aus in Becher groß und rein,
In uns,
Wenn wir uns sinken lassen,
Leis,
In deinem Schoß,
Da fängt das Leben an,
Das aus dem Unseren weiter fließt und weiß,
Dass es die Tiefe nicht verlieren kann.
So wie die Nacht ihre Geheimnisse bärt,
Darfst auch du tief eintauchen in dein Inneres,
Alles,
Was dich vielleicht noch bewegt,
Darf jetzt ruhen und lass dich immer mehr fallen in die Dunkelheit,
Die dich sicher und geborgen hält,
Während du den Zahlen des nächsten Gedichtes lauscht.
Der Abend Der Abend wechselt langsam die Gewänder,
Die ihm ein Rand von alten Bäumen hält.
Du schaust und zwei Gefühle steigen,
Zarter und ohne Eile lösen sie sich aus,
Dem dunklen Leben,
Das du doppelt fühlst.
Der Raum erweitert sich,
Es atmet alles,
Die Luft,
Das Laub,
Ein leiser Klang verweht und jedes Wesen,
Selbst das kleinste,
Leise,
Fügt sich dem großen Frieden,
Der entsteht.
Wohin du blickst,
Da ruht ein neues Schweigen,
Es senkt sich leis und legt dich flach und weit,
Auf den weichen Teppich unendlich erweiten,
Wo Schlaf und Traum sich fügen,
Zeitbereit.
Und spüre,
Wie mit diesen Zahlen das Schweigen und die Stille unendlich erweitern,
Dich wie ein weicher,
Warmer Teppich trägt und Schlaf und Traum sich immer weiter fügen und sich berühren.
Du immer mehr den Übergang von Wachsein zum Träumen spürst,
Die Gedanken immer weiter auseinandertriften und sich verlieren,
Das Herz stiller wird,
Während du dem nächsten Gedicht mit dem Titel »Stiller Gang« folgst.
Stiller Gang Ich ging im Dunkeln,
Nicht ein Stern war über mir,
Den ich erkannte,
Und keine Furcht und kein Entferntes,
Und kein Begehr war mehr in mir,
Nur Schritte meines reinen Tretens,
Des Augenblicks,
Der schlaff und weit durch meinen Leib und Leis verwehte,
Den letzten Klang vom Tageskleid.
So fühle ich still die Nacht mich nehmen,
Winkt mild mir ihre Hände zu,
Dass ich vergesse all die Dinge und atme nur die Ruhe und spüre,
Wie die Nacht langsam dich zu sich nimmt,
Während dein Atem deinen Körper sanft biegt,
Im letzten Klang vom Tageskleid,
Du eins wirst mit der Nacht,
Und während du vielleicht schon eingeschlafen bist oder langsam hinüberkleidest in den Schlaf,
Darfst du die letzten beiden Gedichte von Rainer Maria Rilke auf dich wirken lassen.
Die Nacht Die Nacht ist gekommen,
Der Tag ist aus,
Die Welt schläft ein in des Himmelshaus.
Es ruhen die Wälder,
Die Vögel im Nest,
Die Menschen alle in ihrer Rast.
Die Sterne gehen in leuchtender Pracht,
Und über allem liegt Gottes Macht,
Später Totenblick.
Ich sitze stille See hinaus,
Auf weichen Hügeln Abenddunst,
Die Welt ist mild,
Der Tag erkraut,
Und jedes Blatt wird mild und leis,
Der Wind erflüstert mir ein Wort,
Das weder laut noch hell noch fern,
Ich atme mit dem letzten Licht,
Darin sich meine Müdigkeit umfängt,
Ich löse mich vom Drängen kaum,
Lass sinken mich in weiten Raum,
Wo kein Bild mehr bleibt,
Kein Gedanke,
Kein Ziel,
Nur stiller Fluss der Nacht,
Und während du jetzt hier im Bett liegst,
Lass dich sanft hinübergleiten in den Schlaf,
Getragen von Rilkes Worten und der Nacht selbst,
Lass dein Boot der Ruhe dich über den Fluss der Nacht tragen,
Um am Morgen wieder zurückzukehren,
Ans Ufer des Erwachens,
Ans Ufer des neuen Tages,
Doch jetzt gehst du auf eine Reise,
Tief hinein ins Land des Schlafes,
Ins Land der Ruhe,
Ins Land der Träume,
Ein Ort,
An dem du nicht denken musst,
Nichts lösen,
Nichts erklären,
Ein Ort,
An dem du nicht kämpfen und auch nichts erreichen musst,
Vielleicht begegnen dir die Worte Rilkes in deinen Träumen oder bringen dir eine stille Erkenntnis am Morgen,
Spüre deinen Atem,
Wie er dich sanft in den Schlaf wiegt,
Und gönne dir diese Ruhe ganz ohne Mühe,
Ganz ohne Eile und lass dich einfach über den Fluss der Nacht tragen.
Gute Nacht.
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