
iRest® Praxis: den Körper spüren
by Nöle Giulini
Diese geführte iRest® Session enstand im Herbst 2018 während eines Einführunswochenendes im Polarity Institut in Zürich (Schweiz). Der Einstieg führt über die Sinneswahrnehmungen und Sankalpa in eine BodySensing Praxis. Wir lenken unsere Aufmerksamkeit durch die verschiedenen Landschaften des Körpers, wobei wir das Vorstellen in ein Spüren und Empfinden eintauschen. Wir beleuchten gegenteilige Körperempfindungen wie z. B. schwer und leicht, und kalt und warm. Wir heissen Emotionen willkommen, die sich zeigen mögen, wie z. B. Angst, Wut, Zuversicht, etc... und laden auch die Gegenteile ein, mit uns sicher und gut aufgehoben zu sein. Dieser Prozess führt uns heraus aus der Identifikationen mit unseren Wahrnehmungen: Wir erfahren uns erst als Beobachter, dann als das Beobachten. Wir spüren uns als das Sein selbst. Die Aufnahme wurde nachträglich bearbeitet, dennoch gibt es hier und da ein Hintergrundsgeräusch oder ein Husten - was hoffentlich zur Lebendigkeit der Meditation beiträgt.
Transkription
Wir machen es dem Körper so gemütlich wie möglich,
Sodass sich der Körper gut aufgehoben und geborgen mit uns fühlt.
Was immer das für dich bedeutet,
Wir nehmen die Oberfläche wahr,
Die uns trägt,
Der Boden,
Der Stuhl,
Das Kissen.
Und wir nehmen auch die Körperstellen wahr,
Die vielleicht noch aufgeregt sind oder unruhig,
Ohne irgendetwas zu verändern oder verstehen oder lösen zu wollen.
Einfach sein lassen.
Die Sinneswahrnehmungen sind offen.
Mund und schmecken.
Nase und riechen.
Ohren und hören.
Augen und Sehen.
Spüre die Umarmung deiner Haut.
Spüre die Wärme und nimm die Definition wahr,
Die sie deinem Körper verleiht,
Wie sie den Inhalt zurechtrückt und stützt und hält.
Nimm Berührung wahr.
Nimm wahr,
Wo dein Körper den Boden berührt.
Vielleicht möchtest du ganz nah rangehen für einen Moment in diesen Kontakt zwischen deinem Körper und dem Boden.
Und je näher du rangehst,
Desto weniger Trennung gibt es,
Desto mehr lösen sich Strukturen auf.
Und da ist nur noch Raum.
Spüre das.
Wir öffnen nun die Türe zu Sankalpa,
Der inneren Bestimmung.
Und um dieser etwas nachzugehen,
Lade ich dich nun ein,
Einmal rückwärts zu schauen in die Vergangenheit.
Zehn Jahre.
Wer warst du vor zehn Jahren?
Wo warst du?
Was war deine Aufgabe?
Wer war mit dir?
Zwanzig Jahre zurück.
Bilder,
Eindrücke,
Gefühle.
Wer warst du zwanzig Jahre zurück?
Dreißig Jahre.
Was war anders?
Was war anders und was war doch immer das Gleiche?
Was war unverändert?
Finde den Leitfaden.
Finde den roten Faden durch dein Leben.
Was war anders und was ist gleich geblieben?
Wenn du so zurückschaust auf dein Leben und vielleicht auch nach vorne schaust,
Was ist immer gleich?
Was hat dich immer begleitet?
Worauf kommt es dir an?
Und vielleicht gibt es kein Wort dafür,
Nur ein tiefes Ahnen,
Ein Richtungweisen,
Was von innen herkommt,
Von deinem Zellverband,
Der aufblüht,
Wenn dein Wesen berührt wird,
Und der verblasst und austrocknet,
Wenn du dein Wesen vernachlässigst.
Das ist Sankalpa.
Fühle und spüre diese innere Führung,
Die aus dem Boden gewachsen ist,
Der dir Sicherheit und Geborgenheit bietet.
Und vielleicht bedarf es einer Erinnerung oder einer Vorstellung,
Um dieses Gefühl noch einmal hervorzulocken.
Fühle das mitten im Leben und kannst du eine Intention formulieren für dich im Innern durch ein Wort,
Ein Bild oder eine Empfindung,
Die diesem inneren Leitfaden auf irgendeiner Weise entspricht oder ihn ausdrückt für unsere heutige Mittagspraxis.
Vielleicht geht es um Authentizität oder Kongruenz,
Frieden mit sich selbst zu schließen,
Mit dem,
Was ist.
Lasse sie zu dir kommen,
Diese Intention.
Sie wird sich zeigen.
Lasse meine Worte nun zu deinen eigenen Worten werden auf einer Reise durch den Körper.
Berühre mit deiner Aufmerksamkeit die Stellen,
Die ich wörtlich benenne.
Mund,
Lippen,
Backen,
Innenseiten,
Gaumen,
Boden des Mundes,
Zahnfleisch,
Zähne,
Der gesamte Mund-Innenraum,
Reines Empfinden,
Der Innenraum der Nase,
Linkes Nasenloch,
Rechtes Nasenloch,
Die Berührung von Atem in deinen Nasenlöchern,
Innenraum des linken Ohres,
Ohrmuschel,
Raum zur linken Seite,
Innenraum des rechten Ohres,
Ohrmuschel,
Raum zur rechten Seite,
Beide Ohren zugleich,
Raum links und rechts zugleich,
Augenbrauen,
Stirn,
Schläfen,
Kopfhaut,
Haarwurzeln,
Vielleicht ein Pulsieren im Innenraum des Kopfes,
Spüre den Innenraum des Kopfes,
Wärme,
Die nach außen strahlt,
Innenraum um den Kopf herum,
Nacken,
Hals,
Raum,
Tausche ein Vorstellen ein in ein Spüren,
Als wärst du jetzt erst gerade in diesem Moment,
In diesem Körper angekommen,
Innenraum des Halses,
Öffnet sich in Schultern,
Brustraum,
Oberen Rücken,
Tausche ein in Schulter auf der linken Seite und gleite durch den Innenraum des linken Arms in die linke Hand,
Finger,
Fingernägel,
Raum um Hand und Arm herum,
Zurück in den Brustraum,
Rechte Schulter,
Lass dich einladen und folge dem Fluss von Empfindungen durch die rechte Schulter in den rechten Arm,
Hand,
Fingernägel,
In den Raum um Hand,
Arm und Schulter herum,
Lass die Anatomiebücher los und fühle dich wie zum ersten Mal,
Beide Arme,
Beide Hände,
Oberer Rückenbereich,
Brustraum,
Mittlerer Rückenbereich,
Sonnengeflecht,
Unterer Rückenbereich,
Nabelgegend,
Becken,
Tausche ein in ein Finden und Spüren des Unterbauches,
Ohne die Strukturen zu benennen und fließe dann durch das linke Hüftgelenk,
Den linken Po,
In das linke Bein hinein,
Nimm auch wahr,
Wo es Anspannungen gibt oder Hindernisse und heiße sie willkommen,
Denn auch sie haben eine wichtige Nachricht,
Die sie dir bringen wollen,
Lasse dich führen,
Lasse dich ziehen durch das linke Bein,
In den Fuß,
In die Zehen,
Werde ganz zum Fuß,
Werde ganz zur Fußsohle,
Werde ganz zum Raum um Fuß,
Um Bein herum,
Fühle deine Lebendigkeit,
Die nicht aufhört,
Die weiter über die Anatomie hinausführt,
In den Raum,
Um dich herum und dann finde deinen Weg zurück durch das linke Bein,
In die linke Hüfte,
In den Genitalbereich,
Den Anus,
Diese sanften,
Zarten Strukturen und dann tauche ein in die rechte Hüfte,
Die rechte Pobacke und lasse diese Worte wieder vom Vorstellen in ein Spüren schmelzen,
Ein Spüren durch das rechte Bein hindurch,
In den rechten Fuß,
Werde ganz zum Fuß,
Werde ganz zu Zehen,
Zur Fußsohle und darüber hinaus den Raum um Fuß,
Um Bein herum und wie es keine Trennung mehr gibt zwischen innen und außen,
Der ganze Körper pulsiert,
Schimmert,
Glänzt,
Weitet sich aus,
In dir.
Der ganze Körper weitet sich aus,
In deinem Gewahrsein,
Unendlich weit und frei.
Nimm wahr,
Wie du vielleicht auf eine tiefere Bewusstseinsebene beginnst zu sehen können und wie auch das eine Bewegung in deinem Gewahrsein ist,
Wie alles,
Was kommt und geht,
Auch was stört oder dich aus deinem Erleben herauszieht,
Eine Bewegung in deinem Gewahrsein in dir ist,
Wie Atmung in dir passiert.
Und dann fokussiere deine Aufmerksamkeit für einen Moment auf eine Empfindung zunächst,
Eine Körperempfindung,
Vielleicht sowas wie schwer.
Kannst du schwer irgendwo im Körper fühlen?
Kannst du leicht irgendwo im Körper fühlen?
Schwer und leicht und schwer und leicht.
Und wenn nichts kommt,
Wenn du nichts fühlst,
Wie fühlt sich nichts an in deinem Körper?
Wie registrierst du nichts fühlen in deinem Körper?
Und vielleicht möchtest du dann mit warm und kalt experimentieren.
Kannst du warm in deinem Körper wahrnehmen?
Wo lebt warm?
Und wo in dir lebt kalt?
Warm,
Kalt.
Warm,
Kalt.
Warm und kalt zugleich?
Was passiert,
Wenn du versuchst,
Deine Aufmerksamkeit auf warm und kalt zugleich zu lenken?
Was spürst du?
Es gibt nichts zu lösen,
Es gibt nichts zu verstehen oder irgendwie zu verändern.
Nimm einfach wahr,
Was jetzt gerade für dich da ist und heiße es herzlich willkommen.
Werde zu dieser Kapazität des Willkommenheißens selbst.
Alles darf sein.
Alles darf sein,
So wie es ist.
Lade nun in dieses Gasthaus des Willkommenheißens eine Emotion ein,
Vielleicht von heute Morgen,
Mit der du arbeiten möchtest während dieser Praxis.
Zum Beispiel Angst,
Zum Beispiel Schuld oder Wut,
Zum Beispiel Zuversicht oder Freude.
Vielleicht taucht etwas ganz Neues auf,
Ganz spontan,
Jetzt und hier.
Lade es ein und ziehe für einen Moment das begriffliche Etikett ab und verfolge es als Körpersensation,
Als Körperempfinden.
Wo lebt diese Emotion in meinem Körper und wie macht sie sich bemerkbar?
Ein Prickeln,
Ein Drücken,
Einer Starren.
Wie macht sie sich bemerkbar?
Woran erkenne ich Wut?
Woran erkenne ich Freude?
Verfolge diese Empfindung in den Körper hinein.
Vielleicht gibt es auch Bilder oder Grundüberzeugung,
Die damit auftauchen.
Nimm das alles wahr und wenn es hilfreich ist,
Vielleicht lädst du dann das Gegenteil davon ein.
Was wäre dann das Gegenteil von Schuld,
Von Einsamkeit?
Was wäre denn das Gegenteil für dich?
Und vielleicht kommt es gar nicht als Wort,
Sondern als ein Bild oder eine Erinnerung,
Ein Gesicht,
Eine Berührung.
Wo wohnt das Gegenteil in deinem Körper als Empfindung?
Und wie drückt es sich aus?
Und vielleicht möchtest du gar nicht auf diese Anleitungen achten,
Sondern einfach dem folgen,
Was jetzt gerade für dich aufsteigt.
Dir selber treu bleiben,
Deinem eigenen Prozess treu bleiben.
Was immer jetzt da ist,
Kannst du für einen Moment von der Bühne des Geschehens herabsteigen,
In den Zuschauerraum und einfach nur beobachten.
Für einen Moment einfach nur beobachten.
Aha,
Emotionen sind da oder nicht.
Und dann noch einmal vorwärts in die Emotion hinein,
Wie der Gegenteil und wie im Ping-Pong hin und her zwischen den Gegenteilen mit deiner Aufmerksamkeit dich bewegen.
Und dennoch bist du mit einem Bein noch im Zuschauerraum und siehst dem ganzen Geschehen zu.
Und dann versuchst du für einen Moment die Gegenteile zugleich wahrzunehmen als Körpergefühl.
Das kann man nicht mit dem Verstand,
Das kann nur der Körper.
Der Körper weiß,
Wie es sich anfühlt zugleich warm und kalt zu sein.
Und dann lade ich dich ein,
Mit beiden Füßen zurück in den Zuschauerraum dich zu begeben und das Geschehen auf der Bühne des Gewahrseins zu beobachten,
Ohne dich darin zu verwickeln.
Beobachter sein.
Dich als Beobachter fühlen.
Und kannst du den Unterschied spüren nicht denken spüren kannst du den Unterschied spüren zwischen Beobachter sein und das Beobachten selbst sein.
Vom Beobachter zum Beobachten sein.
Spüre das.
Beobachter sein.
Beobachten sein.
Sein.
Das Bild löst sich mehr und mehr und mehr auf.
Und du spürst die Weite und Durchlässigkeit von Gewahrsein selbst.
Was im Vordergrund deines Gewahrseins kommt und geht.
Und wie diese Bewegung auf das hinweist was immer hier ist.
Still grenzenlos immer hier.
Alles umfassend frei.
Und nun gehen wir langsam diesen Weg noch einmal zurück.
Leben erfordert dass wir Persönlichkeit wieder anziehen in den Körper schlüpfen die Schuhe festzogen die Perücke zurecht drücken und wieder ins Leben einsteigen.
Vielleicht hast du Dinge berührt in dir denen du später noch einmal nachkommen möchtest.
Lasse die Praxis in dir durch dich wirken.
Es gibt nichts zu verstehen es gibt auch nichts zu verändern.
Du kannst mit dir sicher sein.
So nimm dir nun Zeit diesen Körper wieder zu beziehen.
Schlupfe in deine Füße und Beine.
Spüre den Kontakt mit dem Boden der Rücken die Arme der Bauch die Brust der Hals,
Der Kopf das Gesicht und vielleicht erfindest du kleine Bewegungen mit deinem sicheren Ort unter dem Arm und dem tiefsten Anliegen deines Herzens in der Tasche.
Begibst du dich wieder in den Vordergrund des Alltags.
Lass dir nun etwas Zeit deinen Übergang auf deine Weise zu gestalten
Treffen Sie Ihren Lehrer
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