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Eine Weisheitsgeschichte aus den (Yoga) Upanishaden

by Stefanie Busch

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Meditation
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Geschichten sind eine schöne Möglichkeit unser Wissen zu bereichern. Bei einer Geschichte können wir in unsere (Phantasie-) Welt eintauchen. Und ist es nicht so, dass uns eine Geschichte viel mehr im Gedächtnis bleibt, eigentlich ist es eine jahrtausendealte Tradition, mit Geschichten Wissen weiterzugeben. In dieser Episode erzähle ich eine Geschichte aus den Upanishaden - das ist eine Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus und Bestandteil des Veda. Mach es Dir gerne bequem...

Transkription

Namaste und herzlich Willkommen bei Tauche ein in die Welt von Yoga.

Mein Name ist Stefanie und ich möchte dir in dieser Folge eine Geschichte aus den Upanishaden erzählen und dir eine vielleicht etwas andere Art der Meditation vorstellen.

Ich freue mich,

Dass du eingeschaltet hast und wünsche dir viel Spaß bei der Geschichte.

Hier kommt die vielleicht schönste Geschichte aus den Upanishaden.

Einst lebte ein junger Mann,

Der den Namen Sveta Ketu trug,

Bei seinem Vater Uddalaka Aruna.

Als der Jüngling sein zwölftes Lebensjahr erreicht hatte,

Schien es seinem Vater an der Zeit,

Seinen Sohn zu einem Lehrmeister zu schicken.

Sveta Ketu ging und kehrte im Alter von 24 Jahren wieder nach Hause zurück.

Er war von seinem Wissen derart überzeugt,

Dass er damit vor anderen Menschen prahlte und sich auf viele Diskussionen bei Hofe und Audienzen von Königen und so weiter einließ.

Er stand für seine Bildung in einem guten Ruf.

Dieser junge Mann kam eines Tages zufällig zum Hof von König Bravahana Jaivali,

Einem Ehrenwerten Eroberer.

Als Sveta Ketu dort eintraf,

Wurde er vom König mit allem Respekt eines Brahmin der Devedas bis in allen Tiefen beherrschte empfangen.

Ein Brahmin oder die Brahmanen sind im indischen Kastensystem die Angehörigen der obersten Kaste.

Es ist ein religiöser Titel.

Der König stellte dem jungen Mann folgende Fragen.

Bist du gut ausgebildet?

Hast du studiert?

Ist deine Ausbildung vollständig?

Der Junge sagte,

Ja,

Meine Ausbildung ist abgeschlossen und ich bin sehr belesen.

Dann stellte der König weitere Fragen.

Selbstverständlich bist du gut informiert,

So dass du zu allen Problemen Stellung nehmen kannst.

Du kennst dich ja in allen Themen gut aus.

Dieses wurde von dem jungen Sveta Ketu bejaht.

Dann stellte der König fünf Fragen.

Seine erste Frage lautete,

Weißt du wohin die Menschen gehen,

Nachdem sie diese Welt verlassen?

Kennst du die Antwort auf diese Frage?

Der junge Mann antwortete,

Ich weiß es nicht.

Ich kann die Frage nicht beantworten.

Dann stellte der König eine andere Frage.

Weißt du woher die Menschen kommen,

Wenn sie in diese Welt wiedergeboren werden?

Sveta Ketu sagte,

Ich weiß auch dieses nicht.

Weißt du denn auf welchem Weg die Seele aufsteigt,

Das heißt die Pfade,

Die man Devayana und Prithriyana nennt.

Kennst du den Unterschied dieser beiden Pfade?

Warum unterscheiden sich die beiden Wege?

Sveta Ketu sagte,

Ich kenne auch die Antwort auf diese Frage nicht.

Dann stellte der König die vierte Frage.

Warum ist die andere Welt nicht von Menschen überfüllt?

Sie kann immer wieder Menschen aufnehmen und ist niemals übervoll.

Woran liegt das?

Auch das weiß ich nicht,

Kam die Antwort.

Nun die fünfte Frage.

Welches sind die fünf dargebotenen Opfer und wie wird das fünfte Opfer in flüssiger Form zum Menschen?

Auch hierauf kam,

Bekam er keine Antwort.

Dann sagte der König,

Wie kannst du behaupten,

Dass du gut ausgebildet bist und sehr belesen,

Wenn du selbst diese Fragen nicht beantworten kannst?

Wie kommst du auf die Idee gut ausgebildet zu sein?

Der Junge fühlte sich gedemütigt.

Sein Stolz schwand dahin,

Denn er erkannte,

Dass es etwas gab,

Was er nicht verstand.

Seine Ausbildung war nicht vollständig.

Es war das erste Mal,

Dass er erkennen musste,

Nicht alles zu wissen.

Obwohl ihn der König bat,

Zu bleiben,

Rannte er zurück zu seinem Vater mit dem Bewusstsein,

Eine schwere Niederlage erlitten zu haben.

Der Vater nahm ihn zur Seite und fragte,

Mein Sohn,

Hast du jemals in deinen Ausbildungen nach den Lehren gefragt,

Durch die man hört,

Hört und versteht,

Was man nicht hören kann?

Hast du nach dem gefragt,

Durch das man sieht,

Was man nicht sehen kann und weiß,

Was nicht gewusst werden kann?

Sveta Ketu war neugierig geworden und fragte,

Nein,

Davon habe ich nicht gehört.

Was sind das für Lehren?

Nun gut,

Ich werde dir davon berichten.

Indem du weißt,

Was ein Klumpenlehm ist,

Weißt du das Wesentliche über sämtliche Dinge,

Die aus Lehm gemacht werden.

Sie unterscheiden sich alle lediglich nur durch ihre äußere Form und ihren Namen voneinander.

Wenn du einen Klumpen Gold kennst,

Dann weißt du das Wesentliche über alle Dinge,

Die aus diesem Metall gemacht wurden.

Auch hier unterscheiden sie sich lediglich in ihrer Form und durch ihren Namen.

Das gleiche gilt für Eisen und alle die anderen Metalle,

Die du kennst.

Kennst du die Beschaffenheit und das Wesentliche,

Aus denen die Dinge gemacht sind,

Dann weißt du,

Dass sie sich lediglich in ihrer Form und Namen unterscheiden.

Genauso bekommst du durch solches Wissen das Wesentliche und die Grundlage von allem zu Wissenden.

Mein lieber Vater,

Ich glaube,

Dass meine Lehrer dieses Wissen nicht hatten,

Denn sonst hätten sie es mich bestimmt gelehrt.

So bitte ich dich,

Mich darin zu unterrichten.

Das tue ich gerne,

Mein Sohn.

Darum höre gut zu.

Am Anfang war reines Sein,

Eines ohne ein anderes.

Einige Menschen glaubten zwar,

Dass am Anfang nur das Nicht-Seinde war,

Das Nicht-Seinde ohne ein Zweites,

Und dass dieses das Seinde gebar.

Aber sage mir,

Wie hätte es so sein sollen?

Wie hätte sich aus dem Nicht-Seinden ein Seindes entwickeln können?

Nein,

Nein,

Mein Sohn.

Am Anfang aller Dinge existierte das reine Sein.

Das reine Sein aber dachte bei sich selbst,

Ich möchte so gerne viele werden.

Ich möchte gerne die verschiedensten Gestalten und Formen annehmen.

Und so schuf das eine Sein das Licht.

Das Licht aber dachte bei sich selbst,

Ich möchte so gerne viele werden.

Und das Licht brachte das Wasser hervor.

Und das Wasser dachte bei sich selbst,

Ach ich möchte so gerne viele werden und Form und Gestalt bekommen.

Und so erschuf das Wasser die Erde.

Auf diese Weise erschuf sich das ganze Universum aus dem reinen Sein.

Dieses Sein,

Das die feine Grundsubstanz von allem ist,

Die höchste Wirklichkeit,

Das Selbst von allem,

Was existiert,

Das bist du,

Zwetaketo.

Erzähle mir mehr von diesem Wissen,

Gelehrter Vater,

Bat zwar Zwetaketo und war erstaunt über die Weisheit seines Vaters.

Gut,

Mein Sohn,

So soll es sein.

Nimm dieses Salz,

Gieße es in ein Glas mit Wasser und komme morgen früh wieder zu mir.

Der Sohn tat,

Wie sein Vater ihm befohlen hatte und ging am nächsten Morgen wieder zu seinem Vater.

Bring mir das Salz,

Das du gestern in das Wasser getan hast.

Zwetaketo schaute in das Glas und konnte das Salz nicht sehen,

Da es sich über Nacht vollständig aufgelöst hatte.

Der Vater sprach zu ihm,

Nimm einen Schluck,

Ganz von oben und sag mir,

Wie es schmeckt.

Es schmeckt salzig,

Vater.

Schütte noch mehr fort und trinke einen Schluck aus der Mitte des Glases.

Wie schmeckt dies?

Nicht weniger salzig als der erste Schluck,

Vater.

Und jetzt schütte ein wenig fort und trinke einen Schluck vom Boden des Glases.

Wie schmeckt dies?

Auch hier tat der Sohn wieder,

Wie ihm geheißen war.

Es schmeckt genauso salzig wie der erste und der zweite Schluck.

Nun gut,

Mein Sohn,

Nun wirf alles weg und komm zu mir.

Zwetaketo ging zu seinem Vater und sagte,

Jeder Tropfen schmeckte salzig.

Das ist richtig,

Mein Sohn,

Du vermagst das reine Sein,

Wie es alles durchdringt,

Nicht zu sehen,

Aber in Wahrheit ist es wirklich da.

Dieses Sein,

Das die feine Grundsubstanz von allen ist,

Die höchste Wirklichkeit,

Das Selbst von allem,

Was existiert,

Das bist du,

Zwetaketo.

Diese Geschichte soll uns ein Türöffner sein,

Auf dem Weg zu unserem Inneren.

Wir haben immer noch keine Antwort auf die Fragen des Königs.

Wir finden sie vielleicht in bestimmten Formen der Meditation,

In Prozesse,

Die im Einklang mit höheren Ebenen sind.

Man nennt sie Vidyas.

Es sind bestimmte Formen des Wissens.

Vidya bedeutet auch Meditation oder Kontemplation.

Ein höheres Wissen,

Das sich vom allgemeinen Wissen unterscheidet.

Welche Ausbildung auch immer jemand genossen hat,

Er wird niemals allwissend sein.

Es gibt immer etwas,

Was er nicht weiß oder nicht beherrscht.

So wie Zwetaketo,

Der zwölf Jahre in einer Ausbildung war und dachte,

Er weiß alles.

Je größer unser Wissen jedoch über eine Sache ist,

Desto mehr können wir uns dieses Wissen zunutze machen.

Diese Geschichten sind eine schöne Möglichkeit,

Um unser Wissen zu bereichern.

Sie berühren uns,

Auch wenn sie im ersten Moment über das intellektuelle Verständnis hinausgehen.

Sie sind komplex und zutiefst spirituell,

Sodass sie vom Verstand nicht erfasst werden können,

Egal wie sehr wir uns auch darum bemühen.

Bis zu einem gewissen Grad können wir diese Geschichte zwar intellektuell erfassen,

Aber vollständig erfahren können wir sie nur über unser Sein.

Ist irgendjemand auf das Sterben vorbereitet?

Wir wissen auf diese Frage keine Antwort.

Früher oder später werden wir sterben.

Doch warum müssen wir sterben?

Wer sagt,

Dass wir überhaupt sterben müssen?

Niemand weiß es.

Und wenn man geboren wird,

So ist es zu bezweifeln,

Ob dieses auf eigenen Wunsch geschieht.

Dahinter steht irgendeine Macht.

Unsere Unwissenheit ist so groß,

Dass wir als tief demütige Wesen dastehen.

Voller Scham.

Denn wir wissen nichts über die Macht dieser Gesetze,

Denen wir unterworfen sind.

Wie bereits erwähnt,

Bedeutet Vidya Wissen,

Meditation,

Eine umfassende Innensicht der Natur der Wirklichkeit eines jeden Phänomens.

Doch was ist ein Phänomen?

Diese Innensicht,

Zu der uns die Upanishaden hier führt,

Ist das Phänomen des Abstiegs der Seele aus einer anderen Region in diese Welt.

Und das Phänomen des Aufstiegs der Seele von dieser Welt zu höheren Ebenen?

Wie steigt die Seele ab und wie steigt sie auf?

Die Geburt eines Menschen in diese Welt findet nicht nur in dieser Welt statt,

Sondern sie erfolgt zuvor in höheren Regionen oder Ebenen.

Man wird zunächst auf einer höheren Ebene geboren.

Und dieses Ereignis kommt schrittweise in tiefere Regionen,

Bis schließlich für unser Auge sichtbar,

Die Geburt körperlich auf der sterblichen Erde stattfindet.

Erst dann wird das Kind geboren.

Zuvor hat es in der Natur ein komplizierter Prozess stattgefunden,

Der für uns nicht sichtbar ist.

Dies alles geschieht nicht nur bei einer menschlichen Geburt,

Sondern findet bei jedem Ereignis statt.

Alles ist überall in subtiler Form aktiv.

Dinge finden statt,

Bevor sie in Erscheinung treten oder auch von uns wahrgenommen werden können.

Und kein einzelnes Zahnrad in einer Maschine arbeitet für sich allein,

Sondern es dient einem übergeordneten Zweck.

Alles ist mit allem verbunden,

Sodass alles genauso wichtig ist wie das andere.

Dieses Konzept des Allumfassenden ist das Geheimnis der Meditation.

Wenn diese Verbundenheit aller Aspekte verloren geht,

Hört es auf,

Eine Meditation zu sein.

Jede Meditation ist ein Versuch des Geistes,

Alle Aspekte der Psyche in einem Fokus zu bringen.

Ereignisse scheinen aufgrund irgendwelcher Launen der Natur stattzufinden,

So als hätten sie nichts mit uns zu tun.

Doch unser Leben ist mit allem äußeren Phänomenen verbunden und umgekehrt.

Es existiert eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen der äußeren Welt und dem individuellen inneren Leben.

Ja,

Sogar unsere Gedanken beeinflussen die Atmosphäre.

Diese Verbindung ist nur schwer zu verstehen,

Doch man könnte eine Verbindung herstellen,

Wenn klar wird,

Dass Gedanken und Stimmungen Schwingungen sind,

Die wir an die Umwelt abgeben.

Wir können unsere inneren Gefühle und Gedanken nicht isoliert betrachten.

Wann immer Gedanken oder Gefühle entstehen,

Selbst wenn wir sprechen,

Werden in jedem Menschen Schwingungen erzeugt.

In jeder Handlung oder Gespräch sind abhängige Gedanken und damit Schwingungen verborgen.

Alles wirkt auf irgendeine Weise auf die Natur.

Schau dir irgendetwas bestimmtes an und versuche darin,

Das ganze Universum wahrzunehmen,

Um das Tor zu einem vollkommen neuen Wissen zu öffnen.

Vielleicht konnte ich dich mit dieser Geschichte und Sichtweise ein bisschen inspirieren.

Ein etwas schwieriges Thema,

Aber vielleicht hat es dir gefallen,

Das würde mich sehr freuen.

Ich bedanke mich bei dir fürs Zuhören und wünsche dir alles Gute,

Namaste,

Deine Stefanie

4.7 (107)

Neueste Bewertungen

Regina

May 1, 2025

Die Geschichte war schön. Ich habe nicht den Anspruch alles zu verstehen und habe mir das, was mich persönlich angesprochen hat, gemerkt :) Namasté!

Tullipan

July 20, 2023

Danke für die Anregungen 🙏

Michaela

February 11, 2023

Danke für die schöne Weisheitsgeschichte 🙏

rahel

January 7, 2023

🎶🥰🎶 danke

Nina

March 4, 2022

Sehr schön und auf jeden Fall inspirierend. Namasté

Priluna

January 21, 2022

Sehr schön danke 🙏

Thao

December 31, 2021

Wunderbare Gedanken

Jasmina

December 11, 2021

Sehr gut🙏

Holm

September 11, 2021

Super Stimme und wirklich gut aufgearbeitete Philosophie

June 15, 2021

👌🏿🌴♥️🌴

© 2026 Stefanie Busch. All rights reserved. All copyright in this work remains with the original creator. No part of this material may be reproduced, distributed, or transmitted in any form or by any means, without the prior written permission of the copyright owner.

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