
Einschlafmärchen & Meditation: Binsenkappe (England)
Lasse Dich von mir in den Schlaf begleiten. Nach einer meditativen Entspannungs-Sequenz erzähle ich Dir das Märchen aus England: "Binsenkappe". Du darfst jederzeit einschlafen, denn Du kannst sicher sein, dass es gut ausgehen wird. Ich wünsche Dir eine gute Nacht und schöne Träume!
Transkription
Binsenkappe,
Meditative Abendentspannung und ein Einschlafmärchen aus England.
Stelle dir vor,
Wie du beim Ausatmen alles Verbrauchte loslässt und wie du mit jedem Atemzug immer entspannter,
Immer gelassener und gemütlicher in die Matratze singst.
Wenn du möchtest,
Dann kannst du auch gähnen oder laut seufzen,
Dir die Bewegungen geben,
Die dir gerade guttun und dann bette dich ganz feierlich,
Ganz königlich und gemütlich in deinem Bett.
Finde eine angenehme Position und schließe,
Wenn du es nicht schon getan hast,
Deine Augen.
Komm an in deinem Bett,
In dem Raum,
In dem du dich gerade befindest,
Im heutigen Abend und dann spüre mal in dich hinein und nimm wahr,
Welche Empfindungen gerade so zu erspüren sind.
Vielleicht bist du hier oder da noch ein bisschen unruhig oder verspannt.
Fühle dich doch mal von oben bis unten durch deinen Körper hindurch.
Wenn du willst,
Dann lege doch auch noch mal eine Hand auf dein Herz und die andere auf deinen Bauch.
Spüre deinen Atem,
Deinen Herzschlag,
Spüre die wunderbare Verbindung mit deinem Körper,
Das wunderbare Gefühl,
Du selbst zu sein.
Dann rückel dich gerne noch mal in deinem Bett zurecht und finde eine entspannte Position für deine Arme und deine Hände und nutze doch die nächste Minute für eine kurze Reflexion des heutigen Tages.
Was ist heute so passiert?
Was waren heute deine Themen,
Deine Gedanken,
Deine Taten?
Schau doch mal,
Welche Bilder vor deinem inneren Auge auftauchen,
Welche Bilder des Tages.
Ab jetzt für eine Minute.
Dann versuche drei Dinge zusammenzusammeln,
Für die du heute besonders dankbar bist.
Richte deinen Fokus auf Dankbarkeit,
Auf die schönen Dinge des heutigen Tages.
Wofür bist du heute besonders dankbar?
Lasse die Bilder des Tages und der Dankbarkeit verschwimmen,
Sich auflösen.
Beobachte noch mal für ein paar Atemzüge deinen ganz ruhigen,
Natürlichen und entspannten Atem,
Wie Meeresrauschen.
Es gibt jetzt nichts mehr zu tun,
Als einfach nur zu liegen,
Zu atmen und mehr und mehr zur Ruhe zu kommen.
Du weißt,
Du darfst jederzeit einschlafen.
Der Tag ist zu Ende und morgen wartet wieder ein neuer Tag auf dich und das darf sich gut anfühlen.
Und während du immer gemütlicher und immer schwerer und müder in deine Matratze singst,
Lese ich dir eine kleine Geschichte vor.
Eine Geschichte,
Die ganz,
Ganz früher einmal stattgefunden hat.
Da war einmal ein reicher Herr und der hatte drei Töchter und er dachte,
Er wollte doch herausfinden,
Wie gern sie ihn hatten.
Also sagte er zuersten,
Mein Herz,
Wie sehr liebst du mich?
Nun,
Sagte sie,
So sehr,
Wie ich mein Leben liebe.
So ist's gut,
Sagte er.
Dann sagte er zu der zweiten,
Wie sehr liebst du mich,
Mein Herz?
Nun,
Sagte sie,
Mehr als alles in der Welt.
So ist's gut,
Sagte er.
Dann sagte er zur dritten,
Und wie sehr liebst du mich,
Mein Herz?
Nun,
Sagte sie,
Ich liebe dich so,
Wie frisches Fleisch das Salz liebt,
Sagte sie.
Na,
Da war er aber böse.
Du liebst mich überhaupt nicht,
Sagte er,
Und in meinem Haus sollst du nicht länger bleiben.
So jagte er sie auf der Stelle hinaus und schlug ihr die Tür vor der Nase zu.
Da ging sie fort,
Weiter und weiter,
Bis sie an einen großen Sumpf kam und dort sammelte sie eine Menge Binsen und machte daraus einen Umhang mit einer Kapuze,
Der sie von Kopf bis Fuß einhüllte und ihre feinen Kleider verbarg.
Dann ging sie weiter und weiter,
Bis sie zu einem großen Haus kam.
Braucht ihr keine Magd?
Fragte sie.
Nein,
Wir brauchen keine,
Sagten sie.
Ich weiß nicht,
Wohin ich gehen soll,
Sagte sie,
Und ich verlange keinen Lohn und tue alle Art von Arbeit.
Gut,
Sagten sie,
Wenn du gern Töpfe wäschst und Tiegel auskratzt,
Dann kannst du bleiben.
So blieb sie da und wusch Töpfe und kratzte Tiegel aus und machte alle schmutzige Arbeit.
Und weil sie ihren Namen nicht nannte,
Riefen sie sie Binsenkappe.
Nun,
Eines Tages sollte da in der Nähe ein großes Tanzfest sein und man ließ die Dienerschaft hingehen,
Um den feinen Leuten beim Tanzen zuzusehen.
Binsenkappe sagte,
Sie sei zu müde,
Mitzugehen,
Und so blieb sie zu Hause.
Aber als die anderen gegangen waren,
Nahm sie ihre Binsenkappe ab,
Wusch sich und ging zu dem Tanz.
Und da war keiner so fein gekleidet wie sie.
Nun,
Wer war da anderer als der Sohn ihres Herrn?
Und was tat der andere,
Als sich in sie verlieben?
In dem gleichen Augenblick,
In dem er sie sah.
Er wollte mit keiner anderen tanzen,
Aber noch ehe der Tanz aus war,
Trat sie heraus und lief fort nach Hause.
Und als die anderen Mägde zurückkamen,
Hatte sie ihre Binsenkappe an und tat so,
Als ob sie schliefe.
Am nächsten Morgen sagten sie zu ihr,
Du hast was Schönes verpasst,
Binsenkappe.
Und was war das?
Fragte sie.
Nun,
Die feinste Dame,
Die du je gesehen hast.
Und sie war ganz prächtig und schön gekleidet.
Der junge Herr,
Der ließ sie gar nicht aus den Augen.
Ach,
Ich hätte sie gern gesehen,
Sagte Binsenkappe.
Nun,
Heute Abend soll noch ein Tanz sein und vielleicht ist sie wieder da.
Aber als der Abend kam,
Sagte Binsenkappe,
Sie sei zu müde,
Um mit ihnen zu gehen.
Dann aber,
Als sie gegangen waren,
Tat sie ihre Binsenkappe herunter,
Wusch sich und ging fort zu dem Tanz.
Der Sohn des Herrn hatte schon damit gerechnet,
Sie zu sehen.
Und er tanzte mit keiner anderen und ließ sie nicht aus den Augen.
Aber noch ehe der Tanz vorüber war,
Schlüpfte sie davon und lief nach Hause.
Und als die Mägde zurückkamen,
Hatte sie ihre Binsenkappe an und tat,
Als ob sie schliefe.
Am nächsten Tag sagten sie wieder zu ihr.
Nun,
Binsenkappe,
Du hättest da sein und die Dame sehen sollen.
Sie war wieder da,
Prächtig und schön,
Und der junge Herr ließ sie nicht aus den Augen.
Ach,
Sagte sie,
Da hätte ich sie gerne gesehen.
Nun,
Sagten sie,
Da ist noch einmal ein Tanz,
Heute Abend,
Und du musst mit uns gehen,
Denn sie wird sicher da sein.
Als nun der Abend kam,
Sagte Binsenkappe,
Sie sei zu müde,
Um mitzugehen,
Und sie mochten tun,
Was sie wollten.
Aber Binsenkappe blieb zu Hause.
Jedoch,
Als die anderen gegangen waren,
Tat sie ihre Binsenkappe wieder herunter,
Wusch sich und ging fort zu dem Tanz.
Der Sohn des Herrn war schrecklich froh,
Als er sie sah.
Er tanzte mit keiner anderen,
Außer mit ihr,
Und ließ sie gar nicht aus den Augen.
Als sie ihm nicht sagen wollte,
Wie sie hieß und woher sie kam,
Gab er ihr einen Ring und sagte zu ihr,
Wenn er sie nicht wiedersehen könnte,
Würde er sterben.
Nun,
Doch noch ehe der Tanz aus war,
Schlüpfte sie wieder davon und lief nach Hause.
Und als die Mägde heimkamen,
Hatte sie ihre Binsenkappe an und tat,
Als ob sie schliefe.
Am nächsten Tag sagten sie zu ihr,
Da hast du's,
Binsenkappe.
Du bist letzten Abend nicht gekommen,
Und jetzt wirst du die Dame nicht sehen,
Denn es gibt keinen Tanz mehr.
Ja,
Ich hätte sie schrecklich gern gesehen,
Sagte sie.
Der Sohn des Herrn versuchte alles,
Um herauszufinden,
Wo die Dame hingegangen war,
Aber wohin er auch ging und wen er auch fragte,
Nirgends erfuhr er von ihr.
Und aus Liebe zu ihr ging es ihm schlechter und schlechter,
Bis er im Bett bleiben musste.
Bereite eine Hafersuppe für den jungen Herrn,
Sagten sie zur Köchin,
Er wird noch sterben aus Liebe zu der Dame.
Die Köchin machte sich an die Arbeit,
Da kam Binsenkappe herein.
Was machst du da,
Sagte sie.
Ich bereite gerade Hafersuppe für den jungen Herrn,
Sagte die Köchin,
Er wird noch sterben aus lauter Liebe zu der Dame.
Lass mich sie bereiten,
Sagte Binsenkappe.
Nun,
Die Köchin wollte zuerst nicht,
Aber schließlich sagte sie ja,
Und Binsenkappe bereitete die Hafersuppe.
Und als sie sie kochte,
Ließ sie heimlich den Ring hineingleiten,
Noch bevor die Köchin die Suppe hinauftrug.
Der junge Mann ertrank und sah den Ring auf dem Boden.
Schick nach der Köchin,
Sagte er,
Sie kommt also herauf.
Wer hat die Hafersuppe da gekocht,
Fragte er.
Ich war's,
Sagte die Köchin,
Denn sie hatte Angst,
Und er sah sie an.
Nein,
Du warst es nicht,
Sagte er.
Sag,
Wer es war,
Und dir soll kein Leid geschehen.
Nun denn,
Es war Binsenkappe,
Sagte sie.
Schick Binsenkappe her,
Sagte er.
Binsenkappe kam also.
Hast du die Hafersuppe gekocht,
Fragte er.
Ja,
Ich war's,
Sagte sie.
Woher hast du diesen Ring,
Fragte er.
Von dem,
Der ihn mir gab,
Sagte sie.
Wer aber bist du denn,
Fragte der junge Mann.
Ich will es dir zeigen,
Sagte sie.
Und sie tat ihre Binsenkappe herunter,
Und da stand sie in ihren schönen Kleidern.
Nun,
Der Sohn des Herrn wurde sehr schnell gesund,
Und sie sollten in kurzer Zeit heiraten.
Es sollte eine große Hochzeit sein,
Und von nah und fern wurde jeder Mann dazu gebeten.
Und Binsenkappes Vater wurde auch dazu gebeten,
Aber keinem sagten sie jemals,
Wer sie war.
Vor der Hochzeit ging Binsenkappe zur Köchin und sagte,
Ich möchte,
Dass du alle Gerichte ohne ein Körnchen Salz zubereitest.
Das wird aber ganz scheußlich sein,
Sagte die Köchin.
Das hat ja nichts zu sagen,
Sagte sie.
Nun gut,
Sagte die Köchin.
Der Hochzeitstag kam heran,
Und sie feierten ein prächtiges Fest.
Und als sie verheiratet waren,
Setzte sich die ganze Gesellschaft zu den Speisen.
Als sie anfingen,
Das Fleisch zu essen,
War es so ohne Geschmack,
Dass sie es nicht essen konnten.
Binsenkappes Vater aber,
Der versuchte erst das eine Gericht und dann das andere,
Und dann brach er in Weinen aus.
Was ist los,
Sagte der Sohn des Herrn zu ihm.
Oh,
Sagte er,
Ich hatte eine Tochter,
Und ich fragte sie,
Wie sehr sie mich liebe.
Und sie sagte,
So sehr wie das frische Fleisch das Salz liebt.
Und ich schickte sie fort von meiner Tür,
Denn ich dachte,
Sie liebt mich nicht.
Und jetzt sehe ich,
Dass sie mich am meisten von allen geliebt hat.
Und vielleicht ist sie nun tot,
Und ich weiß es nicht.
Nein,
Vater,
Sie ist hier,
Sagte Binsenkappe.
Und sie ging zu ihm hin und legte ihm ihre Arme um den Hals.
Und so waren sie glücklich alle Zeit.
Und wenn sie nicht gestorben sind,
So leben sie auch heute noch.
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