
Idealisierung und Abwertung in der Partnerschaft
Beziehungen, die besonders magisch beginnen, enden oft extrem schmerzhaft und dramatisch. Wenn auf die Phase der Idealisierung irgendwann die Abwertung folgt, besteht die Gefahr in den Sog emotionaler Abhängigkeit geraten.
Transkription
Seelenpartnerschaft.
Hast du das auch schon mal gehört?
In dieser Leben,
Lieben,
Lassen Episode geht es um den Grund,
Warum auf viele der sogenannten Seelenpartnerschaften ein bitterböses Erwachen folgt und du erfährst,
Auf was du am Beginn der Verliebtheit achten solltest.
Leben,
Lieben,
Lassen.
Der Podcast zum Thema Persönlichkeit,
Beziehung und Selbstliebe.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Der Anfang ist immer Magic.
Du glaubst,
Deinen Seelenpartner gefunden zu haben.
Der oder die neue Bekannte gibt Vollgas und tut einfach alles für dich.
Die Liebe ist riesig,
Hüllt dich ganz und gar ein.
Und du fühlst dich einfach nur wunderbar,
Wie nach nie im Leben.
Da kann man schon mal übersehen,
Dass es eigentlich viel zu schnell geht.
Diese Idealisierungsphase endet nämlich irgendwann und das ist mega schmerzhaft.
Gerade warst du noch die Schönste oder der Größte und plötzlich empfindet sie oder er gar nichts mehr und zieht sich von dir zurück.
Was hast du denn falsch gemacht?
Du strengst dich an,
Um das wunderbare Anfangsgefühl zurückzubekommen und du machst dich schlimmstenfalls emotional abhängig.
Wie muss ich sein,
Dass du mich wieder liebst?
Das ist die Frage.
Du willst zurück,
Was du am Anfang hattest.
Und vielleicht merkst du lange gar nicht,
Dass da was komplett schiefläuft.
Du bist nämlich die gleiche wie vorher.
Aber dein sogenannter Seelenpartner hat plötzlich von Idealisierung auf Abwertung geschaltet.
Und da beginnt eine Achterbahnfahrt,
An deren Ende du traurig zurückbleibst.
Anke hat es auf diese Weise erwischt.
Fast wäre sie wirklich daran zerbrochen,
Dass Mario,
Der sie einst so verehrte und sie wirklich auf Händen trug,
Nur noch abwertete und überall schlecht machte.
Anke hat lange Zeit geglaubt,
In einem schlechten Film zu sein.
Alles hatte sie für diesen Mann getan,
Der ihr endlich mal das Gefühl gegeben hatte,
Lebenswert,
Wertvoll und wunderbar zu sein.
Bevor sie Mario kennenlernte,
Hatte Anke schon gar nicht mehr daran geglaubt,
Dass die Liebe sie finden könnte.
Doch dann passierte es doch.
Magische Monate begannen,
An denen einfach alles passte.
Liebe XXL.
Anke schwebte auf Wolke sieben und Mario natürlich auch.
Beide glaubten daran,
Ihren Seelenpartner gefunden zu haben.
Sie stimmten in allem überein.
Mario wollte sie.
Er legte ihr sein ganzes Leben zu Füßen,
Wollte ihren Sohn adoptieren,
Heiraten und sie musste sofort zu ihm ziehen.
Ideal könnte man meinen,
Dass es so was gibt.
In unserer Nachbetrachtung aber fällt Anke auf,
Dass alles ein bisschen drüber war.
Zu groß,
Zu perfekt,
Zu euphorisch und vor allem viel zu schnell.
Mario hat Anke auf ein Podest gestellt und sie angehimmelt.
Er machte vor ihr einen Kniefall im übertragenen Sinne.
Und Anke,
Die in dieser Hinsicht ausgehungert war,
Weil sie sich noch nie in ihrem Leben so von Liebe bestrahlt gefühlt hatte,
Ließ sich einfach von dieser Euphorie anstecken.
Kein Streit tröbte diese perfekte Harmonie.
Keine Meinungsverschiedenheit.
Es passte einfach kein Haar zwischen dieses Idealpaar.
Es gab nur diese magische Beziehung,
Keine Dreckecken.
Damals war Anke einfach so begeistert und glücklich,
Dass sie alle Warnsignale übersah und sich dem Lauf der Dinge hingab.
Der Rausch dauerte nur wenige Monate.
Irgendwann ging es los.
Mario fing an,
Kleine Sticheleien loszuwerden.
Es gab häufiger Streit.
Anke war irritiert und sie fühlte sich schuldig.
Und dieses Signal kam auch von Mario.
Anke versuchte sich zu bessern,
Mario alles recht zu machen.
Doch das änderte überhaupt nichts.
Die Abwärtsspirale war in Gang gesetzt.
Auf die Phase der Idealisierung,
Also die Phase des Aufs-Protest-Stellen,
War die Phase der Abwertung gefolgt,
Die typisch für ungesunde Beziehungsstrukturen und toxische Beziehungen ist.
Das Drama spitzte sich über die nächsten Monate zu und endete in einem Rechtsstreit.
Anke musste ausziehen,
Wurde öffentlich diskreditiert und aufs Schlimmste beschuldigt.
Alle Versuche,
Mario davon zu überzeugen,
Dass er es doch gut meinte,
Liefen ins Leere.
Es gab keine Klärung.
Es gab nur Schuld.
Anke hat nicht nur diese Beziehung verloren und ihre Liebe.
Sie wurde so herablassend und abwertend behandelt,
Dass sie innerlich zusammengebrochen ist.
Das wunderbare Gefühl von Seelenverwandtschaft vom Anfang der Beziehung war genauso wenig real gewesen wie das Vernichten der Abwerten am Schluss.
Beides war eine Übertreibung,
Jeweils in eine andere Richtung,
Was Anke lange nicht verstanden hat.
Mario verhielt sich nicht wegen ihr so.
Es war typisch für ihn.
In der Rekonstruktion wurde sichtbar,
Dass Marios Verhalten mit seiner eigenen inneren Dynamik zu tun hatte.
Er war wegen einer Borderline-Störung in Behandlung und schwankte auch in Beziehungen zu anderen Menschen ständig hin und her zwischen Idealisierung und Abwertung,
Schwarz oder weiß,
Hoch oder runter.
Eine Achterbahnfahrt.
Auf diese Weise kann man keine wirklich gelingenden Beziehungen führen.
So krass wie bei Anke und Mario sind Idealisierung und Abwertung nur in dysfunktionalen und emotional abhängigen Beziehungen.
Aber im Grunde kennen wir es schon alle,
Das Phänomen.
Und vielleicht ist dir das auch schon mal passiert.
Anfangs warst du total begeistert von einer neuen Bekanntschaft,
Einem Menschen,
An dem irgendwie alles ganz wunderbar und passend schien.
Nahezu perfekt.
Vielleicht warst du sogar verliebt oder einfach nur hin und weg und fasziniert von dieser besonders netten,
Herzlichen,
Klugen oder auch erfolgreichen Person.
Das ist der Zustand,
Den man Idealisierung nennt.
Die Begeisterung,
Die Verliebtheit,
Die Faszination,
Die ein ganz bestimmter Mensch in uns auslöst,
Lässt uns diesen noch größer erscheinen als er ist.
Wir heben ihn auf ein Podest,
Sodass wir ihn ganz und gar wunderbar anhimmeln können.
Im Zuge der Idealisierung schreiben wir der Person zu ihren vorhandenen Eigenschaften noch jede Menge anderer positiver Fähigkeiten und Kompetenzen zu.
Bei Schauspielern oder Prominenten kann man das manchmal beobachten.
Weil sie etwas besonders gut können,
Glauben wir dann,
Dass sie besonders gute Menschen sein müssten.
Aber das gehört nicht zwangsläufig zusammen.
Alles und wirklich alles an diesem Menschen wird dann gut unterstrebenswert.
Nur Licht,
Kein Schatten.
Ganz euphorisch macht uns das,
Im Glanz des oder der Angebeteten zu stehen.
Wenn dann nur nicht im Laufe der Zeit das Podest,
Auf den wir den idealisierten Menschen gestellt haben,
Bröckeln würde.
Die Goldschicht blättert nämlich mit der Zeit unvermeidlich ab.
Das Fundament wird brüchig.
Und dann hält sie Einzug die Realität.
Und die von uns idealisierte Person zeigt sich plötzlich auch als unvollkommener Mensch,
Der Stärken,
Aber eben auch Schwächen hat.
Haben wir idealisiert,
Reagieren wir dann enttäuscht,
Fühlen uns sogar vielleicht hinters Licht geführt oder verraten.
Dabei waren wir es selbst,
Der diesem Menschen den heiligen Schein der Perfektion verpasst hat.
Aber das fällt uns selten auf.
Im Gegenteil hat man erst idealisiert,
Scheinen sich dann mit der Zeit die Schwächen des anderen irgendwie zu vermehren.
Wie konnten wir uns nur so täuschen?
In vielen Paarbeziehungen läuft dieser Prozess fast automatisch ab.
Denn die Verliebtheit,
Die ist an sich ein Zustand von Idealisierung.
Und sie ist auch sehr schön.
Aber wir sehen in dieser Zeit nicht durch eine Klarsichtbrille.
Wir malen alles rosarot.
Und diese Phase hört auf.
Irgendwann und zwar immer.
Und es kann sogar sein,
Dass sich irgendwann das,
Was du am Anfang so besonders liebenswert fandest,
Dich mit der Zeit auch noch zu stören beginnt.
Im schlimmsten Falle folgt dann in Beziehungen eine Phase der Abwertung,
Die damit einhergeht,
Dass man den anderen klein macht,
Dauernd kritisiert und herabwürdigt.
Beides ist eine Verzerrung der Wahrnehmung.
Die Idealisierung eines Menschen genauso wie seine Abwertung.
Wer der Meinung ist,
Dass die Schwächen des Partners oder der Partnerin,
Die einen so sehr stören,
Das Problem des anderen sein,
Der irrt sich.
Im Grunde genommen ist es so,
Dass Menschen,
Mit denen wir in einer Beziehung sind,
Ihre Verhaltensweisen auch schon am Anfang dieser Beziehung hatten.
Aber da haben wir sie nicht so sehen wollen,
Beziehungsweise haben wir großzügig darüber hinweggeschaut.
Später rücken genau diese Schwierigkeiten oft in den Blickpunkt der Kritik.
Liebe bedeutet nicht,
Irgendwie passend sein zu müssen.
Liebe bedeutet die Akzeptanz für das Anderssein des Partners oder der Partnerin.
Es ist die Fähigkeit,
Die wunderbaren Seiten genauso annehmen zu können wie eben auch die schwierigen oder die,
Die uns nicht gefallen oder uns nerven.
Denn schließlich wollen wir doch alle eins.
Wir wollen so geliebt werden,
Wie wir sind und nicht,
Wie wir sein sollten.
Wir sind alle keine wandelnden Idealbilder.
Wir sind Menschen.
Wir haben Ecken und Kanten.
Wir haben schöne Seiten und wir haben Dreckecken.
Es darf alles zu uns gehören.
Und genauso dürfen wir auch verstehen,
Dass auch unsere Partner,
Unsere Partnerin immer als ganze Packung genommen werden wollen.
Das ist die Realität.
Alles andere ist schöner Schein und auf Dauer lässt sich der nicht halten.
In diesem Sinne alles Liebe für dich,
Deine Claudia.
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