
Der Dampfer der Träume | Meditative Einschlafgeschichte
Als Jonah am Abend aus seinem Fenster schaut, liegt dort, wo eigentlich die Straße sein müsste, plötzlich ein Hafen. Am Kai wartet ein riesiger, hell erleuchteter Dampfer auf ihn: Der Dampfer der Träume. Eine ruhige, meditative Einschlafgeschichte über eine nächtliche Reise aufs Meer, das Loslassen von Sorgen und einen ganz besonderen Wunschtraum. Für Kinder ab etwa 5 Jahren und alle anderen, die sich gerne verzaubern lassen. Die eigentliche Geschichte dauert rund 28 Minuten, ist aber so konzipiert, dass sie zum langsamen Wegschlummern einlädt. Danach läuft die Musik noch 15 Minuten weiter und klingt langsam aus, um einen sanften Übergang in den Schlaf zu ermöglichen. Credits: Musik und Sounds von RelaxingTime, freesound_community, cosmic-scapes, Cover mit Hilfe von KI erstellt.
Transkription
Es war Abend geworden und Jona lag im Bett.
Die Decke hatte er bis zum Kinn hochgezogen.
Das Fenster stand einen Spalt offen.
Von draußen wehte ein sanfter Wind herein.
Jona mochte das Geräusch,
Das der Wind machte.
Ein leises,
Freundliches Pfeifen.
Doch plötzlich wurde aus dem leisen Pfeifen ein lauter werdendes Grummeln,
So wie schwere Maschinen es machen,
Und dann plötzlich.
.
.
Tief und voll drang es durch das offene Fenster.
Jonah hob den Kopf.
Für einen kurzen Moment war nichts mehr zu hören.
Nur der Wind strich weiter durch den Fensterspalt.
Als wäre überhaupt nichts geschehen.
Jona wartete.
Da war es wieder.
Dieses Mal setzte Jona sich auf.
Das Geräusch schien von weit her zu kommen und war trotzdem so mächtig,
Dass es sein ganzes Zimmer ausfüllte.
Jona schob die Decke beiseite und ging zum Fenster.
Er legte beide Hände auf die Fensterbank und schaute hinaus.
Unten glänzten Lichter.
Lange,
Schmale Lichter,
Die sich auf einer dunklen Fläche spiegelten und bei jeder kleinen Bewegung auseinanderbrachen.
Jona blinzelte.
Wo eben noch die Straße gewesen war.
Bewegt es sich jetzt?
Wasser.
Es reichte bis weit in die Nacht hinein.
An einem langen Kai entlang standen Laternen und beleuchteten die Holzplanken mit einem kleinen,
Schwachen Schein.
Jonah schaute nach links.
Und dann nach oben,
Immer weiter nach oben.
Da war ein Schiff,
So groß,
Dass Jona zuerst nur einen Teil davon gesehen hatte.
Sein dunkler Rumpf kragte hoch aus dem Wasser.
Darüber lagen Decks.
Und darüber noch mehr Text.
Reihen kleiner Fenster leuchteten in der Nacht.
Und ganz oben.
Branden die Lichter auf der Brücke.
Jona hatte noch nie ein so großes Schiff gesehen.
Nein,
Das war kein Schiff mehr,
Das war ein Dampfer.
Der Dampfer lag ruhig am Kai,
Er war hell beleuchtet.
Aber es war niemand darin zu sehen.
Und dann erinnerte sich Jona an die Wolkenzauberfee und dass sie von einem großen Dampfer erzählt hatte,
Der die Kinder nachts auf ein Meer voller Träume brachte.
Das musste dieser Dampfer sein,
Der Dampfer der Träume.
Und jetzt war Jona auch schlagartig klar,
Warum dieses Schiff hier lag,
Direkt vor seinem Fenster,
Wo eigentlich eine Straße war und kein Wasser.
Jona überlegte nicht lange.
Er sah am Rump des Schiffes hinauf Zu den vielen erleuchteten Fenstern.
Eines davon fiel ihm gleich auf.
Es war klein und rund und sein Licht war wärmer als die anderen.
Jona schloss die Augen.
Und im nächsten Augenblick schon saß er auf einem roten Plüschsofa in einer großen Kabine hinter dem hell erleuchteten runden Fenster.
Girona sah sich um.
An der Wand gegenüber stand ein Schreibtisch.
Und auf dem Schreibtisch brannte eine Lampe.
Ihr warmer Lichtschein fiel auf ein großes,
Dunkelblaues Buch,
Das in der Mitte des Tisches lag.
Das Buch wirkte geheimnisvoll,
Irgendwie magisch.
Und Jona schien es,
Als ginge von ihm ein warmes,
Einladendes Licht aus.
Ohne dass er es seinen Beinen befohlen hatte,
Stand er auf und ging auf den Schreibtisch und das Buch zu.
Jetzt erkannte er auch,
Dass das Licht von innen aus dem Buch kam und durch den dunkelblauen Einwand hindurch schimmerte.
Da überkam ihn das merkwürdige Gefühl,
Dass das Buch dort nicht zufällig lag.
Dass es auf ihn gewartet hatte.
Jona trat näher.
Strich mit den Fingern über den weichen Einband und schlug das Buch aus.
Ein warmer Lichtstrahler fasste ihn.
Sodass Jona die Augen zusammenkniffen.
Als er sie langsam wieder öffnete,
Sah er,
Die erste Seite war leer.
Jonah wollte schon weiter blättern,
Da erschien mitten auf dem weißen Papier ein kleiner dunkler Punkt.
Und aus dem Punkt wurde ein Strich.
Und aus dem Strich ein Buchstabe.
Und gleich daneben erschien noch einer.
Jona sah zu,
Wie sich Buchstabe an Buchstaben reihte,
Bis schließlich ein ganzer Satz vor ihm stand.
Schön,
Dass du da bist,
Jona!
Jona lächelte,
Und noch während er las,
Erschienen darunter schon die nächsten Worte.
Diese Kabine gehört dir.
Und der Dampfer der Träume bringt dich dorthin,
Wo du heute Nacht gerne sein möchtest.
Dann geschah eine Weile gar nichts.
Erst als Jona sich noch ein wenig weiter über das Buch beugte,
Erschien eine letzte Zeile.
Wovon möchtest du träumen?
Wohin soll der Dampfer der Träume dich bringen?
Darunter blieb die Seite leer.
Neben dem Buch lag ein Stift.
Jonah setzte sich und nahm ihn in die Hand.
Wovon wollte er träumen?
Von einem Ort,
An dem er noch nie gewesen war.
Davon,
Durch die Luft zu fliegen oder tief unten im Meer mit den Fischen zu tauchen,
Vielleicht gab es auch jemanden,
Den er gerne treffen wollte.
Oder er dachte an etwas ganz anderes,
Etwas,
Von dem nur er alleine wusste.
Jona überlegte noch einen Moment.
Dann wusste er,
Was er schreiben wollte.
Er setzte den Stift auf das Papier und kaum hatte er begonnen zu schreiben,
Ging ein sanftes Zittern durch den Schreibtisch.
Die Lampe schwankte ein wenig.
Und irgendwo tief unter Jona erwachte ein gleichmäßiges Brummen.
Jonah hielt inne und schaute aus dem Fenster.
Draußen blitt eine Laterne vorbei.
Und dann noch eine.
Und dann die nächste.
Die Holzplanken des Kais zogen langsam vorüber.
Ein Polar.
Ein kleines Boot und schließlich das Ende des Stegs.
Der Dampfer der Träume hatte abgelegt.
Jonah sah noch einen Moment nach draußen,
Wie der Hafen immer kleiner und kleiner wurde.
Dann fand er sich seinem Buch zu und schrieb weiter.
Wort für Wort füllte sich die Seite mit seinem Traum.
Als Jonah schließlich den letzten Punkt gesetzt hatte,
Legte er den Stift beiseite.
Einen Moment lang betrachtete er,
Was er geschrieben hatte.
Dann begann die Schrift vor seinen Augen golden zu schimmern.
Erst ganz zart.
Dann immer heller.
Bis schließlich die ganze Seite in ein warmes Licht getaucht war.
Und dann plötzlich lösten sich die Buchstaben von dem Papier.
Einer nach dem anderen stiegen sie empor.
Und schwebten wie winzige goldne Wölkchen Über dem aufgeschlagenen Buch.
Verschwanden in der Luft.
Diona staunte.
Eben noch hatte die Seite voller Wörter gestanden.
Jetzt war sie wieder vollkommen leer.
Nur ein einziger Satz erschien noch.
Dein Traum wartet auf dich,
Stand dort in großen Buchstaben.
Jona lächelte.
Klappte das Buch zu und ging zurück zu dem großen roten Plüschsofa.
Jetzt erst bemerkte er,
Wie tief und weich es war.
Es war so groß,
Dass Jona sich der Länge nach darauf ausstrecken konnte.
Er nahm eines der dicken Kissen,
Schob es unter seinen Kopf und kuschelte sich in das weiche Polster.
Durch das runde Fenster Konnte er noch die Lichter des Hafens sehen.
Aber sie waren inzwischen weit weg und sahen von hier draußen aus wie eine Handvoll kleiner Sterne.
Jonah entdeckte die Laternen am Kai,
Die nur noch winzige Lichtpunkte waren.
Die Häuser dahinter.
Konnte er schon nicht mehr voneinander unterscheiden.
Der Dampfer fuhr weiter,
Und je weiter er hinausfuhr,
Desto kleiner wurde der Hafen.
Und je kleiner der Hafen wurde,
Desto weiter rückte auch alles weg,
Was Jona heute erlebt hatte.
Er dachte zurück an den Tag,
An den Morgen,
Daran,
Wie alles angefangen hatte.
An all das,
Was schön gewesen war.
Und an etwas,
Über das er sich geärgert hatte.
Und dann fiel ihm auch diese eine Sache wieder ein,
Die anders gelaufen war,
Als er es sich gewünscht hatte.
Der Streit mit Marie.
Vorhin,
Als er zu Hause im Bett gelegen hatte,
War ihm das noch ziemlich groß vorgekommen.
Er mochte es gar nicht,
Wenn seine beste Freundin wütend auf ihn war.
Jona schaute hinaus.
Der Hafen war inzwischen so weit entfernt,
Dass er die einzelnen Laternen kaum noch erkennen konnte.
Vielleicht.
.
.
Partijona.
Konnte die Sache mit Marie einfach dort bleiben.
Dort im Hafen.
Nicht für immer.
Nur für diese Nacht.
Morgen würde der Dampfer zurückfahren.
Dann konnte Jona sich die Sache mit Marie noch einmal ansehen,
Wenn er wollte.
Vielleicht würde sie morgen noch genauso aussehen wie heute.
Vielleicht aber auch ganz anders.
Der Dampfer fuhr weiter und unter Jona brummten die großen Maschinen.
Das Brummen zog sich durch den Boden der Kabine und hinauf in das rote Plüschsofa,
Auf dem Jona ausgestreckt und eingekuschelt lag.
Jona konnte das Brummen sogar in seinem Rücken spüren,
Tief und gleichmäßig.
Jona dachte an die Mathearbeit morgen in der Schule.
Für einen kurzen Augenblick wollte er die Regeln,
Die er längst auswendig konnte,
Noch einmal im Kopf aufsagen.
Doch dann fiel sein Blick auf das dunkelblaue Buch auf den Schreibtisch.
Morgen.
Morgen war die Mathearbeit.
Nicht heute und nicht jetzt.
Diese Nacht brauchte Jona keine Matheformeln.
Morgen,
Morgen würde der Hafen wieder da sein.
Die Häuser würden wieder Häuser sein.
Und die winzigen Lichtpunkte wieder Laternen.
Der Kai würde auftauchen,
Die Holzplanken.
Die kleinen Boote und natürlich auch sein Zuhause,
Sein Bett in seinem Zimmer,
Eben alles,
Was zum Morgen gehörte,
Würde auch morgen auf ihn warten.
Auch die Mathearbeit.
Jona sank ein wenig tiefer in das Sofa.
Was heute gewesen war,
Blieb im Hafen zurück,
Was morgen kommen würde,
Wartete dort auf ihn,
Und dazwischen lag das Meer.
Die Küste war jetzt schon fast verschwunden.
Nur ein schwacher,
Heller Schimmer verriet noch,
Wo sie lag.
Vor dem runden Fenster war nichts als Wasser und darüber der dunkle Himmel.
Der Dampf verhob sich ein wenig.
Und sank wieder hinab.
Hinauf und wieder hinab.
Die nächste Welle kam.
Ganz langsam hob sie das große Schiff an.
Trug es ein Stück und ließ es wieder sinken.
Jona schloss für einen Moment die Augen.
Ihnen auch.
Und jener.
Hinau und wieder hinauf.
Als er sie wieder öffnete,
War auch der letzte helle Schimmer am Horizont verschwunden.
Jetzt waren sie ganz weit draußen auf dem Ozean.
Jona richtete sich ein wenig auf und schaute hinaus.
Da war keine Straße mehr zu sehen.
Kein Haus mehr.
Kein Kai.
Und auch keine Laternen.
Nur das dunkle Meer,
Das sich bis zum Himmel erstreckt hat.
Ein Himmel voller Sterne.
So viele,
Dass Jona gar nicht wusste,
Wo er hinschauen sollte.
Seltsam,
Dachte er.
Obwohl rings um ihn herum Nichts war als dieses riesige Meer.
Fühlte er sich überhaupt nicht alleine.
Er war auf dem Dampfer der Träume.
Ganz oben auf der Brücke bradeten noch immer die Lichter.
Dort wusste jemand,
Wohin sie fuhren.
Dort kannte jemand den Weg durch die Dunkelheit.
Fiona wusste nicht,
Wer es war,
Und er muss das auch nicht wissen.
Wer musste nicht wissen,
Wie weit sie schon gefahren waren oder wie tief das Wasser unter ihnen war.
Alles behakul.
Müde legte er den Kopf wieder auf das Kissen.
Der Dampfer hob sich.
Und sank hinein.
Erhob sich.
Und sank wieder hinab.
Draußen klatschte das Wasser am Schiff entlang.
Jonas' Augen wurden schwer.
Noch einmal sah er hinüber zum Schreibtisch.
Das dunkelblaue Buch lag geschlossen im Licht der kleinen Lampe.
Und irgendwo darin oder vielleicht auch irgendwo draußen auf diesem großen dunklen Ozean wartete sein Traum.
Jona fragte sich,
Wann der Dampfer ihn wohl finden würde.
Vielleicht.
Hinter der nächsten Welle.
Vielleicht noch ein kleines Stück weiter draußen.
Vielleicht musste Jona auch gar nicht darüber nachdenken.
Vielleicht wusste der Dampfer längst,
Wo sein Traum zu finden war.
Jona schloß die Augen.
Das große Schiff fuhr weiter durch die Nacht.
Und trug ihn immer weiter hinaus.
Und das Wasser um das Schiff herum wurde leiser.
Oder vielleicht war Jona schon zu müde,
Um es noch zu hören.
Nur das sanfte Heben und Senken spürt er noch.
In Aum.
Und hinab.
Inhale und ausatme.
Genau wie sein Brustkorb sich durch seinen Atem leicht anhobt.
Und dann wieder hinauf.
Hinauf.
Und hinauf.
Hinau.
Und hinauf.
Jona kuschelte sich noch ein bisschen tiefer in das flauschige Kissen und lächelte.
Der Dampfer der Träume hatte ihn genau dorthin gebracht,
Wo er jetzt sein wollte.
Hier und jetzt und nirgendwo anders.
Hier in seinem Traum.
Treffen Sie Ihren Lehrer
More from Wolkenzauber - Traumreisen für Kinder | Nina Heck
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