
Das große Luftschiff-Abenteuer | Bildhafte Meditation
Diese meditative Kindergeschichte begleitet Bodo an einem vertrauten Alltagsmoment: dem Zubettgehen am Abend In dieser Geschichte verwandelt sich sein Bett in ein großes, prächtiges Luftschiff und trägt ihn sanft durch die Nacht. Hoch über der Welt gleitet er durch den Himmel, begegnet einer leuchtenden Sternschnuppe und entdeckt ein stilles, farbiges Lichterspiel zwischen den Sternen. Die liebevoll geführte Meditation verbindet reale Sinneseindrücke mit einer sanften inneren Bilderwelt und führt anschließend behutsam wieder zurück in den Alltag. Die Erzählung ist angenehm ruhig aufgebaut, arbeitet ohne erklärende Kommentare und lässt Raum für eigene innere Bilder. Sie eignet sich zum Entspannen, Runterkommen und Abschalten – besonders am Abend oder als kurze Auszeit zwischendurch. Empfohlen für alle Kinder ab etwa 5 Jahren. Musik und Sounds via Pixabay von vitmatnotes, dragon-studio, relaxingtime und Piano_Music
Transkription
Bodo liebte den Abend.
Abend,
Das war die Zeit am Tag,
In der alles im Haus ein bisschen langsamer wurde.
Dann war Schlafenszeit und im Schlaf,
Da erlebte Bodo seine schönsten Abenteuer.
Er hatte gerade die Zähne geputzt,
Sein Gesicht gewaschen und sich seinen kuscheligen Schlafanzug angezogen.
Er mochte das Gefühl,
Wenn der weiche Stoff seine Haut sanft einhüllte.
Das große Licht in seinem Zimmer hatte seine Mutter bereits aus und dafür das kleine Nachtlicht mit dem Mond angeschaltet.
Das ganze Zimmer wurde in ein angenehmes blaues Licht getaucht.
Bodo kletterte in sein Bett,
Er rückte sein Kissen zurecht,
Bis es genau die richtige Kuhle für seinen Kopf hatte.
Dann griff er nach der Decke.
Er liebte es,
Sie fest um sich herumzuschlagen,
Bis er wie in einem kleinen Kokon eingemummelt war.
Er atmete tief ein und wieder aus.
Bodo schloss die Augen und lauschte der Stille im Zimmer.
Er spürte,
Wie seine Beine ganz schwer wurden und seine Arme locker auf der Matratze lagen.
Sein Atem wurde langsamer,
Sein Bauch angenehm warm.
Er sank noch ein bisschen tiefer in die Matratze und dann begann es.
Ein sanfter Ruck ging durch sein Bett.
Bodo spürte es.
Er öffnete die Augen einen kleinen Spalt und staunte.
Die Ecken seiner Decke hatten sich nach oben gebogen und formten einen großen weißen Schirm.
Wie ein Fallschirm sah er aus,
Mit dicken Seilen.
Und an den Seilen hing sein Bett,
Das nun aber gar kein richtiges Bett mehr war,
Sondern ein prächtiges Luftschiff,
Das längst sein Zimmer verlassen hatte und lautlos durch den Nachthimmel glitt.
Unter ihm lag die Welt,
Die er kannte,
Aber von hier oben sah alles ganz anders aus.
Die Häuser der Stadt wirkten wie kleine Schachteln,
In denen gelbe Lichter leuchteten,
So warm und gemütlich wie die Flammen einer Kerze.
Die Straßen sahen aus wie lange Bänder aus Gold,
Auf denen hier und da kleine Lichtpunkte hin und her wanderten.
Bodo fühlte sich ganz sicher.
Die Segel seiner Decke blähten sich sanft im Nachtwind und das Luftschiff wiegte ihn ganz behutsam hin und her.
Neben ihm erschien ein kleiner silberner Punkt.
Er wurde größer und heller,
Bis Bodo erkannte,
Dass es eine kleine Sternschnuppe war.
Sie flog nicht schnell,
Sondern schwebte in seinem Tempo direkt neben seinem Bett her.
Sie verströmte ein ganz sanftes,
Kühles Licht,
Das Bodo ein wenig in der Nase kitzelte.
»O Bodo«,
Schien sie zu flüstern,
Ohne auch nur ein Wort zu sagen.
Bodo lächelte.
Er spürte,
Wie die Ruhe der Nacht in ihn hineinfloss.
Jeder Stern am Himmel schien nur für ihn zu leuchten.
Da tauchte plötzlich eine große,
Dunkle Wolke über ihm auf.
Bodo erschrak ein wenig,
Aber die Wolke schickte ihm einen warmen,
Sanften Wind,
Der ihn weiter nach oben trug,
Hinauf über die dunkle Wolke,
Aus der es genau jetzt zu regnen begann.
Bodo flog höher und den Sternen entgegen.
Die Sterne leuchteten so hell,
Und jetzt begannen sie alle gleichzeitig zu blinken,
Zuerst nur weiß.
Dann wechselten einige die Farbe und leuchteten mal weiß und mal gelb auf.
Ein zartes Grün kam hinzu,
Jetzt rot,
Und da lila,
Und bald blinkten die Sterne in einem einzigen bunten Lichtermeer.
Sie tanzten um Bodo herum.
Erst bewegten sie sich nur in kleineren und dann in immer größeren Kreisen.
Dann lösten sich die roten Lichter und flogen aufeinander zu.
Sie bildeten ein langes,
Rotes Band,
Das sich um den Himmel spannte.
Die orangenen Lichter taten das gleiche.
Dann die gelben,
Und als die grünen sich ebenfalls in einem langen Band dazugesellten,
Erkannte Bodo,
Was da gerade passierte.
Die Lichter formten einen Regenbogen.
Er spannte sich von einer Seite des Himmels zur anderen.
Und sein Luftschiff flog geradewegs darauf zu.
Erst erreichte er das Blau.
Es fühlte sich frisch an,
Ja,
Ein wenig kühl sogar,
Fast so,
Als hätte ihm jemand die Decke weggezogen.
Aber es war nicht unangenehm,
Ganz im Gegenteil.
Bodo bekam Lust,
Sich zu bewegen.
Er streckte die Beine aus und die Arme,
Zog die Schulter nach oben und gähnte laut.
Dann wurde aus dem Blau ein Gelb.
Es kitzelte Bodo in den Augen.
Er blinzelte leicht,
Und dann hörte er eine Stimme.
Bodo rief sie wie von oben.
Es ist Zeit,
Aufzustehen.
Draußen scheint schon die Sonne.
Der Regenbogen über ihm verplaste,
Und der Nachthimmel löste sich langsam auf.
Bodo öffnete die Augen.
Seine Mutter stand am Rand des Bettes.
Sie hatte den Vorhang beiseite geschoben und das Fenster geöffnet.
Komm,
Sagte sie und streckte Bodo ihre Arme entgegen.
Unten wartet schon das Frühstück auf dich.
Bodo kletterte aus dem Bett und ließ sich in die Arme seiner Mutter fallen.
Er lächelte.
Bodo liebte den Abend,
Aber genauso sehr liebte Bodo auch den Morgen.
Und frische Brötchen.
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