
Wut kultivieren
Wut wird gerne heruntergeschluckt und verdrängt. Nur leider ist sie dann nicht weg, sondern kommt zu den unpassendsten Zeitpunkten in Form einer oft nicht zuordenbaren Emotion wieder heraus. Lerne daher die Wut gleich zu Beginn in Energie zu verwandeln, die dir hilft Grenzen zu setzen und für dich und andere einzustehen.
Transkription
Willkommen zu deinem Moment der Ruhe.
Ich bin Nadine von ECOMIND und ich freue mich,
Dich bei dieser Meditation zu begleiten.
Setz dich bequem hin,
Finde eine Haltung,
In der du wach bist und gleichzeitig entspannen kannst.
Atme bewusst tief ein und aus und mit Atemzug öffnest du dich für diese Reise nach innen.
Du merkst,
Wie du immer ruhiger atmest und so langsam alles loslassen kannst,
Was dich beschäftigt.
Du bemerkst etwas Ungewöhnliches.
Neben dir,
Ganz dicht,
Wird es warm.
Eine Präsenz,
Die vorher schon da war,
Doch bisher hast du sie nicht gespürt.
Du drehst innerlich den Kopf zur Seite und dort sitzt es,
Ein Geschöpf.
Es sitzt still,
Beinahe regungslos und doch scheint der Raum sich zu verdichten.
Seine Haut ist rau,
Als wäre sie von Jahren gezeichnet.
Seine Glieder wirken schief,
Die Augen liegen tief und in seinem Gesicht liegt etwas Groteskes.
Du spürst ein Zögern,
Ein leichtes Unbehagen.
Ein Teil von dir möchte wegsehen,
Doch etwas in dir weiß,
Genau hier musst du hinschauen.
Das Geschöpf sitzt einfach da und schaut dir direkt in die Augen.
Und du beginnst zu begreifen,
Dieses Wesen ist ein Teil von dir.
Es ist deine Wut,
Die hier sitzt und wartet.
Ihr sitzt nebeneinander in der Stille und nur der Atem bewegt euch beide.
Du wendest dich ihm zu und beginnst,
Es zu betrachten.
Je länger du hinsiehst,
Desto mehr Details treten hervor.
Du bemerkst Narben auf seiner Haut als Zeichen alter Kämpfe.
Du erkennst die Kraft in seinen Schultern und die Schärfe in seinen Augen.
Dinge,
Die dich zuerst abgestoßen haben,
Beginnen,
Eine neue Sprache zu sprechen.
Langsam stellt sich die Frage ein,
Warum bist du hier?
Und als hättest du sie laut gestellt,
Erhältst du eine Antwort in Form eines tiefen Wissens,
Das dich erfüllt.
Spür genau hin und achte darauf,
Was sich jetzt in dir zeigt.
Warum bist du hier?
Warum bist du hier?
Das Geschöpft zeigt dir,
Warum es an deiner Seite sitzt.
Es erinnert dich an Grenzen.
Es erscheint,
Wenn du dich selbst verleugnest.
Wenn andere dich klein machen.
Wenn du über deine eigenen Bedürfnisse hinweggehst.
Es weckt dich auf,
Damit du dich spürst,
Damit du aufstehst und damit du deine Stimme erhebst.
Plötzlich wirkt das Geschöpft nicht mehr wie ein Feind.
Du erkennst,
Dass es das nie gewesen ist.
Es war immer für dich da.
Es war die Stimme,
Die du überhört hast,
Das Feuer,
Das du unterdrückt hast und die Kraft,
Die dir helfen wollte.
Du atmest tief ein,
Schaust ihm noch einmal fest in die Augen und in dir formt sich ein Satz.
Ich sehe dich.
Ich nehme dich an.
Du gehörst zu mir.
Ich sehe dich.
Ich nehme dich an.
Du gehörst zu mir.
Ich sehe dich.
Ich nehme dich an.
Du gehörst zu mir.
Etwas verändert sich.
Das Geschöpft atmet tiefer.
Seine Haltung wird weicher,
Sein Blick weniger stechend.
Noch immer ist es hässlich und ungeschönt,
Aber in dieser Hässlichkeit liegt jetzt eine Würde,
Die du vorher nicht wahrgenommen hast.
Es rückt näher,
Beinahe so,
Als wolle es dir etwas übergeben.
Du spürst,
Wie ein Strom von Kraft zu dir hinüberfließt.
Wärme erfüllt deine Brust,
Deine Arme und deine Beine.
Das Geschöpft heilt seine Gabe mit dir.
Du spürst Stärke und Lebendigkeit.
Es zeigt dir,
Dass Wut nicht nur zerstörerisch ist,
Sondern auch ein Motor und eine Quelle sein kann.
Je mehr du das annimmst,
Desto freundlicher wird es.
Seine Gesichtszüge werden milder,
Der Ausdruck in seinen Augen wird sanfter.
Vielleicht erkennst du jetzt sogar eine Art Vertrautheit,
Fast wie ein alter Freund,
Der lange verkannt wurde.
Ihr sitzt nebeneinander,
Schweigend und verbunden.
Und du spürst,
Wut ist nicht etwas,
Das dich beherrschen muss.
Sie ist etwas,
Das du verstehen kannst.
Sie ist ein Rohstoff,
Der in dir lebt und dir Energie schenkt,
Wenn du ihn bewusst nutzt.
Und du beginnst,
Dich zu fragen.
Wie kann ich diese Kraft einsetzen?
Fühle wieder in dich hinein und nimm an,
Was sich jetzt zeigt.
Wie kann ich diese Kraft einsetzen?
Das Geschöpft neben dir wirkt jetzt beinahe stolz.
Es weiß,
Dass du verstanden hast.
Eine Weile bleibt ihr so in stillem Einvernehmen.
Du atmest tief und dein Herz ist ruhig.
Und dann erkennst du,
Dieses Geschöpft geht nicht fort.
Es bleibt.
Und zwar immer.
Es ist ein Teil von dir,
Den du von nun an nicht mehr bekämpfen musst.
Wenn du deine Augen öffnest,
Wird es unsichtbar werden.
Doch du weißt,
Es sitzt noch immer an deiner Seite.
Es ist die Erinnerung,
Dass auch Wut zu dir gehört und dass du sie nicht fürchten musst,
Sondern nutzen kannst,
Um für dich und für andere einzustehen.
Bedanke dich bei dem Wesen für die Erkenntnisse,
Die es dir gebracht hat,
Und verabschiede dich langsam.
Atme da noch einmal tief ein und wieder aus.
Und wenn du bereit bist,
Öffne deine Augen.
Schön,
Dass du bei dieser Meditation dabei warst.
Bis bald.
Untertitel im Auftrag des ZDF für funk,
2017
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