
Denken passiert...
by Sitzen
Denken passiert, scheinbar... Was ist jedoch dieses seltsame "Etwas", das wir Gedanke nennen? Wer denkt einen Gedanken, wer ruft ihn herbei, steuert ihn, sucht ihn aus? Und wer ist dieses "Ich", das manchmal offenbar glaubt, zu denken bzw. der Urheber dieser Gedanken zu sein? In dieser Form der Einsichtsmeditation geht es darum, Dich mit diesen Fragen zu konfrontieren und zu spüren, was passiert, wenn anstatt wie gewohnt mit einer weiteren Verstandes-Geschichte auf eine Frage zu reagieren, diese Reaktion bewusst zurückgehalten wird. Ich lade Dich ein, stattdessen in Verbindung zu treten mit dem, was in der Stille aufzutauchen vermag, wenn die Verstandesantwort auf Fragen über Gedanken und das "Ich" unterbleibt. Viel Freude bei dieser kleinen Erkundungsreise zur Frage "Was sind Gedanken" und "Wer bin ich" - jenseits neuer Worte und fernab weiterer Gedanken. Und teile Deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren.
Transkription
Willkommen zu Deiner heutigen Meditationspraxis.
Setze Dich auf Deine Sitzunterlage und bemühe Dich um äußere und innere Aufrichtung.
Die Sitzposition sollte Präsenz und Aufmerksamkeit ausdrücken.
Lasse den Körper von einem vorgestellten Faden am Scheitel hochziehen und komme so in eine aufrechte,
Aber nicht steife Sitzposition.
Beobachte,
Wie Atmung ganz von selbst passiert,
Ohne dass eine Anstrengung oder eine Bemühung notwendig wäre.
Beobachte,
Ob sich durch den Aufmerksamkeitsfokus auf das Ein- und Ausatmen die Atmung verändert.
Wenn da Veränderung ist,
Lass diese geschehen.
Mit jeder Einatmung festige die Aufrichtung des Oberkörpers.
Mit jeder Ausatmung gib mehr und mehr Gewicht an Deiner Sitzunterlage ab.
Spüre die Auflage des Körpers und das Getragensein.
Erfahre die Präsenz des Körpers und lege den Fokus nach und nach auf einzelne Körperstellen.
Spüre in die Zehen und Füße,
Über die Knöchel in die Unterschenkel,
Über die Knie in die Oberschenkel.
Was taucht an Empfindung im Bereich der Hüfte und des Beckens auf?
Spüre in den Bauchraum,
Spüre in den Brustkorb.
Wie fühlen sich Schultern und Nacken an?
Hierfür brauchen keine Worte gefunden werden.
Es geht um das Hinspüren.
Gehe mit der Aufmerksamkeit zu den Oberarmen,
Über die Ellenbogen zu den Unterarmen,
Bis in die Hände und Finger.
Wie verändert sich die Wahrnehmung,
Wenn der Fokus hier etwas länger gehalten wird?
Spüre den Hinterkopf,
Über den Scheitel,
Bis hin zur Stirn.
Taucht hier Anspannung auf?
Wie fühlen sich die Augenlider und die Augen in den Augenhöhlen an?
Keine Worte finden,
Sondern nur einlassen auf die Empfindung.
Spüre in die Wangen,
Den Kiefer und wie die Zunge im Mundraum liegt.
Nimm wahr,
Wie während des Körperspürens immer wieder Gedanken scheinbar den Aufmerksamkeitsfokus einfordern wollen.
Nimm wahr,
Wie Gedanken auftauchen und wieder vergehen.
Und lasse die folgenden Fragen auf dich wirken,
Ohne unmittelbar nach einer gedanklichen Antwort zu suchen.
Gibt es da eine Entscheidung,
Dass gerade dieser eine Gedanke in diesem Moment auftaucht?
Taucht die Möglichkeit auf,
Den Gedanken ernst zu nehmen oder zu ignorieren?
Wer entscheidet,
Wie lange der Gedanke präsent bleibt?
Spüre nach.
Nicht erklären,
Keine weitere Story produzieren,
Sondern einfach nachspüren,
Was bei den Fragen auftaucht.
Richte die Aufmerksamkeit nun erneut auf den Körper.
Spüre den Körper als Ganzes und spüre den Raum im Körper.
Nicht einzelne Knochen,
Gewebe oder Organe,
Sondern Raum.
Spüre den Raum des Körpers.
Bekomme ein Gefühl für diesen Raum und werde vertraut mit dem Körperraum und dessen Grenzen.
Nimm die Grenzen des Körpers wahr und lasse nun die Grenzen durchlässig werden.
Spüre,
Wie der Raum innerhalb des Körpers mit dem Raum der Umgebung verschmilzt und eins wird.
Beobachte,
Wie sich das Raumerleben scheinbar ausdehnt und immer weiter wird.
Spüre nach.
Nimm auch in diesem erweiterten Raumerleben hier und jetzt wahr,
Wie immer wieder Gedanken sich scheinbar nach Beachtung sehnen.
Nimm wahr,
Wie Gedanken auftauchen und wieder gehen und lasse angesichts dieses ausgedehnten Raumerlebens die folgenden Fragen auf dich wirken.
Wer entscheidet,
Welcher Gedanke als nächstes auftaucht?
Falls du diesen Gedanken nicht gerufen hast,
Nicht gemacht hast,
Ist es dann dein Gedanke?
Bist du dieser Gedanke?
Spüre nach.
Was ist dieses Ich jetzt hier im direkten Erleben?
Was taucht da auf?
Keine gedankliche Erklärung ist gefragt.
Hinspüren,
Wahrnehmen,
Erleben,
Vielleicht erkennen.
Wo fängt dieses Ich an?
Wo hört es auf?
Wer oder was findet und erkennt dieses Ich als Ich?
Lass diese Fragen im erweiterten Raum nachklingen,
Ohne dem Impuls nachzugehen,
Sie unmittelbar mit weiteren Gedanken zu beantworten.
Wer entscheidet,
Welcher Gedanke als nächstes auftaucht?
Ist es dein eigener Gedanke?
Bist du dieser Gedanke?
Was ist dieses Ich jetzt im direkten Erleben?
Nimm wahr,
Spüre,
Erlebe,
Erkenne.
Wo fängt dieses Ich an?
Wo hört es auf?
Wer oder was findet und erkennt dieses Ich als Ich?
Werde dir nun wieder der Grenzen des Körpers bewusst.
Spüre seine Festigkeit und seine klaren Grenzen innerhalb des Raumes.
Komme in diesem Körper wieder an,
Den du als deinen Körper bezeichnest.
Bringe die Aufmerksamkeit auf den Atem und verweile noch etwas beim Geschehen des Ein- und Ausatmens.
Unterlasse alle Bemühungen und bewussten Ausrichtungen und beende die Praxis in fließendem Übergang.
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