
Die Kraft der Rituale
Rituale machen Lebensübergänge sichtbar und bringen nach außen, was wir bislang nur in uns bewegt haben. Mit ihnen können wir eine Trennung, einen Abschied vollziehen, aber auch Neues willkommenheißen. Sie erleichtern uns den Übergang ins Neue, die Zeit des Dazwischenstehens wie auch den Abschied von Altem. Damit begleiten Rituale unser aller Leben und können uns helfen, in Lebenssituationen, die ohnehin schon herausfordernd sind, neuen Mut und Zuversicht für unseren Weg zu entwickeln.
Transkription
Herzenswege und Schwellenzeiten.
Der Podcast mit Sabrina Gundert.
Die Kraft der Rituale.
Ein Ritual macht das sichtbar,
Was im Inneren schon länger im Gange ist,
Was vielleicht schon fertig vollzogen ist im Inneren,
Was wir uns noch nicht trauen oder was wir vorhaben zu machen.
Ein Ritual ist eine symbolische Handlung,
Die das nach außen bringt,
Was wir vorher im Inneren mit uns selber ausmachen.
So kann ein Ritual entweder den Schritt vorweg nehmen,
Den wir im Außen noch nicht gegangen sind.
Zum Beispiel wenn wir rituell einen Schnitt setzen und sagen,
Ich beende die Beziehung hiermit,
Den wir aber noch nicht wirklich im Alltag ausgesprochen haben mit unserem Partner.
In dem Moment nimmt das Ritual etwas vorweg,
Was im Alltag noch nicht geschehen ist.
Ich setze sozusagen rituell schon mal einen Schnitt für etwas,
Das kann auch sein,
Ich beende oder ich möchte einen bestimmten Glaubenssatz beenden,
Ich möchte ein Arbeitsverhältnis durchschneiden,
Wo ich mir die Kündigung aber noch nicht zutraue,
Sie wirklich auszusprechen.
Dann setze ich rituell mit dem Schnitt,
Gehe ich schon mal einen ersten Schritt.
Das,
Was ich bislang in mir bewegt habe,
Bringe ich symbolisch über das Durchschneiden eines Fadens zum Beispiel nach außen.
Es wird vielleicht sogar für andere Menschen sichtbar,
Wenn weitere Menschen bei diesem Ritual mit dabei sind,
In einer Gruppe,
Unter Freunden,
Vielleicht sogar unter Kollegen,
Je nachdem.
In dem Fall würde das Ritual etwas vorweg nehmen,
Was im Außen noch nicht geschehen ist,
Sodass ich Mut und Zutrauen bekomme,
Diesen Schritt auch im Außen zu gehen.
Eine zweite Variante ist,
Dass das Ritual den Schnitt,
Den ich setze,
Wirklich auch durchführt,
Dass in dem Moment zum Beispiel,
Wo ich sage,
Ich setze diesen Schnitt für eine Trennung,
Der Partner ebenso anwesend ist zum Beispiel und wir gemeinsam rituell jeweils einen Faden durchschneiden und sagen,
Wir beenden die Beziehung.
Oder wir rituell über eine Schwelle gehen und sagen,
Wir gehen bewusst aus dem gemeinsamen Paarraum in den Single-Raum hinein.
Ich habe das mal gemacht am Ende einer Beziehung und es war wirklich das kraftvollste Ritual,
Was ich jemals erlebt habe,
Weil es mir gezeigt hat,
Wie sehr solch ein vermeintlich einfacher Schritt über eine Schwelle,
Haustier-Schwelle,
Gelegtes Handtuch oder Tuch,
Was man zusammenrollt,
Wenn es bewusst ausgeführt ist,
Wirklich in einen anderen Raum führt,
Wirklich eine große Veränderung bringt.
Also das Ritual muss nicht groß sein,
Es kann alltagstauglich sein und es kann aber wirklich einen Schnitt setzen,
Ein Ende bedeuten zum Beispiel.
Genauso andersrum,
Wenn wir uns vermählen,
Wenn wir heiraten,
Ist das Tauschen der Ringe der symbolische Akt,
Das Ritual zu sagen,
Jetzt sind wir zusammen,
Jetzt gehen wir gemeinsam durchs Leben.
Und wir diskutieren das öfters im Ritualverband in der Schweiz,
Dass es sehr viele Rituale für Hochzeiten gibt,
Dass Hochzeiten in der Regel groß gefeiert werden,
Wir aber selten mit einem Trennungsritual die Beziehung,
Die Partnerschaft,
Die wir hatten oder auch unter Freunden,
Eine Freundschaft,
Wenn sie endet,
Wirklich bewusst beenden.
Da stecken zwei Sachen drin,
Wenn wir bewusst etwas beenden,
Ein Arbeitsverhältnis,
Einen Wohnraumvertrag,
Eine Partnerschaft,
Eine Freundschaft,
Eine Lebenssituation,
Dann wertschätzen wir einerseits das,
Was gewesen ist nochmal.
Wir schätzen diesen Menschen,
Wir schätzen diesen Ort,
Diesen Arbeitgeber,
Diese Wohnung und wir setzen und machen bewusst diesen Schnitt und Schritt,
Den wir gesetzt haben.
Das Ritual vollzieht in diesem Moment nochmal äußerlich sichtbar,
Für mich und für andere Menschen,
Für Menschen,
Für Zeugen,
Die vielleicht mit dabei sind,
Das,
Was im Inneren sozusagen der Prozess,
Der schon gelaufen ist.
Das heißt,
Wenn ich ein Scheidungsritual mache und habe eine Ritualbegleiterin bei oder meine Kinder oder eine Freundin,
Einen Freund,
Bezeugen diese Menschen nochmal dieses,
Okay,
Wir gehen ab jetzt jeder unsere Wege.
Genauso wie wir bei der Hochzeit ja auch gerne Menschen dabei haben,
Die dieses Zusammenkommen bezeugen.
Und wir dürfen aber auch mal überlegen,
Ob es die Trennungen,
Enden und Abschiede,
Die Tode,
Sozusagen nicht nur,
Wenn jemand stirbt,
Es nicht eigentlich auch wert sind,
Zelebriert und gefeiert und gewertschätzt zu werden.
Das heißt,
Wir haben schon zwei Varianten von Ritualen kennengelernt.
Das Ritual,
Das einen Schritt vorweg nimmt,
Den ich mich im Außen noch nicht traue,
Also zum Beispiel einen Schnitt zu setzen,
Der mir Mut gibt,
Die Kündigung auch beim Arbeitgeber auszusprechen.
Variante 2,
Das Ritual selber vollzieht den Schritt,
Das heißt,
Ich schneide zum Beispiel einen Faden durch mit einem Menschen,
Mit dem ich zusammen war oder die Vermählung,
Wir tauschen die Ringe.
Und das dritte wäre,
Dass das Ritual etwas bestätigt,
Was schon längst vollzogen wurde,
Was innerlich oder äußerlich schon vollzogen wurde.
Das ist zum Beispiel auch bei der Hochzeit so,
Wenn wir vielleicht auf dem Standesamt schon waren,
Uns aber wie nochmal eine rituelle Feier im Anschluss wünschen,
Dann macht die rituelle Feier das nochmal sichtbar,
Was schon auf dem Standesamt vollzogen wurde.
Oder wir haben uns vielleicht schon getrennt und sagen,
Wir wollen es jetzt aber nochmal unter Zeugen machen mit Menschen,
Die uns kennen.
Oder wir wollen das nochmal rituell sichtbar machen und damit wertschätzen.
Oder wir haben das Gefühl,
Wir hängen noch so dazwischen,
Beim alten Arbeitgeber halb oder gedanklich noch halb schon beim Neuen.
Ein bisschen hängen wir noch an der alten Wohnung,
Aber wir sind schon am Einrichten der Neuen.
Dann können wir mit dem Ritual,
Was wir machen,
Nochmal äußerlich sichtbar bestätigen,
Das,
Was schon längst vollzogen wurde.
Die Trennung,
Die Kündigung,
Die schon ausgesprochen oder schriftlich festgehalten wurde.
Das heißt,
Ein Ritual macht letztendlich unsere innere Bewegung im Außen sichtbar.
Diese Bewegung wird durch das Ritual für alle Menschen,
Die mit dabei sind,
Bei dem Ritual sichtbar und es wird vor allem für uns selber begreifbar.
Das Ritual macht die innere Bewegung im Außen sichtbar und diese Veränderung,
Die vielleicht lange nur in uns im Gange war,
Wird äußerlich für alle und für uns begreifbar und sichtbar.
Und das ist besonders interessant,
Wenn wir an Übergängen stehen im Leben,
Wenn Dinge sich verändern,
Was wir ja immer wieder haben,
Vom Wohnort über die Partnerschaft,
Über Familie,
Auszug der Kinder,
Freunde,
Freundschaften,
Die beginnen,
Die enden,
Wohnortveränderungen,
Arbeitsortveränderungen.
Dann helfen uns Rituale,
Diese Lebensübergänge bewusst zu begehen.
Diese Übergänge,
Die sowieso geschehen,
Sind dann nicht mehr etwas,
Das uns irgendwie passiert und wir müssen irgendwie damit klarkommen und gucken,
Wie wir vom Alten ins Neue kommen,
Sondern das Ritual schlägt eine Brücke und hilft uns,
Vom einen Lebensmoment,
Vom einen Lebensumstand in den Nächsten zu kommen.
Das Ritual gestaltet die Brücke von einem Lebensübergang zum nächsten,
Beziehungsweise gestaltet diesen Lebensübergang letztendlich und hilft uns,
Eine Brücke zu schlagen vom einen Ort zum nächsten.
Und damit sind Rituale letztendlich ganz alltagstauglich,
Weil sie in einer rituellen,
Symbolischen Handlung das Greifbar machen,
Was in unserem Inneren zugange ist.
Ja,
Dann hoffe ich,
Dass du diesen Impuls gut für dich nutzen kannst oder überhaupt vielleicht erstmals eine neue Idee davon bekommen hast,
Wie kannst du Rituale für dich nutzen,
Wie kannst du die Kraft der Rituale im Alltag für dich anwenden und wie kannst du Lebensübergänge heilsamer und hilfreicher gestalten,
Sodass sie für dich und alle Beteiligten,
Die vielleicht noch mit im Prozess sind,
Leichter vonstatten gehen und du gut im neuen Lebensabschnitt ankommen kannst.
Das wünsche ich dir von Herzen.
Alles Liebe,
Sabrina.
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