
Grenzen setzen ohne Schuldgefühle
Nein sagen lernen, sich besser abgrenzen können, nicht zulassen, dass jemand Deine Grenzen überschreitet und das auch selbst nicht tun - überall ist das ein Thema und für viele von uns ist das ein Dauerbrenner. Wie oft hast Du Dir das schon vorgenommen, Dich besser abzugrenzen? Wie lange übst Du schon, Deine Grenzen zu halten? Schwieriger als man denkt, oder? Und das ist ganz normal. Ich kann Dir sagen, dass ich immer noch übe. Immer und immer wieder, obwohl ich glaube, dass ich schon recht gut darin bin. Warum ist es so schwer, an sich selbst festzuhalten? Was kann da schief gehen? Was bedeutet das überhaupt, gesunde Grenzen zu setzen und was brauchen wir als innere Voraussetzung dafür und wie kann es Schritt für Schritt besser und besser gelingen? Darum geht’s in dieser Folge.
Transkription
Nein sagen lernen,
Sich wirklich besser abgrenzen zu können,
Nicht zulassen,
Dass jemand deine Grenzen überschreitet und das auch selbst nicht zu tun.
Überall ist das ein Thema und für viele von uns ist es schon sowas wie ein Dauerbrenner.
Mal Hand aufs Herz,
Wie oft hast du dir schon vorgenommen,
Dich besser abzugrenzen?
Wie lange übst du schon,
Deine Grenzen zu halten?
Es ist schwieriger als man denkt,
Oder?
Und das ist ganz normal.
Ich kann dir verraten,
Dass ich auch immer noch übe,
Immer und immer wieder,
Obwohl ich glaube,
Dass ich schon ziemlich gut darin bin.
Warum eigentlich ist das so verdammt schwer,
An sich selbst festzuhalten?
Was kann da schiefgehen?
Was bedeutet das überhaupt,
Gesunde Grenzen zu setzen und wo ist es eine Übertreibung?
Und was brauchen wir als innere Voraussetzung dafür?
Wie kann es Schritt für Schritt besser und besser gelingen?
Darum geht's in dieser Folge.
Leben lieben lassen.
Der Podcast zum Thema Persönlichkeit,
Beziehung und Selbstliebe.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Hallo und herzlich willkommen bei Leben lieben lassen,
Deinem Podcast für emotionales Wachstum,
Innere Klarheit und echte Verbundenheit in Beziehungen.
Ich bin Claudia Bechert-Möckel,
Persönlichkeits- und Beziehungscoach und jede Woche gibt es hier in diesem Podcast Inspirationen und Impulse für dich,
Dein Leben und deine Beziehungen.
Letztens hat eine sehr liebe Kollegin diesen Satz zu mir gesagt.
Ehre deine Grenzen.
Und dieser Satz hat etwas in mir ausgelöst.
Ehre deine Grenzen.
Das geht noch tiefer rein als achte deine Grenzen,
Oder?
Für mich hat dieser Satz ganz besonders mit Respekt und Würde zu tun.
Und als ich dann nochmal tiefer reingespürt habe,
Hat mich dieser Satz inspiriert zu dieser Folge hier rund um das Thema Grenzen.
Denn ich weiß aus der Arbeit mit so vielen Klientinnen und Klienten,
Dass es da eine Menge Stolperfallen,
Schwierigkeiten und Missverständnisse gibt,
Die es uns manchmal gar nicht so leicht machen,
Für uns selbst wirklich gut einzustehen.
Darum dürfen wir uns kümmern und dazu gibt es wie immer Storys aus dem echten Leben.
Gleich.
Fangen wir doch mal damit an.
Es gibt jede Menge Missverständnisse beim Thema Grenzen setzen.
Und oft auch Missgeschicke.
Oft wird da etwas falsch verstanden.
Und wenn wir noch nicht so gut darin geübt sind,
Kann es sogar sein,
Dass wir so ein bisschen stellzig damit sind,
Also ungelenk.
Was meine ich damit?
Wenn wir gerade erst anfangen,
Für uns selbst einzustehen,
Übertreiben wir anfangs gerne aus Versehen genau in die andere Richtung,
So als ob ein Pendel in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen würde.
Das heißt,
Wir sind dann vielleicht auch manchmal derber,
Als wir es selbst wollen.
Direkter,
Frecher.
Und aus Versehen kann man da auch schon mal jemand anderen an die Wand drücken.
Wenn du dich immer so schön angepasst hast und dann kommt plötzlich ein,
Jetzt mach ich hier mal ne Ansage,
Anstatt okay,
Ich hab da jetzt ne ganz andere Idee,
Dann kann das schon mal härter rauskommen,
Als du beabsichtigt hast.
Und dann wunderst du dich vielleicht,
Dass andere so verknatzt reagieren.
Du wolltest doch nur endlich mal für dich aufstehen.
Genau.
Aber das ist eben nicht das Gegenteil von ich bin ganz brav und pass mich an,
Sondern es ist etwas dazwischen.
Aber ich kann dich beruhigen,
Es ist völlig normal,
Dass man vielleicht anfangs auch mal etwas plauziger sein kann oder von einem Extrem ins andere fällt.
Ein anderes Missverständnis.
Wie oft habe ich schon erlebt,
Dass Klienten entsetzt waren und wahnsinnig enttäuscht,
Weil jetzt,
Wo sie doch endlich gesagt hatten,
Was sie wollten und was nicht,
Wo sie aufgehört haben,
Sich klein zu machen und die Pippelbläserin zu sein,
Jetzt wollte niemand so richtig darauf eingehen.
Im Gegenteil,
Es kam oft sogar noch richtig Gegenwind.
Was habe ich falsch gemacht,
Ist ja die Frage.
Gar nichts.
Es ist völlig normal,
Dass es diesen Gegenwind gibt.
Es ist ein systemisches Problem oder besser eine Hürde.
Die Menschen in deiner Umgebung,
In den Beziehungsstrukturen,
In denen wir ja alle leben,
Die haben ein Bild von einem erwarteten Verhalten von dir in ihrem Kopf.
In vielen kleinen Interaktionen habt ihr sowas wie eine stille Vereinbarung getroffen,
Nämlich darüber,
Wie du dich verhältst,
Wie ihr euch miteinander verhaltet.
Was man von dir erwarten kann,
Wie weit man gehen kann und wie weit nicht.
Da wird im Miteinander mit der Zeit sowas wie ein unsichtbares Terrain abgesteckt oder wie ich gern sage,
Der Raum zwischen euch wird ausgetanzt.
Und von da an erwarten Menschen ganz natürlicherweise von dir,
Dass du dich genauso verhältst wie immer.
Also erwartbar.
Sie haben ganz einfach ein Gespür entwickelt,
Wie man mit dir umgehen kann und wie eben nicht.
Besser gesagt ist es so,
Du hast es ihnen durch dein Verhalten beigebracht.
Zwischenmenschliche Beziehungen sind Systeme.
In Systemen hat jeder seinen Platz,
Alles bedingt sich.
Das stabilisiert das System.
Veränderst du deine Position,
Also dein Verhalten,
Innerhalb dieses Systems,
Beeinflusst das auch die anderen Menschen und bringt damit quasi die Stabilität des bisherigen Systems ins Wackeln.
Aber Systeme wollen sich nicht verändern.
Oder wie es die berühmte Familientherapeutin Virginia Sartir gesagt hat,
Systeme streben nach Stabilität,
Nicht nach Wachstum.
Und dementsprechend denkt sich dein Gegenüber,
Wenn du anfängst,
Mehr Raum einzunehmen und Grenzen zu setzen?
Ne,
Das ist ja nicht der Deal,
Wie du dich hier verhältst.
Sei wieder so wie immer.
Und so wirst du innerhalb des Systems wieder auf deinen Platz gedrückt.
Die Aufforderung ist,
Sei so,
Wie ich dich kenne.
Genau deshalb ist die Sache mit der Veränderung oft doppelt schwer für uns.
Du bekommst meist keinen Beifall,
Wenn du über dich und deine Begrenzung hinauswächst.
Auch wenn du dir diesen Zuspruch doch so sehr wünschst.
In den meisten Fällen bekommst du erstmal etwas anderes.
Gegendruck.
In Form von Schuldzuweisungen,
Die dir gemacht werden oder Vorwürfen.
Wie kannst du nur?
Und genau deshalb ist es so wichtig,
Dass du jetzt nicht einknickst,
Sondern den Gegenwind als etwas ansiehst,
Das eine logische Folge deiner Veränderung ist.
Du wächst über dich und deinen bisherigen Platz im Beziehungssystem hinaus.
Gut so.
Wenn du dabei bleibst,
Wachsen deine Chancen auf Akzeptanz.
Eine weitere Schwierigkeit mit unseren Grenzen ist die.
Manchmal fehlt uns dafür eine wirklich wichtige Voraussetzung.
Die Erlaubnis,
Für sich selbst einzutreten,
Kommt innerlich oft zu kurz.
Denn es ist ja so,
Bevor andere deine Grenzen respektieren,
Darfst du das erst einmal für dich selbst tun.
Und das ist ein großes Thema für viele,
Viele Menschen,
Dass diese innere Erlaubnis fehlt oder ganz schwach ausgeprägt ist.
Natürlich weiß jeder,
Dass es wichtig wäre,
Sich abzugrenzen und jeder kann das auch rational verstehen.
Innen gibt es aber bei vielen eine starke Gegenbewegung,
Die sagt,
Du kannst doch nicht.
Warum tun wir uns so schwer mit der inneren Erlaubnis beim Thema Grenzen setzen?
Ich kann dir versichern,
Es ist nicht so,
Dass wir etwas falsch verstanden hätten.
Es ist etwas ganz anderes.
Viele von uns haben gelernt,
Wenn ich für mich eintrete,
Wenn ich meinen Raum einnehme,
Wenn ich etwas mache,
Was anderen vielleicht auch mal nicht gefällt,
Wenn ich sage,
Was ich möchte und was nicht,
Dann tue ich anderen etwas an.
Dann bin ich darin schuld,
Dass jemand enttäuscht ist oder traurig oder leidet.
Oder noch schlimmer,
Ich verletze jemanden,
Wenn ich so bin,
Wie ich bin.
Der größte Gegner unserer Authentizität,
Unseres Wunsches,
Einfach nur unseren Raum einzunehmen und uns zu voller Größe aufzurichten,
Sind unsere Schuldgefühle.
Unsere Angst,
Anderen etwas zu leide zu tun,
Schlecht zu sein und deswegen die Verbindung zu verlieren,
Ausgeschlossen und ausgegrenzt zu werden.
Dass sich verbiegen und grenzenlos sein zu müssen,
Also der Verlust unserer Autonomie,
Das ist nämlich einfacher zu ertragen,
Als die Angst,
Den mit uns verbundenen Menschen ein Leid zuzufügen oder ausgeschlossen zu werden.
Schon als Kind opfern wir unser echtes So-Sein,
Also unsere Autonomie,
Zu der ja die Abgrenzung dazugehört,
Und wir opfern auch unsere gesunde Wut,
Um die Bindung zu unseren Bezugspersonen zu sichern.
Das gilt besonders extrem dann,
Wenn wir als Kind mit Schuldgefühlen erzogen wurden.
Das kann gesagt worden sein oder auch als subtile Botschaft zwischen den Worten stecken geblieben sein.
Du bist schuld,
Wenn es mir nicht gut geht.
Schau mal,
Wie traurig ich bin,
Wenn du nicht machst,
Was ich möchte.
Oder auch schweigendes Bestrafen und andere Strafen,
Die mit dem Entzug der Bindung drohen und Kinder gefügig machen.
Lange,
Lange,
Lange war das eine bewährte Erziehungsmethode,
Ich finde,
Es ist schwarze Pädagogik und bei manchen ist es sicher heute noch so.
Und es gibt so ein paar Signale,
An denen du merken kannst,
Ob auch dich dieses Thema belastet.
Man entschuldigt sich zum Beispiel sofort,
Auch wenn man gar nichts falsch gemacht hat.
Einfach,
Weil man Angst hat,
Jemand könnte böse auf einen sein.
Man vermeidet Konflikte oder sagt nicht,
Was man wirklich denkt.
Man übernimmt zu viel Verantwortung für die Gefühle anderer.
Oder man fühlt sich schuldig,
Wenn der andere enttäuscht ist,
Selbst dann,
Wenn das gar nichts mit einem zu tun hat.
Dein Schuldgefühl an sich ist noch kein Beweis für ein tatsächliches Fehlerverhalten,
Sondern es ist meist eine alte Überlebensstrategie,
Um die Bindung zu sichern.
Übrigens ist auch die Verschmelzung mit einem Elternteil,
Also zum Beispiel der hilflosen und bedürftigen Mutter eine emotionale Stütze gewesen zu sein,
Oft ein direkter Weg in die spätere Unfähigkeit oder Schwierigkeit,
Sein Selbst zu spüren und Grenzen zu erlauben und zu setzen.
Es sind drei Schritte.
Spüren,
Erlauben,
In ein Verhalten transportieren.
Manchmal habe ich Klienten,
Die spüren in Gegenwart anderem Menschen ihre eigenen Bedürfnisse,
Ihre Wünsche oder ihre Absichten überhaupt nicht mehr,
Es ist so,
Als würden sie sich auflösen.
Was sie mir sagen,
Klingt häufig so,
Ich weiß gar nicht wirklich,
Wer ich selbst bin.
Und wenn das der Fall ist,
Dann beginnt unsere Reise erst mal beim Wiedererlernen der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit für den Ich-Raum,
Also für das Selbst.
Es ist einfach nicht trainiert,
Aber die Fähigkeit dazu ist immer in uns gewesen und so lässt sich zu jedem Zeitpunkt im Leben beginnen,
Damit neu zu üben oder bei manchen ist es auch so,
Dass sie erstmals beginnen,
Eine Grenze zwischen Ich und Du zu spüren und die im nächsten Schritt dann auch erlauben zu können und in die Umsetzung zu bringen.
Laura ist eine meiner Klientinnen,
36.
Laura war in einer Beziehung mit einem sehr dominanten Partner.
Immer wenn sie sagte,
Dass sie mal Zeit für sich braucht,
Mal was für sich alleine machen wollte,
Da wurde er kühl und zog sich zurück.
Damit konnte man Laura hervorragend dirigieren.
Nach ungefähr zwei Jahren war sie innerlich vollkommen zerrieben und in einem Gespräch sagte sie den Satz,
Ich habe das Gefühl,
Dass ich falsch bin,
Wenn ich mich selbst spüre.
Laura hatte als Kind eine depressive Mutter,
Für die sie emotional sorgen musste.
Heute spürt sie den Reflex,
Sich aufzulösen,
Um niemandem zur Last zu fallen,
Und zwar immer dann,
Wenn sie sich mit jemandem verbindet.
Ist sie für sich allein,
Kann sie sich ziemlich gut spüren.
Andere Menschen wiederum spüren sehr wohl,
Was sie in sich denken,
Fühlen und wollen und ob sich das in Übereinstimmungen mit den Erwartungen von anderen befindet oder eben nicht.
Aber sie haben keine Erlaubnis,
Das auch in ein Verhalten zu übertragen.
Oder sie sind eben ungeübt,
Senden zu leise Signale und machen deshalb die Erfahrung,
Ich werde nicht gehört.
Und dann fehlt der Mut,
Mehr davon zu machen.
Ist das der Fall,
Dann gilt es genau an dieser Schwierigkeit anzusetzen.
Das innere Ja oder Nein in ein Verhalten zu übertragen,
Das wahrgenommen und ernst genommen wird,
Konkurrent zu werden.
Ich erinnere mich an Mike,
45,
Grundschullehrer.
Mike war der Typ Mann,
Den alle als sympathisch beschreiben würden.
Zuverlässig,
Verständnisvoll,
Hilfsbereit.
Sehr zugewandt.
In seiner Beziehung mit Sarah lief vieles unausgesprochen.
Konflikten wich er aus,
Bedürfnisse konnte er entweder nur vage formulieren oder gar nicht.
Mike fühlte sich ziemlich oft übergangen,
Aber er sagte nie klar,
Was er wollte.
Ich weiß ziemlich genau,
Was ich will und was nicht.
Ich bring's nur nicht über die Lippen.
Ich will niemandem zur Last fallen,
Sagte er mir.
In seiner Kindheit war er der artige Junge,
Der es der alleinerziehenden Mutter nicht noch schwerer machen wollte,
Denn die war seit der Trennung vom Vater sowieso schon so traurig und hat sich über Jahre davon nicht erholt.
Als Sarah entschieden hatte,
Dass sie nun zusammenziehen,
Ein Kind bekommen wollen und im Haus der Eltern wohnen,
Da machte er einfach mit,
Innerlich aber rebellierte alles in ihm.
Es war kein Mangel an innerer Klarheit,
Sondern er hatte einfach nie gelernt,
Dass es vollkommen okay ist,
Ein inneres Nein auch zu zeigen.
Stattdessen sendete er leise,
Passive Signale.
Rückzug,
Gereiztheit,
Müdigkeit.
Aber natürlich hat Sarah das überhaupt nicht verstehen können.
Erst als Mike begonnen hat,
Seine eigenen Impulse nicht nur zu spüren,
Sondern auch noch auszudrücken,
Veränderte sich etwas Konkretes.
Seine erste klare Aussage in unserem Gespräch lautete,
Ich will das nicht und ich muss es nicht erklären.
Das war sowas wie ein inneres Versprechen.
Und es war der Wendepunkt von lieb und leise hin zu konkurrent und klar.
Nicht gegen Sarah,
Sondern für sich.
Interessanterweise fand Sarah diese neue Klarheit sehr anziehend.
Du bist jetzt viel männlicher,
Hat sie zu ihm gesagt.
Und wieder andere Menschen sagen oft lange nichts und treten so lange nicht für sich ein,
Bis ihnen die Sicherungen durchgehen und sie platzen wie eine Bombe.
Nadine,
42,
Ist so ein Fall.
Nadine betreute ihre kranke Mutter,
Ihre beiden Kinder und Nadine arbeitete auch noch.
Als ihr Bruder beim dritten Familiengespräch wieder keine Verantwortung übernehmen wollte,
Schrie sie ihn plötzlich an.
Da ging in ihr,
Die sonst so nett war,
Irgendetwas mit ihr durch.
Nadine hat ihren Bruder angeschrien und sie hat ein Glas mit Wasser genau in seine Richtung geworfen und danach ging sie davon.
Sie war voller Scham und Schuldgefühle,
Als sie mir das erzählt hat.
Und dann kam heraus,
Sie hatte sich selbst über Monate nicht gespürt.
Sie war einfach über ihr inneres Nein hinweggetrampelt.
Das Funktionieren war ihr wichtiger,
Aber ihr Nervensystem war im Dauerstress und im Daueralarm.
Ihre Grenze war schon lange,
Lange,
Lange überschritten,
Aber in ihrem Starkseinmodus hatte sie das weder erkannt noch benannt.
Bei Menschen,
Die lange nicht hinspüren,
Und dann geht's plötzlich mit ihnen durch und sie explodieren,
Da geht's darum,
Die leisen Signale der Unstimmigkeit schon bei Zeiten zu bemerken.
So,
Dass sie gar nicht erst so lange die Luft anhalten müssen,
Um dann mit einer Eruption den Raum freizuspringen.
Zu wenig,
Zu viel an der falschen Stelle.
Das können ganz individuelle Schwierigkeiten mit dem Thema Grenzen sein.
Wir sind verschieden.
Auch hier.
Und ich merke auch ziemlich oft,
Dass gerade in Beziehungen das mit den Grenzen gerne mal falsch verstanden wird.
Da wird kritisiert,
Beschuldigt und gestritten,
Dass die Schwarte kracht.
Wenn sich das nicht ändert,
Dass du hier alles rumliegen lässt,
Wenn du weiter nicht auf meine Bedürfnisse eingehst,
Wenn du nicht endlich mehr Verantwortung übernimmst,
Wenn du dies nicht machst oder jenes lässt,
Dann bin ich weg.
Jetzt hast du aber richtig deine Grenzen gezeigt,
Oder?
Nicht.
Das ist nicht Grenzen setzen,
Das ist eine Drohung,
Meistens eine ziemlich leere.
An sich aufplustern und wieder in sich zusammensacken.
Und weil dein Partner oder deine Partnerin das ganz schnell merkt,
Dass dieser Drohung kein Verhalten folgt,
Wird genau nichts passieren,
Oder nur etwas halblaues.
Und dann ist alles wieder beim Alten und du bist ratlos.
Ehre deine Grenzen.
Das bedeutet nicht,
Im Außen wie irre zu kämpfen.
Es ist eher eine innere Haltung.
Nicht durch eine Drohung,
Sondern durch eine Handlung,
Die gut für dich und deine Bedürfnisse einsteht und die nicht gegen jemanden kämpft,
Sondern für dich ist.
Das ist ein Unterschied.
Ein Beispiel.
Ich merke,
Dass ich mich in unsere Beziehung viel zu oft zurücknehme,
Um Konflikte zu vermeiden.
Aber es tut mir überhaupt nicht gut.
Ich will das verändern.
Ich brauche mehr Verlässlichkeit und Rücksichtnahme und ich werde nicht mehr darum kämpfen oder dich dazu bringen wollen.
Ich möchte,
Dass du das weißt,
Weil ich merke,
Dass ich mich innerlich von dir entferne.
Und das macht etwas mit mir.
Das wirkt ganz anders als ein Tobsuchtsanfall.
Warum?
Weil es keine Anklage ist.
Keine emotionale Erpressung.
Du benennst einfach,
Was in dir vorgeht,
Du benennst deine eigenen Bedürfnisse und die Folgen.
Beispiel 2.
Ich habe wirklich lange versucht,
Dinge zu verändern und ich hatte auf eine Reaktion von dir gehofft.
Ich merke,
Dass mich das erschöpft.
Ich werde jetzt besser für mich sorgen,
Auch wenn das bedeutet,
Bestimmte Dinge nicht mehr mitzumachen.
Auch das ist ein klares Statement.
Es greift niemanden an.
Du übernimmst die Verantwortung für dich selbst.
Du bekämpfst deinen Partner oder deine Partnerin nicht.
Es folgt eine Handlung statt einer Erpressung und die Haltung ist,
Ich muss dich nicht verändern,
Ich verändere mein Verhalten.
Grenzen setzen ist nicht herumwüten und schreien und wie irre kämpfen um Respekt,
Um Anerkennung,
Um Würdigung.
Das ist eine innere Haltung,
Aus der dein Verhalten erwächst.
Natürlich.
Ein inneres Nein,
Das auch zu deinem Verhalten passt.
Und eins ist sicher,
Ich habe es vorhin schon angedeutet.
Wenn es dir besser und besser gelingt,
Grenzen zu setzen,
Wird sich das in weiten Teilen gut anfühlen.
Der neue Freiraum,
Den du dir erlaubst zum Beispiel.
Aber sehr wahrscheinlich wirst du auch Schuldgefühle haben.
Gewissensbesser,
Zweifel,
Ob das okay ist,
Was du hier machst,
Ob du das darfst.
Und ich sage jetzt mal etwas,
Was ziemlich komisch klingt.
Das ist gut so.
Warum?
Weil diese ganzen Ängste und Zweifel und dieses schwammige,
Mulmige Gefühl im Bauch,
Die Geburtsschmerzen deiner Entwicklung sind.
Sie zeigen an,
Dass du dich bewegst.
Aus deiner inneren Komfortzone des Angepasst- und Bravseins und des Rechtmachens gehst du nämlich in das bis dahin noch unbekannte neue Gelände des mehr und mehr für dich Eintretens.
Du warst doch noch nie wirklich weit draußen in diesem Gelände.
Du hast auch keine Wanderkarte,
Du weißt nicht,
Was passieren wird,
Wenn du das tust.
Du weißt nur,
Dass es da ein Ziel gibt,
Selbstbestimmt für dich einzutreten.
Das ist sowas wie ein Leuchtturm,
Irgendwo in der Ferne,
Dort willst du hin.
Aber der Weg ist doch unbekannt.
Du musst jeden einzelnen Schritt machen und es kann sein,
Dass du stolperst,
Dass du in eine Sackgasse gerätst oder mal auf die Nase fällst.
Gespenster lauern am Wegesrand.
Eben die Zweifel,
Die nagenden Schuldgefühle und dieses Du-kannst-doch-nicht,
Das wird schiefgehen.
Ach,
Wie gemütlich war es da doch in der Komfortzone des Überangepasstseins.
Da ist es zwar ziemlich eng und muffig und du warst oft traurig,
Hast dich klein gefühlt,
Aber du kanntest dich aus.
Du warst sicher.
Denn angepasst und artig sein,
Ja sagen und zu dir selbst Nein,
Das kannst du ja ziemlich gut.
Ich hoffe,
Du verzeihst mir die Ironie,
Aber sich zu entwickeln ist nichts für Weicheier.
Also sieh deine Ängste und Zweifel als Wegbegleiter deiner Veränderung.
Gut,
Dass du sie hast.
Geh einfach weiter.
Es wird etwas einfacher mit der Zeit,
Versprochen.
Die Arbeit mit den eigenen Grenzen ist genauso wie viele andere Veränderungsprozesse.
Es ist nicht wie auf einen roten Knopf drücken,
Verstanden,
Umgesetzt,
Hurra.
Es ist ein Prozess in vielen kleinen Schritten,
Auch manchmal mit Rückschritten und es geht hier um Verbesserung,
Nicht um Perfektion.
Ein paar wichtige Tools für den Anfang deines Weges gibt's gleich.
Du weißt es ja,
Ich liebe Zitate und ich habe noch eins,
Das ich besonders liebe.
Grenzen sind keine Mauern,
Sie sind Türen mit Klinken auf deiner Seite.
Dr.
Henry Cloud.
Grenzen setzen,
Wenn du es schwer damit hast,
Fang klitzeklein an und wachse dann über dich hinaus.
Mach Mini-Steps,
Dann kannst du kleine Erfolge feiern und das bringt dir die Schubkraft,
Mehr davon zu machen.
Grenzen setzen beginnt bei uns selbst,
Mit Mikro-Selbstbestimmtheit könnte man sagen.
Denn mal ehrlich,
Merkst du überhaupt,
Wie oft du über deine eigenen Grenzen drüber latschst?
Und kannst du dir jeden Tag ein paar kleine Erlaubnisse geben und selbst ein paar Mini-Grenzen setzen?
Wie wäre es zum Beispiel,
Wenn du dir erlaubst,
Deine Erreichbarkeit auf dem Handy zu begrenzen?
Sagen wir mal,
Keine Anrufe nach 20 Uhr?
Du gehst einfach nicht ran,
Du vereinbarst das mit dir und du rufst am nächsten Tag zurück?
Ich weiß,
Es klingt nach gar nichts,
Aber ich weiß auch,
Wie schwer vielen Menschen genau das fällt,
Nicht immer verfügbar sein.
Gilt auch für ellenlange Sprachnachrichten,
Die du heute nicht mehr anhören musst oder die WhatsApp,
Auf die du nicht sofort antwortest,
Sondern später.
Du bestimmst.
Oder etwas,
Mit dem ich sehr gerne übe,
Keine To-Do-Listen am Wochenende.
Kein,
Das muss ich mal schnell noch und das ist noch wichtig.
Stopfe dir nicht deine ganze Zeit mit To-Do-Listen voll,
Erlaube dir auch Raum,
Um etwas geschehen zu lassen.
Setz dir hier selbst Grenzen,
Mach es ganz bewusst.
Verschenke auch deine Aufmerksamkeit ganz bewusst,
Aber lass nicht zu,
Dass sich jeder bei dir und deiner Aufmerksamkeit bedient,
Der gerade gehört werden möchte,
Ohne dass du das wirklich auch willst.
Das heißt auch,
Kein überflüssiger Smalltalk,
Nur weil du nicht unfreundlich sein willst und innen drin rollst du mit den Augen.
Lächle nicht,
Wenn dir nicht danach ist,
Nur damit du alle zufriedenstellst.
Wenn du es schaffst,
Erlaube es dir hier,
Ein bisschen authentischer zu sein.
Umso bezaubernder wird dein echtes Lächeln.
Schluss mit dem Ignorieren deines Bauchgefühls,
Wenn es für dich nicht passt,
Wirst du es fühlen,
Du darfst hinspüren und dich genau danach verhalten.
Ganz ohne Rechtfertigung.
Mach keine Zusagen,
Wenn du keine Kapazitäten hast,
Nur weil du nett sein willst.
Du brauchst auch Raum für dich.
Fang mit diesen kleinen Beispielen an.
Jede kleine Grenze ist ein Schutzraum für dich und auch für dein Nervensystem.
Ein Zeichen,
Dass du dir wichtig bist.
Grenzen setzen startet mit kleinen Veränderungen,
Klitzeklein,
Wenn du willst.
Aber es ist wichtig,
Dass du die Verbesserung bemerkst und dass du sie feierst.
Manche Menschen sagen mir,
Claudia,
Wenn ich wirklich authentischer sein will,
Dann werde ich ja auch immer eigenwilliger.
Aber wenn das alle machen,
Wie wollen wir dann noch ein gutes Miteinander haben?
Ja,
Ich verstehe den Punkt.
Dahinter steckt die Vorstellung,
Dass gesunde Grenzen uns zu Ichlingen und Egozentrikern machen.
Dass jeder nur noch an sich denkt,
Dass die Gemeinschaft zerfällt.
Und ich sag's ganz ehrlich,
Ich sehe diesen Zusammenhang nicht.
Ich glaube,
Dass,
Wenn wir authentischer wir selbst sind,
Erst echte Beziehungen untereinander möglich werden.
Beziehungen,
Die nicht auf Angst,
Auf Druck,
Auf Schuld und Scham basieren.
Denn der Wunsch nach Beziehungen bzw.
Das Bedürfnis,
Das steckt ja in unserer DNA.
Und natürlich brauchen wir Werte,
Die uns verbinden.
Aber das alles muss kein Widerspruch zu deiner Authentizität sein.
Der Hirnforscher Gerald Hüther,
Den ich ja sehr schätze,
Der hat einen schönen Begriff geprägt,
Den ich für mich übernommen habe.
Er spricht von einer individualisierten Gemeinschaft.
Wenn du mehr Du bist,
Wie du wirklich wirklich bist,
Dann ist das nicht gegen die anderen.
Es ist für ein echtes Miteinander.
Für authentische Begegnungen.
Natürlich kannst du jetzt sagen,
Ich bin eine Träumerin.
Aber ich glaube,
Wenn du dein Licht zum Leuchten bringst und wenn wir das alle tun,
Dann kann die Welt ein hellerer Ort werden.
In diesem Sinne,
Alles Liebe,
Deine Claudia.
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