
Wie Emotionen unsere Wahrnehmung verändern
„Wir erleben die Realität nicht wie sie ist, wir erleben die Realität wie wir sind.“ Sicher hast Du diesen Satz auch schon einmal in der einen oder anderen Form gehört. Bevor die äußere Situation als inneres Erleben erfahren wird, werden die Informationen gefiltert. Unsere Stimmungen und Emotionen sind solche Filter. Eine verzerrte Wahrnehmung entsteht. Wie Du emotionale Filter der Wahrnehmung erkennen kannst und selbstbestimmte Entscheidungen triffst, das ist das Thema dieser Episode.
Transkription
Wir erleben die Realität nicht,
Wie sie ist,
Wir erleben die Realität,
Wie wir sind.
Wahrscheinlich hast du diesen Satz auch schon einmal in der einen oder anderen Form gehört.
Und auch ich habe in einigen vorangegangenen Episoden des Leben Leben Lassen Podcast schon oft darüber gesprochen,
Dass wir ein inneres Abbild der Realität herstellen,
So eine Art Privatwirklichkeit,
Die wir für die einzige Realität halten.
Bevor die äußere Situation als inneres Erleben erfahren wird,
Werden die Informationen gefiltert.
Unsere Stimmungen und Emotionen zum Beispiel sind solche Filter,
Genauso wie unsere Glaubenssätze.
Eine verzerrte Wahrnehmung kann so entstehen.
Wie du emotionale Filter deiner Wahrnehmung erkennen kannst und selbst bestimmte Entscheidungen triffst,
Darum geht es in dieser Episode,
In der du mehr über die Drei-Brillen-Methode als Weg zur inneren Klarheit erfährst.
Leben Lieben Lassen,
Der Podcast zum Thema Persönlichkeit,
Beziehung und Selbstliebe.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Kannst du dich vielleicht noch erinnern,
Als du verliebt warst?
Vielleicht bist du es ja auch gerade und weißt sehr genau,
Wie es sich anfühlt,
Die Welt durch eine rosa-rote Brille zu sehen.
Unglaublich ist das,
Wenn man alles um sich herum plötzlich in einem ganz anderen,
Hellen Licht sieht.
Wie Dinge,
Die du sonst als riesige Probleme wahrgenommen hast,
Im Rausch der Verliebtheit zu kleinen,
Zu bewältigenden Herausforderungen wurden.
Es ist fast ein bisschen wie Drogen nehmen,
Dieses Verliebtsein.
Unsere Wahrnehmung ändert sich dann,
Und zwar aufgrund unserer euphorischen Grundstimmung.
Auch andere,
Freudige oder glückliche Umstände in unserem Leben können dazu führen,
Dass unsere Wahrnehmung rosa-rot eingefärbt ist und uns alles einfach nur zufliegt.
All das,
Was uns belastet,
Ist zwar dann auch noch da,
Aber wir nehmen es weniger deutlich wahr.
Das Schöne überwiegt einfach.
Ein wunderbares Gefühl,
Wie schweben.
Aber genauso,
Wie wir die Welt manchmal durch eine rosa-rote Brille betrachten,
Mit dem Fokus auf all dem,
Was schön ist,
Haben wir auch eine Verdunklungsbrille.
Natürlich nur im übertragenen Sinne.
Geht es uns schlecht,
Fühlen wir uns unglücklich oder verletzt,
Dann neigen wir schnell dazu,
Alles schwarz oder zumindest dunkel zu malen.
Dann richten wir uns nur nach dem Negativen aus,
Leiden,
Jammern und beschweren uns über das,
Was ist und befürchten das Schlimmste.
Sicher hast du auch schon mal solche Verdunklungserfahrungen gemacht.
Die Welt ist eigentlich die gleiche wie vorher.
Aber wir nehmen sie jetzt anders wahr.
Gefährlicher,
Freudloser,
Grauer.
Nur merken wir das nicht.
Denn wir halten ja das,
Was wir wahrnehmen,
Immer für real.
Auch wenn es vielleicht nur unser persönliches Abbild der Realität ist,
Also unsere Privatwirklichkeit.
Alles scheint trübe und sinnlos,
Wenn wir leiden.
Die Verdunklungsbrille unserer Wahrnehmung trübt auch den Blick auf alles andere in unserem Leben ein.
Nach dem Motto,
Erst kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu,
Scheint dann plötzlich nichts mehr zu stimmen,
Alles fragwürdig,
Kaputt oder zumindest beschädigt zu sein.
Wie du an meinem Beispiel mit den zwei Brillen sicher bemerkt hast,
Ist beides eine Übertreibung.
Einmal,
Wenn wir verliebt sind zum Beispiel,
Zum positiven Erleben hin und einmal Richtung Negativität.
Du kannst dir das wie eine Wellenbewegung vorstellen.
Oben auf der Welle ist Begeisterung,
Freude,
Kraft und unten ist Ödnis,
Traurigkeit und Leere.
Besonders sehr emotionale Menschen haben eine große emotionale Spannbreite bzw.
Eine große emotionale Welle des Erlebens mit hohen Ausschlägen nach oben und mit tiefen Tälern nach unten und oft wechselt das Ganze auch recht schnell.
Ruhigere und sachlichere Menschen haben weniger starken Wellengang.
Bei der euphorischen Wahrnehmung ganz oben auf der emotionalen Welle,
Also dann,
Wenn unsere Gefühle unserer Wahrnehmung eine rosa-rote Brille verpassen,
Geben wir zur Realität noch etwas dazu,
Wir machen sie besser als sie ist.
Natürlich merken wir das nicht,
Aber wir übertreiben positiv.
Bei der pessimistischeren Wahrnehmung,
Also im emotionalen Wellental,
Unten,
Wenn die Wahrnehmung uns eine Verdunklungsbrille aufsetzt,
Dann nehmen wir von der Realität quasi etwas weg.
Wir filtern unabsichtlich das Erlebte und geben ihm eine unserer jeweiligen Wahrnehmungen entsprechende Bedeutung.
Für Entscheidungssituationen kann das katastrophale Auswirkungen haben.
Aus voller Begeisterung heraus eine Entscheidung zu treffen und später zu denken,
Das war jetzt nicht meine beste Idee,
Wie konnte ich mich nur dazu hinreißen lassen?
Und vor allem,
Wie komme ich jetzt aus der Situation wieder raus,
Bringt uns in Bedrängnis.
Aus der Verdunklung der Negativität heraus zu handeln,
Bringt auch keine Punkte,
Oft entgeht uns dann nämlich etwas Schönes,
Wir werden zu vermeidern.
Was also tun,
Wie finden wir Klarheit und lernen,
Die emotionale Welle zu surfen?
Schritte eins dazu,
Wie so oft,
Erkenntnis,
Beobachtung und Distanzierung.
Wir haben Gefühle,
Aber wir sind nicht diese Gefühle.
Den Satz muss man erst mal verdauen.
Wir sind in unserem Wesenskern immer der Mensch,
Der wir sind,
Egal ob wir die Welt und uns selbst darin gerade in einem hellen gleißenden Licht oder in einem dunklen Grau erleben.
Mit dieser Erkenntnis im Gepäck lohnt es sich,
Die wechselnden Stimmungen und Gefühle und unser daraus folgendes Erleben einmal zu beobachten.
Aha,
So erlebe ich also diese Situation,
Mich selbst,
Mein Leben,
Meine Beziehung,
Wenn ich freudig und hoffnungsvoll bin und auf der emotionalen Welle ganz oben.
Und aha,
So sieht meine Welt also aus,
Wenn ich mich traurig und hoffnungslos fühle?
Die Welt hat sich nicht verändert,
Aber mein Erleben verändert sich und zwar ständig.
Dieses Beobachtungsexperiment kann ich Dir nur ans Herz legen,
Vor allem wenn Du ein stark emotional ausgerichtetes Naturwellen hast.
Allein durch die Beobachtung Deiner emotionalen Welle geschieht etwas Erstaunliches.
Du gewinnst einen Abstand,
Schaffst eine kleine Distanz zwischen Dir und Deinen Gefühlen.
Du hast sie,
Aber Du bist nicht dieses Gefühl.
Du siehst sie vorüberziehen,
Sich verändern wie das Wetter,
Aber Du musst nicht jedes Mal ins Wetter reinrennen.
Auf Regentage folgt Sonnenschein und manchmal wird es stürmisch.
Beobachtung und Distanzierung hilft uns,
Uns nicht so stark mit den Gefühlen zu identifizieren und damit souveräner zu handeln.
Wir haben diese Gefühle jetzt,
Aber wir sind nicht diese Gefühle.
Und morgen könnten wir die gleiche Situation vielleicht schon aus einer anderen Perspektive und mit einer anderen Gefühlslage wahrnehmen.
Hervorragend lässt sich die Beobachtung während des Meditierens praktizieren.
Und viele meiner geführten Meditationen findest Du auch in der Meditations-App InsideTimer.
Sucht dort einfach nach Claudia Becher-Tmöckel.
Ich lasse meine Klienten häufig ihre als problematisch erlebte Situation durch unterschiedliche Brillen wahrnehmen,
Die sie sich ganz real auf die Nase setzen.
Da gibt es die rosa-rote Brille der Euphorie,
Die Brille mit den tief-dunkel getönten Gläsern ist die Brille des Unglücklichseins.
Und auf diese Weise kann man die emotionale Einfärbung des eigenen Erlebens besonders plastisch nachvollziehen.
Betrachtet man in seiner Vorstellung ein Problem einmal extrem negativ und dann im Vergleich mal extrem optimistisch,
Spürt man gravierende Unterschiede und merkt,
Wie stark man durch Bewertung den eigenen Eindruck einer Situation verfälschen kann.
Zum Schluss hilft dann ein Blick durch die Klarsichtbrille in neutralem Weiß,
Also aus Fensterglas.
Wenn man alle Übertreibungen weglässt,
Also wieder die übertrieben positiven als auch die übertrieben negativen Bewertungen,
Dann bleiben nackte Fakten und ein sehr sachlicher Blick auf das,
Was da gerade in unserem Leben passiert und was uns beschäftigt.
So bekommt man inneren Abstand und kann neue Lösungsmöglichkeiten erkennen.
Ich möchte dich dazu einladen,
Die Übung mit den drei Brillen einfach einmal für dich auszuprobieren.
Denke einmal an etwas,
Das dich beschäftigt,
Unter dem du leidest oder für das du noch keine Lösung hast.
Vielleicht weißt du auch nicht,
Wie du dich entscheiden sollst.
Schließe deine Augen,
Wenn es dir gerade möglich ist,
Und betrachte das Problem oder das Thema zuerst einmal in Ruhe aus der übertrieben euphorischen Perspektive,
So als hättest du eine rosa-rote Brille aufgesetzt.
Stell dir wirklich diese Brille vor,
Rosa-rote Gläser,
Durch die du hindurchschauen kannst,
In einer Stimmung von Freude,
Hoffnung und Euphorie.
Wie stellt sich die Situation dar?
Was ist das Gute daran,
Wenn man extrem positiv darauf schaut?
Was kann man an Gutem erkennen,
Wenn man mit einer rosa Brille in die Situation schaut?
Was kann man mit Hoffnung und gutem Willen im Blick wahrnehmen?
Lass dir einen Moment Zeit für diese Beobachtung.
Dann mach an deinen Gedanken alles schwarz und lasse allen Ängsten,
Befürchtungen und negativen Ansichten zu dem Thema freien Lauf.
Was passiert,
Wie verändert sich das Ganze in deinem Erleben,
Wenn du die dunkle Brille der Negativität aufsetzt?
Lass dir auch hier einen Moment Zeit für deine Beobachtung.
Und zum Schluss stellst du dir vor,
Du hättest eine Klarsichtbrille auf der Nase,
Die dir hilft,
Die Situation so zu sehen,
Wie sie wirklich ist.
Nüchtern und mit Abstand,
Ohne Verzerrungen oder Einfärbungen,
Ohne das Auf und Ab der emotionalen Welle.
Was bleibt von den Wahrnehmungen dieser Situation übrig?
Wie stellt sich das Thema jetzt dar?
Ich hoffe,
Du konntest dich für einen Moment darauf einlassen und hast spannende Erfahrungen gemacht mit der 3-Brillen-Methode.
Und ich wünsche dir von Herzen,
Dass du die emotionale Welle zu surfen lernst.
Wenn bei mir,
Und ich betrachte mich als einen sehr emotionalen Menschen,
Die Wogen mal wieder sehr hoch schlagen,
Dann habe ich für mich gelernt,
Diese sich sehr echt anfühlende Wahrnehmung aus der Beobachterperspektive einzuschätzen.
Ich sag mir dann,
Aha,
So fühlt es sich also jetzt an,
Als würden alle Wellen über dir zusammenschlagen und dich mitreißen.
Aber das ist möglicherweise nicht real.
Du kannst jetzt ungefähr 50% abziehen,
Dann ist das ungefähr die Realität.
So nehme ich mich dann selbst ein bisschen an die Hand und ich handle dann bewusst nicht aus der emotionalen Wahrnehmung der Situation heraus.
Ich versuche zu warten,
Bis sich meine inneren Wogen wieder geglättet haben und ich emotional klarere Bilder sehen kann.
Das klappt nicht immer,
Aber tatsächlich immer öfter.
Und auch ich darf ja immer wieder üben,
Denn das hört nie auf.
Alles Liebe,
Deine Claudia
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